
FC Barcelona vs Villareal CF 3:5
Estadi Olimpic de Montjuic Llouis Companys, 46.229 Zuschauer, Primera División

Der ‚Camp Nou‘ des FC Barcelona wird aktuell einem kompletten Umbau unterzogen, nach dem das alte Stadion nicht wiederzuerkennen sein wird. Im Zuge dieses Umbaus wurde bereits der komplette Oberrang entfernt und das Stadion ist nicht nutzbar. Aus diesem Grunde trägt Barca seine Heimspiele derzeit im Olympiastadion von 1992 aus, in dem nur selten Fußballspiele ausgetragen werden. Daher wollte die sich aktuell bietende Möglichkeit eines Spielbesuchs in diesem besonderen Stadion genutzt werden. Begleitet von der wunderbaren Gattin wurde die Hafenstadt für ein langes Wochenende mal wieder angesteuert. Ich mag die Stadt und ihr Flair. Der Samstag wurde aber für einen Ausflug zum Kloster Montserrat im gebirgigen Hinterland der katalanischen Metropole genutzt, ein durchaus lohnens- wie sehenswertes Ziel. Zurück in der Stadt wurde dann das Olympiagelände mit seinem Herzstück ‚Estadi Olimpic Llouis Company‘ angesteuert und dort wurde mir auch schnell wieder klar, warum mir der Besuch der großen europäischen Vereine widerstrebt. Die Menschenmasse, die sich von der Placa d’Espanya den Montjuic zum Stadion hochquälte, artikulierte sich beinahe mehrheitlich in asiatischen Sprachen und der Höhepunkt war eine Gruppe asiatischer Kinder, welche ihr komplettes Abendessen in die Arena schleppte. Das entspricht nicht meiner Vorstellung vom Besuch eines Fußballspiels und damit war eigentlich spätestens der Zeitpunkt gekommen umzudrehen, aber wie gesagt, das Stadion hatte den Besuch verdient. So können einem die relativ wenigen ‚echten‘ Barca-Fans wirklich leidtun, die sich bei jedem Heimspiel mit derartigen Phänomenen und tausenden Event-Touris rumärgern müssen. Da hilft wohl nur der Tunnelblick, um nicht komplett die Lust auf seinen Verein zu verlieren.







Erstaunlicherweise hat Barca Mühe das relativ kleine Olympiastadion voll zu bekommen. Obwohl es nicht ungünstig liegt, kommen selten mehr als die Hälfte der Fans, welche den ‚Nou Camp‘ füllten. Die heutige Zuschauerzahl war schon als überraschend gut einzuordnen. Ebenso überraschend wurde von einer etwa 250 Leute starken Gruppe von Barca-Hinchas Dauersupport ausgeübt. Darauf war ich gar nicht gefasst, denn bei meinem damaligen Besuch im ‚Camp Nou‘ war nur ein trauriges Häufchen rund um die heute verbotene, weil rassistisch und gewältig auftretende Grupp ‚Boixos Nois‘ sporadisch aktiv. Etwa 100 Gäste-Fans verfolgten das Geschehen heute dagegen er schweigend. Dabei hatten diese bereits nach wenigen Minuten Grund zum Jubel, als der Treffer zur Führung gelang, der allerdings wieder aberkannt wurde. Ein weiterer Treffer fand ebenfalls keine Anerkennung, in beiden Fällen wegen knapper Abseitspositionen, die nicht einmal vom Video-Schiedsrichter überprüft wurden, so dass man schon an eine Bevorteilung der Gastgeber glauben wollte. Als es dann kurz vor der Pause zum dritten Mal im Barca-gehäuse einschlug wurde aber offenbar kein Argument dagegen gefunden und Villareal ging mit einer Führung in die Halbzeit. Diese wurde kurz nach Wiederanpfiff sogar ausgebaut, aber das weckte den Löwen in seinem Bau wohl endlich auf und die Blau-Roten belagerten fortan die Hälfte der Gäste. Eingeleitet durch einen Treffer von Ilkay Gündogan reichten gute zehn Minuten aus, um die Partier komplett zu drehen, so dass alles seinen erwarteten Lauf zu nehmen schien.
Eventuell verlieh das dem Favoriten aber trügerische Sicherheit, denn Villareal setzte ein paar durchaus gefährliche Konter und fünf Minuten vor dem Ende zappelte die Kirsche dann zum Ausgleich im Netz. In der Schlussminute entschied der Referee dann aber auf Elfmeter für Barca und man fühlte sich schon an die späten Siege des Bundesliga-Pendant FC Bayern erinnert. Der Spielleiter wurde dann aber an den Bildschirm beordert. Ich war mir sicher, den Elfer würde es dennoch geben, aber zum Erstaunen aller wurde die Entscheidung zurückgenommen. Damit nicht genug erzielten die Gäste in der neunten und zwölften Minute der unerklärlich langen Nachspielzeit zwei Treffer zum überraschenden Auswärtssieg und stießen den Favoriten damit in eine kleine Krise, sodass Trainer Xavi am Folgetag direkt seinen Rücktritt zum Saisonende erklärte. Die Fußballromantiker verließen das sehenswerte, ehrwürdige Stadion jedenfalls mit einem guten Gefühl, denn der Sieg von Villareal war natürlich eine fette Überraschung und der Spielverlauf hätte ja spannender nicht sein können. So bescherte mir mein Besuch bei Barca erneut acht Tore, dann damals wurde der Club seiner Rolle gerecht und schoss Atletico Osasuna mit 7:1 aus dem ‚Nou Camp‘. Dort wird ja nach der Fertigstellung wohl auch irgendwann noch einmal ein Besuch fällig, mal sehen was mich dann erwartet.























