Maasmechelen – So., 18.05.2025, 19:15

Patro Eisden Maasmechelen vs Cercle Brugge KSV 1:5

Patro-Stadion, 5.000 Zuschauer, Relegation zur Pro League Finale Hinspiel
Als ich dieses Stadion vor über zehn Jahren schon einmal besuchte, kickten die Gastgeber eine Liga tiefer drittklassig vor vielleicht 200 Zuschauern. Zwar rennt das Publikum dem Verein heute in den normalen Ligaspielen auch nicht völlig die Bude ein, aber da sich die Mannschaft durch die Relegation bis in die Finalspiele gegen den Drittletzten der Pro League gemogelt hatte, herrschte heute gemessen am üblichen Interesse beinahe Ausnahmezustand. Die beiden gemauerten Tribünen auf den Längsseiten wurden schon vor einiger Zeit um ein Stahlrohr-Monster hinter dem Tor ergänzt, welches alles andere überragt, schön sieht das allerdings nicht aus. Da Maasmechelen eine ehemalige Bergbaustadt ist, kokettiert der Verein mit entsprechendem Image. So wurde die Rauchdosen-Aktion der kleinen Szene mit einem Banner untermalt, was ungefähr „Im Staub geboren, kämpfend um Ruhm“ bedeutete. Der Gästeblock füllte sich beinahe restlos, das hatte ich von Brügges Nummer zwei, die ja auch wirklich klar im Schatten des Club Brugge steht, überhaupt nicht erwartet.
Als Intro wurde eine richtig gute Fackel-Aktion geboten, später schaffte es die Gäste-Szene unter ungeklärten Umständen im Heimbereich einen grünen Rauchtopf zu zünden. Das rief die Haudrauf-Fraktion der Gastgeber auf den Plan, die sich allerdings angesichts der ‚Politie‘ in Kampfmontur nicht zu ernsteren Maßnahmen hinreißen ließ. Unter den Augen von Obelix gehörten der Patro-Elf dann die ersten Minuten, ehe die Machtverhältnisse auf die Seite des Erstligisten kippten. Ein frühes Tor für Cercle zog den lila-weißen Lokalmatadoren dann komplett den Zahn des Mutes und fortan spielten nur noch die Gäste. Schon der zweite Treffer ließ den Optimismus auf und neben dem Platz spürbar sinken und im zweiten Durchgang hatten die Flamen dann leichtes Spiel. Der Away-Sektor lieferte dann beflügelt vom Auftritt des Teams über die gesamte Spielzeit wirklich guten Support, das ist für eine belgische, zudem eher kleine Szene auch nicht selbstverständlich. Im kleinen aktiven Block der Gastgeber schwand dagegen angesichts des Debakels frühzeitig die Motivation.

Haßloch – Sa., 18.05.2025, 17:00

1.FC 08 Haßloch vs SV Geinsheim 1:3

Stegerwald-Sportplatz, 130 Zuschauer, Bezirksliga Vorderpfalz
Der Heimweg in den Pott erfuhr noch einen Zwischenstopp in der Vorderpfalz. In einem Haßloch … pardon … in Haßloch wurde am späten Nachmittag um Bezirksliga-Punkte gekämpft. Während es für die Gäste nur noch darum ging, die gute Platzierung zu bestätigen, benötigten die Gastgeber noch Punkte um den Klassenerhalt zu sichern. Das gelang heute nicht. Zwar war das Spiel sehr ausgeglichen, aber vor dem Tor machte die individuelle Qualität der Akteure den Unterschied. Zwar durften sich die Zuschauer auf der schmucken Anlage, die auf der Hauptseite sehenswert ausgebaut ist, nach einer torlosen ersten Hälfte über den zwischenzeitlichen Ausgleich freuen. Auf Strecke setzten sich die Gäste aber letztlich durch, was dem 1.FC 08 eine schwierige Ausgangslage für das letzte Spiel bescherte, welcher auch auf Schützenhilfe hoffen muss.

Großaspach – Sa., 18.05.2025, 13:30

VfB Stuttgart U21 vs Rot-Weiss Essen 1:1

Sportpark Fautenhau, 3.950 Zuschauer, 3.Liga
Wer hätte im Winter gedacht, als der glorreiche RWE nach einer einem Offenbarungs-Eid gleichenden Leistung in Aachen dem Abstieg entgegentaumelte, dass diese Saison noch so ausgeht, zumal der Wechsel auf der Trainerposition von Dabrowski zu Koschinat in den ersten Spielen ja überhaupt keine Wirkung zeigte. Ob es an der mysteriösen Plüsch-Möwe lag, welche Koschinat vor dem nächsten Spiel von einer Anhängerin als Glücksbringer zugesteckt bekam und die seitdem ihren festen Platz im Kader hat, oder doch eher daran, dass der neue Coach die richtigen Schlüsse zog und entsprechende Maßnahmen einleitete? Auch die nachverpflichteten Spieler trugen natürlich nachhaltig zum Kurswechsel bei. Damals hätte ich mir jedenfalls nicht träumen lassen, dass die Reise nach Großaspach, wo die Zweitvertretung des Stuttgarter VfB ihre Heimspiele austrägt, in launiger Runde meiner Rot-Weiss-Sippe im gemieteten Kleinbus dermaßen entspannt verlaufen würde, der Ligenverbleib RWE schon längst gesichert sei. Platz acht ist es am Ende geworden, Vizemeister der Rückrunde, nur der Aufsteiger aus Bielefeld sammelte noch zwei Punkte mehr als der Deutsche Meister von 1955 und dementsprechend hat es natürlich richtig Bock gemacht, das Team bei der Aufholjagd in der Rückrunde zu begleiten. Die Leistungsträger scheinen bis auf den scheidenden, weil nur ausgeliehenen, Eitschberger auch in der kommenden Saison die Schuhe für den RWE zu schnüren. Wenn an den richtigen Stellschrauben etwas feinjustiert wird, ist es eventuell möglich eine deutlich ruhigere neue Spielzeit zu erleben.
Der VfB-Nachwuchs brauchte noch Zählbares, um den Klassenerhalt zu sichern und begann mutig. Justin Diehl, der ja auch schon für die großen Stuttgarter in der Bundesliga getroffen hat, nahm sich nach wenigen Minuten ein Herz, wuselte sich irgendwie durch die vielbeinige rot-weisse Abwehr und traf nach vier Minuten trocken zu Führung. Die Anfangsphase gehörte auch danach weiter den Gastgebern, aber Müsel traf um die 20. Minute herum nach einer Ecke technisch anspruchsvoll beinahe aus dem Nichts zu Ausgleich. Nun war das Spiel offener, es gab Abschlüsse hüben wie drüben mit Vorteilen für die Jungs mit dem Brustring. Das änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nicht, die besseren Möglichkeiten hatten die Schwaben, aber Schnapper Wienand war nicht mehr zu bezwingen. In der Schlussviertelstunde war es dann nur noch ein lauer Sommer-Kick. Durch die Ergebnisentwicklung in den parallel laufenden Spielen zeichnete sich ab, dass den Stuttgartern das Remis reichen würde und auch die Roten brauchten sich mit Blick auf das Pokalfinale beim MSV am folgenden Wochenende, für das sowieso einige Leistungsträger geschont wurden, nicht mehr verausgaben.
Während sich für die Gastgeber etwa 100 Aktive zum Support zusammenrotteten, waren gut 1.500 Rot-Weisse ihrer Mannschaft ins Württembergische gefolgt und feierten ihre Saison-Abschlussparty. Dabei stand die erste Hälfte im Zeichen zweier Aktionen. Zum Intro wurden große Doppelhalter gezeigt, welche das Kürzel „A.C.A.B.“ (für möglicherweise Unwissende: diese Abkürzungen steht für „All cops are bastards“) ergaben. Dies war in diesem Fall keine Provokation gegen die Staatsmacht, sondern gegen den Verein, der für mich nachvollziehbar kurz zuvor das Tragen eines T-Shirts untersagte, welches eben diese umstrittene Abkürzung, die, sodann sie als Aussage pauschal getätigt wird gemäß rechtskräftigen Urteilen keine strafbare ist, zusammen mit dem Club-Wappen zeigt. Der Verein sorgt sich um seinen Leumund und befürchtet, dass dieses T-Shirt in der Öffentlichkeit zur Fehlannahme führen kann, das T-Shirt sei vom Verein herausgegeben worden. Weiterhin berührt das Verbot den Umstand, dass das Vereinswappen von den Ultra-Gruppen entgegen des beim RWE liegenden Copyright für durch die Gruppen selber beauftragte Szene-Klamotten verwendet wird, was wiederum durch den Verein in den letzten Jahren großzügig gehandhabt wurde. Dass die Verantwortlichen sich aber am oben beschriebenen Artikel stoßen und ihr Veto einlegten, ist für mich plausibel und richtig.
Mitte der ersten Halbzeit wurde dann noch ein kleines Spruchband mit der Aussage „Essen ist Rot-Weiss“ gezeigt. Dieses bezog sich auf die Ankündigung, dass das Finale in Duisburg mit einem Sonder-Trikot gespielt wird, auf dessen Brust nicht der Werbepartner präsentiert wird, sondern ein Logo mit der Aussage „Essen ist bunt“ und dem Untertitel „Für Zusammenhalt. Für Vielfalt. Für Respekt.“. Aus meiner Perspektive eine unglückliche Aktion, denn die Aussage „Essen ist bunt“ ist pauschal, zielt ja nicht nur auf die Akzeptanz aller Geschlechtsformen und gleichgeschlechtlichen Orientierungen ab, sondern auch oder vor allem auf die Akzeptanz aller Ethnien, sowie auf das Werben um Verständnis für Migration ab und wird der komplizierten, aktuell in Deutschland herrschenden Stimmungslage nach meinem bescheidenen Erachten nicht gerecht. Vor dem Hintergrund, dass vermehrt Straftaten und Anschläge durch teils unkontrolliert Zugewanderte begangen werden, fühlt sich ein großer Teil der Fangemeinde nicht abgeholt, nicht mitgenommen und erst recht nicht angesprochen. Im Gegenteil, die Aktion sorgt für Diskussionen und Diffamierungen in einem Publikum, welches pauschal keiner politischen Haltung zugeordnet werden kann, sondern aus Menschen einer jeden Gesinnung, egal in welche Richtung, besteht. Daher empfinde ich diese Idee, welche die Fangemeinde in verschiedene Lager zu spalten droht, als äußerst unglücklich. Man kann Politik natürlich nicht gänzlich aus dem Stadion heraushalten, da jeder Zuschauer eine politische Meinung mitbringt. Politik aktiv ins Stadion hinein zu tragen, ist aber kontraproduktiv und führt nur zu Kontroversen und dass auch noch vor einem so wichtigen Spiel. Ich hoffe inständig, dass sich die Wogen schnell glätten und die aktuell positive Stimmung im und um den Verein nicht beschädigt wird.

’s-Hertogenbosch – Mo., 12.05.2025, 20:00

FC Den Bosch vs SC Cambuur 1:0

Stadion De Vliert, 6.289 Zuschauer, Relegation zur Eredivisie 1.Runde
An diesem lauschigen Montag-Abend führte mich der Weg in die niederländische Provinz Noord-Brabant nach ’s-Hertogenbosch. Nur auf dem neunten Platz haben die Gastgeber dieser Partie die reguläre Spielzeit beendet und dürfen dennoch auf den Aufstieg in die höchste Spielklasse hoffen. Möglich macht es das etwas absurde Spielsystem in den Niederlanden. Neben den beiden direkten Aufsteigern dürfen sechs weitere Clubs der zweitklassigen Eerste Divisie auf das Upgrade hoffen. Prinzipiell spielen die Mannschaften auf den Plätzen drei bis acht eine Relegation. Durchbrochen wird dieser Block, wenn ein darunter platziertes Team eine sogenannte Perioden-Meisterschaft gewinnt. Die Saison wird dafür ein drei Phasen aufgeteilt. Die Mannschaften, welche diese drei Phasen gewinnen, sind direkt für die Playoffs qualifiziert, unabhängig vom Tabellenplatz, der nach dem letzten Spieltag zu Buche steht. Zusätzlich steigt in der zweiten Runde noch der Sechzehnte der ‚Eredivisie‘ ein. Da der FC Den Bosch die erste Periode gewann, stand die Qualifikation für die Aufstiegsrelegation frühzeitig fest und damit die Chance nach 20 Jahren wieder in der ‚Eredivisie‘ anzukommen.
Der Gegner aus dem hohen Norden ging grundsätzlich favorisiert in dieses Spiel, kam aber überhaupt nicht rein in die Partie. Die Gastgeber waren dagegen sofort ‚on fire‘ und gingen folgerichtig nach 20 Spielminuten in Führung. Bei weiteren guten Gelegenheiten verpassten sie es aber diese Führung auszubauen. Nach dem Seitenwechsel spielten dann jedoch beinahe nur noch die Gäste, aber die Friesen brachten die Murmel vor etwas mehr als 250 Mitgereisten nicht über die Kreidelinie, die hier gar keine Kreidelinie ist, da es sich um ein Kunstrasenspielfeld handelt. Mit dieser knappen Niederlage blieben aber für das Rückspiel noch alle Optionen offen. Vor mehr als zehn Jahren hatte ich schon mal irgendein bedeutungsloses Ligaspiel in diesem Stadion gesehen. Das Stadion De Vliert sieht von außen aus, wie viele Stadien in den Niederlanden aussehen, nämlich nicht wie ein Stadion, sondern eher wie ein Bürogebäude. Im Inneren ist es dagegen ein in die Jahre gekommener, enger Bau und wenn man nicht in die Ecken – vermutlich als Lärmschutz – irgendeinen Mist gebaut hätte, wäre es eine richtig coole Oldschool-Bude.
Wer die ohrenbetäubende Techno-Mucke vor dem Anstoß – was das angeht sind sie ja schon irre in unserem kleinen Nachbarland – unbeschadet überstanden hatte, sah das Intro der ‚M-Side‘, wie die Szene des FC Den Bosch heißt. Ein beinahe die gesamte Länge der Geraden einnehmendes Spruchband wurde präsentiert und dahinter stieg Rauch in den Vereinsfarben auf. Sah gut aus und die Stimmung war im Anschluss in der Anfangsphase auch ordentlich laut, das Niveau wurde aber nicht gehalten. Zwischendurch kochte die Atmosphäre aber immer wieder hoch, in Den Bosch steht ja auch ein schöner Asi-Pöbel im Block. Potential ist auf jeden Fall ausreichend vorhanden, so dass der Club durchaus eine Bereicherung für die höchste niederländische Liga wäre.

Essen – So., 11.05.2025, 16:30

Rot-Weiss Essen vs VfL Osnabrück 3:1

Stadion an der Hafenstraße, 19.300 Zuschauer, 3.Liga
Das letzte Heimspiel der Saison führte den VfL Osnabrück an die Hafenstraße. Das zweitbeste empfing das drittbeste Team der Rückrunde, was mit einem ausverkauften Haus belohnt wurde. Wer glaubte, es würde ein lockerer vorsommerlicher Kick, sah sich schnell getäuscht. In einem mit recht hohem Tempo geführten Spiel gewann der glorreiche RWE nach und nach die Oberhand. Nach einem Eckstoß für die Gäste kam der Ball zu Safi, der seinen Turbo anschmiss, ein Solo über das gesamte Feld startete und in einer 2-gegen-1-Situation Owusu, der heute überraschend von Beginn an performen durfte, mit dem Querpass versorgte. Dieser vollstreckte nach 15 Spielminuten aus recht spitzem Winkel zur Führung. Nur fünf Minuten später sahen die Zuschauer beinahe eine Kopie des zweiten Treffers bei den Löwen in der Vorwoche. Keeper Wienand schickte Safi auf die Reise, der Freund und Feind stehen ließ, allein vor dem Tor, aber zu ungenau abschloss. Kurz nach dem Seitenwechsel hätte der VfL beinahe aus dem Nichts den Ausgleich markiert, das Aluminium rettete für den geschlagenen Wienand.
Beinahe im Gegenzug erhöhte der RWE durch Owusus zweiten Treffer. Aus dem rechten Halbfeld zog der kleine, kantige Stürmer nach innen bis in den Sechzehner und bedankte sich für den inkonsequenten Geleitschutz ihn abwechselnd begleitender Gegenspieler mit einem trockenen Abschluss. Dann passierte lange wenig, bis der eingewechselte Wagner in der Schlussphase nach einem lauf über die linke Außenbahn in den Strafraum eindrang und gelegt wurde. Arslan verwandelte den fälligen Strafstoß gewohnt sicher zur endgültigen Entscheidung. Der kurz darauffolgende Ehrentreffer für die Lila-Weißen war nicht notwendig, dafür aber sehr schön anzuschauen. Aus 18 Metern abgesendet, flog die Kirsche in einer wunderschönen Flugbahn in den rechten oberen Torwinkel. Die Stimmung war beidseitig gut – der Umstand, dass beide Teams nach ihren jeweiligen Aufholjagden den Klassenerhalt bereits gesichert hatten, dürfte dazu beitragen haben. Ein voller Gästeblock weiß ja eh meist zu überzeugen und der VfL-Anhang ist auch eigentlich immer ordentlich unterwegs. Optisch gab es von Gästeseite leider nichts, dafür brannte und qualmte es in der Westkurve mehrfach, man konnte den Eindruck gewinnen, die Restbestände der Saison müssen weg. Das kleine Freudenfeuerwerk war nach der Rückrunden-Energieleistung von Kurve und Mannschaft auf jeden Fall angebracht.

Essen – So., 11.05.2025, 13:00

SG Schönebeck vs DJK Adler-Union Frintrop 3:2

Sportanlage Ardelhütte, 600 Zuschauer, Landesliga Niederrhein Gruppe2
Obwohl die Platzanlage der SG Schönebeck die zu meiner herrschaftlichen Wohnstatt nächstgelegene ist, habe ich dort noch nie ein Spiel geschaut. Der Grund dafür ist, dass beide Plätze der Anlage wenig hergeben. Selbst bespielt habe ich beide Plätze dagegen reichlich. Beim VfB Borbeck, neben Grün-Weiß Schönebeck der zweite Verein, aus deren Fusion die SGS hervorgegangen ist, habe ich die güldenen Jugend-Jahre meiner schillernden Fußballkarriere verbracht. Auf dem tiefer gelegenen der beiden Spielfelder, welches im Gegensatz zum oberen nicht von einer störenden Laufbahn umgeben wird, habe ich seinerzeit noch auf roter Asche das erste Tor meiner unglaublichen Karriere als Strafraum-Stürmer erzielt. Noch heute erzählen sich frühere Generationen der Schönebecker Einwohner ehrfurchtsvoll davon. Nicht. Der Grund meines heutigen Besuches war das Gastspiel des Vereins bei dem ich dann in der Seniorenzeit deutlich länger verweilte. Die Platzanlagen der SGS und von Adler-Union liegen auch gerade mal einen großzügigen Kilometer voneinander entfernt – mehr Derby geht auf Landesliga-Ebene ja kaum. Die Adler vom schönsten Wasserturm der Welt sind als aktueller Tabellenzweiter – diese Position berechtigt zum Aufstieg – auf bestem Wege die direkte Rückkehr in die Oberliga zu realisieren, was nicht mehr eine so große Sensation wäre wie der erste Aufstieg vor zwei Jahren, aber immer noch herausragend.
Mit einem Sieg beim Nachbarn hätte das Tor zur Oberliga annähernd unverschließbar aufgestoßen werden können. Die Lila-Weißen hatten aber überhaupt kein Interesse, den Türöffner zu geben und spuckten den Adlern deftig in den Horst. Die Gäste begannen die Partie unglaublich pomadig, während sich die Schönebecker von Anfang an kampfstark und hellwach zeigten. Nach zwanzig Minuten lagen diese vor sehr guter Kulisse beinahe folgerichtig mit zwei Toren in Front und bei den Treffern zeigte sich die Adler-Deckung alles andere als sattelfest. Zwei, drei gute Einschussmöglichkeiten blieben seitens des Favoriten ungenutzt und so ging es mit diesem gerechten Resultat in die Pause. Nach dieser sahen die zahlreichen Zuschauer ein anderes Adler-Team. Druckvoll und zielstrebig ging es richtig des Tores der SGS, die wiederum kaum noch zur Befreiung kam. Der Anschlusstreffer nach einer Stunde öffnete die Partie wieder und bei zwei mehr als einhundertprozentigen Torchancen hätte die Partie gedreht werden müssen. Der Angriff der Greifvögel war aber heute stumpf und der dritte SGS-Treffer schien die Partie zu entscheiden. Mit dem erneuten Anschluss fünf Minuten vor Schluss keimte noch einmal Hoffnung auf, die folgende Druckphase wurde aber nicht mehr belohnt.

München – Sa., 03.05.2025, 14:00

TSV München von 1860 vs Rot-Weiss Essen 1:3

Stadion an der Grünwalder Straße, 15.000 Zuschauer, 3.Liga
Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, das Auswärtsspiel bei den Löwen anzusteuern, die Terminierung auf den Samstag-Nachmittag und die Feiertags-Konstellation zwangen die Reise dann aber quasi auf. Für beide Mannschaften ging es um nichts mehr, die Roten benötigten noch einen finalen, eher theoretischen Punkt, um den Klassenerhalt auch rechnerisch endgültig zu sichern. So plätscherte die Partie im ersten Durchgang etwas dahin. Die Sechz’ger waren das etwas bessere Team, konnten sich aber nur eine oder zwei brauchbare Torchancen herausspielen. Unmittelbar vor dem Seitenwechsel tauchte dann Arslan nach einem wunderbaren Pass von Safi in die Schnittstelle ziemlich aus dem Nichts vor dem Tor der Gastgeber auf, konnte die Möglichkeit aber nicht verwerten. Der glorreiche Deutsche Meister von 1955 kam dann verbessert und mit deutlich mehr Elan aus der Kabine. Zunächst hätte Brumme beinahe das Tor das Monats erzielt, als er von der linken Außenbahn die Murmel aus 40-45 Metern einfach mal absendete, um den weit vor dem Tor stehenden Hiller zu überrumpeln, dieser konnte des Spielgerät aber noch so eben über die Querlatte lenken. Innenverteidiger Alonso war der nächste, der die Führung auf dem Schlappen hatte, als eine eigentlich geklärte Ecke durch einen Sechz’ger wieder scharf gestellt wurde. Der Spanier scheiterte jedoch am Pfosten und Verlaat konnte etwas ungelenk klären, hätte dabei beinahe noch ein Eigentor erzielt.
Dann war es aber endlich soweit. Eine punktgenaue flache Hereingabe von Eitschberger drückte Müsel zur Führung über die Linie. Leider verletzte sich der Torschütze bei der Aktion und wurde durch Mizuta ersetzt, der nicht einmal drei Minuten benötigte, um quasi mit seiner ersten Ballberührung auf 2:0 zu stellen. Brumme war im Sechzehner von Alonso unerwartet technisch hochwertig mit der Hacke schön freigespielt worden, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Löwen-Keeper Hiller. Den Abpraller verwertete der Japaner artistisch aus der Drehung. Eigentlich war nun alles geklärt, aber Arslan leistete sich von Mizuta schön freigespielt etwas mehr als zehn Minuten vor dem Ende den Luxus, den Ball aus drei Metern über das leere Tor zu jagen und die Löwen kamen im Gegenzug zum Anschlusstreffer. Safi war es dann aber vorbehalten, die Entscheidung herbeizuführen. Dabei bekam Schlussmann Wienand den Scorerpunkt, indem er Safi mit einem langen Hub auf die Reise schickte. Der Niederländer mit afghanischen Wurzeln rannte seinem Gegenspieler mit seinem enormen Tempo davon und schob frei vor Hiller souverän ein.
Drops gelutscht und nach 56 Jahren konnte gegen die Münchner endlich mal wieder ein Sieg, in insgesamt 18 Spielen gegeneinander erst der zweite überhaupt, eingefahren werden. Die Stimmung im Gästeblock war ‚traditionell‘ mager. Die Voraussetzungen bei den Spielen an der Grünwalder Straße sind einfach nicht gut. Der Gästeblock ist unüberdacht, niedrig und breit, der Stimmungskern wird dadurch entzerrt. Dazu nehmen das Spiel in München viele als Anlass für einen Familienausflug, dieses Mal aufgrund des vorherigen Feiertages noch mehr als bisher, der übliche Auswärtspöbel tritt also in den Hintergrund. Auch die Löwen reißen daheim ja aufgrund fehlender Überdachung keine Bäume aus, da können sie sich noch so anstrengen. Und trotzdem genießt die in Ehren ergraute Bude an der Grünwalder trotz der miesen Akustik ja absoluten Kultstatus. Vor dem Anstoß gedachten beide Seiten noch einmal dem verstorbenen Werner Lorant, der ja bei den Löwen als Trainer und bei RWE als Spieler wichtige Stationen in seiner Karriere erlebte.

Traunstein – Fr. 02.05.2025, 19:00

SB Chiemgau Traunstein vs TSV 1860 Rosenheim 0:3

Jakob-Schaumaier-Sportpark, 704 Zuschauer, Landesliga Bayern Südost
Der Freitag brachte bei bestem Wetter einen Ausflug ins Chiemgau. Auf dem Weg zum auserwählten Spiel, sprang ich aber zunächst in Prien aus dem Zug. Vom Gymnasium, auf dem ich ein unterdurchschnittliches Abi baute, und das vom Salesianer-Orden geführt wurde, wurden Ferien-Freizeiten in einem zum Orden gehörenden Haus im zu Prien benachbarten Rimsting angeboten. Für meine Eltern eine willkommene Möglichkeit, mal drei Wochen Ruhe vor mir zu bekommen und so verbrachte ich einige Sommer meiner frühen Gymnasial-Jahre am Chiemsee. Dazu gehörte auch jedes Mal der Ausflug auf die Herreninsel, wo sich das nach Vorbild von Versailles vom Märchenkönig Ludwig II. von Bayern erbaute prunkvolle Schloss mit Namen ‚Herrenchiemsee‘ befindet. Es bot sich heute also eine gute Gelegenheit, ein ‚Trauma der Kindheit‘ zu bewältigen. Vom Anleger in Prien kann man mit dem Ausflugsboot innert einer Viertelstunde übersetzen und vom Steg der Insel in einer Viertelstunde zum Schloss spazieren. Auf der Innenbesichtigung verzichtete ich, da diese nur im Rahmen einer Führung möglich ist, worauf ich nicht so stehe. Aber mit dem Park gibt der Bau auch von außen ordentlich was her.
Von Prien nach Traunstein waren es dann nur noch 20 Minuten Bahnfahrt. Der Jakob-Schaumaier-Sportpark liegt am Rande der Stadt und verfügt über mehrere Spielfelder. Eines davon ist mit einer recht großen Tribüne ausgestattet, die übrigen Seiten ermöglichen durch begrünte Wälle erhöhtes Zuschauen. Beachtet man die Details der Anlage, wird deutlich, dass einiges an Geld in die Hand genommen wurde. Das hätte man aber vielleicht besser in die Mannschaft investieren sollen, denn diese schwebt in höchster Abstiegsgefahr. Daher war für den Sportbund ein Sieg im heutigen Derby gegen die Sechz’ger aus Rosenheim, die selber noch was brauchten, um der Abstiegsregion zu entrinnen, Pflicht. Als ‚Inn-Salzach-Derby‘ wird dieses Spiel bezeichnet und es lockte eine ordentliche Anzahl an Zuschauern in den Sportpark. In einem gut anzuschauenden Spiel kämpften die Teams auf Augenhöhe um die Zähler, ein Tor wollte zunächst niemandem gelingen. Zum psychologisch günstigen (oder ungünstigen?) Zeitpunkt erzielten die Gäste mit dem Pausenpfiff die Führung. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild zunächst nicht. Als die Gastgeber dem Ausgleich näher und näher zu kommen schienen, trafen aber die Gäste erneut und zogen den Hoffnungen der Traunsteiner den Zahn. Der dritte Treffer war nur noch Kosmetik und der Sportbund wird wohl – wenn überhaupt – über die Relegation um den Klassenerhalt streiten müssen.