Brondby – So., 24.10.2021, 14:00

Brøndby IF vs FC København 2:1

Brøndby Stadion, 23.753 Zuschauer, Superliga
Da schrumpfte die Wochenend-Tour mit der Dame letztlich auf ein Spiel zusammen, aber natürlich nicht auf das schlechteste. Beginnen sollte die Tour mit dem Kick der Oberliga Niedersachsen in Heeslingen, aber Sturm und Regen begünstigten die Absage am Morgen des Spieltages. Das für Samstag auf Fehmarn anvisierte Spiel war mir bereits einen Tag früher genommen und in den November verlegt worden – den Grund wird man vermutlich nie erfahren. Zumindest das sogenannte Zielspiel der Reise blieb unangetastet. Dänemark ist nicht meine bevorzugte Zielrelation, wenn es um Fußball geht. Drei Spiele hatte ich in Dänemark bis dato gesehen. Zwei Male wurde das Derby besucht, jeweils beim FC København und bei Brøndby und der dritte Spielbesuch beim FC Nordsjaellan, ebenfalls oberste Spielklasse in Farum, wurde nach der ersten Halbzeit verlassen, da der Charakter einfach nicht über Schülerländerspiel hinausreichte. In Dänemark taugt halt auch nur das Derby und da ich das Stadion des FCK als unfassbar grausam empfinde, fiel die Wahl dieses Mal wieder auf die Vorstadt. Brøndby ist als amtierender Landesmeister äußerst mäßig in die Saison gestartet und brauchte dringend einen Derby-Sieg, um die Anhänger wohlgesonnen zu stimmen und die Hoffnung auf einen guten Saisonverlauf lebendig zu halten.
Die Sydsiden startete mit einer Kurvenbedeckenden Tuch-Choreo im Lucky Luke-Stil, die es in dieser Art allerdings bereits mal im französischen Rennes zu sehen gab, auch wenn die hiesige Show um einige Details ergänzt wurde. Auch wenn natürlich ein Copyright-Vergehen nicht gänzlich von der Hand zu weisen war, war die Choreo auf jeden Fall gelungen. Zunächst war die Kurve komplett mit schwarzen Zetteln bedeckt und auf einem über die ganze Breite der Tribüne gespannten Banner stand „Der Wilde Westen“ – das Stadtgebiet von Brøndby schließt sich westlich an Kopenhagen an. Daraufhin wurde das Tuch herunter gelassen auf dem man durch die gespreizten Beine von Lucky Luke die zitternden Daltons in den blau-weißen Trikots der Gäste erblickte. Schließlich wurde am Zaun ein Spruchband hochgezogen auf dem stand „Wo Chaos herrscht und Feinde gejagt werden“. Dahinter sah man die Daltons am Galgen baumeln. Darauf erstrahlte die ganze Kurve im Lichtschein roter Bengalos in einem blau-gelben Fahnenmeer und blau-gelbe Rauchfackeln wurden gezündet. Schönes Bild. Vor dem Spiel gab es hinter der Sydsiden übrigens eine wunderbare Aktion zu beobachten, wie das Zeug rein kommt in die Bude, als ein Dutzend schwarz gekleideter Vermummter auf den Zaun zustürmte, einen Haufen Rucksäcke über diesen warf und danach spurlos verschwand. Ebenso wie die Rucksäcke, die auf der anderen Seite des Zaunes natürlich entsprechende Abnehmer fanden.
Der Gäste-Anhang beschränkte sich zum Intro auf ordentliche Zündelei. Gute dreißig Fackeln leuchteten den Away-Bereich aus. Es fackelte sowieso immer mal wieder hier und da auf beiden Seiten. Vor allem ein Gäste-Protagonist mit Horrorclown-Maske war kaum vom Zaun des Unterranges runterzubekommen. Der Junge hatte am Folgetag bestimmt Muskelkater vom Bengalo-Schwenken. Wegen der starken Rauchentwicklung fing die Nummer dann zehn Minuten später an. Brøndby wusste, was die Stunde geschlagen hatte und gab ordentlich Gas – auf dem Rasen wie auf den Rängen. Nach 20 Minuten fiel der verdiente Führungstreffer und so ging es auch in die Pause. Zu Beginn der zweiten Halbzeit tauchte der FCK-Anhang den Block in blauen und weißen Rauch und das schien das Team zu beflügeln, denn kurz nach Wiederanpfiff glichen die Gäste aus. Die Kurve feierte und fackelte, bis der Schiri den Treffer nach drei Minuten wieder aberkannte.
Video Assistant Referee hieß die Losung – Fuck VAR! Mag sein, dass es vielleicht eine Spur gerechter zugeht durch den Videobeweis, aber so ist das doch totale Scheiße. Auch wenn mir Brøndby sympathischer ist – die Gäste freuten sich nen Ast ab über den Ausgleich, wurden dann aus allen Wolken gerissen und das ganze Stadion erging sich in Hohn und Spott. Da lebe ich lieber mit Fehlentscheidungen, denn so wird den Emotionen doch das Herz herausgerissen. Da lobe ich mir meinen Gurkenclub, und genau in solchen Momenten weiß ich dann sogar das Regionalliga-Dasein zu schätzen, ohne krumme Anstoßzeiten, ohne Videobeweis, ohne Klatschpappenpublikum. Mein Wunsch ist eh nur der Drittliga-Aufstieg. Deutschlandweit fahren können, würde mir vollkommen ausreichen, mehr brauche ich nicht. Nennen wir es mal weitsichtige Bescheidenheit. Aber ich weiche ab. Der FCK blieb wütend, aber auch die Gastgeber blieben bissig, ein echtes Derby. Nach einem Konter der Hausherren roch es dann schwer nach Elfmeter, aber der Referee entschied auf Schwalbe – ganz ohne VAR. Drei Minuten später gab es dann eine beinahe identische Situation. Dieses Mal hatte der Gästekeeper den Brøndby-Stürmer aber glasklar gelegt und die Gastgeber stellten auf 2:0. Der Anschlusstreffer reichte dann nicht mehr und Brøndby feierte einen ganz wichtigen Derby-Sieg. Fazit: Kopenhagen-Clasico ist ne Bank! Gutes Ding.