Estadi de Son Moix, 5.582 Zuschauer, Copa del Rey 2.Runde
War zwar kein Fußball-Trip auf des Deutschen liebste Urlaubsinsel, aber wenn man schon mal da ist und der Real Club Deportivo unter der Woche im Pokal antreten muss, kann man die Chance auch nutzen. Das ‚Son Moix‘ ist etwas zu groß geraten, wurde allerdings ursprünglich auch für die Universiade 1999 erbaut. Obwohl das Estadio durch die Laufbahn sehr weitläufig ist, gefällt es mir mit den steilen, hohen Geraden sehr gut. Um die aktiven Supporter näher ans Spiel zu bringen wurde im Innenbereich vor einer Kurve eine kleine Stahlrohrtribüne aufgestellt, ein Mittel was ich optisch nicht sehr mag, aber für meinen Geschmack auch der einzige Makel des Runds ist. Im Innenleben der Tribünen findet man ein paar schicke Graffitis. Die aktive Gruppe der Mallorquiner bemühte sich um Stimmung, aber bei der überschaubaren Anzahl und der Weite des ‚Son Moix‘ war das nicht viel mehr als laues Geträller. Die Spanier sind ja eh nicht für brachiale Stadion-Atmosphäre berühmt. Der Hand voll Gäste-Hinchas reichte es aus, anwesend zu sein, von da kam gar nix, hätte aber auch nicht viel gebracht. Mallorca gewann das Spiel mit dem Minimal-Resultat und zog in die nächste Runde ein.
Camp d’en Maiol, 160 Zuschauer, Primera Regional Preferente Mallorca
Die einwöchige Kegeltour führte uns ins 17. Bundesland, wo in einer luxuriösen Finca die Seele vor sich hin baumelte. Fußball wird auch auf Mallorca natürlich auch reichlich gespielt, so dass ich den Aufenthalt für einen kleinen Ausflug nutzte. Ein kleines Stadion mit bezaubernder Bergkulisse der Sierra de Tramuntana findet man in Sòller, nördlich der Insel-Hauptstadt Palma. Ein paar Leute prügelten hinter dem Tor mehr oder weniger rhythmisch auf eine Trommel ein und versuchten sich in ein wenig Anfeuerung. Das half aber alles nix, denn auf fünftklassiger Ebene wurde zwar kein schlechter, aber leider torloser Fußball geboten.
Vor über zwanzig Jahren habe ich diesen Platz selber mal bei einem Auswärtsspiel beackert. Mit ein paar Bolzplatzfreunden hatte ich mich einem Verein angeschlossen, um dem Gekicke wieder mehr Ernsthaftigkeit zu verschaffen und unser erstes Saisonspiel führte uns zur SG Werden 80. Bin mir gar nicht sicher, ob der Club überhaupt noch am Spielbetrieb teilnimmt oder existiert. Jedenfalls muss man sich ja Ziele setzen und da wir in der untersten Spielklasse begannen, konnte dieses nur Aufstieg lauten. Zum Warmmachen liefen wir mit entsprechenden ‚Unternehmen Aufstieg‘-Shirts auf und machten uns damit zur Hass-Mannschaft für die ganze Liga, was aber nichts daran änderte, dass wir die Vorgabe auch realisierten. Damals war es noch ein Hartplatz mit Asche-Belag, heute liegt ein zeitgemäßer Teppich voller Plastik-Halme. 20 Minuten konnte der Kreisligist die Partie gegen den Oberligisten offen gestalten, dann war der Führungstreffer für die Bocholter gleichzeitig der Dosenöffner und das Spiel nahm die erwartete Richtung.. Zumindest konnten die Ruhr-Anlieger im zweiten Durchgang noch die Ehrentreffer erzielen. SGW-Veteran Mucki war auch anwesend, so dass während der nun einseitigen Partie etwas gefachsimpelt werden konnte.
Stadion Cracovii im. Józefa Pilsudskiego, 8.123 Zuschauer, Ekstraklasa
Die Tour abschließend gab es das sogenannte Zielspiel zu sehen – die Legionäre aus der Hauptstadt waren bei Cracovia zu Gast. Während die Eishockey-Abteilung von Cracovia eine der erfolgreichsten des Landes ist, sieht es im Fußball anders aus. Zwar wurde man erster polnischer Fußballmeister und gewann auch noch vier weitere Titel, den letzten allerdings kurz nach dem Krieg und spätestens mit Beginn des neuen Jahrtausends geriet der Verein auch endgültig in den Schatten des Stadtrivalen Wisla. In den letzten Jahren sah sich Cracovia regelmäßig mit dem Abstiegskampf konfrontiert und konnte diesen auch nicht immer erfolgreich bestreiten. Auch das Zuschauerinteresse ist geringer als bei Wisla, dessen Stadion nur wenige hundert Meter entfernt liegt. Gegen den Vorzeige-Club aus Warszawa hätte ich aber doch mehr Zuschauer erwartet. Die Legionisci machten den relativ kleinen Sektor Gosci auch nicht ganz voll, allerdings musste man ja dankbar sein, dass den Gästen die Anreise erlaubt worden war, das ist ja im Sanktions-geschwängerten Polen auch nicht immer selbstverständlich. Stimmungsmäßig war das dann auch nicht mehr als Durchschnitt. Legia spulte eine Art Standardprogramm ab und auf Seiten Cracovias dauerte es eh erst einmal bis zur 20. Minute ehe der Block voll genug war, dass man überhaupt mit dem Support begann. Ziemlich enttäuschende Sache. Das Spiel schien sich davon anstecken zu lassen, denn das war wahrlich keine Augenweide. Beide Teams hätten mit dieser Leistung gegen jeden deutschen Zweitligisten große Probleme bekommen. Und auch eine achtzig-minütige Überzahl verhalf den Gastgebern nicht zum Sieg. Tja, dass das nun nicht das beste Stadion-Erlebnis ever werden würde, war schon klar, aber ein wenig mehr hätte es dann doch sein dürfen. Man kann halt nicht immer gewinnen und gegen einen weniger namhaften Gegner wäre es sicher noch schlimmer gekommen
Stadion WKS Wawel, 80 Zuschauer, Klasa B Kraków Grupa III
Während der Reise nach Nordkorea im Frühjahr stieß Szczepan aus Kraków zu unserer kleinen Reisegruppe. Da wir uns gut verstanden, tauschten wir unsere Kontaktdaten aus, mit der Absicht sich irgendwann wieder zu treffen. Die Gelegenheit ergab sich recht zügig, nämlich am heutigen Tage. Szczepan hat mit einigen Freunden einen eigenen Fußballverein aus der Taufe gehoben und aktuell spielt der Verein seine Premieren-Saison. Eingestuft in der untersten Spielklasse ist man noch auf der Suche nach einer festen Heimat und muss die Heimspiele mal hier und mal dort austragen. Das heutige Heimspiel wurde im Stadion des WKS Wawel Kraków angepfiffen, einem ehemaligen Erstliga-Club und Pokalsieger Polens. Der Ground ist ein absoluter Traum und verfügt über eine große, betagte, überwiegend aus Holz erbaute Haupttribüne und eine nicht minder große Gegentribüne. Beide Tribünen sind teilweise mit Sitzschalen ausgestattet, die allerdings von der Witterung gezeichnet sind. Die recht neuwertige blaue Tartanbahn passt da gar nicht so recht ins Bild. Wir bekamen ein lebhaftes, gar nicht so übles Spiel mit wechselnder Führung und dem besseren Ende für Fairant – übersetzt: Feierabend – geboten. Ich werde mit Interesse verfolgen, welchen Weg der Verein in Zukunft nehmen wird.
LKS Wegrzcanka Wegrzce Wielkie vs KS Orzel Piaski Wielkie Kraków 1:0
Stadion Wegrzcanka, 300 Zuschauer, IV. Liga Malopolska (zachód)
Etwas Schöneres konnte ich mir an diesem milden, überwiegend sonnigen Sonntag-Morgen kaum vorstellen, als bei einer polnischen roten Grillwurst und einem frisch gezapften Hellen einen lauen Kick zu verfolgen. Welch glücklicher Umstand, dass es genauso kam. Auch ohne Sonne wurde mir ganz warm ums Herz, als ich unmittelbar nach Durchschreiten des Eingangs den leicht vor sich hin qualmenden Räuchergrill entdeckte. Auf fünftklassiger Ebene bolzte hier ein unaussprechlicher Verein gegen den anderen. Für den Außenstehenden schwer begreiflich, wie man daraus eine Faszination ziehen kann, aber für mich ein unheimlich entspannter Start in den Tag.
Der Bergarbeiterklub aus dem schlesischen Tychy darf sich über ein neues Stadion erfreuen, welches erst vor drei Jahren fertiggestellt wurde. Es handelt sich um dieser klassischen Arena von der Stange, wie sie mittlerweile in beinahe jedem Winkel Europas zu finden sind und die sich nur durch die Farbe der Sitze voneinander unterscheiden. Gemessen am Ist-Zustand des Vereins ist das Stadion völlig überdimensioniert, denn die Auslastung übersteigt nur selten 30%. Sicherlich wird man die Hoffnung haben, eines Tages in der Ekstraklasa mitmachen zu dürfen, davon ist der Club aber aktuell meilenweit entfernt. Vor einigen Jahren ging es zwar mal ein wenig aufwärts, seitdem ist der Verein aber im Mittelmaß der Zweitklassigkeit fest verankert. Auch die aktuelle Saison beweist das wieder. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, war die Anwesenheit von beinahe 5000 Interessierten beinahe phänomenal. Großartig verwöhnt wurden diese aber nicht – es war doch ziemlich mager, was die Aktiven da mit dem besseren Ende für die Gastgeber auftischten.
Ein Wochenende in Polen wurde mit der Partie des Tabellenführers der zweiten Liga eingeleitet. Rakow schickt sich an, einen Platz in der Ekstraklasa einzunehmen und grüßt von der Tabellenspitze. Sollte der Aufstieg Realität werden, dürfte aber klar sein, dass am Stadion ordentlich was getan werden oder Rakow ausweichen muss, denn der Ground ist selbst in Polen nur noch soeben Zweitliga-tauglich. Ansehnlich ist das kleine Oval auch nicht gerade. Flache Ränge, fehlende Dächer, schlechte Sicht. Hingucker ist da eigentlich nur der alte Sprecherturm der Marke Ostblock-Retro-Style. Ein kleiner Gästeblock wurde auch nur lieblos an den Rand einer Kurve gezimmert. Dieser wurde von knapp 40 Gestalten aus der Hauptstadt der Woiwodschaft Masuren bevölkert. Die Jungs brauchten sich nichts vorwerfen, denn sie versuchten ihr Team nach Leibeskräften zu unterstützen, aber das war natürlich nicht gerade brachial. Half halt auch nicht, denn Rakow blieb siegreich und das verdient. Die Heimkurve konnte nun auch keine ohrenbetäubende Atmosphäre heraufbeschwören, das ist in einem Stadion dieser Bauart auch einfach nicht machbar.