Bremen – So., 09.11.2025, 14:00

Bremer SV vs VfB Lübeck 2:3

Stadion am Panzenberg, 1.096 Zuschauer, Regionalliga Nord
Beinahe wäre es ein fußballfreies Wochenende geworden, aber auf dem Rückweg vom Besuch bei meiner Schwester in Hamburg bot sich der Regionalliga-Kick der zweiten Kraft der Weser-Metropole an. Das kleine Stadion liegt unmittelbar östlich an die Innenstadt angrenzend, einen Steinwurf vom Funkturm entfernt. Eigentlich ein ganz kultiges Teil mit ganz individuellem Charakter und vielen schönen Details. Mit dem VfB Lübeck war ein Gegner zu Gast, der einen aktiven Anhang mitbrachte – Anlass genug, dort mal vorbeizuschauen. Etwa 100 Leute reisten aus der Marzipanstadt an, eine eher enttäuschende Zahl, die der aktuell sportlich etwas tristen Lage geschuldet sein dürfte. Rund um das ‚Ultra-Kollektiv‘ raffte sich in etwa die Hälfte davon zum Support auf. War natürlich eher solide als überragend, aber das Fahnenbild im Block sah recht gut aus. Der BSV verfügt ebenfalls über eine Fanszene, diese ist politisch dem linken Spektrum zuzuordnen. Wenig überraschend, da ja die linke Politik in Bremen traditionell und historisch über eine starke linke Basis verfügt. Die Atmosphäre am Panzenberg offenbarte sich ungezwungen, unaufdringlich und entspannt. Lag eventuell auch am überdurchschnittlich THC-Konsum einiger Besucher, der unschwer erkennbar ins Riech-Organ Einzug hielt. Entspannt ging es auch für den VfB los, bei dem in der Anfangsphase einfach alles zusammenpasste und der eine 3:0-Führung nach nicht einmal 20 Minuten herausschoss. Erst der unmittelbare Anschlusstreffer kurz nach dem dritten Gäste-Treffer setzte diesem Lauf ein Ende. Danach fand die Partie auf Augenhöhe statt, Torchancen waren aber Mangelware, das Niveau des Spieles lies deutlich nach. Der zweite BSV-Treffer zwanzig Minuten vor Schluss öffnete die Partie dann noch einmal, aber Zählbares sprang für die Gastgeber nicht mehr heraus.

Essen – So., 02.11.2025, 16:30

Rot-Weiss Essen vs 1.FC Schweinfurt 05 2:1

Stadion an der Hafenstraße, 17.507 Zuschauer, 3.Liga
Mit dem 1.FC Schweinfurt 05 hatte der glorreiche RWE eine vermeintlich leichte Aufgabe vor der Brust. Zumindest auf dem Papier. Jahrelang versuchten die Mainfranken der Regionalliga Bayern zu entkommen, setzten dabei auf professionelle Strukturen und Profi-Spieler. Und scheiterten. Jahr für Jahr. Was schließlich dazu führte, dass vor zwei Jahren die Reißleine gezogen und das Ziel 3.Liga ad acta gelegt wurde. Fortan setzte der Verein auf Amateurspieler mit Bezug zur Region. Das schien mit etwas Verzögerung befreiend zu wirken. Die ‚Schnüdel‘, so der offizielle Spitzname des Vereins, rauschten durch die letzte Spielzeit und standen recht früh als Aufsteiger fest. Diesen Schwung konnte der Club allerdings überhaupt nicht in die neue Saison retten. Gegen den Tabellenletzten, der nur ein Spiel gewann und alle anderen verlor, der den schlechtesten Sturm und die schlechteste Abwehr der Liga stellt, war ein ungefährdeter, stressfreier Heimsieg lästige Pflicht. Und genau das macht so ein Spiel ja so undankbar, weil alle – auch diejenigen, die es abstreiten – im Hinterkopf ja eigentlich nur mit der Höhe des Sieges beschäftigt sind. Aber in dieser Liga gibt es keine einfachen Spiele und vermeintlich schwache Gegner sind für die aktuelle Mannschaft sowieso Gift, weil sie dann selber das Spiel gestalten muss, was bisher nicht unbedingt eine Stärke war. Schnelles Umschaltspiel lässt sich gegen einen tiefstehenden Gegner nun mal nicht praktizieren, aber genau das ist ja ein Trumpf der Roten. Ein Spiel selber zu gestalten, bleibt aber noch ein Lernprozess für das Team. Zu oft reißt der Faden, was mit ein Grund für die schon mehrfach angesprochene mangelnde Konstanz ist.
Für die Bewertung der heutigen Leistung muss ich aber Coach Uwe Koschinat ins Boot holen, von dem ich prinzipiell eine gute Meinung habe. Kritisieren möchte ich generell einen überhöhten Hang zur Rotation bei den Aufstellungen. Koschinat rechtfertigt dieses mit Verwies auf Belastungssteuerung. Ich habe eher den Eindruck, dass er es den nominellen Leistungsträgern irgendwie recht machen und jedem zu Einsatzzeiten verhelfen will. Nach meiner Meinung behindert dieses aber nicht nur die Bildung einer echten Stammformation, sondern auch dass sich eine Formation richtig einspielen kann. Zudem fehlte in der heutigen Startaufstellung ein echter möglichst groß gewachsener Mittelstürmer, denn aufgrund der Vorzeichen war eine erhöhte Präsenz im Gäste-Strafraum und damit sicherlich ein erhöhtes Maß an hohen Bällen zu erwarten. Dass der offenbar überschätzte Mause dieser nicht sein würde oder gar konnte, war einigermaßen klar. Der aus Meppen verpflichtete Janssen, der bei seinen wenigen Einsätzen auf sich aufmerksam gemacht hatte, erfüllte das Anforderungsprofil aber perfekt. Verzichtet wurde auf diese Option dennoch, stattdessen Safi wieder in die Spitze beordert. Auch die offensive Reihe mit Obuz, Arslan und Mizuta dahinter geht sicher nicht als Kopfballmaschinerie durch.
So führten zehn (in Worten: zehn!) Ecken in der ersten halben Stunde zu nicht einem gefährlichen Abschluss. Stattdessen hatte Obuz den Schlussmann der ‚Schnüdel‘ nach wenigen Minuten geprüft, danach passierte trotz drückender Überlegenheit des glorreichen RWE wenig, zu umständlich waren die Angriffsaktionen. Müsel erzielte dann gut zehn Minuten vor dem Seitenwechsel nach klugem Zuspiel von Obuz endlich die Führung. Was Sicherheit geben sollte, veränderte das Spiel unerwartet. Die Roten blieben noch einige Minuten am Drücker, dann wurde die Mannschaft vom Main wurde plötzlich mutig und sichtbar. Ein Lattenkracher von Ex-RWE-Chancentod Endreß hätte schon den Ausgleich besiegeln können, kurz darauf wurde dies aber mittels berechtigtem Handelfmeter erledigt. Alonso war der Unglücksrabe mit der viel bemühten unnatürlichen Armhaltung, die aber in den meisten Fällen aufgrund des Bewegungsablaufes eben doch natürlich ist. Aber so ist halt die Regel. Kurz nach Wiederanpfiff machten die Gäste mit einem Kopfball an den Pfosten direkt wieder auf sich aufmerksam. Das Spiel zeigte sich nun ausgeglichen, die ‚Schnüdel‘ wirkten dabei aber einem möglichen Tor näher, auch weil die ‚zweiten Bälle‘ in der Mehrzahl bei den Schweinfurtern landeten. Nach zwanzig Minuten der zweiten Hälfte wechselte Koschinat offensiv und brachte unter anderem den angesprochenen Janssen. Dass dieser nur fünf Minuten benötigte, um mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze die erneute Führung zu erzielen, war ein Wink mit dem Zaunpfahl. Nach meinem Gefühl hat der Stoßstürmer mal eine Chance über einen längeren Zeitraum verdient.
Der Treffer weckte bei den Bayern die restlichen Kräfte. Diese suchten ihr Heil nun endgültig in der Offensive und kamen unterstützt durch haarsträubende individuelle Fehler in der rot-weissen Defensive zu zwei, drei Überzahlsituationen, die aber miserabel ausgespielt wurden. Daher geriet der Sieg nur bedingt in Gefahr und die Punkte blieben an der legendären Hafenstraße. Das Gebotene hatte die Erwartungen bestätigt. Jedes Spiel in Liga Drei ist schwer und gerade ein Spiel gegen ein Team aus dem Keller muss einfach nur gewonnen werden. Die Bilanz gegen den FCS05 bleibt lupenrein – es war der fünfte Sieg in bisher fünf Spielen gegeneinander. Eine andere Statistik weist aus, dass der RWE im Vergleich zu den Kontrahenten die drittwenigsten Chancen in dieser Drittliga-Spielzeit kreiert. Mich würde daher auch mal der Wert der Effektivität interessieren, denn nun erzielte 23 Treffer sind ja auch kein so schlechter Wert. Die mitgereisten 250 Gäste-Anhänger bedachten ihr Team für eine couragierte Leistung zurecht mit Applaus. Mir ist dieser Verein nicht unsympathisch und ich würde ihm den Klassenerhalt gönnen, jedoch erscheint dieser schon jetzt unerreichbar. Bleibt noch zu klären, wo der Spitzname ‚Schnüdel‘ seinen Ursprung findet. Vor Beginn der industriellen Produktion von Fußbällen, wurden diese noch von Hand gefertigt. Eine echte Schweinsblase wurde in das vernähte Leder gestopft und dieses am Lufteinlass der Blase besonders fest verschnürt. Diese Stelle wurde im fränkischen Sprachgebrauch als Schnüdel bezeichnet. Da es ein Schweinfurter Bürger und auch Vereinsmitglied des 1.FC 05 war, der den Schnüdel in den 20er Jahren durch ein richtiges Ventil ersetzte, war der Spitzname des Vereins geboren.

Duisburg – So., 26.10.2025, 19:30

MSV Duisburg vs Rot-Weiss Essen 1:1

MSV-Arena, 27.719 Zuschauer, 3.Liga
Derby-Tag im Sportpark Wedau und die Vorzeichen waren so klar wie unklar. Der MSV legte als Aufsteiger ja mit 22 Punkten aus acht Spielen einen beinahe makellosen Traumstart hin. Dann geriet aber ein wenig Sand ins Getriebe und nach zwei Remis folgte am vergangenen Wochenende die erste Niederlage. Der RWE ist dagegen noch immer auf der Suche nach Konstanz. Zwei Siege in Folge wollten bei wechselhaften Leistungen bisher nicht gelingen, immerhin war die jüngere Bilanz mit sieben Punkten aus drei Spielen recht erfreulich, allerdings unterbrochen von der Pokal-Niederlage in Oberhausen, die Fragen aufwarf. Der MSV hat es irgendwie geschafft, sich hinter der blauen Brut aus der nördlich von Essen gelegenen Nachbarstadt als Hass-Gegner Nummer zwei zu etablieren, sodass in den Tagen rund um diese Partie die Wogen schon etwas höher schlugen. Die Nordkurve zeigte zum Intro eine Choreo. „Dass auf ewig unsere Liebe zu den Meiderichern hält“ war an der Balustrade des Oberrang zu lesen. Den Zaun des Unterrang schmückte die Ergänzung „Durch den Himmel“ und im Stehplatzbereich zwischen den Transparenten wurde eine Blockfahne mit einem vergnügt auf einer Wolke liegenden Zebra hochgezogen. Der verbleibende Freiraum wurde mit kleinen blau-weißen Schwenkern gefüllt. Dann wurde das Banner im Unterrang gegen eines mit der Aufschrift „Durch die Hölle“ ausgetauscht, in dessen Mitte ein Zebra als Teufel zu sehen war. Eigentlich eine schöne Sache, ordentlich und detailliert gemalt, mit gelungenem Vortrag. Allerdings wurde etwas selbstverliebt ein zu kompliziertes 3D-Schriftbild mit Schattierungen gewählt, was es etwas schwierig machte, die Botschaften zu entziffern. Dennoch eine gute Aktion.
Lange konnte ich darüber aber eh nicht grübeln, da mir eine stattliche aus dem Essener Ultra-Block aufsteigende rote Rauchwolke die Sicht vernebelte. Als ich irgendwann um die dritte Spielminute wieder etwas sah, hatte ich eigentlich erwartet, eine Anfangsoffensive der Gastgeber zu beobachten. Doch nichts dergleichen. Der glorreiche RWE übernahm sofort die Spielkontrolle und entzog dem Geschehen mit geduldigem wie sicherem Aufbauspiel erst einmal das Tempo. Ich denke, so souverän hatte ich die Roten in der aktuellen Saison noch nicht agieren sehen. Allerdings unterbrach der für den verletzten Brumme auf der linken Abwehrseite agierende Bouebari die Dominanz mit einem zu kurzen Rückpass auf Golz, doch die drohende Gefahr konnte mit vereinten Kräften gebannt werden. Mitte der ersten Spielhälfte fuhren die gestreiften Steppenbewohner dann den ersten richtig gefährlichen Angriff, der direkt zum Erfolg führte. Eine scharf und flach hereingezogene Flanke lümmelte Krüger RWE-Schnapper Golz aus kurzer Distanz zur Führung irgendwie durch die Hosenträger. Viel Zeit zum Ärgern blieb nicht, denn der eigentlich souveräne MSV-Schlussmann Braune spielte nur zwei Minuten später einen Katastrophenpass auf die linke Seite Safi mehr oder weniger vor die Füße, der dann direkt zum Tor zog. Braune legte noch ein Geschenk nach und spekulierte auf ein Zuspiel in die Mitte, weshalb Safi den Ball problemlos im Tor unterbringen konnte. Flecksteins Rettungsversuch kam zu spät und deshalb brannte es schon wieder lichterloh im Gästeblock.
Kurz danach schmiergelte Müsel aus beinahe 30 Metern halblinker Position mal richtig einen aufs MSV-Gehäuse, die Murmel krachte aber leider nur an die Querlatte. Vermutlich hat das Leder heute noch Kopfschmerzen davon. Danach das gleiche Bild – RWE mit der Feldhoheit, die Zebras giftig, klare Torchancen blieben aber auf beiden Seiten Mangelware. So ging es in die Pause. Die MSV-Kurve sendete zum Wiederanpfiff eine von weißen Fackeln und Blink-Bengalos unterlegte blaue Wolke in den Abendhimmel. Außerdem zeigte die Szene um Kohorte und PGDU im zweiten Durchgang zwei Spruchbänder. Den Anfang machte „Support und Jubel während Todeskampf – ehrenlose Fotzen RWE“. Das bezog sich natürlich auf das vergangene Niederrheinpokalfinale, als ein MSV-Fan im Oberrang der Nordkurve kollabierte und später leider im Krankenhaus verstarb. Wie üblich wurde darauf der Support unterbrochen, was im Away-Sektor etwas Zeit benötigte, da es dauerte, bis die Info durchgesickert war. Da die Informationslage im Gästeblock aber uneindeutig blieb und der Stadionsprecher noch vor der Halbzeitpause mitgeteilt hatte, dass die Person stabilisiert und auf dem Weg ins Krankenhaus sei, nahm der rot-weisse Anhang den Support wieder auf, während die Weltrettungsgemeinschaft aus der Nordkurve sich entschied, die Unterstützung für den Rest des Spiels einzustellen und wohl auch gern bis ans Lebensende weiter geschwiegen hätte. Dem RWE-Anhang jedenfalls vorzuwerfen, wieder supportet zu haben, nachdem der Patient ja offenbar professionell betreut aus dem Stadion gebracht wurde, passt natürlich gut zur etwas romantisch verklärten Selbsteinschätzung der MSV-Szene, sich immer gesellschaftlich ehrbar zu verhalten und sich damit etwas narzisstisch über andere Szenen zu erheben. Ob die – weibliche Personen nicht unbedingt umschmeichelnde – Ansprache „Fotzen“ aber dem selbst auferlegten Codex entspricht, möchte ich in Frage stellen. Ich habe überhaupt nichts gegen raues Kurven-Wording, das gehört für meinen Geschmack dazu, erst recht bei einem Derby. Aber die grundsätzliche Perspektive aus Blickrichtung Wedau scheint mir immer etwas opportunistisch belastet.
Das zweite Transparent lautete „Ob Spahn, Burgard oder Westtribüne Essen, haltet alle Eure Fressen – Ruhrpottkanaken aus Überzeugung“. Spielte natürlich auf das im Zuge der aktuellen ‚Stadtbild-Debatte‘ von Jens Spahn und Journalist Burgard herangezogene Beispiel Duisburg an. Was die Westtribüne damit zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Den Ärger der MSV-Kurve kann ich aber nachvollziehen, denn schließlich ist Duisburg hinter Gelsenkirchen nur das zweitbeste Beispiel… zurück zum Sportlichen. Der RWE blieb weiter spielbestimmend, konnte aber in der Box nicht wirklich zwingend werden. Nicht großartig anders lief es bei den Meiderichern. Diese versuchten nach Ballgewinn immer wieder schnell ans Ziel zu gelangen, Abschlüsse und Flanken gerieten aber nur bedingt gefährlich. Eigentlich war das insgesamt bis dato ein ungewohntes Bild, ist es doch oft bei den Roten, mit schnellem Umschaltspiel schnell vor das Tor zu kommen, während der Gegner mehr Ballbesitz hat. Spätestens 20 Minuten vor Schluss nahm das Spiel einen anderen Lauf. Die Gastgeber wurden stärker und drückten die Roten immer mehr in die Defensive. Das Eckenverhältnis wurde zugunsten der Zebras in die Höhe geschraubt und es brannte einige Male lichterloh im Sechzehner vor Jakob Golz. Und dennoch – wirklich gefährlich wurde es selten, die Defensive um einen heute überragenden Kraulich und einen gewohnt souveränen Alonso stand sicher. Nur drei Wechsel zog Coach Koschinat und einer davon ragte heraus. Leider in die falsche Richtung. Owusu kam eine Viertelstunde vor Schluss. Dieser Spieler gibt mir Rätsel auf. Manchmal ist er mit seinem Tempo und enger Ballführung eine echte Waffe und vom Gegner nur schwer zu kontrollieren. Und manchmal wirkt er wie ein Fremdkörper, der noch nie einen Ball gesehen hat. Heute war es letzteres. Miserables Stellungsspiel, planlose Dribblings und völlige Verweigerung im Defensivverhalten – die Roten spielten in der Schlussphase beinahe zu zehnt. Passiert ist jedoch nichts mehr, die Kontrahenten trennten sich mit einem Remis der interessanteren Sorte. Aufgrund der wilden Schlussphase, beschlich mich das Gefühl, dass der glorreiche Deutsche Meister von 1955 mit diesem Punkt besser leben konnte als die Gastgeber. Insgesamt dürfte die Punkteteilung aber weitestgehend gerecht sein.

Peer – So., 26.10.2025, 14:30

K. Peer SV vs FC Esperanza Pelt B 3:0

Sportcentrum De Deuster, 130 Zuschauer, 4e Provinciale B Limburg
Wohl gestärkt aus einer Frituur wurde der Ort Peer im Limburgischen angesteuert. Ein Spiel der vierten Spielklasse auf belgischer regionaler Ebene ist eigentlich nicht meine Vorliebe. Auch die Platzanlage mit Ausbau auf nur einer Seite, einer je kleinen Sitz- und Stehtribüne, welche sich rechts und links der Kantine zeigen, ist eher belgischer Standard im Amateurbereich. Diesen Platz hätte ich also vermutlich nie besucht, wenn ich nicht erklärter Fan von interessanten Objekten oder Landschaften im Hintergrund wäre. In Peer baut sich hinter dem Hauptfeld der Koninklijke Peerder Sportvrienden die Skihalle ‚Snow Valley‘ mächtig und irgendwie bedrohlich die Szenerie beherrschend auf. Ob sich die Aktiven davon beeindrucken ließen bleibt Spekulation, wirklich gut war es aber nicht, was da auf den Rasen gezaubert wurde. Kaum drei Anspielstationen gab es hüben wie drüben bevor die Kirsche aufgrund mangelnder Technik, eines ungenauen Zuspiels oder auch beidem wieder beim Gegner landete. Die Gastgeber hatten dabei aber mehr Fortune und beulten drei Mal das Netz des Kontrahenten zu einem auf dem Papier ungefährdeten Sieg.

Duisburg – Mi., 22.10.2025, 19:00

SV Hamborn 1890 vs TuS Viktoria 06 Buchholz 0:1

Sportanlage Iltisstraße Nordplatz, 130 Zuschauer, Kreispokal Duisburg/Mülheim/Dinslaken 3.Runde
Während sich Hertha Hamborn auf dem Süd-Platz der Sportanlage Iltisstraße über einen flatschneuen, erst vor wenigen Wochen eröffneten Kunstrasen freuen darf, muss der SV von 1890 auf dem Nordplatz weiter auf Asche knüppeln. Der Ausbau des Platzes hat es aber in sich. Auf beiden Längsseiten findet man über die gesamte Platzlänge errichtete Stehtraversen mit handgezählten neun Stufen, die mehreren tausend Zuschauer Platz bieten würden. Überproportional viele Vereine Duisburgs tragen den Ortsnamen Hamborn im Namen. Das liegt daran, dass Hamborn gar kein Stadtteil ist, sondern ein Stadtbezirk, der in die fünf Stadtteile Alt-Hamborn, Neumühl, Marxloh, Obermarxloh und Röttgersbach gegliedert ist. Unnützes Wissen. Der SV 90 Hamborn ist ein türkisch geprägter Verein, auch wenn der Vereinsname dieses nicht Vermuten lässt. Der A-Ligist hatte im Kreispokal die Buchholzer Viktoria aus dem Süden der Stadt zu Gast. Die Gastgeber hielten gegen den Bezirksligisten sehr gut mit und mussten sich lediglich durch einen Sonntagsschuss, der nach einer halben Stunde Spielzeit einschlug, geschlagen geben. In der Schlussphase war der Außenseiter dem Ausgleich nahe, die finale Offensive wurde aber nicht mehr belohnt. Die Veranstaltung fand in insgesamt sehr entspannter und angenehmer Atmosphäre statt. Der Referee hatte keine Mühe und in den zwei, drei Situationen, in denen es doch mal hitziger wurde, schritt er mit viel Fingerspitzengefühl deeskalierend ein. Der überbackene Sucuk-Toast wirkte zudem auf meinen knurrenden Magen ebenfalls deeskalierend.

Essen – Sa., 18.10.2025, 16:30

Rot-Weiss Essen vs FC Viktoria Köln 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 16.307 Zuschauer, 3.Liga
Kaum ein Gegner langweilt mich mehr, als die Viktoria von der ‚Schäl Sick‘. Und kaum ein Gegner war für den glorreichen RWE in den letzten Jahren unangenehmer. Seit der Wiederauferstehung der Viktoria vor 15 Jahren gab es gegen die Rechtsrheinischen wenig zu holen, zu Regionalliga-Zeiten war es sogar eine Art Angstgegner. Auswärts hat sich der RWE gegen die Kölner zudem das Torschießen abgewöhnt und in den letzten fünf Spielen in Höhenberg nicht mehr getroffen. Immerhin konnte daheim das Ruder inzwischen rumgerissen und die letzten beiden Heimspiele gegen den unbequemen Gegner gewonnen werden. Wenn in Köln über Fußball gesprochen wird, geht es in der Regel um den ‚EffZeh‘. Die paar Leute, die sich in der Domstadt nicht für die Geißböcke interessieren, interessieren sich dann am ehesten zur Fortuna, die Viktoria ist nur dritte Kraft. Im Gästeblock fanden sich daher die üblichen 150 Leute ein, welche den Höhenbergern schon seit jeher nach Essen folgen. Zu hören war von diesen natürlich wenig, nicht weil sie nicht wollten, sondern weil die 50 Aktiven unter den Mitgereisten einfach nicht laut genug waren. Dabei war die ‚Westkurve‘ heute auch eher solide unterwegs als brachial, richtig laut wurde es nur selten im Hexenkessel an der Hafenstraße. Das Spiel gab auch nicht zu viel Anlass für überkochende Emotionen. Dabei war die Leistung beider Teams durchaus ansprechend, taktisch aber sehr diszipliniert, so dass es nicht viele Torchancen zu sehen gab und sich das Geschehen eher zwischen den Strafräumen abspielte. Zwei ungefährliche Versuche von Arslan und Obuz für den glorreichen RWE und eine etwas bessere Möglichkeit für die Viktoria, die Golz aus kurzer Distanz vereitelte, mehr war es in der ersten halben Stunde nicht.
Gut fünf Minuten vor dem Seitenwechsel klingelte es dann doch im Kölner Kasten. Nach einer Brumme-Ecke stieg ‚Kopfballungeheuer‘ Arslan hoch und nickte zur Führung ein. Beinahe hätte Brumme selber noch vor dem Seitenwechsel getroffen, aber irgendein Kölner Recke hielt seine Rübe in dessen satten Schuss, der vermutlich sein Ziel gefunden hätte. Mit einer insgesamt verdienten Führung ging es in die Pause. Und auch nach dem Wechsel änderte sich nicht viel. Bei im Feld ausgeglichenen Spiel blieb der RWE vor dem gegnerischen Tor gefährlicher – Obuz und Arslan versuchten es noch einmal aus der Distanz. Danach hatten die Gäste eine etwas bessere Phase mit mehr Präsenz vor dem rot-weissen Tor. Auf dieses selber brachten sie die Murmel aber nicht. Stattdessen bekam Safi denn den Hochkaräter aufgelegt. Nach Alonsos schnell ausgeführtem Freistoß tauchte er mal wieder allein vor dem Torwart auf, entschied sich dieses Mal dafür, diesen zu umspielen, geriet dabei aber zu weit nach außen und beförderte das Spielgerät knapp am langen Pfosten vorbei. Die Kölner versuchten dann noch mal alles, aber in echte Schwierigkeiten brachten diese die Roten nicht, zu einfallslos waren die Vorstöße. Lediglich einmal musste Golz noch sei ganzes Können bei einem Kopfball von Lobinger zeigen. Da die Roten die Konterchancen auch nicht zu nutzen wussten, blieb es beim Sieg mit dem Minimal-Resultat. Damit kann es eigentlich mit breiter Brust ins Derby an der Wedau gehen. Die Verfolger-Gruppe hinter dem aus MSV und Energie bestehenden Duo ist eng zusammengerückt. Mit einem Sieg beim ungeliebten Nachbarn könnte sich der glorreiche RWE erst einmal oben festsetzen. Schwer genug wird es werden.

Dortmund – Mi., 15.10.2025, 19:00

BSV Schüren vs FC Gütersloh 1:7

Berg-Auf-Kampfbahn, 550 Zuschauer, Westfalenpokal Achtelfinale
Der Regionalliga-Tabellenführer aus Ostwestfalen wurde im Achtelfinale im Dortmunder Stadtteil Schüren vorstellig und wurde vom dort ansässigen Westfalenligisten empfangen. Zwei Ligen Unterschied können auf diesem Niveau durchaus spannende Pokalspiele erzeugen, heute war das absolut nicht der Fall. Zwar hatten die Gastgeber die erste dicke Möglichkeit, im Gegenzug ging der Favorit aber bereits nach fünf Minuten in Führung, blieb dominant und schraubte das Resultat bis zum Seitenwechsel auf eine sichere Drei-Tore-Führung hoch. Der Außenseiter traf nach etwas mehr als einer Stunde und – Achtung, Wortspiel – schürte noch mal Hoffnung, die jedoch wenig später durch den vierten Treffer der Gäste wieder erlosch. Drei Treffer in der Schlussphase gestalteten das Ergebnis dann unverhältnismäßig hoch. Etwa 100 Leute waren erkennbar aus Ostwestfalen angereist, die sich aber nur nach den Toren kurz bemerkbar machten, eine aktive Szene war nicht erkennbar.

Sneek – So., 12.10.2025, 14:00

SVC LSC 1890 vs VV Valthermond 6:1

Sportpark Leeuwarderweg, 170 Zuschauer, 3e Klasse Zondag H Noord
Der Sonntag führte mich nach Sneek, unweit von Leeuwarden liegend. Es blieb ausreichend Zeit für einen Rundgang durch den schönen, (natürlich) von Grachten durchzogenen Ort. Herausragend ist das Wassertor, erbaut im 17. Jahrhundert und Wahrzeichen der Stadt. Nach dem obligatorischen Besuch einer klassischen Fettschmiede ging es dann zum Sportpark Leeuwarderweg, wo der LSC 1890 eine Heimat hat. 
Sneker Voetbal Club Lycurgis Sparta Combinatie, es wurde damit eine Mythengestalt Spartas als Namenspate ausgewählt, heißt der Verein mit vollen Namen. Das fehlende ‚e‘ im Stadtnamen ist der ehemaligen Schreibweise des Ortsnamens geschuldet. Das Spiel der siebten Liga war natürlich nicht der Trigger, dieses Ziel auszuwählen, sondern die wunderschöne aus Holz gefertigte Tribüne mit dem angebauten Clubhaus, errichtet im sogenannten ‚Amsterdamer Stil‘. Beinahe 100 Jahre ist das Bauwerk nun alt, welches zwei Male dem Abriss entging, zunächst aufgrund von Brandschutzvorschriften, dann wegen Baufälligkeit. Nach der Restaurierung Ende des letzten Jahrtausends wurde der Komplex unter Denkmalschutz gestellt. Leider bilden Spielfeld und Tribüne keine echte Einheit. Zum einen passt der moderne Kunstrasenplatz nicht zum betagten Tribünen-Ensemble, zum anderen wirkt das Spielfeld durch (zu) großzügig installierte Fangnetze in sich geschlossen und die Lücke zwischen Feld und Tribüne ist unnatürlich groß. Dennoch ist es ein besonderer Ort, um Fußball zu schauen. Dass die Gastgeber ihr Heimspiel deutlich gewinnen konnten, interessierte dabei aber nur am Rande.