Karlovo – Sa., 01.06.2024, 18:00

OFK Levski Karlovo vs FK Sokol Markovo 2:0

Stadion Vasil Levski, 100 Zuschauer, Treta liga yugoiztochna
Auch der Weg zum heutigen Spielort wurde über eine wenig befahrene Nebenstrecke durch den westlichen Teil des Nationalparks Zentralbalkan absolviert. Auf dem Beklemeto-Pass wurde noch ein Stopp am ‚Bogen der Freiheit‘ eingelegt, einem Denkmal zu Ehren gefallener Soldaten im Befreiungskrieg gegen die Osmanen, bevor es über eine Serpentinenstraße hinunter in die Ebene nach Karlowo ging. Karlowo ist übrigens der Geburtsort des Nationalhelden Vasil Levski. Am letzten Spieltag ging es zwischen den bereits geretteten Gastgebern und den ebenso bereits abgestiegenen Gästen um nichts mehr. Dieses Spiel hatte ich wegen der wunderschönen Berg-Kulisse gewählt, die sich hinter der Gegengeraden des Stadions zeigt. Und aufgrund der Nähe zu Plovdiv, wo ich den folgenden Tag verbringen und abends das Spiel des Drittligisten Spartak im großen ‚Plovdiv Stadion‘ besuchen wollte. Dumm nur, wenn man in der Halbzeitpause gelangweilt am Smartphone eine Ergebnisseite durchscrollt und feststellen muss, dass das anvisierte Spiel bereits zeitgleich läuft. Spartak hat sämtliche Heimspiele der Saison sonntags ausgetragen. Auch das Spiel am aktuellen und letzten Spieltag war auf dem Sonntag angesetzt, wurde aber aufgrund einer klitzekleinen Rest-Chance auf den Aufstieg mit Entscheidung vom Freitag – also letztlich gerade einmal 24 Stunden vor dem Anstoß – um einen Tag vorgezogen, da noch drei Teams eine rechnerische Chance auf den Aufstieg hatten, die nun parallel antraten. Wusste man ja nicht früher… aber das ist halt unterklassiger Fußball in Bulgarien. Der Fehler liegt natürlich allein bei mir, denn es ist mehr als angeraten, die Ansetzungen tagesaktuell zu überprüfen, da fühlte ich mich wohl einfach zu sicher. Schlimm war es am Ende nicht wirklich, so besteht ein Grund, schon bald wieder in dieses wundervolle Land zurückzukehren. So fuhr ich schon am Sonntag-Mittag zurück nach Sofia. Das dort kurzfristig ausgewählte Spiel fiel dann aufgrund Nichtantritts der Gastmannschaft auch noch aus, was aber nicht sonderlich tragisch war.

Sofia – Fr., 31.05.2024, 20:00

FC CSKA Sofia vs CSKA 1948 0:2

Stadion Vasil Levski, 9.000 Zuschauer, Conference League Playoff
Und weiter ging die Reise zum Zwischenziel Sofia. Die Hauptroute wurde im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen und die Strecke durch das schöne Iskar-Tal mit sehenswerten Felsformationen gewählt. Dem Kloster Tscherepisch wurde auch ein kurzer Besuch abgestattet und unweit davon konnte ich auch noch eine verlassene Kirche im Unterholz entdecken. Vom gewählten Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs legte ich den Weg zum Stadion zu Fuß zurück und warf dabei auch einen Blick auf die natürlich schon bekannten Sehenswürdigkeiten mit der Alexander-Newski-Kathedrale als finalem Höhepunkt. Nach einem kalten ‚Kamenitza‘ im ‚Stamm-Biergarten‘ latschte ich zum Stadion.
Im Entscheidungsspiel um einen Startplatz in der Conference League traf CSKA Sofia, zu sozialistischer Zeit der Sportverein der Armee, auf seinen Klon CSKA 1948.  Wie es zur Existenz zweier Clubs mit beinahe identischem Namen kam, ist einigermaßen kompliziert und doch recht einfach. 2015 wurde dem insolventen Armee-Club die Lizenz entzogen und der Verein in die dritte Liga versetzt. Der Eigentümer des Vereins Litex Lowetsch erwarb das strafversetzte CSKA und übertrug diesem die Startberechtigung für die erste Liga, so dass CSKA nach nur einem Jahr in die höchste Spielklasse zurückkehrte. Damit CSKA ohne die Alt-Lasten starten konnte, wurde zunächst noch die Betreibergesellschaft eines kleineren, weit außerhalb von Sofia ansässigen Vereins umbenannt und für den Neustart benutzt. Einer kleinen Gruppe Fans gefiel das alles nicht, so dass diese einen neuen Verein eben mit dem Namen CSKA 1948 gründeten. Das mit der Litex-Lezenz ausgestatte CSKA beruft sich – einigermaßen zurecht, wie ich meine – auf die Historie des alten Vereins. Das ‚neue‘ CSKA 1948 hat aus Sicht des ‚alten‘ CSKA keine Existenzberechtigung und wird so gut es geht ignoriert. Bezeichnet wird der Verein nur mit „die Mannschaft aus Bistritsa“ – in der zu Sofia benachbarten Kleinstadt trägt CSKA 1948 seit einigen Jahren seine Heimspiele aus – und auf der Anzeigetafel wird bei CSKA-Heimspielen kein Wappen des Gegners, sondern nur ein Kreis mit dem Inhalt ‚Gast‘ abgebildet.
Da das vereinseigene CSKA-Stadion einem irgendwann einmal existierenden Neubau weichen musste, trägt CSKA derzeit sämtliche Heimspiele im benachbarten Nationalstadion ‚Vasil Levski‘ aus. Neben Hristo Botev ist Vasil Levski der zweite Nationalheld Bulgariens. Levski engagierte sich ebenfalls im Widerstand gegen die Osmanen und bezahlte dafür nach seiner Verhaftung mit dem Leben. Auch Levskis Namen wird durch nach ihm benannte Gebäuden und Vereine im Bewusstsein der Bevölerung gehalten. Im Norden des Landes wurde eine Stadt nach ihm benannt. Für bulgarische Liga-Spiele ist das Nationalstadion überdimensioniert, selbst für das wahre Sofioter Derby zwischen CSKA und Levski. Heute waren an die 10.000 Leute gekommen. CSKA hatte als Wiedergutmachung für eine hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Saison einen symbolischen Eintrittspreis von einem Lewa, knapp 50 Euro-Cent, erhoben. Die handverlesenen 33 Personen im Gäste-Sektor waren kaum der Rede wert, brachten aber ein paar Fahnen an den Zaun und präsentierten zum Spielbeginn sogar ein Spruchband, welches sich damit auseinandersetzte, welcher Verein nun das wahre CSKA ist. Die Kurve von CSKA zeigte nur ein Banner mit der Aufschrift „Ultras CSKA Sofia“ und machte nichts in Richtung der Gäste. Das hätte ja auch bedeutet, diese als Kontrahenten und damit die Existenz des Vereins anzuerkennen.
Kurz nach dem Anpfiff wurde die Kurve eingenebelt. Sportlich war es kein Leckerbissen, hatte ich aber auch nicht erwartet. Die Gastgeber waren feldüberlegen und bestimmten die Partie, waren aber unfassbar einfallslos und konnten keine Torgefahr heraufbeschwören. Dem nachgemachten CSKA reichten ein paar schnelle und gut gespielte Konter um das richtige CSKA in Verlegenheit zu bringen. Nach einer halben Stunde war es dann soweit und die Murmel lag zum ersten Mal in den Maschen. Wer nach dem Seitenwechsel eine bissigere, wütendere Vorstellung der Heimmannschaft erwartet hatte, irrte sich. Eigentlich lief der Kick genauso weiter wie in Hälfte eins und mitten in die Bengal-Aktion der CSKA-Kurve fiel Treffer Nummer zwei für den Gastverein. Und weiter änderte sich nichts, ohne jeden Hauch von Torgefahr hatte CSKA die Spielkontrolle. Nicht ganz unerwartete brannten einigen Ultras dann die Sicherungen durch. Plötzlich standen einige Fans mit Fahnenstangen und herausgerissenen Sitzschalen zwischen den Spielern auf dem Feld und nahmen Kurs auf die Ersatzbank. Mannschaften und Schiedsrichter-Team flüchteten in die Kabinen. Es dauerte etwas, bis sich die Lage beruhigt hatte und die Partie zu Ende gespielt werden konnte. Eine endlos lange Nachspielzeit blieb ereignislos und ein Verein, den kein Schwein interessiert spielt nun in der kommenden Saison international.

Vratsa – Do., 30.05.2024, 19:00

PFC Botev Vratsa vs FK Marek 1915 Dupnitsa 5:3 n.E.

Stadion Hristo Botev, 7.000 Zuschauer, Relegation zur Parva liga
Die Zeit bis zum späten Nachmittag wurde für eine mehrstündige Wanderung (oder eher Kraxelei) auf einem Trail im Balkangebirge und den Besuch der Ledenika-Höhle genutzt. Während der Trail die Erwartungen erfüllte, fiel der Höhlen-Besuch gemessen an den Lobpreisungen im Internet eher in die Kategorie ‚geht so‘. Eine Dusche später machte ich mich auf den knapp halbstündigen Fußweg quer durch die 50tsd-Einwohner-Stadt zum ‚Stadion Hristo Botev‘. Hristo Botev ist einer der Nationalhelden Bulgariens, der als einer der Anführer des bewaffneten Aufstandes gegen die osmanischen Besatzer dazu beitrug, dass Bulgarien einige Jahre später die Unabhängigkeit erlangte. Überall im Land findet sich sein Name durch Denkmäler, nach ihm benannten Kulturgebäuden und Fußballclubs wieder. Auch einer der höchsten Berggipfel des Landes trägt seinen Namen, wie auch über das Land verteilte Fußballstadien. Doch nirgendwo ist dies so berechtigt wie in Vratsa, denn unweit der Stadt ließ er sein Leben im Kampf.
Einen Kampf hatte auch der nach dem Freiheitskämpfer benannte örtliche Fußballverein zu leisten. Nach einer überschaubar erfolgreichen Saison musste Botev noch um den Klassenerhalt bangen. Immerhin gelang in der Abstiegsrunde ein kleiner Lauf und die Mannschaft sprang noch vom direkten Abstiegsplatz auf den Relegationsplatz. In dieser warteten nun die Gäste aus Dupnitsa, südlich von Sofia gelegen. Warum der klassenhöhere Verein in nur einem Relegationsspiel grundsätzlich das Heimrecht zugesprochen bekommt, erschließt sich nicht und entbehrt ja jeder Fairness. Voll wird das Stadion in Vratsa eigentlich nie, meist finden sich nur ein paar hundert Unentwegte ein. Richtig voll wurde es auch heute nicht, aber mit letztlich gut 7.000 Zuschauern war das Oval so gut gefüllt wie selten, was allerdings nur möglich war, weil der Verein freien Eintritt gewährte und im Vorfeld der Partie mehrere Aufrufe rausgehauen wurden, das Team im Kampf um die Teilnahme an der höchsten Spielklasse zu unterstützen. Das war dem Anhang sogar einen Corteo aus der City zum Stadion wert, auch wenn dieser neben der kleinen aktiven Szene mehr aus Familien und Jugendlichen bestand. Der aktive Fanblock wuchs dann nach und nach auf gut 100 Leute an, die mit Dauer-Gesängen und Pyro-Einlagen glänzten. 100 Gäste-Anhänger hatten sich eingefunden, die aber nicht organisiert auftraten und nur sporadisch aktiv supporteten. Zwei, drei kleine Rauchdosen hatten sie auch noch im Reisegepäck.
Absolut auf den Sack ging der auf der Laufbahn herumhampelnde, noch recht junge Stadionsprecher, der regelmäßig zum Mikro griff und die Besucher der Haupttribüne mit nervtötenden „Botev“-Sprechchören zu animieren versuchte. War richtig in seinem Element, der Tünnes. Das Team von Botev nahm sofort die Fäden in die Hand und führte Regie in diesem Spiel. Marek kam nur mit sporadischen Angriffen zu Entlastung, aber die Gastgeber konnten Chancen noch nicht nutzen. Das war dann aber kurz nach dem Seitenwechsel der Fall. Botev blieb auch danach die spielbestimmende Mannschaft und der Kick wäre auch unspektakulär mit dem knappen Sieg-Resultat ausgelaufen, wenn sich ein Botev-Verteidiger nicht wenige Minuten vor Schluss einen kapitalen Bock erlaubt hätte. Der Ball gelangte zu einem Angreifer der Gäste, der frei vor dem Torwart diesen wunderschön zum Ausgleich überlupfte und zum Feiern in die dahinterliegende Gästekurve rannte. Da ging der aus Normalos bestehende Gästeblock mal kurzzeitig richtig ab. Die Verlängerung brachte nichts Zählbares ein, sodass das undankbare Elfer-Schießen die Entscheidung herbeiführen musste. In diesem behielten die Gastgeber die Oberhand und das Volk ergoss sich von den Rängen auf den Rasen, um den Klassenerhalt zu zelebrieren.

Cherven Bryag – Mi., 29.05.2024, 18:00

OFK Partizan Cherven Bryag vs OFK Akademik Svishtov 0:4

Gradski Stadion, 47 Zuschauer, Treta liga severozapadna
Als diese Tour im März gebucht wurde, war weder klar, welche Spiele dabei rumkommen würden, noch dass ich diese freien Tage bitter brauchen würde, weil der Akku langsam auf Reserve ging. Mittags am Airport Sofia eingeflogen und in Ruhe die Miet-Gurke übernommen, führte der Weg zunächst nach Cherven Bryag, einer grauen, tristen Kleinstadt im Nordwesten des Landes gelegen. Hätte der Spielplangestalter nicht für diesen Tag ein Nachholspiel dort angesetzt, wäre ich sicher niemals dorthin gekommen, denn dieser Ort ist – wie so viele kleinere Städte im landschaftlich ja traumhaften Bulgarien – schon ein recht trostloser Flecken. Partizan war eigentlich schon hoffnungslos abgestiegen, profitierte jedoch davon, dass bereits im Winter ein Team zurückzog, womit der einzige Absteiger frühzeitig feststand. Zu Gast war heute der designierte Vize-Meister, der den Partisanen vier Eier ins Nest legte. Es ging also um nichts mehr und den sich immer weiter verdunkelnden Himmel beobachtend, war eigentlich die spannendste Frage, ob das nette, kleine Stadion nach dem Abpfiff noch trockenen Fußes verlassen werden konnte. Das gelang soeben, denn der Himmel öffnete seine Poren kurz nachdem ich am Auto angekommen war und ich eibelte in Ruhe ins Nachtquartier nach Vratsa.

Utrecht – So., 26.05.2024, 18:00

FC Utrecht vs Go Ahead Eagles Deventer 1:2 n.V.

Stadion Galgenwaard, 23.000 Zuschauer, Conference League Playoff Finale
Mein dritter Besuch in Utrecht. Während der zweite Besuch bei einem recht bedeutungslosen Spiel gegen Heerenveen vor mehr als 15 Jahren kaum eine Erinnerung hervorruft, schafft es der erste, gegen Ajax noch im alten ‚Galgenwaard‘, umso mehr. Nicht nur, dass es 1994 mein erster Spielbesuch in den Niederlanden überhaupt war, sondern auch der Auftritt der Ajax-Fans hinterließ einen bleibenden Eindruck. Erst nach Spielbeginn stürmten diese den Block und weitere zwei Minuten später gab es dort keine einzige Sitzschale mehr. Während des gesamten Spiels zeigte der Ajax-Pöbel ein aggressives Auftreten, das tröstete über ein torloses Remis locker hinweg. Ursprünglich hatte ich allerdings gedacht, Utrecht heute als Gast-Team beim NEC in Nijmegen zu sehen, aber die Eagles Deventer hatten in der Vorausscheidung am Donnerstag überraschend in Nijmegen gewonnen und Utrecht – als in der Abschlusstabelle höher platziertem Team – damit ein Heimspiel im Finale um einen Conference League Platz beschert. Wie sich dann herausstellte, war die Entscheidung für dieses Spiel nicht ganz verkehrt, denn es war alles dabei. Die Bude war natürlich pickepackevoll, auch die Eagles hatten alle 1.200 ihnen zustehenden Tickets an den Fan gebracht. Utrecht war das dominantere Team mit mehr Ballbesitz und ging nach einer halben Stunde verdient in Führung. Aber auch die Gäste kamen immer wieder mit schnellen Vorstößen gefährlich vor das Tor.
Im zweiten Durchgang zeigte sich lange ein ähnliches Bild und Utrecht war schon auf die Zielgerade eingebogen, als ein Platzverweis nach grobem Foulspiel wenige Minuten vor Schluss alles durcheinanderbrachte. Ob dieses auch der Auslöser war, dass sich der Gäste-Sektor und der benachbarte Block plötzlich einen munteren Bengal-Austausch lieferten und sich die Fackeln um die Ohren hauten, ist schwer zu beurteilen. Die Utrechter Ultras setzten dann zum Platzsturm an, der aber von den Ordnungskräften im Keim erstickt wurde. Der Referee beorderte die Aktiven jedenfalls erst einmal für eine Viertelstunde in die Katakomben, um die Lage zu beruhigen. Als es dann weiterging, passierte das, womit eigentlich nicht mehr zu rechnen war – Deventer erzielte in der Nachspielzeit den Ausgleich. Die Verlängerung war dann nicht weniger intensiv. Zunächst hatte Utrecht in Unterzahl die besseren Chancen, ließ aber mehrere dicke Einschussmöglichkeiten ungenutzt. Dann erzielten die Gastgeber doch den vermeintlichen erneuten Führungstreffer, der ziemlich spät aber wieder aberkannt wurde. Vier Minuten vor Schluss trafen die Eagles dann zum Sieg, versetzten das heimische Publikum in Schockstarre und sind in der kommenden Spielzeit nun völlig überraschend in Europa unterwegs. Die Utrechter Szene probte nach dem Abpfiff dann doch noch den Frust-Platzsturm, bis zum Gästeblock konnten oder wollten die Jungs aber nicht vordringen. Da außerhalb des Stadions kein Herankommen an den Eagles-Anhang möglich war, entlud sich der Frust dann gegen die Staatsmacht. Es ging ganz ordentlich ab und die Filmaufnahmen von den teils unmaskierten Randalierern bedeuten für diese sicher noch ein böses Nachspiel.

Beneden-Leeuwen – So., 26.05.2024, 14:00

SV Leones vs VVG ’25 2:0

Sportpark Het Zijvond, 450 Zuschauer, 2e Klasse Zondag G Oost
Der Tagesausflug in die Niederlande führte zunächst in den Ort Beneden-Leeuwen in der Provinz Gelderland, direkt am Waal gelegen, dem südlichen Mündungsarm des Rheins. In der zweiten Klasse auf Provinz-Ebene, landesweit siebtklassig, war hier VVG’25 aus der Nähe von Doetinchem zu Gast. VVG hatte am letzten Spieltag die Chance erstmalig in die ‚Eerste Klasse‘ aufzusteigen. Dafür wurde ordentlich mobil gemacht und mit zwei Bussen und vielen Pkw-Besatzungen über 200 Fans mitgebracht. Wie es ja Tradition ist, wird in den Niederlanden bei wichtigen Spielen im Amateurbereich ordentlich gezündelt. So stieg auch hier an allen Ecken und Enden blauer Rauch auf, das ist ja immer ein netter Rahmen. Das nützte aber alles nix, die Gäste schienen irgendwie gelähmt, ob ihrer großen Chance und die gastgebenden Löwen hatten nicht die Absicht auf ihrer eigenen Anlage nur als Statisten zu fungieren und den VVG-Recken beim Feiern zuzuschauen. Leones machte ein gutes Spiel und schoss den Tabellenführer verdient vom Platz an der Sonne.

Essen – Sa., 25.05.2024, 15:45

Rot-Weiss Essen vs Rot-Weiß Oberhausen 3:0

Stadion an der Hafenstraße, 17.897 Zuschauer, Niederrheinpokal Finale
30 Mal nahmen die Roten vor der aktuellen Spielzeit am Niederrheinpokal teil. Bei 15 Final-Teilnahmen stehen zehn Siege zu Buche, insgesamt also eine sehr ordentliche Bilanz. Auch die 31. Teilnahme führte den glorreichen RWE ins Endspiel. Gegner waren dort – wie im Vorjahr – die falsch geschriebenen Namensvetter aus der Nachbarstadt. Auch die Tiefstapelei des Essener Trainierers konnte nicht kaschieren, dass auf dem RWE die Favoriten-Bürde lastete, der er ja letzten Endes deutlich gerecht wurde. Wenn in der zweiten Spielminute der Schuss von Voelcke, der dennoch zum Matchwinner avancierte, nicht vom Innenpfosten zurück ins Feld, sondern ins Tor gesprungen wäre, hätte das sicherlich etwas Aufregung erspart. Trotz aller Feldüberlegenheit mit viel Ballbesitz, blieb die Leistung der Gastgeber nämlich insgesamt ziemlich bescheiden. Mehr Abschlüsse hatten im ersten Durchgang die falschen Rot-Weißen, diese gerieten allerdings sämtlich ungenau, während der RWE geduldig – aber meist vergeblich – versuchte, die entscheidende Lücke zu finden. Mit der Hereinnahme von Eisfeld für den nach sieben Jahren im schönsten Trikot der Welt sein letztes Spiel bestreitenden, aber schwachen Harenbrock, der nach einem Foulspiel etwas zudem angeschlagen war, bekam das Spiele eine Wendung. Eisfeld steckte fünf Minuten nach Wiederanpfiff einen schönen Steilpaß auf den schnellen Voelcke durch, der allein vor RWO-Schlussmann Benz etwas glücklich vollendete. Benz sah dabei nicht gut aus, da der unplatzierte Schuss haltbar wirkte, der Schnapper aber warum auch immer nicht den Fuß an den Ball bekam. Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit gab es nach klarem Foul an Voelcke Strafstoß, den Sapina sicher verwandelte. Damit war die Messe prinzipiell gelesen, auch wenn RWO zehn Minuten vor Ende noch einen Pfostentreffer produzierte. Mit einem wirklich phantastisch gespielten Konter setzte RWE den Schlusspunkt. Voelcke krönte seine Leistung mit dem finalen Pass auf Berlinski, der die Murmel nur noch ins leere Gehäuse schieben musste. Für beide Spieler, die den Verein verlassen, der eine gewollt, der andere ungewollt, ein schöner und versöhnlicher Abschluss im Hemd des Deutschen Meisters von 1955.
Das Spiel selber wurde aber von zwei Themen überlagert, welche in den Szenen kontrovers diskutiert wurden. Zum einen war der Oberhausener Anhang nicht damit einverstanden, dass das Finale nach letztem Jahr erneut nach Essen vergeben wurde. Völlig berechtige Kritik, wie ich meine. Wenn der Verband schon nicht in der Lage ist, einen neutralen Austragungsgort zu finden, ist die gerechte Verteilung der Mindestanspruch. Nach meinem Dafürhalten, sollte sowieso der klassentiefere Club immer das Heimrecht zugesprochen bekommen. Offiziell hatte RWO dieses sogar, durfte es aber auf Weisung des Verbandes nicht ausüben. Eine Farce. Dass die Roten die eigentlich neutrale Bühne nun auch noch nutzten, um scheidende Spieler und Offizielle zu verabschieden, brachte die Gäste zusätzlich auf die Palme. Deutlich präsenter war aber die Nicht-Präsenz der aktiven Essener Ultra-Gruppen, respektive die Tatsache, dass die Ultras nicht als Gruppen auftraten. Die Flächen am Zaun, an denen die Gruppen-Fahnen normal hängen, als auch das fette Westtribünen-Banner, blieben leer. Die selbst auferlegte Vorgabe, war bis dato, dass im Verbandspokal erst ab dem Halbfinale organisiert supportet wird. Das ist für mich noch halbwegs nachvollziehbar, da es vermutlich wenig Laune macht, auf dem Bolzplatz eines Bezirksligisten den Hampelmann zu geben. Allerdings hielte ich eine Gegner-abhängige Entscheidung für sinnvoll, denn auch in Runde zwei kann der Kontrahent schon ein Club mit ordentlicher Fan-Base sein. Jedenfalls fand ja auch gegen Ratingen im Halbfinale noch kein Ultra-Support statt, dass aber nun selbst im Finale verzichtet wurde, empfinde ich als kontraproduktiv.
Es gibt allerdings auch Stimmen, die das angespannte Verhältnis zwischen der Ultra-Szene und dem Verein als Grund für den Stimmungsverzicht benennen. Davon ausgehend, dass dem nicht so ist – die Gruppen haben sich dazu bisher nicht positioniert – entspricht der Entscheid nach meinem Erachten nicht der Ultra-Grundregel, dass der Verein über allem steht. Stattdessen stellen sich eher die Gruppen über alles. Zwar verweisen diese in Verzicht- oder Boykott-Lagen immer gern darauf, dass ja auch das ‚gemeine Volk‘ in die Bresche springen kann, jedoch sind die Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten ja entsprechend gewachsen, dass ohne leitende Ultra-Hand ordentliche Stimmung kaum mehr möglich erscheint. So stimmte die Westkurve zwar immer wieder Lieder an, die Meinungen über die entfachte Wirkung gingen aber weit auseinander. Während einige die überragende Stimmung feierten und dass es Ultra nicht braucht, erklärten andere die Atmosphäre als laues Sommerlüftchen. Oldschool-Support klingt gemessen an den 80ern und 90ern, in denen es zwar nur eine begrenzte Lied- und Schlachtrufauswahl gab, die aber ordentlich schepperte, sicher anders. Aus meiner Position, die dem Gäste-Sektor aber näher liegt, als der Westkurve, war meistens nur die RWO-Szene zu vernehmen, und die lieferte auch keinen überragenden Auftritt ab. Optisch gab es außer einem Motivations-Banner als Intro auch keine Aspekte, so dass dieses Finale als Tifo-Tiefpunkt bewertet werden darf.

Laer – Do., 23.05.2024, 19:30

TuS Laer 08 vs FC Eintracht Rheine 0:3

Sportanlage Laer, 625 Zuschauer, Kreispokal Steinfurt Finale
Tage mit durchgängig schönem Wetter sind derzeit rar gesät, daher wurde die Chance ergriffen und vom Arbeitsplatz im Westmünsterland nach Feierabend nicht der Weg nach Hause, sondern ins nicht allzu weit entfernte Örtchen Laer zum Steinfurter Kreispokal-Finale eingeschlagen. Auf der beschaulichen Sportanlage mit einer mehrstufigen, begrünten Geraden bat der örtliche A-Ligist den Oberligisten aus Rheine zum Tanz. Die Reserve der Gastgeber hatte eine Miniatur-Choreografie vorbereitet und unterstützte die ‚Erste‘ sporadisch auch akustisch. Normalerweise war eine klare Sache zu erwarten und die Gäste wurden der Favoritenrolle in Sachen Spielanteilen und Überlegenheit auch gerecht. Während Angriff auf Angriff in Richtung des Laerer Tores rollte, warfen sich die Gastgeber kampfeslustig in die Abwehrschlacht und verteidigten mit allen Körperteilen als gäbe es keinen Morgen mehr. Gerade einmal zwei zu Ende gespielte Angriffe brachte der TuS selbst auf die Beine, ansonsten fand das Geschehen beinahe ausschließlich in der eigenen Platzhälfte statt. Erst in der Schlussviertelstunde knackte der vier Ebenen höher spielende und damit haushohe Favorit den Abwehrriegel. In der Schlussphase schraubte die Eintracht das Ergebnis dann noch in sichere Höhe.