Sportzentrum Nord, 500 Zuschauer, Relegation zur Westfalenliga
Etwas umständlich werden die Aufsteiger in die Westfalenligen bestimmt. Während die vier Landesliga-Meister als Aufsteiger feststanden, werden unter den vier Landesliga-Vizemeistern drei weitere Aufsteiger gesucht. Waltrop war der neutrale Spielort für dieses Relegationsspiel zwischen den Westmünsterländern aus Ahaus und den Ostwestfalen aus Kaunitz. Beide Vereine hatten ihren Anhängern Busse für die Anreise zur Verfügung gestellt, die Fans der Eintracht aus der Schlösser-Stadt Ahaus waren deutlich in der Überzahl. Ein Großteil der Mitgereisten schien auf der Anreise schon das eine oder andere Spaßgetränk zu sich genommen zu haben, denn die Stimmung im rot-weißen Lager war durchaus ausgelassen. Mit einem motivierenden Banner wurde der Mannschaft Mut zugesprochen und mittels Luftballons in den Vereinsfarben etwas Farbe in den Fanblock gebracht. Das stellte sich nach dem Anpfiff als nicht so gute Idee heraus, denn der Wind trug immer wieder Ballons auf die Plastikwiese und der Unparteiische war sich nicht zu blöde, den Kick jedes Mal panisch zu unterbrechen, denn es hätte sich ja auch um Wasserstoffbomben handeln können.
Ein kollektives ‚Platzkonzert‘ auf Bitten des Sprechers beendete dieses Schauspiel letztlich. Die Gäste beließen es bei ein paar handelsüblichen kleinen Fähnchen. Auf Seiten der Ahauser hatte auch noch die Bierstandszene des SuS Legden angeflaggt. In einem ausgeglichenen Spiel gingen die Ostwestfalen früh in Führung, die Eintracht konnte aber bald ausgleichen, was das Kaunitzer Team aber im direkt nach dem Wiederanpfiff mit der erneuten Führung korrigierte. Nach dem Seitenwechsel verlagerte sich das Geschehen mehr und mehr vor das Kaunitzer Tor und der erneute Ausgleich fiel folgerichtig. Wendepunkt des Geschehens waren die dritte Führung für den FC Kaunitz und ein Platzverweis gegen die Münsterländer wenig später. Danach war die Moral gebrochen und die Ostwestfalen gestalteten das Ergebnis in der Schlussphase noch deutlich. Die Eintracht erhält eine zweite Chance im Spiel gegen den Verlierer des anderen Halbfinals.
Jahnstadion, 1.400 Zuschauer, Relegation zur Bezirksliga Westfalen
Tja, eigentlich wäre dieser Samstag mit dem Spielbesuch im Heilbronner Frankenstadion gekrönt worden, jedoch waren ein paar Regentropfen mal wieder zu viel für den heiligen Rasen und daher die Verlegung auf den Kunstrasen-Nebenplatz nur konsequent. Stattdessen ging es ins Kamener Jahnstadion, dass irgendwann schon einmal bei einem belanglosen Spiel besucht wurde. Mit dem heutigen Entscheidungsspiel war die erneute Anreise mehr als gerechtfertigt, die Kulisse letztlich mehr als würdig. Aus beiden Lagern waren hunderte Anhänger mitgereist, bei Rot-Weiß Unna handelt es sich eh um einen sehr mitgliederstarken Club. Die Jungs in den guten Farben zündeten zum Intro etwas Pyro, was aufgrund des windigen Wetters erst einmal den ganzen Platz einnebelte. Die Anfangsphase gehörte den Rot-Weißen, die bereits nach zehn Minuten den Führungstreffer erzielten, worauf erneut ein paar Fackeln brannten, was den Sprecher veranlasste panisch mit dem Spielabbruch zu drohen. Auch danach war RWU dem zweiten Tor näher als der TuS seinem ersten und dennoch gelang dem TuS der Ausgleich.
Die erste Hälfte blieben die Unnaer (nennt man die so… oder doch eher Unnesen, Unnen oder Unniguren?) aber das stärkere Team und konnten durch zwei Buden fünf Minuten vor und nach dem Seitenwechsel auf 3:1 stellen und das Tor zur Bezirksliga weit öffnen. Nach einer Stunde Spielzeit bereitete der TuS mit dem Anschlusstreffer das Feld für eine spannende Schlussphase. Und die hatte es in sich, denn nach dem die Unnesen bei einem Überzahl-Konter die Entscheidung leichtfertig vergaben, kam der Gegner in der sechsten Minute der Nachspielzeit doch noch zum Ausgleich. Die Extra-Time blieb recht ereignislos und das Elfer-Blötschen musste die Entscheidung bringen. Hier verwandelten alle TuS-Schützen zum Aufstieg, während die Unniguren drei Male vom Punkt vergaben. Die TuS-Anhänger zündeten anschließend ein paar Freudenfeuer in Grün und auch im Unnaer Lager wurde der Pyro-Restbestand abgefackelt – wofür hat man das Zeug auch mit?! So ergab sich zum Abschluss ein wunderbares rot-grünes Pyro-Gemisch.
VfB-Stadion an der Gisselberger Straße, 620 Zuschauer, Relegation zur Oberliga Hessen
Für dieses Wochenende hatte ich mal wieder ganz andere Pläne, ein Konglomerat aus viel zu spät eintrudelnden Ticketzusagen, Fehleinschätzungen, Problemen bei der Entscheidungsfindung, Verlegungen auf Nebenplätze – Angehörige der Bewegung werden diese Sachlagen kennen – führte aber nur zum heutigen Ausflug außerhalb des Einzugsgebietes. Die drei Tabellenzweiten der hessischen Verbandsligen und der VfB aus der Hessenliga kämpften in einem K.O.-System um einen letzten Oberliga-Startplatz für die neue Saison. Die Gegner für das Finale auf neutralem Boden wurden in Hin- und Rückspiel gesucht und der VfB konnte die erste Partie in Bad Soden mit dem kleinstmöglichen Sieg-Resultat für sich entscheiden. Eine einigermaßen bequeme Ausgangslage für das Rückspiel also, aber trügerisch, denn nur ein Gästetreffer würde den Vergleich egalisieren. Obwohl der VfB von Beginn an spielbestimmend war, kam es auch so und ein zweifelhafter Handelfmeter brachte dem Gäste-Team die Führung. Das war der Auftakt für wilde zehn Minuten, denn der VfB glich postwendend aus. Doch eine direkt verwandelte Ecke brachte den Kurstädtern die erneute Führung, die aber ebenfalls nur kurze Zeit Bestand hatte. Im zweiten Durchgang blieben die Gastgeber das dominantere Team und entschieden das Spiel mit dem dritten Treffer zehn Minuten vor Schluss zu ihren Gunsten. Das VfB-Stadion liegt in einem großen Sportpark, zu dem auch das 12.000 Zuschauer fassende Georg-Gaßmann-Stadion gehört. Während eine Hintertor-Seite unmittelbar an ein Gebäude grenzt in dem sich im Erdgeschoss der Sozialtrakt des Vereins und die Gastronomie und darüber auf zwei Etagen Wohnungen befinden, kann man auf den verbliebenen drei Seiten stehend das Geschehen verfolgen. Der einzige kleine gedeckte Bereich wurde leider vor ein paar Jahren seines Daches beraubt.
1.FC Preußen Hochlarmark II vs DJK SV Grün-Weiß Erkenschwick 0:0
Senghorst-Stadion, 140 Zuschauer, Relegation zur Kreisliga B Recklinghausen
Die Wochen nach dem Abschluss der Liga-Spielrunden sind Relegations-Zeit und ich startete, nun ja … sagen wir mal ‚bodenständig‘ in diese. Im ‚Senghorst-Stadion‘, unweit der Halde ‚Hoheward‘ mit dem sogenannten ‚Horizont-Observatorium‘ liegend, duellierten sich die Zweitvertretungen von Preußen Hochlarmark und Grün-Weiß Erkenschwick, um einen späteren Aufsteiger in die Kreisliga B zu ermitteln. Dass dieses nicht hier und heute der Fall sein würde, erschloss sich mir erst am Ende der Partie als, es mit dem torlosen Remis unaufgeregt in die Kabinen ging und mich die Aktiven damit zunächst ratlos zurückließen. Gespielt wird nämlich im Liga-Modus in einer Vierer-Gruppe und wir schrieben erst Spieltag eins. Klarer Fall von schlechter Vorbereitung aber ich plädiere auf Bewährung, da ich mich erst eine Stunde vor Anstoß für diesen Spielbesuch entschied. Mit ‚besserem‘ Fußball kann man diese Spielstätte aktuell auch nicht besuchen, vielleicht ja in der kommenden Spielzeit, denn auch die Erste der Preußen spielt lediglich in der Kreisliga C und das auch noch erfolgloser. Die zweite Mannschaft ist ein kurdisch geprägtes Team, der Verein betont sein Engagement im Auftrag der Integration. Klug von einem besonnenen Schiedsrichter geleitet, verlief die Partie jederzeit in geordneten Bahnen. Die Teams begegneten sich auf Augenhöhe und zeigten ein gar nicht mal so schlechtes Spiel, welches mit einem für dieses Ligen-Niveau seltenem torlosem Remis endete.
Sportanlage Am Diesterkamp, 200 Zuschauer, 1.Kreisklasse Rothenburg Nord
Der Anlass des Besuches bei Freunden im beschaulichen Dorf Volkmarst, in dem nicht einmal 250 Menschen ihr Zuhause haben, war eigentlich der große Tractorpulling-Event, der den Ort einmal jährlich aus allen Nähten platzen lässt. Es bot sich aber außerdem auch die Gelegenheit dem örtlichen Fußballverein TSV Basdahl-Volkmarstdie Aufwartung zu machen. Der Club entstand vor über 30 Jahren aus der Fusion des MTV Jahn Volkmarst und des TSV Basdahl und hat seinen Spielort im größeren, nur drei Kilometer entfernt liegenden Basdahl, während die Platzanlage des MTV Jahn mittlerweile als Austragungsort für das Farmpulling dient. Der letzte Spieltag war für den TSV durchaus noch von Bedeutung, denn als Tabellenzweiter benötigten die Gastgeber noch mindestens einen Punkt, um sicher für das Relegationsspiel gegen den Zweiten der parallelen Staffel um den Aufstieg in die Kreisliga erreichen zu können. Auf einem richtig schönen Dorfsportplatz mühte sich der TSV vor recht ansprechender Kulisse, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, traf dabei aber auf einen widerspenstigen Gegner, der nicht nur als Statist herhalten wollte. Unter der Leitung eines Schiedsrichters mit dem wohlklingenden Nachnamen ‚Pils‘ erzielten die Gäste nach einer halben Stunde Spielzeit die Führung. Kurz vor dem Seitenwechsel glich der TSV per Strafstoß aus, kassierte aber noch kürzer vor der Pause einen weiteren Gegentreffer. Der dritte Gäste-Streich schien die Partie zu entscheiden, aber unermüdlich kämpfend konnte der TSV durch einen Doppelschlag tief in der Nachspielzeit noch verdient ausgleichen und den Einzug in das Endspiel um den Aufstieg feiern.
Sportplatz Am Waldschlösschen, 1.000 Zuschauer, Kreispokal Bochum Finale
Im Rahmen eines Finalspieltages mit drei Partien war das Bochumer Kreispokal-Endspiel der Senioren zwischen den Gastgebern und der SG Wattenscheid 09 der abschließende Höhepunkt. Die kleine, enge Anlage in Weitmar war sehr gut besucht, das Drumherum erinnerte aber mehr an ein Gemeindefest, denn an eine Sportveranstaltung. Die Hausherren hofften natürlich auf eine Sensation und die lag auch eine Zeitlang in der Luft, denn der Bezirksligist ging schon nach drei Spielminuten in Führung. Der Oberligist tat sich schwer und wurde durch schnelle Konter immer wieder in Verlegenheit gebracht. Die Überlegenheit zahlte sich dann aber doch aus und bis zum Seitenwechsel wurde das Resultat gedreht, die Gastgeber hatten mit dem Pausenpfiff noch Pech mit einem Alu-Treffer. Nach dem Seitenwechsel gelang aber nur noch selten Entlastung und die schwarz-weißen Vorstädter machten in der Schlussphase alles klar.
Sportanlage Hans-Böckler-Straße, 60 Zuschauer, Kreisliga B Düsseldorf Gruppe 1
Eine wechselhafte Geschichte hat der Ballspielverein 04 aus der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens. Lange Zeit spielte der Verein meist auf Landesliga-Niveau mit wenigen Ausreißern nach unten und oben. Mitte der vergangenen Dekade begaben sich die Schwarz-Roten dann in eine Abwärtsspirale die letztlich gar in der Kreisliga C endete. Seit in paar Saisons wird wieder auf B-Klassen-Ebene gekickt, bisher allerdings ohne ernsthaft ins Aufstiegsgeschehen eingreifen zu können. Überregional bekannt ist der BV 04 für die jährlich zu Ostern ausgerichtete und schon seit über 60 Jahren stattfindende ‚U19-Champions-Trophy‘, zu der namhafte Mannschaften aus Europa und auch aus der ganzen Welt anreisen. Die Sportanlage liegt eher untypisch inmitten eines gemischten Wohn- und Geschäftsquartieres und erhält durch die umliegende Bebauung auf irgendeine Art eine interessante Kulisse. Prunkstück der Anlage ist der Naturrasenplatz mit der überdachten Tribüne. Eine gute Note hat auch das durch den Pächter der Vereinsgaststätte geführte Grill-Catering verdient. Die Sucuk im Fladenbrot mit Gurken und geschmorten Zwiebeln waren hervorragend. Während der BV 04 jenseits von Gut und Böse im oberen Mittelfeld des Tableaus steht, ging es für die Gäste um nichts weniger als den Aufstieg. Mit einem passenden Ergebnis des Verfolgers hätte dieser schon heute realisiert werden können. Daraus wurde nichts, aber mit dem heutigen Kantersieg wurde das Tor zur Kreisliga A sperrangelweit aufgestoßen.
MSV-Arena, 27.719 Zuschauer, Niederrheinpokal Finale
Das Finale um den Verbandspokal stand an und es sollte (leider) ein denkwürdiges werden. Da sich die Wege mit dem Un-Verein aus der verbotenen Stadt seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr gekreuzt haben, sind die Zebras inzwischen zum Erzrivalen 1B aufgestiegen. Dementsprechend heiß waren beide Seiten auf dieses Spiel, sodass in den Verkaufsphasen beider Vereine binnen kürzester Zeit sold out vermeldet werden durfte. Knapp 28.000 Leute besuchten dieses Spiel. Aus Sicherheitsgründen mussten beinahe 4.000 Plätze leer bleiben, was dann leider doch große Lücken auf den Tribünen bedeutete. Ein Derby zwischen dem MSV und den glorreichen Roten ist nie ein normales Spiel, sondern immer besonders, erst recht in einem Finale. Heute sollte es leider auf unerfreuliche Art noch ‚besonderer‘ werden. Das Intro zur Partie war noch mehr als würdig. Die Nordkurve ließ eine große, detailliert gemalte Blockfahne herunter, deren Motiv einen älteren MSV-Fan vor der Haupttribüne des alten Wedaustadions zeigte, untermalt von einem Banner am Zaun mit Titel „Smells like teen spirit“, was vermutlich auf die ‚Wiederauferstehung‘ des Vereins nach dem letztjährigen Abstieg und der dadurch entfachten Euphorie abzielte. Im Gästebereich wurde eine einfache Choreo aus roten Folien im Oberrang und deren weissen im Unterrang und darüber mittig das Vereinswappen präsentiert. An Balustrade und Zaun prangte in großen Lettern „Der Schreck vom Niederrhein, das bist nur Du allein“. Ausführung eher Note drei minus, denn da der Away-Sektor nicht gleichmäßig belegt war, weil die Sitzplätze nicht genutzt wurden, da alle RWE-Anhänger standen und zusammenrückten, wurde die Blockfahne mit dem Wappen zunächst nicht richtig strammgezogen. Manche Leute zeigten sich einfach zu dämlich oder wehrten sich sogar unverständlicherweise gar dagegen.
Die MSV-Kurve um Kohorte, PGDU und Co stellte dann kurze Zeit nach dem Anpfiff aus unersichtlichem Grunde den Support ein, während auf rot-weisser Seite munter weiter gesungen wurde. Das war letztlich der Auslöser, dass nach dem Spiel mehr darüber diskutiert wurde, warum, wann und wie lange der Gästeblock supportet hat oder nicht, als über das Spiel selbst. Im Oberrang der Nordkurve hatte es einen medizinischen Notfall mit Reanimationsmaßnahmen gegeben. Naturgemäß dauerte es eine ganz Weile bis das im Gästebereich auf der anderen Seite des Stadions ankam, zumal die RWE-Ultra-Szene ja ihrerseits mit der Anfeuerung beschäftigt war. Einigen im Stadion dauerte das zu lange, weshalb der Vorwurf im Raume steht, die RWE-Ultras hätten den Vorfall ignoriert. Eine angemessene Durchsage der Stadionregie hätte für Klarheit sorgen können, denn sicherlich waren auch große Teile der Zuschauer in den Heimbereichen irritiert, zudem hätte der Schiedsrichter das Spiel für die Dauer des Rettungseinsatzes auch unterbrechen können. Nachdem also die Information durchgesickert war, wurde auch im Away-Sektor der Support eingestellt. Für eine gute Viertelstunde herrschte nun weitgehend kollektives Schweigen, bis nach etwa einer halben Stunde Spielzeit dann Applaus im Duisburger Publikum aufbrandete, ein offensichtliches Zeichen, dass die Situation entschärft wurde, sich die Lage für den Betroffenen verbessert hatte.
Die RWE-Szene entschied sich daher, die Anfeuerung wieder aufzunehmen, in der Nordkurve war kurz zu beobachten, dass man sich ebenfalls zum Support rüstete, die Fahnen wurden aus- dann aber wieder eingerollt und das Schweigen fortgesetzt, diese Entscheidung blieb aus der Perspektive von der anderen Seite uneindeutig. Kurz vor dem Ender der Halbzeitpause meldete sich endlich der Sprecher und gab bekannt, dass die betroffene Person ins Krankenhaus transportiert wurde, leider ist dieser im Laufe der folgenden Nacht dann aber verstorben, was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen konnte. Die für ihren straffen Politik- und Ethikkodex bekannte Ultra-Szene der Zebras blieb auch während des zweiten Durchgangs stumm, eine Entscheidung, die es zu respektieren gilt, aber eben eine individuelle, subjektiv getroffene. Das normale Publikum raffte sich ab und an zu altbekannten Schlachtrufen und Gesängen auf, während von rot-weisser Seite durchgängig supportet wurde. Die Durchsage des Sprechers über den Abtransport des Patienten ins Krankenhaus suggerierte natürlich, dass die Person nun gut versorgt ist, über eine offenbar weiterhin bestehende Lebensgefahr war nichts bekannt. Von Seiten der MSV-Fans wird der RWE-Szene nun vorgehalten, sich ungerührt vom Schicksal des Patienten gezeigt zu haben, es wird fehlendes Fingerspitzengefühl und Empathielosigkeit vorgeworfen.
Unnötig angeheizt wurde diese Diskussion im TV-Interview unmittelbar nach Spiel durch MSV-Trainer Didi Hirsch, der sich durch das Schweigen der eigenen Kurve und die daraus resultierend dominanten RWE-Fans um den Heimvorteil gebracht sah und den Gäste-Fans deshalb Respektlosigkeit vorwarf. Entschuldigend sei angeführt, dass Hirsch aufgrund des gerade erst beendeten Spiels sicherlich noch emotionsgeladen war, jedoch schafften es dagegen einige MSV-Anhänger schnell, die Situation sachlich und ehrlich einzuordnen. Weiterhin ist mir kein Gesetz bekannt, welches vorschreibt, dass man den Support einstellen muss, wenn jemand im Stadion medizinisch behandelt werden muss, auch nicht wie lange die Stille durchzuhalten wäre. Es geht hier natürlich um Ethik und Moral und, ja klar, auch um Respekt das ist sicherlich richtig. Auch mit der rot-weissen Brille auf der Nase maße ich mir aber an, die Situation reell einschätzen zu können, da ich ja nun selbst den Eindruck aus dem Away-Sektor mitgenommen habe. Und so hat sich der rot-weisse Anhang nach meiner Einschätzung anhand der erhaltenen Informationen korrekt verhalten. Dass die Duisburger Ultra-Szene, die am näher am unglücklichen Geschehen positioniert war und daher natürlich auch kurzfristiger an eindeutige Informationen gekommen sein dürfte, sich entschied, auch die übrige Spielzeit auf den organisierten Support zu verzichten, darf nicht als Maßstab für die Entscheidung der RWE-Szene dienen. Zumal das unorganisierte Publikum des MSV, wie schon erwähnt, ebenfalls Anfeuerung von sich gab.
Sportliche rückte der Kick durch die unglücklichen Geschehnisse etwas in den Hintergrund und das Spiel konnte die Erwartungen aufgrund der Gesamtumstände nicht erfüllen. Als ob es der Wettergott vorher schon wusste, versank der Nachmittag auch noch im Duisburger Schnürregen. Klar, wir brauchen den Regen, aber der kommt ja auch immer dann, wenn er eben nervt. Die ersten zehn Minuten gehörten den Mannen in Rot und Weiss, ehe MSV-Sturmführer Sussek durch eine Einzelaktion das Selbstvertrauen bei den Gastgebern weckte. Mit Leidenschaft und Kampf schafften es die Gastgeber nun, die individuelle Unterlegenheit auszugleichen, während der RWE zwar den Ballbesitz hatte, im Spielaufbau aber zu gemächlich unterwegs war, um die Meidericher zu gefährden. Nach nicht mal zwanzig Minuten nahm ein Duisburger nach einem abgewehrten Eckball aus bestimmt 25 Metern Maß und hätte die Kirsche rechts am Tor vorbeigejagt. Meuer hielt aber seine Rübe in den Schuss und lenkte die Murmel unhaltbar ins Tor, da Wienand gerade in die andere Ecke unterwegs war. Das Spiel änderte sich danach nicht, die Gastgeber warfen alles rein, während der RWE um Struktur bemüht war. Es gab kleinere Möglichkeiten auf beiden Seiten, zählbar wurde es aber erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als Gjasula eine Arslan-Flanke zum Ausgleich einnickte. Zu diesem Zeitpunkt sicherlich glücklich, unverdient war es aber nicht.
Nach dem Seitenwechsel drückten die etwas favorisierten Gäste dem Kick dann aber mehr den Stempel auf, kontrollierten die Partie. Lucas Brumme, der bis dahin noch nicht zu seiner Normalform gefunden hatte, flankte dann wenige Minuten nach Wiederanpfiff punktgenau auf Safi, der das Spielgerät gegen die Laufrichtung des MSV-Schnappers zur Führung ins Netz köpfte. In der Folge blieb der RWE der Regisseur des Spiels, der MSV konnte das Ruder zunächst nicht an sich reißen, erarbeitete sich aber dennoch Möglichkeiten. In der Schlussviertelstunde nahmen die Gastgeber mit dem Mute der Verzweiflung dann das Heft langsam in die Hand und waren dem Ausgleich nahe. Die größte Möglichkeit bot sich aber RWE-Kapitän Schultz, der zunächst MSV-Keeper Braune per Kopfball prüfte, den sich überraschend bietenden Nachschuss dann in Rücklage aus vier Metern über die Querlatte in den Regen jagte. Das war es dann und der Niederrheinpokal wanderte zum wiederholten Male an die Hafenstraße. Die Partie war eng, der Sieg ist dennoch nicht ganz unverdient, da der RWE das Spiel beinahe komplett kontrollierte, wenn auch in der ersten Hälfte auf überschaubarem Niveau. Die Siegerehrung wurde aufgrund der sensiblen Situation in die Katakomben der Haupttribüne verlegt, die Mannschaft stürmte danach aber mit dem Pokal in die Kurve um mit dieser zu feiern. Dass die Stadionregie die Musik dann möglichst laut aufdrehte, um die Feierlichkeiten bestmöglich zu stören, war dann auch weniger respektvoll. Eine aufgrund der traurigen Umstände denkwürdige Veranstaltung fand so ein begrenzt vergnügliches Ende.