Tönisvorst – Mi., 27.09.2023, 19:00

SC St.Tönis vs Rot-Weiss Essen 0:5

Stadion der Jahn-Sportanlage, 848 Zuschauer, Niederrheinpokal 2.Runde
Die zweite Runde im Verbandspokal führte den Deutschen Meister von 1955 an den Niederrhein nach St. Tönis, einen Ortsteil von Tönisvorst. Auf einer als Stadion titulierten weitläufigen Anlage ohne Ausbau wartete das Schlusslicht der Oberliga-Niederrhein auf sein Pokal-Aus. Klingt überheblich, aber so musste ja der letztlich auch souverän erfüllte Anspruch lauten. Der humorlose 5:0-Erfolg wurde mit zwei Treffern in den ersten zehn Minuten frühzeitig sichergestellt, so dass dieses Spiel nur noch mit einem Auge bei Smalltalk verfolgt wurde. Wenn die unspektakuläre Partie eine Besonderheit bot, dann war es der Gäste-Trainer. Alexander Thamm war es, der dem RWE nach der Insolvenz Anfang der 10er Jahre am ersten Spieltag der NRW-Liga in der Schlussminute gegen den VfB Homberg mit einem spektakulären Seitfallzieher – der später zum Tor des Monats gekürt wurde – einen hochverdienten Auftaktsieg bescherte und damit den darauffolgenden Lauf eines jungen No-Name-Teams durch die Saison initiierte, welcher am Ende mit einem souveränen Aufstieg gekrönt wurde.

Ulm – So., 24.09.2023, 13:30

SSV Ulm 1846 vs Rot-Weiss Essen 2:1

Donaustadion, 8.649 Zuschauer, 3.Liga
Aus dem Urlaub in Rumänien ging es mit der geschätzten Gattin via Flughafen Memmingen nach Ulm. Nachdem die Donau während unserer Reise einen immer wiederkehrenden Begleiter darstellte, war es nur konsequent, dass der Trip nun im Donaustadion zu Ulm endete. Nach den zuletzt guten Spielen brannten bei einigen Anhängern schon die Euphorie-Sicherungen durch und manch einer wähnte den glorreichen RWE im Angriff auf die Aufstiegsplätze. Auch das ist halt Rot-Weiss. So wie nach einer Niederlage direkt der Weltuntergang befürchtet wird, sehen einige Anhänger den Verein nach ein paar ungeschlagenen Spielen kurz vor dem Sprung in den Europapokal. Der Auftritt bei den Spatzen zeigte dann schon wieder eher, wie die Mannschaft einzuschätzen ist. Der nach der eigentlich unnötigen Niederlage nun aktuelle zwölfte Platz dürfte nach meiner Meinung ungefähr das sein, was als realistisches Saisonziel genannt werden kann und mir persönlich würde das auch vollkommen ausreichen. In erster Linie bleibt es eh dabei, vier Knüppeltruppen zu finden, die am Saisonende hinter dem Deutschen Meister von 1955 platziert sind, alles andere wirkt sachlich betrachtet erst einmal vermessen. Der RWE spielte zunächst ganz ordentlich mit, auch wenn die Gastgeber leichte Feldvorteile verzeichnen konnten. Nachdem durch leichtfertige Foulspiele in Sechzehner-Nähe wiederholt Freistöße für den SSV in Kauf genommen wurden, zappelte die Murmel aus einem solchen resultierend dann nach gut zwanzig Minuten im Netz. Das verlieh den Ulmern Sicherheit, die daraufhin die Partie kontrollierten, allerdings nur zu wenigen Abschlüssen kamen. Die Defensive ist definitiv das Prunkstück des RWE, offensiv fand die Mannschaft dagegen (wieder mal) kaum statt.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich eigentlich nichts. Und genau hier setzt meine Kritik am Trainierer an. Eigentlich jeder sah, dass die Mannschaft einen Impuls brauchte. Dabrowski weicht aber selten von seiner Strategie ab, vor der 65. Minute zu wechseln, was nicht nachvollziehbar ist. Auch eine Systemänderung war nicht zu erkennen und so durften die Spatzen ihr Spiel, mit dem sie die Roten locker kontrollierten, völlig ungestört weiter aufziehen. Unter Druck erscheint mir Dabrowski nicht flexibel, sondern ideen- und ratlos. Die Sturmspitzen blieben weiterhin völlig stumpf. Kein(!) Stürmertor in den bisherigen sechs Meisterschaftsspielen lassen wohl wenig Fragen offen. Dennoch verweigert sich der Mann an der Linie, dem jungen Vonic, aus der Regionalliga mit der Empfehlung von 22 Treffern gekommen, mal etwas mehr Spielzeit zu verschaffen oder diesen in die Anfangsformation zu stellen. Im schlimmsten Fall trifft er halt auch nicht und ist damit nicht schlechter als die aktuell gesetzten Kräfte. Stur am erfolglosen Line-Up festzuhalten erscheint aktuell jedenfalls die schlechteste Option. Der zweite Treffer fiel dann aufgrund eines Sekundenschlafs in der Defensive – kommt allerdings wirklich selten vor – als alle zuschauten wie ein aus drei Ulmer Spielern bestehendes Kollektiv die Kirsche letztlich ins Netz beförderte.
Damit war das Ding auch durch, was anders gewesen wäre, wenn Müsel kurz vor dem zweiten Gegentor die Riesen-Chance auf den schmeichelhaften Ausgleich genutzt und nicht aus kurzer Distanz kläglich vergeben hätte. Warum auch immer wachte der RWE nach dem zweiten Gegentor aber auf und versuchte mehr für die Offensive zu tun. Daraus resultierte kurz vor dem Ende zumindest der Anschlusstreffer durch einen abgefälschten 25-Meter-Strahl von Sapina. Die Ulmer vergaben dann noch nach einem Abspielfehler von Schnapper Golz die tausendprozentige Chance auf den dritten Treffer – aus zehn Metern kann man die Kirsche ruhig mal humorlos über den leeren Kasten jagen. Leider hatten die Roten an diesem Tage nicht die Qualität, diese Lässigkeit zu bestrafen und der SSV fuhr einen völlig verdienten Sieg ein. Nachdem man nun mal ohne großen Druck in ein Liga-Spiel gehen konnte, ist dieser unterschwellig wieder da. Die Tabelle ist traditionell wieder super-eng, Platz vier trennen von Platz 18 gerade einmal vier Punkte und der nächste Gegner heißt Dynamo Dresden, ein ganz dickes Kaliber. Abschließend bleibt noch der Anhang der Spatzen zu erwähnen, der sich – aufgrund einer Ultras-Freundschaft mit RWO – wiederholt mit Beleidigungen am glorreichen RWE abarbeitete. Na, wer’s braucht. Die rot-weisse Gemeinde reagierte darauf genau richtig, nämlich überhaupt nicht.

Galati – So., 17.09.2023, 19:15

ASC Suporter Club Otelul Galati vs FC Rapid Bucuresti 0:0

Stadionul Otelul, 11.649 Zuschauer, SuperLiga
Im Allgemeinen geht Spielplan-Poker ja selten auf, aber auch mit dieser Ansetzung hatte ich Glück, denn der Anstoß am Sonntag-Abend war der perfekte Termin auf dem Weg ins Donau-Delta. Otelul gegen Rapid, Stahlkocher gegen Eisenbahner. Otelul bedeutet übersetzt Stahl, eine Reminiszenz an die größte Eisenhütte des Landes, welche vor den Toren der Stadt mit mehreren Hochöfen monströs in den Himmel ragt. Rapid trug früher das Kürzel CFR im Namen, Caile Ferate Romane, die staatliche Eisenbahngesellschaft. Schon lange heißt der Club nun zwar FC Rapid, jedoch berufen sich Verein und Fans noch heute gern auf ihre Eisenbahn-Vergangenheit. Das Logo der CFR findet sich auch heute noch stilisiert im Vereinswappen wieder. Rapid genießt zum einen bedingt durch frühere Spielbesuche bedingt meine Sympathie. Ich hatte vor etwa zehn Jahren auch mal guten Kontakt zu einem Rapid-Ultra, den ich bei einem Trip nach Bukarest kennenlernte. Das führte mich bei einem Spiel gegen den CFR Cluj mitten in die Heimkurve, das war schon eine spezielle Erfahrung, leider ist diese Verbindung irgendwann eingeschlafen. Zum anderen genießen Eisenbahnervereine bei mir grundsätzlich eine gewisse Sympathie. Warum das so ist, kann ich rational gar nicht erklären, an der Performance der Deutschen Bahn kann es kaum liegen…
Beide Vereine eint das Schicksal der Insolvenz im Laufe des vergangenen Jahrzehnts. Während Rapid diese im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens meisterte, wurde Otelul aufgelöst und von seinen Anhängern neu gegründet, weshalb diese dann auch namentlich in die neue Bezeichnung des Clubs aufgenommen wurden. Die Szene des Eisenbahnervereins ist die vielleicht beste Rumäniens und präsentiert sich meist lautstark und reisefreudig. So war heute der Gästeblock auch vollgepackt bis auf den letzten Platz. Gut 1.500 Rapidler werden es gewesen sein, die danach einen 1A-Support aufs Brett knallten, jederzeit die Stimmungshoheit hatten und ihre Kurve mit unzähligen teils recht großen Schwenk-Lappen in ein richtig schönes Fahnenmeer verwandelten. Für das Sternchen auf der Bestnote fehlten eigentlich nur noch ein paar Pyro-Elemente. Diese waren in etwas spärlicher Anzahl dagegen in der Heim-Kurve zu sehen, die sich an einer kleinen Choreografie versuchte. Ohne respektlos zu sein, wird es aber noch ein paar Übungseinheiten brauchen, bis das dann auch mal gut aussieht. Auch akustisch gab es noch reichlich Luft nach oben. Laut wurde es eigentlich nur, wenn die Masse mitgezogen wurde, was aber nur bei einfachen „Otelul“-Rufen gelang. Es wirkte irgendwie, als ob die Kurve ihr Potential nicht komplett abrufen konnte.
Die Gastgeber hatten erst zu dieser Saison den Wiederaufstieg gefeiert und eine gewisse Euphorie war durchaus spürbar, auch wenn am neunten Spieltag alle noch auf den ersten Saisonsieg warteten. Absurderweise stand aber auch erst eine Niederlage zu Buche, es wurden in neun Spielen tatsächlich acht Punkteteilungen erzielt – eine seltene Remis-Serie, die auch der glorreiche RWE vor einigen Jahren mal geschafft hat. Die Gäste waren der Favorit in der Partie, dem Treffer näher waren aber lange Zeit die Eisenmänner, die mit viel Herzblut und Engagement alles reinwarfen, was sie hatten. Den einzigen Treffer des Spiels erzielten dennoch die Gäste nach einer guten Stunde Spielzeit. Nachdem der Ball schon lange im Netz lag wurde dem Tor nach Rücksprache zwischen dem Referee und seinem Assistenten und letztlich finaler Bestätigung durch den Videoassistenten aber zurecht die Gültigkeit versagt. Auch das finale Aufbäumen der nun deutlich gefährlicheren Eisenbahner blieb unbelohnt und das Spiel wurde mit dem unattraktivsten aller Ergebnisse abgepfiffen. Das ‚Stadionul Otelul‘ ist noch eine der wenigen alten, nicht modernisierten oder neu erbauten Spielstätten der höchsten Liga Rumäniens. Ein schützendes Dach sucht man bis auf wenige Plätze auf der Haupttribüne ebenso vergebens wie fest erbaute Catering-Stände oder vernünftige sanitäre Anlagen. Diese fehlen sogar gänzlich und stattdessen übernehmen mobile Toilettenhäuser die undankbare Aufgabe. Aber irgendwie macht das den Spielbesuch ja nur authentisch.

Alba Iulia – Sa., 16.09.2023, 17:00

CSM Unirea Alba Iulia vs ACS Academia de Fotbal Viitorul Cluj 2:0

Stadionul Victoria-Cetate, 180 Zuschauer, Liga 3 Seria 9
Eine gute Stunde Fahrzeit von Hunedoara entfernt bot sich in Alba Iulia noch die Drittliga-Partie gegen ein Team aus Cluj an. Karlsburg gegen Klausenburg – in Siebenbürgen, dass ja einen großen Teil des zentralen rumänischen Staatsgebietes ausmacht, besitzt jede Stadt auch einen deutschen Namen. Der grundsätzlich bedeutendste Verein der Festungsstadt geht aktuell drittklassig zu Werke. Dass Unirea eine wechselvolle Geschichte mit Auf- und Abstiegen durch alle Ligen, Namensänderungen, Startrechtübernahmen und Neugründungen hat, braucht eigentlich gar nicht erwähnt zu werden, denn das gilt für annähernd jeden größeren Club Rumäniens. Völlig überdimensioniert wirkte das große Stadion mit seinen krummen vor sich hin bröselnden Stufen. Unirea darf auf die Unterstützung einer kleinen Fangruppe mit einem stabilen Durchschnittsalter von etwa 12-13 Jahren bauen. Die Gastgeber konnten die wenig spektakuläre Partie für sich entscheiden. Der zweite Treffer aus vierzig Metern war allerdings durchaus sehenswert.

Hunedoara – Sa., 16.09.2023, 11:00

CS Corvinul Hunedoara vs CS Muncitoresc Resita 2:0

Stadionul Michael Klein, 3.500 Zuschauer, Liga 2
Spielbesuche auf Urlaubsreisen bahnen sich in der Regel wie folgt an. Einige Wochen vor der Reise schaue ich mir die Spielpläne des betreffenden Landes an, sofern diese dann schon veröffentlicht worden sind. Für die zweite Liga Rumäniens war das tatsächlich der Fall. Daran orientiere ich dann grob die Reiseroute, wohlwissen, dass der erhoffte Plan aufgrund in vielen Ländern meist erst kurzfristig fixierter Ansetzungen eventuell nicht aufgehen wird. Dieses Spiel, respektive dieses Stadion, welches mir wirklich am Fußballherzen lag, wurde dann tatsächlich zum erhofften und perfekten Termin angesetzt. Dass es sich bei diesem Spiel zweier Aufsteiger dazu – trotz 150 Kilometer Fahrstrecke zwischen den beiden Orten – um ein Derby handelte, lernte ich allerdings kurz vor dem Anstoß. Corvinul ist hervorragend in die neue Saison gestartet und hat damit eine kleine Euphorie ausgelöst. Die deutlich vierstellige Zuschauerzahl ist im rumänischen Unterhaus der ersten Liga sicherlich kein Standard. Das Stadion hat, wie ja beinahe jedes Stadion unterhalb der höchsten Spielklasse, die besten Jahre lange hinter sich. Genau das verleiht dem weiten Rund aber einen unwiderstehlichen Charme, der sich in vielen Details widerspiegelt. Auffallend ist auch die für rumänische Verhältnisse herausragende Graffiti-Landschaft um das Stadion sowie in der Stadt und im Umland.
Die heute etwa 50 Köpfe starke aktive Gruppe der Gastgeber nennt sich ‚Peluza Nord‘, also ‚Nordkurve‘, ist allerdings in der Südkurve beheimatet. Für dieses Brisanzduell reiste sogar eine Busladung Gäste an – die ‚Guardia Ultra‘ machte erst einmal mit einem fetten Böller auf sich aufmerksam. Beide Seiten supporteten die ganze Partie über und lieferten sich ein aus mehreren Transparenten bestehendes Spruchband-Duell, in dem man sich gegenseitig die Ultra-Mentalität absprach. Interessanterweise setzten sich die Corvinul-Leute jedes mal auf die Stufen, während ein Transparent gezeigt wurde und der Support wurde eingestellt. Das hatte ich vorher nirgendwo gesehen, sollte möglicherweise die Wirkung der Spruchbänder verstärken. Die Gäste zeigten sich kreativ. Nach süffisantem Hinweis, dass ‚Ultra‘ nicht damit zusammen passt, sich von Offiziellen auf eine Pizza einladen zulassen, hielten sie jede Menge Pizza-Kartons in die Höhe. Im ersten Durchgang hielt das Gäste-Team noch ganz gut mit, im Laufe des zweiten Durchgangs war aber gegen die immer stärker aufspielende Heim-Mannschaft kein Kraut mehr gewachsen und die Punkte gingen auch verdient an Corvinul. Die Gäste-Fans mussten nach dem Spiel abgeschirmt von der Staatsmacht noch lange in ihrer Kurve verbleiben, bis die Abreise gewährt wurde. Nicht ganz ohne Grund, denn hinter der Kurve positionierten sich einige schräge Corvinul-Gestalten, welche wohl noch Klärungsbedarf abseits des Stadions sahen. Das Stadion trägt den Namen des Fußballers Michael Klein, der den Großteil seiner Karriere bei Corvinul verbrachte, dann relativ spät in seiner Karriere zu Bayer Uerdingen wechselte, wo er 1993 während eines Trainings an Herzversagen verstarb.

Cugir – Fr., 15.09.2023, 17:00

CS Metalurgistil Cugir vs CS Universitar din Alba Iulia 0:5

Arena Cugir, 300 Zuschauer, Liga 3 Seria 9
Siebenbürgen ist ein ganz brauchbares Pflaster für Spielbesuche, denn dort stehen einige Schmuckkästchen älteren Semesters. Die ‚Arena Cugir‘ ist dann auch nur auf den ersten Blick modern. Was ein paar jüngere Sitzschalen und ein neues Dach doch optisch ausmachen. Spätestens die verwaisten Stufen auf der Gegenseite zeigen dann aber das wahre Gesicht der Spielstätte. Die Gastgeber empfingen mit weißer Weste und breiter Brust ein Team aus dem Tabellen-Mittelfeld. Der tabellarische Unterschied war aber in keiner Sekunde zu bemerken. Zwar wähnten sich die Metaller in der ersten Hälfte nach einem Treffer weiter auf einem guten Weg, dieser wurde aber wegen Abseits zurückgenommen. Die zweite Hälfte zeigte dann ein gänzlich anderes Bild, denn die Gäste spielten plötzlich Katz und Maus mit den Hausherren. Fünf Dinger wurden diesen eingeschenkt. Deutlicher kann man wohl kaum auf dem Boden der Tatsachen landen.

Vacaresti – So., 10.09.2023, 11:00

AS Victoria 2018 Vacaresti vs ACS Gloria Bucsani 10:0

Stadionul Comunal, 100 Zuschauer, Liga 5 Dambovita Nord
Einige Kilometer entfernt vom Nachtquartier in Targoviste wurde in einem kleinen Dorf fünftklassig um Punkte gebolzt. Unsere kleine Verspätung glich der Referee souverän aus und pfiff auf stumpfem Geläuf zum charakteristischen Knistern zerberstender Schalen gekauter Sonnenblumenkerne mit deutschebahnhaften 16 Minuten Verspätung an. Wie am Vortag war auch in diesem kleinen, schrulligen Ground die Korrosion allgegenwärtig. Die stählerne Einfassung der Anlage präsentierte sich ebenso im zeitlosen Rostbraun wie die komplett aus Metall gefertigte Tribüne, die an den Rändern der verwendeten Platten zum Teil schon bedenklichen Lochfraß zeigte. Daraus resultierten beim Betreten neuer Besucher abenteuerliche Geräusche. Es klang wie eine Mischung aus letztem Atemzug und Paukenschlägen in einer Kathedrale. Wenn man das Erlebnis mit einem einzigen Adjektiv beschreiben möchte, ist ‚authentisch‘ wohl das geeignete Wort. Der sportliche Nährwert war natürlich nicht weit oben in der Nutri-Skala zu finden. Allerdings verdient der Versuch, auf einem vertrockneten Acker ein halbwegs ordentliches Spiel aufziehen zu wollen ja prinzipiell mehr Respekt als der Spielbetrieb auf feinstem Rasen in einer Hochglanz-Arena. Die Vorzeichen waren eindeutig. Auf der einen Seite standen die Gastgeber mit zwei Siegen aus den bisherigen zwei Spielen, auf der anderen die Gäste noch ohne jeden Zähler aber dafür bereits mit 17 Gegentreffern. Dass nach einem 2:0-Halbzeitstand für die Hausherren am Ende die Zehn stand, könnte auf konditionelle Schwächen bei den Gästen hinweisen, die ihrem Vereinsnamen in keinster Weise gerecht wurden, denn ruhmreich war der Auftritt nun wirklich nicht.

Plopeni – Sa., 09.09.2023, 17:00

CS Orasenesc Plopeni vs CS Municipal Flacara Moreni 1:2

Stadionul Gheorge Silaev, 180 Zuseher, Liga 3 Seria 4
Eine zweiwöchige Reise führte mich zusammen mit der Gemahlin auf einen Road-Trip durch Rumänien, mit dem Wunsch dort einige Ziele zu bereisen, die im Laufe der Jahre mein Interesse erregt hatten. Dass der Fußball auf dieser Reise auch seine Rolle bekommen sollte, war obligatorisch. Und so nahmen wir bereits wenige Stunden nach der Landung in Bukarest im etwa 70 Kilometer nördlich gelegenen Plopeni in einem unglaublichen Stadion-Gerippe Platz. Egal wo man hinsah regierte der Rost, wir schienen in der Urzelle der Korrosion gelandet zu sein. Neben der gemauerten Haupttribüne mit dem Kabinentrakt wird das Spielfeld von einem Stahl-Tribünenkonstrukt umgeben, welches einfach nur abenteuerlich wirkt und die Atmosphäre eines verlassenen Werksgeländes vermittelt. Eine Kurve ist schon stark zugewuchert, was der Szenerie zusätzlichen Charme verleiht. Ein Dutzend Halbwüchsiger hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Heimmannschaft zu unterstützen. Da aber der Stimmbruch noch in weiter Ferne schien, klangen die Gesänge eher nach dem Wanderausflug der örtlichen Jungpfadfinder. Das hielt sie allerdings nicht von einer kleinen Pyro-Aktion ab. In der Halbzeit traf auch noch eine kleine Gruppe Gäste-Fans ein, die ihr Team ihrerseits akustisch unterstützten. In der noch jungen Drittliga-Spielzeit waren die Gäste bis dato sieglos, konnten aber heuer den ersten Saisonerfolg feiern.