Basel – So., 03.09.2023, 16:30

FC Basel vs FC Zürich 2:2

St.Jakob-Park, 27.744 Zuschauer, Super League
Dass im ‚Clasico de Suiza‘ die beiden Schweizer Erzrivalen, die auch jeweils die größten Fan-Massen im Lande hinter sich wissen, an diesem Wochenende gegeneinander antraten, passte natürlich wunderbar ins Portfolio. Zuletzt hatte ich dieser Partie vor mehr als zehn Jahren beiwohnen dürfen. Der FCB ist überwältigend mies in die Saison gestartet. Im Europapokal ereilte den Club das Aus gegen einen kasachischen Vertreter und in der Liga krebsen die Blau-Roten im unteren Tabellendrittel rum. Anders sieht es beim FCZ aus. Zwar ist ‚Züri‘ international gar nicht erst dabei gewesen, aber in der Liga läuft es prächtig und man grüßt entspannt von der Tabellenspitze. Mit entsprechender Euphorie reiste der Anhang daher zahlreich in die Grenzstadt. Gut 3.000 Leute werden es wohl gewesen sein, für welche die Kapazität des Gästeblocks nicht ausreichte und daher auch benachbarte Sektoren freigegeben wurden. Eine Choreo hatten die Gäste auch im Gepäck. An der Brüstung des Oberrangs wurde das Club-Kürzel in großen Buchstaben befestigt, welches mit detaillierten Spielermotiven versehen war. Wurfrollen, Bengal- und Rauchfackeln ergaben dann ein schönes Chaos-Intro. Die ‚Muttenzer Kurve‘ hatte eine Zettel-Choreo im Angebot, die teils durch kleine Schwenker ergänzt wurde. Das Bild ergab einen sehr sauber dargestellten Ausschnitt des Club-Wappens. Für die Ausführung konnte es eigentlich nur die Bestnote geben – fand ich schon stark, die Darstellung auf einer Stehtribüne so sauber hinzubekommen. Während die Heimkurve relativ überraschend komplett auf Pyrotechnik verzichtete, brannte es bei den Gästen regelmäßig, während des zweiten Durchgangs eigentlich auch dauerhaft.
Auf dem Feld dominierte der FCB die Partie und erarbeitete sich mehrere Abschlüsse, allerdings ohne finalen Erfolg. Kurz nachdem die Gastgeber dann eine eintausendprozentige Möglichkeit auf unfassbare Art vergeben hatten, kam der FCZ auch mal gefährlich nach vorn und schon klingelte es im Kasten. Fußball kann gemein sein. Als wenige Minuten nach dem Seitenwechsel der zweite Treffer für die ‚Zürcher‘ fiel, schien das Spiel seinen Sieger gefunden zu haben. Aber die Hausherren gaben sich nie auf, arbeiteten weiter, erzielten per direkt verwandeltem Freistoß den Anschluss und machten das Geschehen wieder spannend. Tief in der Nachspielzeit gelang dann auch der mehr als verdiente Ausgleich. Damit wurde auch die ‚Muttenzer Kurve‘ belohnt, die jederzeit Vollgas gab. Akustisch blieben sie aus meiner Position allerdings subjektiv hinter den Gästen zurück, was allerdings eben daran lag, dass ich dem Gästeblock näher war als der Heimkurve. Aber auch so ist die ‚Zürcher Südkurve‘ für mich aktuell die stärkste Szene des Landes und ich finde deren Liedgut auch richtig eingängig und stark. Es war insgesamt nicht die ganz große Show, aber für den neutralen Beobachter sicherlich eine kurzweilige Angelegenheit.

Basel – So., 03.09.2023, 14:00

FC Concordia Basel vs FC Black Stars Basel 2:0

Leichtathletikstadion St.Jakob, 325 Zuschauer, 1.Liga Classic
In unmittelbarer Nähe zum ‚St.Jakob-Park‘ traf in der vierklassigen ‚1.Liga Classic‘ der FC Concordia im Ortsderby auf die Black Stars. Kein Spiel und kein Stadion, das mir länger in Erinnerung bleiben wird, aber es passte halt gut vor den ‚Main Event‘ des Tages. Hier traf man auch wieder mit den üblichen rot-weissen Verdächtigen zusammen, die sich das Wochenende ebenfalls in der Ecke um die Ohren gekloppt hatten, aber mit teilweise alternativen Spielbesuchen. Sportlich war der Kick ganz gut anzusehen und die Eintracht – denn nichts anderes bedeutet das lateinische Wort Concordia – konnte die von den Spielanteilen enge Partie für sich entscheiden. Selbst manchen Einheimischen war der zu entrichtende Eintritt wohl zu teuer und so wurde kurzerhand das günstig gegenüber dem Stadion liegende Parkhaus zur Tribüne umfunktioniert.

Brunstatt-Didenheim – So., 03.09.2023, 10:00

FC Brunstatt 3 vs US Vallée de la Thur 3 4:1

Stade Omnisports de Moulin, 13 Zuschauer, Ligue District 7 Alsace Poule N
Mein Mitreisender war stark bemüht, ein Spiel für den heutigen Morgen zu recherchieren und wurde schließlich auf übelstem Amateur-Niveau fündig. In der 15.(!) Spielklasse – es gibt sogar noch eine 16.Spielklasse, dann ist aber wirklich Schluss – wurde munter vor sich hingebolzt. Der erste Versuch am ‚Stade Bruno Barina‘ schlug aufgrund von akutem Nebenplatz-Terror noch fehl, aber ein paar Kilometer weiter passte es dann. Da man es auf diesem Niveau mit der Pünktlichkeit offenbar nicht sehr genau nimmt, verpassten wir auch lediglich zwei oder drei Minuten. Im Stade de Moulin suchte man eine namensgebende Mühle vergeblich. Ebenso wie einen offiziellen Schiedsrichter, einen Trainer bei den Gastgebern oder mehr als einen Ersatzspieler beim Gäste-Team. Als wir eintrafen waren wir Zuschauer Nummer vier und fünf, 13 Personen sollten es schließlich werden, welche nach und nach die Sportanlage betraten. Drei kleine Kinder beschäftigten sich aber anderweitig und ein kleiner schwarzer Hund, der die Menschenschaar ergänzte, zeigte ebenso wenig Interesse am Spielgeschehen. Ein Paradebeispiel für Rumpelfußball wurde uns dann geboten, welches auf seine Art unterhaltsam war. In Einzelaktionen ließ so mancher Akteur dann sein individuelles ‚Können‘ aufblitzen, welches im Zusammenspiel aber schnell wieder verblasste. Dennoch war diese Veranstaltung sehr kurzweilig, wenn man mal auf die feinen Details achtete, die der Bodensatz des Amateurfußballs bietet.

Mulhouse – Sa., 02.09.2023, 18:30

FC Mulhouse vs FC Saint-Louis Neuweg 1:3

Stade de l’Ill, 200 Zuschauer, Ligue du Grand-Est Regional 1
Der Football Club de Mulhouse hat eine interessante Vereinsgeschichte. Bedingt durch die wechselhafte Historie Elsass-Lothringens nahm der Verein bis Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und während des zweiten Weltkrieges am Spielbetrieb des DFB teil. Das führte dazu, dass der Verein in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1941 als FC Mühlhausen und anderem gegen TuS Helene antrat, einen Traditionsverein aus Essen-Altenessen und auch Stamm-Verein von Otto Rehagel. Deutscher Meister wurde 1941 übrigens Rapid Wien, der einzige Deutsche Titelträger, der nicht dem heutigen deutschen Staatsgebiet angehört, das einen 0:3-Rückstand gegen den blauen Un-Verein aus der verbotenen Stadt noch umbog. Gut so! Im französischen Ligabetrieb schaffte es der FCM auch für vier Spielzeiten in die höchste Spielklasse, stieg aber jeweils sofort wieder ab. Ganz so schlimm wie den heutigen B-Ligisten TuS Helene hat es den FC Mulhouse nicht getroffen, aber einen höheren Anspruch als die Teilnahme am Spielbetrieb der sechstklassigen Regional 1 dürfte der Verein wohl haben. So ist das fette Stade de l’Ill auch völlig überdimensioniert für die aktuelle Situation, in welcher sich der Verein befindet. Ein flacher Stufenbereich um die Leichtathletikbahn wird überragt von einer Großen Haupt- und einer noch größeren Gegentribüne, die sich bis in die Kurven zieht.
Trotz der sportlich überschaubar attraktiven Liga, in der sich der Club abmüht, durfte die Mannschaft auf die Unterstützung von etwa 30 Ultras zählen, welche sich hinter einem ‚Brigade Ultra 1988‘-Banner versammelten. Zum Intro zeigten diese eine kleine Choreo zu Ehren eines kürzlich verstorbenen Mitglieds der Gruppe, bestehend aus Folienbahnen, ein paar Fackeln und einem großen Doppelhalter mit dem Konterfei des Verstorbenen. Die Gastgeber hatten das Spiel im ersten Durchgang fest im Griff und ging verdient in Führung. Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie komplett und es spielten nur noch die Gäste. Nachdem einige brenzlige Situationen noch glücklich überstanden wurden, fiel eine gute Viertelstunde der mittlerweile hochverdiente Ausgleich. Die Ultras waren nach ordentlichem Dauersupport im ersten Durchgang schließlich immer unzufriedener geworden und deckten den nahe am Fanblock feiernden Torschützen mit einem Hagel aus Bierbechern und einem Kunststoffrohr ein. Dass kurz darauf der Führungstreffer und nach Roter Karte gegen den Torhüter des FCM in der Nachspielzeit noch der dritte Treffer für die Gäste fiel, trug nicht zur Befriedung der Situation bei.

Freiburg – Sa., 02.09.2023, 14:00

SC Freiburg U23 vs Rot-Weiss Essen 0:2

Dreisamstadion, 2.027 Zuschauer, 3.Liga
Während sportlich alles in recht ruhigen Bahnen verläuft, sorgen hinter den Kulissen getroffene Entscheidungen zum Teil für wenig Verständnis. So wurde der Vorstand um eine Personalie erweitert und dass diese eine blau-weiße Vergangenheit hat, sorgt für Unruhe. Auch wenn es in erster Linie darum geht, den Verein weiter zu professionalisieren, und diese Entscheidung rational nachvollziehbar scheint, darf man die emotionale Wirkung nicht unterschätzen. Weiterhin wurde bekannt, dass es keine Neuverpflichtungen vor Ablauf der Sommer-Transferperiode mehr geben wird. Es stieß also weder für den Sturm noch für die Defensive eine dringend benötigte Alternative zum Kader hinzu. Stattdessen wurde ein neuer Rasen verpflichtet. Sicherlich eine nachvollziehbare, wenn nicht sogar unabdingbare Entscheidung, allerdings genießt auch das Thema Rasen ‚Sensibilität‘, denn das Abweichen von der Rollrasen-Strategie hin zum Einsähen war eine Fehlentscheidung, die dem Vorstand angelastet wird, denn dieser hat die Entscheidung ja auch final genommen. Die 125.000 Euro teure Kehrtwende kommt natürlich nicht gut an, zumal der Anhang diese Summe lieber in Beine statt Steine, respektive Rasen, investiert gesehen hätte.
Zumindest konnte die Reise nach Freiburg sportlich einigermaßen entspannt angetreten werden. Nach dem befreienden Heimsieg gegen die Preußen, war dem Team der Druck der unbedingten Siegespflicht genommen. Und im Vergleich zu den beiden bisherigen Auswärts-Auftritten zeigte sich auch eine ganz andere Mannschaft. Zumindest soweit das aus dem beschissensten Gästeblock des ganzen Landes zu erkennen war. Mit viel Selbstvertrauen und hoher Konzentration wurde dem technisch starken Nachwuchs des Bundesligisten begegnet. Dieser kombinierte sich zwar immer wieder stark in die rot-weisse Hälfte, konnte aber bis auf zwei Distanzschüsse keinen Ball auf das Tor bringen. Auf der Gegenseite hatte auch der glorreiche RWE immer wieder gute Aktionen und kam zu Abschlüssen. Nur in der Viertelstunde vor der Pause konnten die Gastgeber die Roten in die eigene Hälfte drängen und beschäftigen, aber auch das weiterhin ohne echte Torgefahr. Die Zuschauer hatten sich nach Wiederanpfiff noch gar nicht ganz sortiert, als Sapina einen fantastischen Steilpass auf Harenbrock durchsteckte, der eigentlich zu lange mit dem Torschuss wartete, aber die Murmel dann doch zur Führung im langen Eck unterbrachte. Die Badischen waren danach natürlich weiter bemüht, aber die rot-weisse Defensive stand weiterhin bombensicher und ließ nichts anbrennen. Gute Konterchancen blieben aber leider ungenutzt, so dass der Dreier bis zum Ende am seidenen Faden hing. Dennoch hatte ich eigentlich nie den Eindruck, dass der Sieg noch in Gefahr geraten kann. Ein seltenes Gefühl.
In der vierten Minute der achtminütigen(!) Nachspielzeit ging dann Berlinski in seiner unnachahmlichen, etwas geisteskrank wirkenden Art mit hohem Tempo einem mit zu wenig Druck gespielten Rückpass auf den Freiburger Schnapper nach und provozierte damit den Pressschlag. Im hohen Bogen flog die Kirsch in Richtung Torauslinie und gäbe es die Physik nicht, hätte das Leder die Linie auch sicher überschritten. Die Murmel hatte aber derart viel Drall, dass sie nach dem Aufsetzen im Feld blieb. Berlinski schnappte sich das Spielgerät und zögerte dann eigentlich viel zu lang, um im Eins gegen Eins gegen den zurückgeeilten Torwart den Abschluss zu finden. Der Schussversuch ging auch schief, aber er bekam den Ball aber zurück, spielte mit viel Übersicht auf den freien Obuz, der mit einer Körpertäuschung einen heran spurtenden Freiburger aussteigen ließ und das Ei im langen Eck versendete. Auswärtssieg! Für den Freiburger Nachwuchs riss damit eine Serie von 15 Heimspielen ohne Niederlagen. Der letzte Club der im Dreisamstadion gewinnen konnte war… genau… der RWE! Drei nun ausgetragene Punktspiele gegen die Breisgauer U23 brachten drei Siege ohne Gegentor. Der Sportclub hat das Potential zum Lieblingesgegner. Ich habe mit Blick auf den RWE lange nicht mehr so eine Ruhe verspürt und bin gespannt, ob es nur ein Strohfeuer ist oder sich das Team weiterentwickelt. Es scheint jedenfalls so als ob einige Spieler richtig Bock haben, für diesen Verein zu kicken. Vielleicht wächst da tatsächlich was zusammen. Trainer Dabrowski sitzt nun jedenfalls erst einmal wieder richtig fest im Sattel. Für mich persönlich bleibt es aber eine Momentaufnahme. Echten Kredit muss er sich erst noch ercoachen, da reicht eine (noch?) kurze Erfolgsserie lange nicht aus. 

Dinslaken – Mi., 30.08.2023, 18:30

SuS 09 Dinslaken vs Rot-Weiss Essen 0:6

Sportanlage Voerder Straße, 1.500 Zuschauer, Niederrheinpokal 1.Runde
Zum Bezirksligisten SuS 09 nach Dinslaken führte es den glorreichen RWE in der ersten Pokalrunde des Niederrheinpokals. Pflichtspiele zwischen beiden Teams gab es bisher nur in der Saison 1998/99 in der damals viertklassigen Oberliga Nordrhein. Beide Spiele gewannen die Roten, die am Ende aufstiegen, während SuS 09 die Liga in die andere Richtung verließ und mittlerweile auf Bezirksliga-Ebene agiert. Obwohl die generalüberholte Sportanlage sehr weitläufig ist, waren für das heutige Spiel nur 1.500 Zuschauer zugelassen. Die Abwicklung einer größeren Menschenmenge hatten sich die Gastgeber nicht zugetraut – nach meiner Auffassung eine Fehleinschätzung, denn die Veranstaltung war vom Einlass bis zum Catering sehr gut organisiert. Sportlich ist so ein Spiel ja eigentlich nicht sehr wertvoll. Wie bei solchen Vergleichen üblich, spielte der Favorit mit dem durch Jugendspieler ergänzten zweiten Anzug. Beinahe ebenso üblich hielten die aufgrund der Einmaligkeit eines solchen Spieles euphorisierten Gastgeber die Partie einige Zeit halbwegs offen, bis der RWE nach 20 Minuten die Partie per Doppelschlag quasi schon entschied. Spätestens mit dem dritten Treffer vor der Pause war der Drops dann endgültig gelutscht. Die zweite Hälfte war dann eher ein Schaulaufen, in dem das Resultat glanzlos verdoppelt wurde. Die Gastgeber erarbeiteten sich auch zwei, drei halbherzige Einschuss-Optionen, allerdings nichts welches das von Ersatztormann Wienand gehütete Gehäuse wirklich gefährdete. Von den sechs Toren sah ich nur zwei, einfach, weil die Spannung fehlte und die Zeit mit der Konversation mit diversen Bekannten verbracht wurde. Bei der aktiven Szene, die ja bis zum Halbfinale im Verbandspokal eben gar nicht aktiv ist, herrschte ein wenig Nervosität, da auch ein paar dem ungeliebten Verein aus dem nahen Duisburg nahestehende Gestalten herumschlichen, ansonsten bot die Veranstaltung wenig Grund zur Aufregung.

Oberhausen – Di., 29.08.2023, 19:00

DJK Arminia Klosterhardt vs Rot-Weiß Oberhausen 0:4

Hans-Wagner-Sportanlage, 1.500 Zuschauer, Niederrheinpokal 1.Runde
Zum Erstrunden-Verbandspokalspiel zwischen Landesligist Arminia und dem Platzhirschen der Stadt zog es mich am heutigen Abend nach Oberhausen. Vor 13 Jahren hatte ich auf dieser Anlage ein Spiel gesehen und war der Meinung, dass sich in Form einer Überdachung der Tribüne baulich etwas verändert hatte. Letztlich war das eine Fehlannahme, denn das Tribünendach existierte auch damals schon, wie ich nach Hinweisen aus ‚einschlägigen Kreisen‘ und Sichtung alter Fotos feststellen musste. Unabhängig davon finde ich Pokalspiele zwischen zwei Clubs aus derselben Stadt unter Beteiligung des klassenhöchsten Vereins immer eine reizvolle Angelegenheit. So erlebte diese Partie auch den erwarteten Zuschauerzuspruch und die enge Anlage platzte aus allen Nähten. Eine besondere Rivalität war nicht auszumachen, letztlich dürfte der durchschnittliche Armine – außerhalb dieser Begegnung – auch dem Team aus dem Niederrheinstadion die Daumen drücken. RWO ging früh in Führung, ließ danach aber beste Chancen ungenutzt. Eine elfmeterreife Situation entschied der junge Schiedsrichter gegen den Favoriten. Die Gastgeber kamen selten zur Geltung, konnten sich aber ein paar Mal geschickt nach vorn kombinieren und hatten kurz vor dem Seitenwechsel plötzlich die überraschende Chance auf den Ausgleich, die aber ungenutzt blieb. Nach dem Seitenwechsel ging RWO vor dem Tor konzentrierter zu Werke und erzielte schnell den zweiten Treffer, womit die Sache auch geklärt war. In der Schlussphase schraubte der Regionalligist das Resultat dann noch verdient in standesgemäße Höhe.

Essen – So., 27.08.2023, 19:30

Rot-Weiss Essen vs SC Preußen Münster 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 18.677 Zuschauer, 3.Liga
Vom Wasserturm ging es direkt an die Hafenstraße, wo ich heute in den Business-Bereich eingeladen war. Neben freiem Konsum vom Buffet und Stauder ohne Limit, ermöglichte mir dieses eine andere Perspektive auf das ganze Geschehen, da sich mein Dauerkarten-Sitz ja gegenüber der Haupttribüne befindet. Die Preußen aus der Stadt der Studenten und Fahrräder sind aktuell möglicherweise der unbeliebteste Gegner des glorreichen Deutschen Meisters von 1955. Den ‚Stellenwert‘ des FC Meineid oder unserer rot-blauen Freunde aus dem Tal der fliegenden Messer haben sie zwar noch nicht erreicht, aber bedingt durch vergangene Aufeinandertreffen, die ja nicht nur auf sportlicher Ebene brisant waren, sowie einige von den Preußen geschürte Störfeuer im Laufe der vorletzten Saison, als sich beide Vereine ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg lieferten (natürlich mit dem besseren Ende für die Roten), hat sich schon eine angemessene gegenseitige Antipathie entwickelt. Vor beinahe ausverkauftem Haus sollte also ein neues Kapitel in dieser Liebesbeziehung aufgeschlagen werden, denn aus dem Münsterland war natürlich ein ordentlich motivierter Mob angereist. Während mein regulärer Platz räumlich näher zum Away-Sektor liegt als zur Westkurve, waren heute umgekehrte Voraussetzungen der Fall. So bekam ich auch mal einen ehrlichen Eindruck vom RWE-Support, denn im Normalfall nehme ich den Gästeanhang ja subjektiv besser wahr, als den rot-weissen Pöbel. Die Kulisse gab dem Spiel jedenfalls einen würdigen Rahmen, mir haben beide Kurven gut gefallen.
Eine großartige Anlaufphase brauchten beide Mannschaften nicht, es entwickelte sich direkt eine intensive, großenteils ausgeglichene Partie, in welcher der RWE aber zunächst die besseren Möglichkeiten herausspielte. Es krankt aber weiterhin an Torjäger-Qualitäten, es werden einfach zu viele Chancen benötigt, um die Murmel mal ins Netz zu befördern. Rot-Weiss-Schnapper Golz blieb in Hälfte eins eigentlich ziemlich beschäftigungslos, musste aber doch einmal sein ganzes Können aufbieten, um einen Rückstand zu verhindern. Torlos ging es in die Halbzeit. Da es mittlerweile ziemlich dunkel wurde, machte der Preußen-Anhang zum Wiederbeginn mal etwas Licht im Block. Es gab eine schöne Zündel-Show mit Bengalfackeln in grün, weiß und rot und etwas grünem Rauch zu sehen. Weniger schön war, dass Leuchtspur oder Raketen – vermutlich beabsichtigt – in benachbarte Blöcke der Gegentribüne geschossen wurden. Dass das lebensgefährlich ist, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen, und bei aller Begeisterung für Pyro-Aktionen fehlt mir für sowas jegliches Verständnis. Mit Tifo hat das ja auch weniger als gar nix zu tun und der Referee unterbrach die Partie für eine kurze Zeit, bis sich die Lage beruhigt hatte. Aus diesem Grunde und auch, weil es im weiteren Verlauf des zweiten Durchgangs immer mal wieder vereinzelt loderte, werden die Adler wohl einen entsprechenden Deckel vom Verband bekommen.
Auch in der zweiten Halbzeit ging es hin und her. Die Gäste erspielten sich nun auch mehr Gefahrenmomente in der Box, aber Jakob Golz scheint momentan unbezwingbar. Natürlich hatte entgegen meiner Hoffnung wieder Isi Young den Vorzug vor Leo Vonic bekommen. Und natürlich blieb Isi auch heute wieder weit hinter seinen Möglichkeiten. Zu meiner Verwunderung schaffte es unser Trainer-Genie aber heute mal früher zu wechseln. Vonic eröffnete sich zwar heute keine wirklich gute Torchance, aber dennoch strahlte er erneut mehr Gefahr aus als der glücklose US-Amerikaner. Die Kölner Leihgabe Obus nagelte die Kirsche kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit an den Außenpfosten, es sollte einfach nicht sein. Sechs Minuten Zugabe waren vorrangig der Pyro-Unterbrechung, aber auch einer Wiederaufforstungsmaßnahme des weiterhin üblen Untergrundes geschuldet. Vielleicht weltweit einzigartig, dass der Unparteiische für drei Minuten unterbrach, damit der Platzwart mit seiner Helferschar, das Spielfeld stürmen konnte, um die gröbsten Schäden vorübergehend zu beseitigen. Thomas Eisfeld war der mangelhafte Zustand des Spielfeldes aber egal, als er in der dritten Minute der Nachspielzeit im Strafraum ein feines Zuspiel von Harenbrock bekam, das Spielgerät mit Mach 2 schnörkellos unter den Querbalken jagte und die Hafenstraße damit zur Explosion brachte. Dieser Treffer war nicht nur wertvoll, weil er endlich den ersten Saisonsieg brachte, sondern vor allem psychologisch befreiend. Im besten Falle kann es der Brustlöser gewesen sein, in den kommenden Partien etwas befreiter aufzutreten.