Linz – So., 30.11.2025, 17:00

Linzer ASK vs SK Rapid Wien 3:0

Arena auf der Gugl, 16.263 Zuschauer, Bundesliga
Da ich früher wach wurde als gewünscht, blieb noch Zeit für einen Rundgang durch den Ort. Außer einem schönen Marktplatz, drei Straßen Altstadt und der fetten Burg, die hoch über der Stadt thront, hat Trencin aber nicht viel zu bieten. 
Da ich zu sehr rum trödelte, verpasste ich tatsächlich meinen vorher gebuchten Zug. War zum Glück nicht tragisch, weil schon 15 Minuten später der nächste fuhr und ich aufgrund der Bahn-Erfahrung des Vortages erst einmal nur ein Ticket bis Bratislava gelöst hatte. Mit der Weiterreise nach Linz beschäftigte ich mich dann auf der 100minütigen Fahrt und fand noch passendes über Blablacar. In Bratislava latschte ich die drei Kilometer zum Nationalstadion, dem von Mohamed benannten Treffpunkt für die Mitfahrgelegenheit nach Linz. Ich nutze diese Plattform ja selten, aber ein Fahrpreis von 14 Euro gegenüber fast 50 für die Schienen-Option ließ keine Fragen offen. Der junge Ägypter offenbarte sich als guter Typ und da er Geschwindigkeitsbegrenzungen nur als Empfehlung bewertete, brachte er mich mit seinem flatschneuen Golf R in nicht mal zweieinhalb Stunden ans Ziel. Dort wurde der Rucksack im Schließfach deponiert und anschließend im Stiegl-Brauhaus deftig gespeist, bevor ich auf die ‚Gugl‘ hochstieg. Auf dieser Anhöhe lag bis vor wenigen Jahren das ‚Linzer Stadion‘, eine weitläufige Leichtathletik-Oval mit Laufbahn, welches ab 2017 nicht mehr den geänderten Bestimmungen der österreichischen Bundesliga entsprach. Aus diesem Grunde spielte der LASK fortan im benachbarten Pasching. Der komplette Neubau eines modernen Stadions an selbiger Stelle des alten Mehrzweckstadions ermöglichte dem Verein schließlich vor zwei Jahren die Rückkehr in die eigene Stadt.
Die Szenen der beiden Clubs sind sich nicht gerade wohlgesonnen, was den Reiz dieses Duells ausmacht. Die ‚Florianer Sängerknaben‘ vor dem Anstoß auf dem Rasen ein LASK-Lied trällern zu lassen, stellte sich als ziemliche Scheiß-Idee heraus. Die Jungs wurden wenig überraschend vom Gästeblock mit einem Rapid-Chant auf die gleiche Melodie gnadenlos nieder gesungen. Der Nebel hatte die Region leider fest im Griff, was keine optimale Sicht auf die Kurven zuließ. Die Gäste hatten Ponchos in den Clubfarben übergezogen und präsentieren das Vereinswappen, vor dem eine offensichtlich verrückt gewordene Person stilistisch abgebildet war, unterlegt mit einem Zaunbanner mit den Worten „Diese Liebe ist krankhaft“. Anschließend wurden einheitliche Schals mit dem Aufdruck „Krankhafte Liebe“ gezeigt. Die Heim-Kurve arrangierte eine aufwändige Choreo zum 30. Geburtstag der Gruppierung ‚Viking Linz‘. Vor schwarzen und weißen Zetteln wurde eine beidseitig bemalte Motiv-Blockfahne hochgezogen. Diese zeigte ein Buch, welches die Zahl 30 auf dem Einband trug. Die Blockfahne war auch wie ein Buch gefaltet und dieses sollte dann quasi aufgeschlagen werden. Am Zaun wurden nacheinander zwei entsprechende Spruchbänder gezeigt. Die Show funzte aber nicht so recht, weil sich die Masse einerseits etwas unbeholfen anstellte und sich die Gruppe offenbar mit der Größe des Lappens verkalkuliert hatte, dieser stieß nämlich im wahrsten Sinne des Wortes an seine Grenzen. Nachdem einige Zeit versucht wurde, zu retten was zu retten war, gab man auf und ließ den Krempel verschwinden.
Als Abschluss wurden in der ersten Reihe 50-60 Fontänen gezündet. Was optisch gut aussah, stellte sich als keine gute Idee heraus, denn der Pyro-Nebel zog bei der feuchten Witterungs kaum ab, was für eine mehrminütige Spielunterbrechung sorgte, ehe der Referee das Spiel wieder freigab. Den Rapidlern war es Wurst und so erstrahlte der Gästebereich kurz darauf in grün. Die Leuchtrakete als Start für die Pyroshow verließ leider die vorgesehene Flugbahn, touchierte das Dach und landete mit einem Affenzahn auf dem Spielfeld, wo das Ding noch ein wenig hin und her tanzte. Was in Deutschland für kollektive Schnappatmung beim Schiri-Team gesorgt hätte, erregte hier wenig Panik und es wurde einfach munter weiter gekickt. Dass dann dennoch wieder unterbrochen wurde, war dem Pyro-Qualm geschuldet, der sich wieder auf den Rasen legte und es dauerte erneut mehrere Minuten, bis die Sicht wieder ausreichte. Rapid spielte überlegen, der LASK hatte die Chancen. Nachdem ein Pfostentreffer schon eine Warnung war, nutzten die Gastgeber die fünfzehnminütige Nachspielzeit der ersten Hälfte zum Führungstreffer, der auch der VAR-Überprüfung standhielt. Auch nach dem Seitenwechsel hatte Rapid die Spielkontrolle, ließ aber weiter jede Torgefahr vermissen.
Diese zeigten dafür die Gastgeber, die zur Zwei-Tore-Führung konterten. Auch während des zweiten Durchgangs wurde immer wieder gezündelt, was zur erneuten Unterbrechung führte. Just in den Moment, als im Away-Sektor kurz vor Ende ein Transparent mit Aufdruck „Anstatt Söldner da wollen wir Krieger“ entrollt wurde, fiel Treffer Nummer drei und entschied das Spiel endgültig. Die verbleibende Spielzeit verbrachte der Wiener Anhang demonstrativ schweigend mit dem Rücken zum Spielfeld. Es dauerte bis in die Nachspielzeit bis Rapid zur ersten gefährlichen Torchance kam. Nach Spielschluss wurde die eigene Mannschaft massiv ausgepfiffen und mit deutlichen Gesten aufgefordert, sich in die Kabine zu begeben. Dabei ist Rapid noch oben dabei, die obere Tabellenhälfte ist eng wie es in Österreich selten der Fall ist, aber nach der Klatsche im Europapokal vor ein paar Tagen, brachte dieser seelenlose Auftritt das Fass wohl zum Überlaufen. Mit beinahe plus 30 Minuten endete diese Partie, solche Verspätungen kennt man ja eigentlich nur von der Deutschen Bahn. In weiser Voraussicht hatte ich genügend Puffer bei der Buchung von D1019 der österreichischen Bundesbahn eingeplant. Gegen 22:00 traf ich im gebuchten Nachtquartier in der Nähe des Wiener Flughafens ein.

Trencin – Sa., 29.11.2025, 18:00

FK AS Trencin vs FC DAC 1904 0:3

Stadion na Sihoti, 744 Zuschauer, 1.Liga
So richtig erholsam war die Nacht nicht. Um halb sieben schellte der Wecker, eine Stunde danach saß ich im Regionalexpress nach Nürnberg. Eine Leberkässemmel und einen Cappuccino später bestieg ich den ICE 21 nach Wien, Ankunft dort mit 25 Minuten Verspätung. Damit hätte ich den Anschluss nach Bratislava verpasst, wenn dieser nicht auch verspätet gewesen wäre. Die Abfahrt dieses Zuges wurde dann aber im Fünf-Minuten-Takt immer weiter verschoben, bis es schließlich mit 47 Minuten Verspätung losging. Am Startbahnhof dieser Linie wohlbemerkt. Läuft also auch nicht optimal bei der ÖBB, da hätte man fast schon die nächste Beule der stündlichen Verbindung nehmen können. Um diese Zeitspanne verschob sich nun auch die Weiterfahrt von Bratislava nach Trencin, das Tagesprojekt war aber nicht gefährdet, da von vornherein genügend Puffer berücksichtigt worden war. Leider blieb dann nur nicht mehr viel Zeit vor dem Spiel, so dass ich lediglich die Klamotten in die Unterkunft bringen konnte. Ich hatte hin und her überlegt, was ich am Samstag veranstalte. Viele brauchbare Optionen gab es nicht, so dass ich mich irgendwann für den Trip nach Trenčín entschied. Die Spiele der höchsten slowakischen Liga sind oft nicht gut besucht, Zuschauerzahlen um und unter 1.000 Köpfe sind keine Seltenheit. Die Asociacia Sportov Trencin weiß dieses nur zu genau, spielt sie doch selbst meist vor kleiner Kulisse, so auch erwartungsgemäß heute.
Aus Dunajska Streda waren knapp 50 Leute angereist, von denen etwa die Hälfte um Stimmung bemüht war. Der Großteil der Einwohner von Dunajska Streda ist ungarischer Abstammung, woraus diese auch beim Fußball keinen Hehl machen und sich damit vom Rest der Liga absondern. Offiziell heißt der Verein Dunajskostredský Atletický Club, während die Anhänger des Clubs lieber das ungarische Dunaszerdahelyi Atlétikai Club verwenden. Auf Seiten der Gastgeber sammelten sich zwei Hände voll Leute hinter dem Tor, prügelten auf zwei Trommeln ein und gaben ab und an mal was Eintöniges von sich. Das Stadion zeigte ursprünglich das typische Gesicht der Spielstätten sozialistisch geprägter Staaten mit Laufbahn, einer gedeckten Haupttribüne und Stehrängen in den übrigen Bereichen. 2017 wurde mit dem Umbau zu einem reinen Fußballstadion begonnen, lediglich die Haupttribüne blieb vom alten Stadion übrig. Das Ergebnis ist ein recht schicker Komplex, der mehr Besucher verdient hätte. Da die alte Tribüne aktuell nicht für die Nutzung freigegeben ist, respektive nicht benötigt wird, wurde das Bauwerk leider mit großen Werbebannern komplett entstellt, so dass man es kaum noch als Tribüne identifizieren kann.
Während der DAC mit dem unschönen Gründungsjahr eine ganz brauchbare Saison spielt, ist die AS Trencin nach gutem Saisonstart in die untere Tabellenhälfte gerutscht. Die Vorzeichen waren also klar und die Gäste hatten die Partie auch bis auf wenige kurze Phasen komplett unter Kontrolle. Die Gastgeber bekamen dennoch die Riesenchance zur Führung serviert, diese blieb ungenutzt und was dann passieren würde, war ja beinahe klar. Mit einer 1:0-Führung für den DAC ging es in die Pause. Auf zwei Positionen verändert kamen die Platzherren motiviert aus der Halbzeitpause. Das beeindruckte die Gäste nicht und das frühe 2:0 trug nicht zur Förderung der Spannung bei. Der Dämpfer hinterließ bei den Trencineros deutlich Wirkung und spätestens mit DAC-Tor Nummer drei war die Messe gelesen. Nach Spielschluss wurde die unmittelbar vor dem Stadion platzierte Bierstube für Abendmahl und Abendbier aufgesucht, bevor es in die Falle ging. 

Erfurt – Fr., 28.11.2025, 20:20

FC Rot-Weiß Erfurt vs FC Carl Zeiss Jena 3:1

Steigerwaldstadion, 15.040 Zuschauer, Regionalliga Nordost
Als mich mein rot-weisser Mitstreiter Marco vor einigen Wochen frug, ob ich Interesse hätte, ihn zum Thüringen-Derby zu begleiten, rannte er eine offene Tür ein, denn der Besuch dieses Spiels war zu diesem Zeitpunkt längst beschlossen und sollte den Auftakt zu so einer Art Derby-Tour darstellen. Nun hatte sich auch die Frage der Anreise erledigt und mit zwei weiteren rot-weissen Mitbrüdern machten wir uns auf zum falschen RWE. In der thüringischen Landeshauptstadt eingetroffen reichte die Zeit bis zum Anstoß für die Unterbringung des Rucksacks im Bahnhofsschließfach und den Verzehr einer Dönerbox. Bei nasskühler Witterung betraten wir das Steigerwaldstadion, welches vor einigen Jahren eine aufwändige Sanierung erlebte, die nur die alte Haupttribüne schadlos überstand. Die übrigen ehemals ungedeckten Ränge des Mehrzweckstadions mussten neuen überdachten Tribünen weichen. Die Bude war ausverkauft, was ich eigentlich gar nicht erwartet hatte. Aber das Spiel war ja nicht für die Ehre wichtig, sondern auch sportlich, da beide Teams den allerdings aktuell sehr souveränen Leipziger Lokisten hinterhecheln, Jena etwas besser als Erfurt. Die ersten zwölf Minuten standen auch an diesem Spieltag in Zeichen des Protests gegen die geplanten Verschärfungen der Sicherheitsmaßnahmen bei Fußballspielen. Als das Minuten-Dutzend dann rum war, legten die Heim-Kurve und die knapp 2.000 Gäste direkt kolossal los.
Die Zeissianer zündeten einen Haufen Fackeln und die RWE-Kurve veranstaltete eine Pyro-Drama in drei Akten. Zunächst ließen die Rot-Weißen hinter einem dicken Zaunbanner mit Aufschrift „Ausnahmezustand“ eine fette rote Wolke in den Abendhimmel steigen. Als die Rauchschwaden von dannen zogen, erleuchteten einige Breslauer und Bengalos die Kurve und schließlich wurde noch eine Batterie Fontänen von der Leine gelassen. Das reichte für die erste Spielunterbrechung durch den Referee und ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass solche Aktionen auf der Innenminister-Konferenz Argumente gegen die diskutierten Maßnahmen liefern. Kurz darauf leuchtete die Heim-Kurve schon wieder rot, das Ganze unterlegt von einigen Silvesterraketen, worauf erneut kurz unterbrochen wurde. Die Gäste beschränkten sich bis zum Seitenwechsel auf ein schönes Fahnenbild und geschlossenen Support. Fußball gespielt wurde dazwischen auch noch. Die Partie brauche etwas, um in Schwung zu kommen, aber dann wurde es unterhaltsam. Mit ruppiger Spielweise ging es recht zügig hin und her und nach einer halben Stunde gingen die Gastgeber durch blitzsaubere Konter innert fünf Minuten mit zwei Treffern in Front, gleichzeitig der Halbzeitstand.
Der Gästeanhang verhüllte den Block während der Pause mit einer Blockfahne und tat per Banner am Zaun kund, die Schlacht noch siegreich gestalten zu wollen. Nach einigen Minuten wurde die in der Mitte geteilte Blockfahne wie ein Vorhang nach rechts und links aufgezogen und der gesamte Anhang zeigte sich in Ponchos in den Clubfarben, wobei der mittlere, gelbe Teil als Blitz dargestellt wurde. Als Party-Crasher fiel just während dieser Aktion der dritte Erfurter Treffer, der die Partie vermeintlich vorentschied, aber nur wenige Minuten später fand ein schön geschossener Freistoß in die Maschen des RWE-Tores und ließ wieder etwas Spannung aufkommen. Die Gäste versuchten nun alles, waren aber in der Box zu stumpf. Währenddessen brannte es hüben wie drüben immer fröhlich weiter, eigentlich war immer irgendwo eine Fackel oder auch mehrere an. Weitere Tore fielen nicht mehr und die letzten fünf Minuten der siebenminütigen Nachspielzeit musste ich sausen lassen, um die einzig sinnvolle Verbindung ins Nachtquartier zu erreichen. Ein Mietroller beförderte mich den knappen Kilometer zum Hauptbahnhof, wo ich feststellte, dass der ICE nach Erlangen genau die fünf Minuten Verspätung mitbrachte, die gereicht hätten, um das Spiel zu Ende zu schauen. Irgendwat is ja immer. 

Essen – So., 23.11.2025, 19:30

Rot-Weiss Essen vs FC Energie Cottbus 2:3

Stadion an der Hafenstraße, 17.307 Zuschauer, 3.Liga
Am Sonntagabend empfing der glorreiche RWE das Team aus dem tiefen Osten und dem Sieger dieses Spiels winkte die Tabellenführung. Diese Ansetzung am Sonntag-Abend war aber eine absolute Frechheit, schließlich beträgt die einfache Strecke zwischen den beiden Städten mehr als 620 Kilometer, was die Reise für die Gäste-Anhänger zu einer absoluten Strapaze machte, was die beiden Fan-Lager in einer abgesprochenen Aktion auch mit Spruchbändern thematisierten. Dennoch waren 659 Nasen aus dem Niedersorbischen angereist, was absoluten Respekt verdient. Der Spieltag stand Ligen-übergreifend im Zeichen des Protests gegen die geplanten Verschärfungen bei den Sicherheits-Standards in Fußballstadien. Bei jedem Spiel schwiegen die aktiven Szenen während der ersten zwölf Spielminuten (Ausnahmen bestätigen die Regel – schönen Gruß an das Sinnlos-Produkt Rattenball Leipzig), um zu veranschaulichen was ein Aussterben von Fankultur für diesen wunderbaren Breitensport bedeuten würde. So auch in Essen und die Zuschauer verfolgten schweigend, wie die Gastgeber die Spielkontrolle übernahmen und erste Offensivaktionen starteten. Der erste Angriff der Gäste nach etwas mehr zehn Minuten wurde dann direkt gefährlich. Anstatt die Kirsche mal humorlos aus der Defensive zu löschen wurde die spielerische Lösung gesucht. Dieses leider nicht souverän, der Ball ging verloren und fand in den Strafraum. Kostka konnte einen aus dem Rücken kommenden Gegenspieler nicht sehen, traf diesen beim Klärungsversuch und wieder mal ertönte ein Strafstoß-Pfiff gegen die Roten. Der zehnte in dieser Spielzeit! Im gerade einmal 15. Spiel! Dass Rekordhalter Hansa Rostock, das vor zehn Jahren über die gesamte Spielzeit 15 Elfmeter-Pfiffe gegen sich erdulden musste, wohl übertroffen wird, ist nicht mehr allzu unwahrscheinlich.
So ergab sich die absurde Situation, dass unmittelbar in dem Moment, als die Szenen die Stimmung aufnahmen, was die Westkurve mit einer soliden, gut anzuschauenden Glitzerfolien-Choreo tat und die Gäste mit einer satten Pyro-Show das Dunkel erleuchteten, der Ball im Netz hinter Jakob Golz einschlug und keiner bekam es richtig mit. Änderte aber nix am Rückstand, dem der RWE nun hinterherlief. Aber die Rot-Weissen übernahmen nach einer kurzen Energie-Druckphase wieder das Kommando, suchten weiter das Heil in der Offensive. Mause, der überraschend in der Start-Elf stand, hätte kurz vor dem Pausenpfiff allein vor dem Tor den Ausgleich machen müssen, zog den Ball aber am langen Pfosten vorbei. Mit der Aufstellung fremdelte ich sowieso ein wenig. Dass ein formschwacher Mause, dem dazu noch eine unbequeme Haltung im Mannschaftsgefüge nachgesagt wird, den Vorzug vor aktuell leistungsstärkeren Stürmern erhielt, hat einen Beigeschmack. Auch ein seit Wochen seiner Form hinterherrennender Arslan hätte vielleicht für einen immer auf Vollgas eingestellten Moustier weichen dürfen. Und Unglücksrabe Kostka gefällt mir mit seiner sachlich-pomadigen Spielweise eh selten. Da hätte ich gern Hofmann von Beginn an gesehen, der aufgrund seiner risikofreudigen Spielweise nicht fehlerfrei, aber dafür unberechenbar ist. Und wo passt Unberechenbarkeit besser hin als in einer unberechenbaren Liga!?
Mit frischem Mut kamen die Roten aus der Kabine, aber Cottbus verfügt ja über eine der besten, wenn nicht gar die beste Offensivabteilung der Liga. Nur fünf Minuten später gab es den nächsten Dämpfer. Ein langer Befreiungsschlag auf dem linken Flügel landete beim schnellen Butler. Brumme eilte hinterher, wähnte die Kugel im Aus und entschied sich zu reklamieren, anstatt zu versuchen den Stürmer noch zu erreichen – welch ein Blackout. Butler ließ sich nicht lang bitten und schob allein vor Golz eiskalt ein. Nun wurde es hart, aber zehn Minuten später erzielte Mause ein wenig aus dem Nichts den Anschluss, was seine Aufstellung aber noch immer nicht rechtfertigte, denn ansonsten blieb der Stürmer blass. Nun standen die Zeichen also wieder auf Herbststurm und der Energie-Schnapper avancierte zum Matchwinner und hielt die Führung seiner Mannen mit Glanztaten fest. Eventuell wäre es doch noch was geworden, wenn die rot-weisse Defensive heute nicht wieder zu viele individuelle Aussetzer gezeigt hätte. Mizuta ließ Cigerci auf der rechten Außenbahn viel zu einfach vorbeiziehen und dessen Zuspiel fand Engelhardt, der das Spielgerät im zweiten Versuch zum dritten Gäste-Treffer versenkte. Der Genickbruch.
Es ging dennoch weiter Richtung Energie-Gehäuse, aber irgendwie fehlt der nun der letzte Kick. Dem eingewechselten Moustier gelang kurz vor Ende mit einer Gewalttat noch einmal der Anschluss aber bis auf einen gefährlichen, weil abgefälschten Schuss von Safi kam darauf keine echte Schlussoffensive mehr zu stande. Der letzte Akt gehörte dem Schiri-Gespann, welches ein mehr als deutliches und eine Verletzung nach sich ziehendes Foul an Hofmann an der Torauslinie übersah. Das hätte nochmal eine gute Chance ergeben können. Diese blieb aber verwehrt, was eine nicht allzu souveräne Leistung der Unparteiischen unterstrich. Das war aber nicht ausschlaggebend für die vermeidbare Niederlage, so ehrlich muss man sein. Bedingt durch immer wieder auftretende Fehler in der Deckung, die allzu oft Strafstöße nach sich ziehen, reicht es aktuell einfach noch nicht für ganz oben. Am Ende ein Luxusproblem, denn der RWE ist nach wie vor in der Spitzengruppe unterwegs. Die nächsten beiden schweren Auswärtsspiele werden zeigen, ob es dabei bleibt. Die Ostdeutschen fuhren also den Sieg ein und wussten wohl selber nicht genau warum, denn der RWE hatte bis auf wenige Phasen die komplette Spielkontrolle. Der FC Energie zeigte sich aber in entscheidenden Situationen clever und abgezockt – zwei Eigenschaften, die in dieser verrückten Liga unabdingbar nötig sind, wenn man denn Erfolg haben will.

Beltrum – So., 23.11.2025, 14:00

VIOS Beltrum vs BSC Unisson 1:5

Sportpark De Sonders, 50 Zuschauer, 4e Klasse Zondag B Oost
Der Warum-up in den Fußball-Sonntag wurde jenseits des Frikandel-Äquators angedient und zwar in Beltrum im Gelderland. Geknüppelt wird dort nur in der 4. Klasse, was verdammt weit unten in der Ligenpyramide ist. Holländische Clubs tragen ja oft interessante Namen, so ist VIOS die Abkürzung für „Vooruit is ons streven“, was in etwa „Vorwärts ist unser Streben bedeutet“. Sportlich war es nichts Besonderes, die Gäste machten es deutlich besser als die Gastgeber und siegten klar. Der Hauptplatz der Anlage verfügt über eine erhöhte, über den Umkleiden errichtete Tribüne, welche sich von den Einheitstribünen der holländischen Amateur-Sportanlagen abhebt. Im Laufe der zweiten Spielhälfte fing es ganz ordentlich an zu schneien, was die Nummer bei eh schon überschaubaren Temperaturen noch einmal ungemütlicher machte. Das schien auch der Referee so zu empfinden und dieser beendete die Partie zwei Spielminuten vor dem regulären Ende.

Gelsenkirchen – Sa., 22.11.2025, 15:30

DJK Arminia Hassel vs SuS Schwarz-Blau Gladbeck II 0:13

Sportanlage Valentinstraße, 25 Zuschauer, Kreisliga C Gelsenkirchen Gruppe1
Da der Amateur-Fußball in Nordrhein-Westfalen aufgrund des Totensonntages an eben jenem ruhen musste, wurde eine ganz Reihe Spielen am Samstag ausgetragen. Rational ist es schwer bis gar nicht zu erklären, warum ich mich letztlich für diesen Leckerbissen im Gelsenkirchener Norden entschied. Immerhin fühlte sich Sascha, ein unweit der Anlage wohnhaftes Mitglied der Bewegung, durch meine Rückfrage animiert, sich diese hochklassige Sportveranstaltung ebenfalls zu gönnen, so dass es nicht ganz so eintönig wurde. Als ich die Anlage wenige Minuten vor dem Anstoß betrat, ließ schon der Aufwärmprozess ein Gefühl zwischen Amüsement und Betroffenheit aufsteigen. Als dann nach zwei Spielminuten ein Akteur der Gastgeber einen kurzen Pass zu einem Mitspieler über drei Meter humorlos meterweit neben diesem ins Seitenaus schob und der Torhüter und Trainer in Personalunion von hinten aufmunternd rief „Weiter so, das sieht gut aus“, war eigentlich klar, was die folgenden 88 Minuten noch mit mir vorhaben sollten. Warum die Vereinsgründer den Namen Arminia wählten, bleibt ob der heutigen Vorstellung schleierhaft. Arminia geht auf Hermann den Cherusker zurück, auf römisch Arminius, welcher dem römischen Heer in der legendären Varusschlacht mutig und erfolgreich die Stirn bot. Hätte dieser das Gestolper gesehen, wäre er umgehend von seinem Denkmal-Sockel im Teutoburger Wald heruntergehüpft, die A2 bis Gelsenkirchen runtergeeilt und hätte dann denen, die es wagen seinen heroischen Namen auf dem Trikot zu tragen, mal ordentlich die Rüstung gerade gebogen.
Im ersten Durchgang blieb das Desaster noch überschaubar. Drei Tore waren für die Mannschaft aus der Nachbarstadt gefallen, während sich die Arminia lediglich ein einziges Mal im gegnerischen Sechzehner gezeigt hatte. Dennoch zeigte sich das Geschehen nicht zu einseitig, da sich die Schwarz-Blauen auch nicht mit spielerischem Ruhm bekleckerten. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als die Gastgeber nach weiteren, schnellen Gegentoren Lust und Moral verloren und die Murmel ein ums andere Mal das Netz beulte. 13 Male schlug die Kirsche insgesamt hinter dem Trainer-Torwart ein. Ich habe lange drüber nachgedacht, aber das war vermutlich das schlechteste Fußballspiel, dass ich je gesehen habe. Dass auch die körperlichen Voraussetzungen der Akteure eine gute Basis für ein ordentliches Spiel missen ließen, sei geschenkt. Aber mit Fußball hatte das eigentlich überhaupt nichts zu tun. Komplett talentfrei rumpelten die Akteure – großenteils auch die des Gäste-Teams – über die Asche, dass es eine wahre Pracht war. Mir kann doch keiner erzählen, dass die Spieler und die Spielerin – denn bei der Heimmannschaft trabte bis in die Schlussphase auch eine weibliche Person orientierungslos auf dem Feld herum – nach dieser fragwürdigen Veranstaltung in die Kabine kommen und sagen „Mann, das hat heute wieder richtig Bock gemacht!“. Mangelnde Befähigung ist sicher kein Grund, nicht auf den Platz zu gehen, keinem kann der Fußballsport verwehrt werden. Aber dann sollte doch zumindest die richtige Einstellung an den Tag gelegt werden und ehrliches Bemühen sichtbar sein, alles andere führt die Darbietung ad absurdum. Amen.

Meerbusch – Sa., 15.11.2025, 13:30

FC Büderich 02 vs Wuppertaler SV 1:0

Stadion am Eisenbrand, 800 Zuschauer, Niederrheinpokal Viertelfinale
Da es heute nur Nahverkehr sein sollte, war die Auswahl nicht sehr groß. Schließlich fiel die Entscheidung auf den Besuch dieses Verbandspokalspieles. Exakt dieselbe Paarung hatte ich an dieser Stelle vor mehr als zehn Jahren schon einmal erlebt, damals mit dem besseren Ende für die Mannschaft aus dem Bergischen. Bei herbstlichem Schmuddelwetter fanden gut 800 Leute den Weg an den Eisenbrand, davon kam mindestens die Hälfte aus dem Tal der fliegenden Messer. Dass es für den WSV kein Selbstläufer würde war klar, der Leistungsunterschied zwischen Oberliga-Teams und durchschnittlichen Regionalligisten ist nicht allzu groß. Dennoch war an der Wupper eine kleine Euphorie ausgebrochen, denn der Turnierbaum ist bereits bis zum Finale ausgelost und bei einem Sieg am heutigen Tage, wartete auf den WSV im Halbfinale erneut ein Oberligist. So wähnte sich der Anhang schon fast im DFB-Pokal, was für das eigenem Team eher zur Bürde wurde. Die Zuschauer sahen eine weitgehend offene Partie mit leichten Vorteilen für den Favoriten, diese reichten aber nicht, um die Gastgeber angemessen unter Druck zu setzen. Klare Torchancen blieben Mangelware, das fetteste Ding bekam der WSV Mitte der ersten Hälfte serviert, der Schütze jagte den Ball aber aus kurzer Distanz einen halben Meter über die Querlatte. Da auch die Büdericher im gegnerischen Sechzehner kaum präsent waren, beschlich das Publikum früh das Gefühl, dass eine Verlängerung notwendig würde, um einen Sieger zu ermitteln. In der Schlussphase geriet die Wuppertaler Hintermannschaft dann sogar ein wenig ins Schwimmen. In der letzten Minute der fünfminütigen Nachspielzeit segelte eine zu kurz getretene Flanke in den Gäste-Strafraum. Der Verteidiger war unbedrängt und hätte mit der Kirsche eigentlich alles machen können, schmirgelte das Ei aber schmerzfrei ins Toraus.
Der Bekannte, den ich getroffen hatte, sagte noch, für den Mist müsse man sich eigentlich noch einen einfangen. Der anschließende Eckstoß segelte in den Strafraum, der lediglich von vier Angreifern, aber dem gesamten WSV-Team besetzt war. Irgendwie landete das Streitobjekt dennoch auf einem Büdericher Kopf und von dort im Netz, worauf der souverän agierende Referee umgehend abpfiff. Das löste auf der einen Seite einen Jubelsturm aus, auf der anderen Seite zunächst das blanke Entsetzen. Dieses wich zumindest auf den Rängen nach wenigen Sekunden dem geballten Frust und Zorn. Keine Ahnung, ob eventuell von der Heimseite auch ein wenig provoziert wurde, jedenfalls riss dem bis dahin lautstark supportenden Gäste-Mob die Hutschnur. Zwei, drei Dutzend Gäste-Ultras überwanden problemlos das Stankett und stürmten auf den Rasen mit Laufrichtung Heim-Anhang. Die überraschte und vor allem nur in kleiner Zahl anwesende Staatsmacht schaffte es so gerade eben den Pulk zu stoppen und im Zaum zu halten. Nachdem einige Abfalleimer Opfer Ihrer Schwerkraft worden waren und einige Absperrgitter durch die Gegend flogen, wurde ein wenig Pfeffer verteilt. Im Gegenteil zur Nutzung in der Küche wirkt dieses Gewürz bei Anwendung gegenüber Lebewesen erst einmal entschärfend. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, wurden der aktive Anhang von immer mehr eintreffenden Einsatzkräften zur Abgabe der Personalien gebeten mit entsprechend erwartbaren Folgen. Spätestens damit wurde es ein doppelt unschöner Nachmittag für den WSV-Pöbel.

Bremen – So., 09.11.2025, 14:00

Bremer SV vs VfB Lübeck 2:3

Stadion am Panzenberg, 1.096 Zuschauer, Regionalliga Nord
Beinahe wäre es ein fußballfreies Wochenende geworden, aber auf dem Rückweg vom Besuch bei meiner Schwester in Hamburg bot sich der Regionalliga-Kick der zweiten Kraft der Weser-Metropole an. Das kleine Stadion liegt unmittelbar östlich an die Innenstadt angrenzend, einen Steinwurf vom Funkturm entfernt. Eigentlich ein ganz kultiges Teil mit ganz individuellem Charakter und vielen schönen Details. Mit dem VfB Lübeck war ein Gegner zu Gast, der einen aktiven Anhang mitbrachte – Anlass genug, dort mal vorbeizuschauen. Etwa 100 Leute reisten aus der Marzipanstadt an, eine eher enttäuschende Zahl, die der aktuell sportlich etwas tristen Lage geschuldet sein dürfte. Rund um das ‚Ultra-Kollektiv‘ raffte sich in etwa die Hälfte davon zum Support auf. War natürlich eher solide als überragend, aber das Fahnenbild im Block sah recht gut aus. Der BSV verfügt ebenfalls über eine Fanszene, diese ist politisch dem linken Spektrum zuzuordnen. Wenig überraschend, da ja die linke Politik in Bremen traditionell und historisch über eine starke linke Basis verfügt. Die Atmosphäre am Panzenberg offenbarte sich ungezwungen, unaufdringlich und entspannt. Lag eventuell auch am überdurchschnittlich THC-Konsum einiger Besucher, der unschwer erkennbar ins Riech-Organ Einzug hielt. Entspannt ging es auch für den VfB los, bei dem in der Anfangsphase einfach alles zusammenpasste und der eine 3:0-Führung nach nicht einmal 20 Minuten herausschoss. Erst der unmittelbare Anschlusstreffer kurz nach dem dritten Gäste-Treffer setzte diesem Lauf ein Ende. Danach fand die Partie auf Augenhöhe statt, Torchancen waren aber Mangelware, das Niveau des Spieles lies deutlich nach. Der zweite BSV-Treffer zwanzig Minuten vor Schluss öffnete die Partie dann noch einmal, aber Zählbares sprang für die Gastgeber nicht mehr heraus.