Sportanlage In der Ahe, 480 Zuschauer, Oberliga Niedersachsen
Der Rückweg aus dem Wochenende bei meiner Schwester in Hamburg beinhaltete noch ein Stopp in Rotenburg an der Wümme. Dort kämpfte der Rotenburger SV verzweifelt um den Klassenerhalt in der Oberliga Niedersachsen. Drei Mannschaften waren am letzten Spieltag noch im Rennen, nur eine davon konnte am Ende für eine neue Oberliga-Saison planen. Für den RSV war ein Heimsieg Pflicht, um überhaupt noch diese Chance zu wahren. Mit dem SSV Vorsfelde stellte sich aber ein starker Aufsteiger vor, der keinesfalls nur die Statistenrolle einnehmen wollte. So übernahmen die Gäste nach kurzer Anfangs-Druckphase der Gastgeber auch die Spielkontrolle und gingen verdient in Führung. Dem RSV gelang nicht viel, aber zumindest Kampf und Einsatz stimmten und darüber gelang auch zehn Minuten vor dem Ende der Ausgleich, womit eine hektische Schlussphase eingeleitet wurde. Es fehlte noch ein Treffer, der letztlich auch die Rettung bedeutet hätte, da beide Konkurrenten ihre Spiele verloren. Angriff um Angriff rollte nun auf das Gäste-Tor, aber die Murmel rutschte nicht mehr über die Linie und daher sanken die RSV-Akteure nach dem Schlusspfiff konsterniert auf den Rasen darnieder, während parallel der Jubel bei der dadurch geretteten Arminia aus Hannover groß gewesen sein wird.
Das letzte Saisonspiel führte den glorreichen RWE in die Marzipanstadt, genauer gesagt in das schöne Stadion an der Lohmühle, dessen Prunkstück natürlich die alte Holztribüne ist. Ungeachtet der Tatsache, dass die Chance auf das Erreichen des vierten Tabellenplatzes eher noch theoretischer Natur war, nahmen knapp 3.000 Rot-Weisse den Weg an die Ostsee auf sich. Im Spiel offenbarte sich mal wieder die größte Baustelle und die ist und bleibt das Defensiv-Verhalten. Mit 53 Gegentreffern beendet der RWE die Saison mit den zweitmeisten Gegentreffern unter den ersten zehn Teams der Tabelle. Viele Gegentore fielen nach unnötigen Ballverlusten im Spielfeld-Drittel vor dem eigenen Tor. Auch der bis zum Erbrechen exerzierte technik-basierte Spielaufbau aus absolut jeder Lage, sorgte nicht nur für ausreichend gefährliche Situationen, sondern auch für Gegentore. Der Grund dieser Spielweise ist nachvollziehbar, denn jeder lange Hub birgt die hohe Gefahr des Ballverlustes, aber unter Druck die Kirsche auch einfach mal per Langholz hinten rauszufeuern, hätte einige Notlagen erspart. Der VfB ging nach früh in Führung – wie konnte es anders sein, natürlich nach einem zwanglosen Ballverlust vor dem Sechzehner. Es dauerte aber nur zwei Zeigerumdrehungen bis Vonic den Ausgleich erzielte. Die Roten spielten aber weiter viel zu sorglos und Mitte der ersten Spielhälfte gingen die Gastgeber erneut in Führung. Nach einem Eckstoß wurde der Ball nicht sauber geklärt und von einem VfB-Spieler vom Sechzehner mit Gewalt zentral ins Tor gewuchtet. Schnapper Golz, der in der ersten halben Stunde irgendwie ungewohnt indisponiert wirkte, sah dabei nicht gut aus, es war ihm aber wohl auch die Sicht verdeckt. Noch vor dem Seitenwechsel stellte aber erneut Vonic wieder auf Remis, nachdem Eisfeld mit einem brillanten Pass Plechaty auf dem rechten Flügel einsetzte, der punktgenau auf Vonic in Mittelstürmerposition ablegte.
Aber auch nach dem Seitenwechsel blieb der RWE seiner Defensiv-Linie treu und ermöglichte den Gastgebern früh die erneute Führung. Danach plätscherte der Kick ziemlich dahin, ehe Vonic eine Viertelstunde vor dem Ende etwas glücklich mit abgefälschtem Schuss aus gut 18 Metern sein drittes Tor und den Endstand erzielte. Das hauchte der Partie noch einmal Leben ein. Zunächst mühte sich der schon lange als Absteiger feststehende VfB um einen versöhnlichen Saisonabschluss, aber die letzten Minuten gehörten dann nur noch den Roten, denen der Siegtreffer aber auch verwehrt blieb. Verdient wäre es gegen engagierte Gastgeber auch nicht gewesen. Während eine rund um das ‚Ultra Kollektiv Lübeck‘ bärenstark aufgelegte Heim-Kurve – sicherlich durch ein Dach über dem Kopf begünstigt – neunzig Minuten eine Top-Stimmung auf das Grün schepperte, war die Sachlage im rot-weissen Block (wieder einmal) eher mau. Für das an Zahlen gemessen Potential kommt da oft zu wenig. Rund um die aktiven Ultra-Gruppen ist die Mitmachquote einfach gering. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es an Unlust der Supportwilligen liegt, kann aber auf der anderen Seite auch beobachten, dass die nicht immer glücklich agierenden Capos der Ultras durchaus versuchen, den ‚gemeinen Pöbel‘ mitzunehmen. Das geling halt zu selten, die gewählten Mittel scheinen nicht das nötige Potential zu bergen und es scheint einen kleinen Graben zwischen der Ultra-Szene und dem übrigen sangeswilligen Volk zu geben. Wie dieser zugekippt werden kann, finden die Parteien hoffentlich schnellstmöglich heraus.
So ist eine Saison zu Ende gegangen, die mich über das Erreichte grübelnd zurücklässt. Wie ein Großteil der Fangemeinde, habe auch ich erneut eine Spielzeit erwartet, die auf Kante genäht bis zum letzten Spieltag den Kampf um den Klassenerhalt mit sich bringen wird. Es kam anders. Nach ein paar Start-Problemen kam der glorreiche RWE mit dem befreienden ersten Saisonsieg gegen die Münsteraner Preußen in Wallung und löste sich schnell aus der Abstiegsregion. Nach einem doppelten Blackout mit zusammen neun Gegentreffern gegen Haching und Verl fing sich die Truppe schnell und eigentlich schon gegen Ende der Hinrunde war ziemlich klar, dass der Verein in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun haben würde. Das befreite die Mannschaft sichtlich, die plötzlich völlig unbekümmert kickte und zeitweise richtig ansehnlichen und temporeichen Angriffs-Fußball spielte. Auf einen durchschnittlichen Februar folgte ein starker Zwischenspurt im März und April, der die Hoffnung auf die Relegation zur zweiten Liga oder gar den direkten Aufstieg schürte. Mag sein, dass genau dieser Umstan die Leichtigkeit und dem Team auf der Ziellinie den Atem nahm. Ich bin hin- und hergerissen. Ich bin eigentlich hochzufrieden mit dieser unerwartet stabilen Saison und doch schwingt leichter Verdruss mit, dass es am Ende nicht für den ganz großen Wurf gereicht hat.
Vermutlich war es leichter, den Sprung in diesem Jahr zu schaffen, als es in den nächsten Jahren der Fall sein kein. Dazu muss auch offen zugegeben werden, dass das Team gemessen am Spielermaterial zeitweise völlig über-performed hat, da machte der Faktor ‚Mannschaft‘ den Unterschied aus. Hinzu kamen abartige sechs Siege, die erst in den Schlussminuten oder der Nachspielzeit erreicht wurden, mit dem unbändigen Willen und Glauben an sich selbst. Es war auch genug Glück dabei und am Ende steht ein vermutlich ziemlich realistischer siebter Platz, der eine wirklichkeitsnahe Einordnung erlaubt. Für meine Dauer-Kritik an Chef-Coach Dabrowksi habe ich aktuell schlechte Argumente und doch gibt es diese, denn Aufstellung, Auswechslungen, sowie Defensiv-Ausrichtung waren für mich nicht immer nachvollziehbar. Auch Dabrowski profitierte von glücklichen Umständen und er wird sich in der Zukunft am heuer Erreichten messen lassen müssen. Meine Zweifel bleiben jedenfalls bestehen. Am Ende überwiegt der Dank an die Mannschaft für eine Saison, die richtig Bock gemacht hat. 29 von 38 Spielen habe ich live im Stadion gesehen, auf sechs Heimspiele und auswärts nur auf die Spiele in Dortmund, Münster und Saarbrücken wurde wegen Urlaub, Fußballreisen oder triftigem Grunde verzichtet. Die Zielsetzung des Vereins für die kommende Saison lautet, die Mannschaft weiterzuentwickeln und besser abzuschneiden als in dieser Saison. Ich bin bei weiterhin engen finanziellen Voraussetzungen skeptisch und vorsichtig und wäre mit einer erneuten sorgenfreien Spielzeit und einem sicheren Mittelfeldplatz hochzufrieden.
Sportplatz Im Kuhlert, 250 Zuschauer, Mittelrheinliga
Lange habe ich gezögert ob ich mich auf den 100 Kilometer weiten Weg nach Schafhausen nahe der Grenze zum Limburgischen machen soll, da laut Satellitenfilm ein dichtes Regenband die Kölner Bucht querte, welches sein Ende auch noch nicht gefunden hatte. Auf den letzten Drücker eibelte ich dann los… und kam im Regen an. Wirklicher Regen war es aber eigentlich auch gar nicht, es tröpfelte eher vom Himmel und hörte im Laufe des zweiten Durchgangs dann ganz auf. Ein Nachholspiel der mittelrheinischen Oberliga war angesagt, die Partie selber war völlig bedeutungslos, einen Spieltag vor Saisonende sind bereits sämtliche Entscheidungen gefallen. Zwar belegen die Gastgeber einen der Abstiegsplätze, da aber ein Verein bereits während der Saison zurückzog, ein weiterer zur kommenden Spielzeit nicht mehr für die Liga melden wird und der Vorletzte der Tabelle bereits vier Punkte Rückstand auf die Union aufweist und damit als einziger regulärer Absteiger feststeht, war der Heinsberger Ortsteil-Club bereits gerettet. Beide Teams schenkten sich dennoch nichts und boten den Anwesenden eine enge, umkämpfte Partie. In dieser hatten die Platzherren die besseren Möglichkeiten, zeigten aber eklatante Schwächen im Torabschluss. Hennef blieb geduldig und nutzte die nachlassende Konzentration in der Schafhäuser Defensive zu zwei erkonterten Treffern in der Schlussviertelstunde. Der Sportplatz der Union liegt von Bäumen gesäumt in einer schönen Aue am Ortsrand. Gegenüber des älteren Warmgebäudes mit Imbiss und Getränkeverkauf, steht eine kleine Selfmade-Wellblech-Tribüne, die stark an einen Seecontainer erinnert.
DJK Adler-Union Frintrop vs Sportfreunde Hamborn 07 4:0
Sportanlage am Wasserturm, 400 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Es zog mich mal wieder an den legendären Wasserturm. Die Frintroper Adler wehren sich weiterhin mit kräftigen Flügelschlägen gegen den drohenden Abwind. Heuer mussten sie es gar mit mächtigen Löwen aus dem Duisburger Stadtteil Hamborn aufnehmen. Das Vereinswappen der Gäste genauer studierend, deutet nichts auf den Spitznamen hin, ziert doch ebenfalls ein stilisierter Adler das Emblem. Stattdessen beruht der Bezug zum Raubtier auf dem Bergischen Löwen, der Teil des ehemaligen Hamborner Stadtwappens ist, obwohl Hamborn nie zum Bergischen gehörte. Verrückt. Hamborn 07 ist ein Verein mit großer Tradition, der vor allem in den Jahrzehnten vor und nach dem Krieg leidlich erfolgreich spielte und 1961 bis ins DFB-Pokal-Halbfinale vordrang. In den 50er Jahren war Hamborn Teilnehmer des ersten Fußballspiels, welches live übertragen wurde. Berühmtester ehemaliger Spieler dürfte wohl Schneehase Christoph Daum sein. Auf eine lange Geschichte blicken auch die Gastgeber, allerdings brachte diese wenig Höhepunkte, wenn man von der Teilnahme am Endspiel um die DJK-Meisterschaft vor mittlerweile fast 100 Jahren mal absieht. Ich hatte meinen Platz noch gar nicht richtig eingenommen, als die Kirsche schon das erste Mal im Netz der Gäste lag. Mittelstürmer Yannick Reiners – mit dessen Vater der Verfasser in der Jugend gemeinsam für den VfB Borbeck stürmte, heute Teil des Fusionsclubs SG Schönebeck, bekannt durch seine Damen-Bundesligafrauschaft – traf früh ins Gehäuse des Tabellenletzten und stellte die Zeichen auf Sieg. Die Gäste waren nur in wenigen Phasen ein gleichwertiger Gegner und fingen sich drei weitere Dinger ein, zwei davon erzielte wiederum Yannick Reiners, der einen Sahne-Tag erwischt hatte. So bleibt die Hoffnung auf den Ligaverbleib erhalten, dafür muss in den verbleibenden Partien gegen direkte Konkurrenten allerdings zwingend gepunktet werden.
RSV Glückauf Klosterhardt vs SV Fortuna Bottrop III 2:1
Hanielstadion, 40 Zuschauer, Kreisliga C Oberhausen/Bottrop 2
Es wurde mal wieder die blutige Basis des Amateur-Fußballs aufgesucht. Um dem Hanielstadion in Oberhausen Klosterhardt die Aufwartung zu machen, war das unvermeidlich, denn der dort ansässige Club RSV Glückauf hat lediglich eine Seniorenmannschaft und diese geht dem Versuch, den Fußballsport auszuüben, in der Kreisliga C nach. Ein wenig Eile war ja nun auch geboten, denn da mit der Altherren-Garde überhaupt nur noch eine weitere Mannschaft am Spielbetrieb teilnimmt, besteht allergrößte Gefahr, dass der Verein bald überhaupt nicht mehr auf der Ligen-Landkarte auftaucht. Bei genauerer Betrachtung der Aktiven lag auch der Verdacht nicht fern, dass der heutige Spieltags-Kader mit einigen Akteuren aus der Altherren-Truppe aufgefüllt wurde. Spielerisch war es natürlich hartes Brot – einige Teilnehmer hatten nicht nur Probleme mit mangelndem Talent, sondern auch mit dem eigenen Körperumfang. Aber das Spiel war ja eigentlich auch Nebensache und der Grund für die Anreise stattdessen diese schöne, kultige Spielstätte. Der Rasenplatz wird komplett von einem weitläufigen, begrünten Wall umgeben. Auf einer Seite gibt es drei Reihen mit Sitzschalen, die von einer wunderbaren Patina überzogen sind. Unterhalb der Sitze und auch auf der anderen Seite des Spielfeldes gibt es ein paar flache, breite Stufen, die aber aufgrund des etwas zu hohen Grases kaum zu erahnen waren. In einer Ecke befindet sich auf dem Wall ein kleiner Ausschank mit vorgelagerter Terrasse.
Eine Premiere in der rot-weissen Vereinsgeschichte stand an, denn noch nie ist der glorreiche RWE beim SV Sandhausen angetreten. Überhaupt war es nach dem Heimspiel in der Hinrunde erst das zweite Kräftemessen der Geschichte. 1.750 Rot-Weisse wollten sich das nicht entgehen lassen und begleiteten das Team in das Baukasten-Stadion im Hardtwald. Kurzfristig ergab sich eine interessante Ausgangsposition, denn sowohl Dynamo als auch der Jahn verloren ihre früher am Tag angepfiffenen Spiele. Das bedeutete also eine Riesen-Chance so richtig fett in das Aufstiegsgeschehen einzugreifen. Dummerweise hatten die Gastgeber aber nicht vor, dem Treiben nur als Statisten beizuwohnen. In den ersten drei Minuten kam kein Spieler in Rot und Weiss an den Ball, der Sportverein ließ die Kirsche gefällig und kombinationssicher durch die Reihen laufen. Zwar fing sich der RWE dann nach einigen Minuten und fand in die Partie, die ersten Möglichkeiten hatten aber die Gastgeber. Es dauerte bis in die Schlussphase der ersten Hälfte, bis die Roten eine wirklich gute Gelegenheit bekamen. Voelcke und Plechaty vergaben die Doppelchance, welche die einzige bleiben sollte, was natürlich in diesem Moment noch niemand wusste.
Die Gastgeber waren auch nach dem Seitenwechsel das wachere Team und taten mehr für das Spiel. Folgerichtig fiel nach einer guten Stunde das 1:0 für den SVS nach einer schönen Direktabnahme. Sandhausen blieb dran und nachdem Voelcke nach einem langen Ball völlig indisponiert das Gleichgewicht verlor und darnieder sank, ließ sich ein Sandhäuser Stürmer nicht lange bitten, ging allein auf Golz zu und überlupfte diesen aus halbrechter Position am Fünf-Meter-Raum. Damit war die Messe gelesen, denn heute hatte der RWE nicht die Qualität, um noch irgendetwas zu bewirken. Grundsätzlich ärgerlich, da man aufgrund der Patzer der Konkurrenz ein Ausrufezeichen hätte setzen können. Nun dürfte der Aufstiegszug abgefahren sein, obgleich die theoretische Chance noch besteht. Allerdings ist ja nach dieser unerwartet erfreulichen Saison aktuell eh alles nur noch Bonus. Der Stimmung im pickepackevollen Away-Sektor tat das sowieso keinen Abbruch, das Team wurde von Anfang bis Ende bedingungslos unterstützt. Das für den Spieltag ausgegebene Motto „Alle in Rot“ wurde von fast allen angereisten Rot-Weissen umgesetzt und so ergab sich ein einheitliches Bild.
Zentrale Aktion der aktiven Szene war eine Pyro-Show zu Beginn von Hälfte zwei. Gut 40 Fackeln tauchten den Block in rotes Licht und ein Banner am Zaun mit der Aufschrift „No deal“ beantwortete ein Angebot des Vereins, für den Verzicht auf das Abbrennen von Pyro im Gegenzug Tickets für das Spiel in Lübeck zu spendieren. Nach meinem Erachten von beiden Seiten eine dämliche Aktion. Zum einen sind deutsche Ultra-Szenen nicht käuflich, zum anderen hätte man das Ansinnen des Vereins auch einfach kommentar- und regungslos ignorieren können, das wäre in meinen Augen eine Antwort mit Größe gewesen. Von der Heim-Szene war aufgrund der Kraft und Energie des RWE-Anhangs wenig bis gar nichts zu hören. Abgesehen davon, dass die Sandhäuser Szene überschaubar groß ist, hat diese ihren Standort ja unmittelbar neben dem Gästeblock. Einen größeren Arschtritt seitens ihres Vereins kann es für die eigenen Fans kaum geben, denn zahlenmäßig unterlegen sind diese in 75% aller Heimspiele und durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Auswärts-Mob wird jede Gefühlsregung verschluckt. Dennoch bleibt Sandhausen der absolute Angstgegner für den glorreichen RWE, denn dieser holte gegen den SVS in allen bisherigen Spielen gegeneinander null Punkte. In allen zwei Spielen.
Soevereinstadion, 4.245 Zuschauer, Relegation zur Pro League Halbfinale Rückspiel
Der Lommel SK, so eine Art ewiger belgischer Zweitligist, schnuppert in dieser Saison am Aufstieg in die Eliteklasse. Zwar hat der Verein die direkte Qualifikation über die ersten beiden Tabellenplätze verpasst, bekommt jedoch über die Relegation eine zweite Chance. Grund genug mal wieder im Soevereinstadion vorstellig zu werden. Zum Zeitpunkt meines ersten Besuchs vor über 15 Jahren trug der Club noch den sperrigen Namen KVSK United Overpelt-Lommel. Nach einer Fusion mit Racing Mol-Wezel heiß der Verein dann Lommel United, bevor er vor einigen Jahren seinen heutigen Namen erhielt. Um nun den Aufstieg zu realisieren, musste zunächst im Halbfinal-Rückspiel der SV Zulte aus Waregem bezwungen werden, der im Vorjahr aus der ersten Liga abgestiegen war. Nach einem Remis im Hinspiel war ein Sieg zwingend erforderlich. Dieser gelang auch mühsam, aber nicht unverdient, mit dem knappsten aller möglichen Resultate durch einen Treffer eine Viertelstunde vor dem Ende. Der mitgereiste Anhang, etwa 400 Leute, reagierte wenig erfreut und machte den eigenen Spielern das auch deutlich. Die Fans der Gastgeber feierten den Einzug in die Endspiele dagegen überschwänglich. Der Sieger dieser Ausscheidung spielt dann eine finale Runde gegen den Drittletzten der ersten Liga um einen Platz in eben jener. Über viertausend Zuschauer wurden heute im Soevereinstadion begrüßt und damit gut viermal so viele wie in den gewöhnlichen Ligaspielen.
Szönyi úti Stadion, 250 Zuschauer, Nemzeti Bajnoksag II
Auch der Sonntag brachte nach einem entspannten Ausflug ins Burgviertel in Buda ein Spiel in einem reizvollen Stadion in Pest. Bekanntermaßen entstand Budapest ja erst vor 150 Jahren durch die Zusammenlegung von Buda westlich der Donau und dem deutlich größeren, östlich der Donau gelegenen Pest. Der Budapesti VSC Zuglo war das Ziel, der aktuell in der zweiten Liga zu Werke geht. VSC steht für Vasutas Sport Club, was ins Deutsche übersetzt Eisenbahnersportverein heißt. So wurden zum Einlaufen der Teams auch kurz Fahrgeräusche einer Dampf-Lok und die dazugehörige Signal-Pfeife eingespielt. Netter Gimmick. Auch der BSC hat mehrere Umbenennungen hinter sich, so wie es in Ungarn ja beinahe ein Brauch ist – man kann an der Zahl der Namensänderungen schon annähernd auf das Alter eines Vereins rückschließen. Und analog zum am Vortag besuchten Csepel TC wurde auch der BVSC um die Jahrtausendwende aufgelöst und erblickte aber zehn Jahre später erneut das Licht der Fußballwelt. Hertha-Legende Pal Dardai schnürte in den 90ern, als der Verein einige Jahre erstklassig spielte und sogar einmal Vizemeister wurde, für eine Spielzeit die Schuhe für den Eisenbahner-Club.
Wie schon angedeutet hat sich der Club mittlerweile wieder an die Eliteklasse herangerobbt, schwebt aktuell aber in akuter Abstiegsgefahr. Aus dem Grund musste dringend Zählbares her und die Mannen in Blau und Gelb bemühten sich, waren feldüberlegen, hatten aber große Mühe, sich Torchancen zu erarbeiten. Tief in der zweiten Hälfte landete dann zehn Minuten vor Schluss dem Wochentag entsprechend ein Sonntagsschuss im Giebel und ließ das Stadion unter dem Jubel der etwa 250 Leute in seinen Grundfesten erbeben. Naja, fast. Die Spielstätte mit ihrer speziellen Haupttribüne sollte übrigens schon längst Opfer der Abrissbagger geworden und einem Neubau gewichen sein. Termin für die Fertigstellung ist ziemlich genau jetzt, aber es nicht einmal im Ansatz zu erkennen, dass zeitnah irgendwelche Arbeiten beginnen sollen. Leider wurde das Stadion schon vor Jahren seiner Kurven beraubt, aber es macht immer noch was her. So endete dieser kleine Wochenend-Ausflug und Eurowings brachte uns am nächsten Morgen zurück in die Heimat.