Dem Testspiel-Terror gehe ich ja weitestgehend aus dem Weg, da ich mit Spielen ohne Wettbewerbs-Charakter wenig bis gar nix anfangen kann. Es sei denn es bietet sich eine außergewöhnliche Gelegenheit oder aber der Deutsche Meister von 1955 ist beteiligt. ‚Trainer-Gott‘ Dabrowksi bat seine Getreuen heute zum ersten Test-Kick. Da dieses gegen den Verein aus meinem Stadtteil stattfand, der durch seine Damen-Bundesliga-Mannschaft und weniger durch das Herren-Landesliga-Team überregional bekannt ist, war ein Besuch also quasi Pflicht. Da die beiden Kunstrasenplätze der eigenen Anlage – auf welchen der Autor dieser Zeilen, allerdings noch auf Asche-Untergrund, die ersten Treffer seiner damals noch jungen und später *hust* schillernden Stürmer-Karriere erzielte – nicht den passenden Untergrund und Rahmen boten, fand die Partie im Stadion in Essen-Frohnhausen statt, das den Namen vom ‚Boss‘ trägt. Helmut Rahn hat dort in unmittelbarer Nähe bis zu seinem Ableben gewohnt. Mehr als eine Standortbestimmung wurde es dann nicht und diese fiel eher dünn aus. Zumindest soweit ich das beurteilen kann, denn das Geschehen wurde die meiste Zeit eher mit einem Auge verfolgt und dabei viel mit Bekannten und Gefährten gequasselt. Der Landesligist hielt teils gut dagegen und bis kurz vor dem Halbzeitpfiff auch die Null. Am Ende war das Resultat standesgemäß, das Gezeigte eher nicht so, da gibt es noch viel zu tun.
Sportplatz Moritzstraße, 380 Zuschauer, Relegation zur Bezirksliga Niederrhein
Etwas verspätet kam es zur Relegation zwischen den Kroaten aus dem Mülheimer Stadtteil Styrum und den Taxifahrern aus der Nachbarschaft des Duisburger Wedaustadions. Der FC Taxi kam auf denkbar einfachem Wege zu seinem Namen, denn der Club wurde 1974 von eine Gruppe von Taxifahrern gegründet. Der Grund dafür, dass diese Ausscheidungsrunde erst zwei Wochen nach Saisonschluss begann, lag darin, dass zunächst das Kreissportgericht gefragt war, da noch ein Spielabruch der Taxista verhandelt wurde, der letztendlich Punktgleichheit mit Croatia erbrachte, was nach den Statuten in die Relegation führt. Diese wird in Hin- und Rückspiel ausgetragen und die erste Partie dieser Finalserie fand heute in Mülheim statt. Beide Teams erzeugten wenig Spannung, es war ein Spiel beinahe ohne Torchancen, was ja fast zwangsläufig und konsequent im torlosen Remis mündete. 500 Zuschauer waren auf die Anlage an der Moritzstraße gekommen, die auf einer Seite sieben Stufen bietet, welche zu einem kleinen Teil überdacht sind. Zu den Stars der unspektakulären Darbietung mutierten letztlich die Cevapi im Fladenbrot und das kroatische Dosenbier der Marke ‚Ozujsko‘.
Sportpark Drakesteyn, 500 Zuschauer, Relegation zur 2e Klasse Zuid 2
Ein weiteres Relegationsspiel fand im limburgischen Weert, nahe der Grenze zu Belgien, um einen Platz in der Zweiten Klasse auf regionaler Ebene, landesweit siebtklassig, statt. Auf neutralem Terrain duellierten sich die Teams aus dem benachbarten Budel und aus Escharen in der Nähe von Nijmegen. Diese Ansetzung bewies mal wieder, dass man sich nur gedulden muss, wenn man ein ordentliches Spiel auf einer bestimmten Anlage sehen will, denn der ganz nette Sportpark Drakesteyn gehört zu den besseren im niederländischen Amateurfußball. Eigentlich ist es ja auch egal, denn die Sportanlage sieht ja nicht anders aus, als wenn ein graues Liga-Spiel vor 100 Kibitzen über die Bühne geht, aber der Spielbesuch macht ja doch deutlich mehr Spaß, wenn ein bisschen was los ist. Auch heut war Pyro wieder Trumpf und das kleine Stadion wurde von beiden Seiten ordentlich eingenebelt. Die Jungs und Mädels von EGS hatten im Pyro-Duell die Nase vorn, zündeten neben den obligatorischen Rauchtöpfen einige Fackeln und hatten ein Banner gemalt. Die Budel-Jünger jagten dafür neben den Rauschwaden auch noch einige Raketen-Batterien in den dunstigen Himmel. Der Feuerwerks-Nebel hatte sich noch nicht verzogen, da stand es schon 1:0 für Budel, aber nur zwei Minuten später war diese frühe Führung schon wieder egalisiert. Budel ging nach einer halben Stunde erneut in Führung und EGS sollte sich davon nicht mehr erholen. In der Schlussviertelstunde wurde das Ergebnis dann unnötig deutlich.
Sportpark De Wetering, 2.500 Zuschauer, Relegation zur 2e Divisie
Um einen freien Startplatz in der dritthöchsten Spielklasse des Landes wurde in Genemuiden gestritten. Die Gäste hatten für dieses Spiel die ungleich bessere Ausgangslage, denn es war bereits der Rückkampf der Finalserie und das Hinspiel ging mit 3:1 an Excelsior. Bei Derbys und Spielen mit entscheidendem Charakter wird in den Niederlanden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit pyrotechnischen Erzeugnissen nicht gegeizt. Manches Mal ist es aber nicht ganz einfach auszuloten, an welcher Stelle oder auch mehreren Stellen der Krempel in die Luft geblasen wird, da man oft keinen wirklichen Fanblock ausmachen kann. Ich war mich sicher, bei diesem Spiel würde es auf der Gegenseite der Fall sein und platzierte mich neben der Sitztribüne der etwas schmucklosen, mit Werbetafeln zugepflasterten Anlage, nur um mich wenig später in einer grünen Rauchwolke wiederzufinden, in der man buchstäblich die Hand vor Augen nicht mehr sah. Die Gäste hatten zwar kein Pyro-Zeugs dabei, dafür aber einen aktiven zwei Dutzend Mann starken Pöbel, von denen einige Personen den Eindruck machten, bei entsprechend ungünstigem Ausgang für die eigene Mannschaft auch gerne noch eine handfeste Nachbesprechung mit den Gastgebern anzuleiern. Dieses erwies sich jedoch als unnötig. Bis in die Schlussviertelstunde war die Partie völlig ausgeglichen, wobei die Gäste allerdings auch nie den Eindruck erweckten, noch ernsthaft in Bedrängnis geraten zu können, zumal Torraumszenen absolute Seltenheit genossen. Mit dem ersten Treffer für die Jungs aus dem Rotterdamer Umland gingen die Köpfe der Gastgeber dann runter, die Körpersprache war eindeutig, was Excelsior zu zwei weiteren Toren nutzte, damit viel zu deutlich gewann, aber insgesamt wohl verdient den Aufstieg feierte.
Nachdem die an diesem Spiel beteiligten Teams jeweils ihr Staffel-internes Duell um den Verbleib in der Landesliga – welches notwendig wird, wenn nach Saisonende mehrere Team punktgleich sind, denn das Torverhältnis wird nicht berücksichtigt – verloren hatten, ging es nun in einer finalen Runde mit Hin- und Rückspiel um die letzten Chance auf den Klassenerhalt. Nachdem der erste Versuch auf dem Rasenplatz mit Normalmaß in die Hose ging, entschied sich die Fortuna, ihr Glück auf dem engen Kunstrasen zu versuchen, der – angeblich! – die Mindestmaße so gerade eben erfüllt. Für Spieler mit wenig Kondition ist dieser Platz natürlich ein Traum, denn weit laufen muss man ja nicht. Zwischen Strafraum und Seitenaus-Linie gibt es keine zwei Meter Platz, so dass jeder Einwurf brandgefährlich wird, ein etwas zu hart geschlagener Eckball dafür aber direkt gegenüber ins Seitenaus fliegt. Das Spiel war nicht sehr gut, durch die begrenzte Spielfläche war ein geordneter Spielaufbau kaum möglich. Dem ballführenden Spieler blieb selten viel Zeit, um eine Entscheidung zu treffen, so dass Fehlpässe und Ballverluste die Partie bestimmten. In dem ausgeglichenen Spiel hatten die Gastgeber den etwas längeren Atem und verschafften sich eine ordentliche Ausgangslage für das Rückspiel.
Stadion am Fellberg, 105 Zuschauer, Landesklasse Thüringen Süd
Nach dem Besuch der Gedenkstätte Buchenwald fuhren wir quer durch das Thüringer Becken bis ins Schiefergebirge kurz vor der Landesgrenze zu Bayern. Das ‚Stadion am Fellberg‘ stand auch schon ewig auf der ungeschriebenen To-Do-Liste, aber da Steinach nun wirklich fernab jeglicher Hauptrouten liegt, dauerte es halt etwas länger bis dieses wunderschöne Naturstadion betreten werden konnte. Die Spielstätte liegt oberhalb des Ortes in exponierter Lage, über schmale Dorfstraßen geht es vom Ortskern aus zum Stadion hoch, dass 1958 für den Spielbetrieb freigegeben wurde. Die damalige BSG Motor Steinach konnte 1963 in die Oberliga, die höchste DDR-Spielklasse, aufsteigen und sich dort für zwei Spielzeiten halten. Zum ersten Oberliga-Heimspiel gegen Jena kamen sensationelle 25.000 Zuschauer. Am Ende der Spielzeit stand ein Zuschauerschnitt von 15.000 in den Büchern. Umso bemerkenswerter angesichts einer Zahl von nur circa 5.000 Einwohnern. Man mag sich kaum ausmalen, was an Spieltagen in Steinach losgewesen sein muss und wie sich die Besuchermassen die beiden engen Zufahrtsstraßen hochschoben. Von solchen Zahlen ist der heutige SV 08 weit entfernt, was aber die Wirkung des Stadions in keiner Weise beeinträchtigt. Das Spielfeld liegt zu drei Seiten von Hängen umgeben und öffnet sich zur Ortsseite, wo sich auch das charakteristische Sozialgebäude und das markante Eingangstor mit dem Sprecherturm befinden. In der gegenüberliegenden Kurve stehen eine Skulptur und eine Tafel, welche an den Bau der Spielstätte erinnert. Die Laufbahn wird zur Hälfte von vier teilweise begrünten, von windschiefen Randsteinen gehaltenen Stufen umgeben. Ein bedeutungsloses Spiel wurde hart umkämpft aber auf bescheidenem Niveau geführt. Einen Sieger gab es am Ende nicht.
Thüringen war das Ziel auf diesem Wochenend-Ausflug mit der geschätzten Gattin und die Wahl fiel auf Weimar. Dass der SC Weimar mittlerweile über eine kleine Fanszene verfügt und es in diesem Spiel für die Gastgeber zudem um den Aufstieg ging, gab den Ausschlag, auch wenn ich schon einmal ein Spiel am ‚Lindenberg‘ gesehen hatte. Ist aber auch ein wirklich nettes Stadion mit einer teilweise gedeckten Sitztribüne, begrünten Steh-Traversen auf den übrigen Seiten und einer kultigen Kneipe. An einem Ende der Gegengeraden hat die ‚Kulturstadtmafia‘ ihre Heimat gefunden. Zum Intro präsentierte diese eine Choreo in Form einer Blockfahne mit ergänzendem Banner am Zaun, mit dem bezeugt wurde, dass der Verein im Mittelpunkt steht. Die Szene gab mit ihrem großen Zaun- und kleineren Gruppenbanner, sowie im Verhältnis zur Gruppengröße recht vielen Schwenkern ein farbenfrohes Bild ab, sah gut aus. Finde es ja außerdem einigermaßen faszinierend, woher man die Motivation nimmt, eine Mannschaft auf mittlerem Amateur-Niveau konsequent zu unterstützen, zumal es ja in der Liga auch keine Kontrahenten auf den Rängen geben dürfte. Das sähe eine Liga höher zumindest etwas besser aus, allerdings tut das Team aktuell alles dafür, genau diese nicht zu erreichen. Aufsteigen will in dieser Liga offenbar keiner. Der Tabellenführer hat seinen Verzicht erklärt, was dem SC Weimar die Tür öffnete. Mit dem vorangegangenen Spieltag hat dieser drei Matchballe. Der erste wurde bereits vergeben und heute ging der zweite ins Aus, denn die Gäste aus Stadtroda machten ein gutes Spiel und gewannen verdient. Am letzten Spieltag wird die Aufgabe nun auswärts beim Tabellenvierten ungleich schwieriger, so dass der Dritte aus Kahla dieses Schneckenrennen noch für sich entscheiden könnte.
Sportplatz Wörtstraße, 1.150 Zuschauer, Relegation zur Bezirksliga Westfalen
Um einen Startplatz in der Bezirksliga kämpften die beiden Kontrahenten aus Hagen und dem Bottroper Stadtteil Kirchhellen. Für beide war es schon die zweite Patrone, denn beide Teams verloren ihre Kreis-internen Entscheidungsspiele um den Aufstieg, so dass der letzte verbleibende Bezirksliga-Startplatz nun in Hin- und Rückspiel vergeben wurde. Im Hinspiel waren die Fichten schon drauf und dran, sich eine hervorragende Ausgangsposition zu erarbeiten, vollbrachten jedoch das Kunststück eine Führung von 3:1 und 4:3 noch in eine 4:6-Niederlage zu verwandeln. Aus Kirchhellen waren an die 300 Anhänger mit Bussen und Autos angereist. Der VfB-Anhang hat durchaus ein Pyromanen-Image, dem er auch heute wieder gerecht wurde und den Platz zum Intro ordentlich einnebelte. Ihr Team war auf der gut besuchten dann die klar bessere Mannschaft und dämmte etwaige Ambitionen der Zwieback-Städter direkt ein. Die frühe Gäste-Führung konnten die Nadelhölzer zwar mit dem Pausenpfiff durch einen zweifelhaften Strafstoß glücklich ausgleichen, aber im zweiten Durchgang kannte das Spiel nur eine Richtung. Die VfB-Akteure zeigten sich als ausgesprochene Forst-Experten und erkannten, wie die spröden Gastgeber zu packen waren. Spätestens mit dem dritten VfB-Treffer nach einer Stunde Spielzeit war der Baum gefällt und in der Schlussviertelstunde geriet die Veranstaltung noch zum Debakel für den TSV. Der VfB war letztlich ein hochverdienter Sieger, was die zweite Pyro-Einlage des Tages zur Folge hatte.