Bochum – So., 25.08.2024, 15:00

Concordia Wiemelhausen vs VfL Bochum U21 1:4

Sportplatz Glücksburger Straße, 700 Zuschauer, Oberliga Westfalen
In der westfälischen Oberliga begrüßte der Bochumer Stadtteilverein aus Wiemelhausen einen Ortsrivalen, die wieder ins Leben gerufene U21 des Platzhirschen VfL. Um die Eingliederung dieser Mannschaft in die Oberliga, gab es kontroverse Diskussionen und viel böses Blut, was in einem Einspruch eines Großteils der Liga-Rivalen mündete. Für meine persönliche Meinung auch zurecht. Das Verbandssportgericht bestätigte aber – wie überraschend! – die Entscheidung des Verbandes, die etwas unklar mit einigem Spielraum ausgestatteten Statuten eben so anzuwenden. Großer Kritikpunkt der klagenden Vereine war zudem die fehlende Transparenz des Verbandes, der seine Entscheidung zunächst nicht erklärte. So oder so ist die Sache aber moralisch fragwürdig, eine neu aufgestellte Truppe einfach sechs Ligen überspringen, anstatt diese von ganz unten starten zu lassen. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und zumindest in Wiemelhausen – die Concordia war am Einspruch auch nicht beteiligt – freute man sich auf den Ortsrivalen. Einige hundert Leute wollten sich das Derby anschauen. Diese sahen zunächst eine ausgeglichene Partie, in der die Concordia zwei gute Chancen vergab. Der Profi-Nachwuchs war vor dem Tor deutlich abgezockter, ging mit einer Zwei-Tore-Führung in die Pause und erhöhte früh in Hälfte zwei auf drei Tore Unterschied. Damit war das Ding eigentlich durch, aber die Gastgeber schafften den Anschluss und nun ergaben sich weitere Gelegenheiten, die aber der Abschlussschwäche zum Opfer fielen. Der VfL setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. Vor Jahren sah ich schon mal ein Spiel in Wiemelhausen und seitdem ist die mit einigen Stufen ausgebaute Seite um einige Sitzschalen und ein Dach erweitert worden. Visueller Fixpunkt ist natürlich der mächtige Malakov-Förderturm der ehemaligen Zeche Julius Philipp.

Essen – So., 25.08.2024, 11:00

Rot-Weiss Essen U19 vs FC Meineid U19 1:4

Sportanlage Essen-Mitte II, 150 Zuschauer, U19-DFB-Nachwuchsliga Vorrunde Gruppe C
Die Bezirkssportanlage Essen-Mitte II, die von Rot-Weiss Essen seit einigen Jahren eigenverantwortlich als Nachwuchsleistungszentrum genutzt wird, hat im Zuge einer Sanierung, welche dem Zwecke diente die Anforderungen des DFB zu erfüllen und die daraus folgende Zertifizierung zu erreichen, eine schmucke überdachte Sitztribüne erhalten. Seit Beginn der aktuellen Saison ist diese zur Nutzung freigegeben, was Grund genug war, mal wieder einem Spiel der U19 beizuwohnen. Und welches könnte dafür besser taugen, als ein Spiel gegen den Nachwuchs des verhassten Nachbarn. Vermutlich einige, denn das Kräfteverhältnis ist natürlich seit Jahrzehnten völlig im Ungleichgewicht und die Chance auf einen Sieg gegen den Nachwuchs der Meineidler aus Arbeitslosenkirchen prinzipiell gering, während man eine Niederlage gegen eben jene nicht gern erlebt. Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt und der RWE wehrte sich auch tapfer gegen überlegene Gäste. Nach etwas mehr als einer halben Stunde ist es dann aber passiert. Ob man dann direkt völlig zusammenbrechen und in den nächsten Minuten bis zur Halbzeit noch zwei Kirschen fangen muss, sei dahingestellt. Sollte der Trainer der RWE-U19 seinen Mannen in der Pause einen Plan mitgegeben haben, war dieser nach wenigen Sekunden im zweiten Durchgang schon Makulatur. Mit dem vierten Gegentreffer war dann vermutlich auch dem Letzten klar, dass es heute mal wieder keinen Blumentopf zu gewinnen gab. Immerhin der Kampf stimmte nun und die Roten konnten sich etwas befreien. Per Foulelfmeter wurde auch noch etwas Kosmetik betrieben, aber ich denke, dass das Resultat die Machtverhältnisse am heutigen ziemlich exakt wiederspiegelt.

Essen – Sa., 24.08.2024, 14:00

Rot-Weiss Essen vs DSC Arminia Bielefeld 0:0

Stadion an der Hafenstraße, 18.507 Zuschauer, 3.Liga
Die stark in die Saison gestartete Arminia war zu Gast und kam mit dem Rückenwind des Sieges im Pokalspiel über den Zweitligisten Hannover 96 an die Hafenstraße. Was mich von Seiten des glorreichen Deutschen Meisters von 1955 erwarten sollte, war mir absolut unklar. Nach der traditionellen Auftakt-Niederlage am ersten Spieltag, ließ die Mannschaft mit dem Auswärtssieg bei der frisch aufgestiegenen U23 von Hannover 96 aufhorchen. Nach wenigen Sekunden wäre es dann beinahe schon passiert, aber Jakob Golz lenkte einen fiesen Aufsetzer noch um den Pfosten. Bis zum Seitenwechsel passierte dann ein einem eigentlich so schlecht gar nicht anzusehenden Spiel nicht mehr viel. Spielerisch war das von beiden Seiten ganz okay, die Arminia zeigte sich erwartet selbstbewusst und stark, allein die Torraumszenen fehlten halt. Neuzugang Eitschberger zu bringen, der erst wenige Tage vorher von der Berliner Hertha ausgeliehen wurde, war dann mal eine gute Entscheidung des Essener Fußballehrers, denn der Junge war mit vollem Einsatz und viel Tempo unterwegs. Die zweite Spielhälfte wurde dann auch vor den Toren endlich interessanter, auch wenn die ganz großen Aufreger ausblieben. Da den Arminen die Schlussphase gehörte und die Roten die Kontermöglichkeiten kläglich ausspielten, bin ich mit diesem Punkt zufrieden. Ich halte es für möglich, dass der DSC ein Wort um den Aufstieg mitredet. Sogar Coach Dabrowski kann ich dieses Mal gar keinen großen Vorwurf machen. Zwar wurde wieder bis auf einen verletzungsbedingten Tausch erst sehr spät gewechselt, aber die Eigendynamik dieser Partie gab auch wenig Anlass früh etwas zu verändern.
Mit diesen Auswechslungen, Kaparos und Safi  gingen zehn Minuten vor Ende vom Feld, nahm Dabrowski aber dann auch direkt das komplette Tempo aus dem Angriffspiel, was für mich nicht nachvollziehbar war, denn wenn gegen in dieser Phase dominanter auftretende Bielefelder noch etwas hätte passieren können, dann durch einen schnellen Umschaltmoment, das war offensichtlich. Auf den Rängen gab es nicht viel zu beobachten. Der Vorfall auf Mallorca, wo im Urlaub weilende Angehörige der deutschen Polizei einen Taxi-Fahrer attackierten, wurde per Spruchband thematisiert, ansonsten verhielt sich die rot-weisse Kurve bis auf Zaunbeflaggung und Schwenker aus bekanntem Grund visuell weiter bedeckt und auch die Arminia-Szene blieb hinter ihrem Potential zurück. Dafür gab es auf die Ohren. Natürlich aus dem Gästeblock, der für mich allerdings bedingt durch die Lage meines Platzes auch immer sehr präsent ist. Es gab aber auch eine längere Phase, in der dort nur selbstverliebt vor sich hingeträllert wurde. Die rot-weisse Kurve war dagegen gemessen an anderen Auftritten gut aufgelegt und wenn das ganze Publikum in die Klassiker und Gassenhauer einsteigt, wird es ja immer richtig laut. Die weitere Entwicklung auf den Rängen und auf dem Rasen bleibt abzuwarten. Mein grundsätzlicher Pessimismus hat sich erst einmal etwas gelegt, die Skepsis allerdings nicht.

Zwolle – So., 18.08.2024, 14:30

PEC Zwolle vs Feyenoord Rotterdam 1:5

Ijsseldeltastadion, 13.653 Zuschauer, Eredivisie
Vielleicht wäre alles anders gelaufen, wenn der PEC die aus dem ersten Angriff resultierende große Tor-Gelegenheit genutzt hätte. Stattdessen ging der Favorit aus der Stadt mit Europas größtem Hafen kurz darauf in Führung. Bei Feldüberlegenheit von Feyenoord blieb das Chancenverhältnis bis zum Seitenwechsel dann ausgeglichen. Der Albtraum eines jeden Trainers dürfte es sein, wenn der in der Halbzeitpause an die Mannschaft kommunizierte Plan für Durchgang zwei nach kurzer Zeit schon hinfällig ist. Das war heute bereits nach wenigen Sekunden der Fall, denn die Jungs aus Rotterdam verdoppelten mit dem ersten Angriff ihre Führung. Danach war der Prins-Hendrik-Ende-Desespereert-Nimmer-Combinatie, was das Kürzel PEC in voller Länge bedeutet, sichtlich der Stecker gezogen. Feyenoord hatte nun leichtes Spiel und legte den Gastgebern Ei um Ei ins Netz. Der PEC blieb nur noch etwas Ergebniskosmetik kurz vor Ende der Partie. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch kurz nach Stadioneröffnung wurde das Fassungsvermögen inzwischen auf 14.000 Plätze erhöht. Wenn nicht vier schäbige Flutlichtmasten aus dem grauen Gebäudekomplex wie die Porree-Piepen rausschauen wurde, käme man in der Außenansicht allerdings nie auf die Idee, dass es sich um Fußballstadion handelt. Innen sieht es etwas besser aus. Der Gang im Bauch der Gegengeraden zeigt in Graffitis die Vereinsgeschichte und deren Höhepunkte. Der ‚Gasten-Vak‘ war natürlich ausverkauft. Optisch bot der Feyenoord-Anhang außer einem großen Erinnerungsbanner an ein verdientes, kürzlich verstorbenes Mitglied der Szene leider nichts.
Weitere optisch nicht erkennbare Feyenoord-Anhänger hatten sich Tickets für benachbarte Blöcke beschafft. Lediglich beim Torjubel machten diese sich kurz bemerkbar. Es gab keinen Ärger und keine Provokationen. Dennoch wurden diese Personen über die Videoüberwachung identifiziert und dem Ordnungspersonal gemeldet, welches die Fans dann des Stadions verwies. Nicht nur das war erstaunlich, sondern auch, dass die Anhänger sich der Weisung nach kurzer Diskussion widerstandslos fügten. Diese Situation hätte ich gern mal in Polen oder Griechenland erlebt, ich melde Zweifel an, ob der Exodus dort auch so friedlich verlaufen wäre. Der Support der PEC-Kurve wurde überlagert vom Protest gegen die Vereinsführung. Im Sommer hatte Bram van Polen, der seine gesamte Karriere beim PEC verbracht hat, seine aktive Laufbahn beendet. Die Vereinbarung, dass der Spieler dem Verein in anderer Funktion erhalten bleibt, wurde von der Führung des Clubs mit Verweis auf die angespannte finanzielle Situation gebrochen. Das brachte den Anhang auf die Barrikaden, die einen Aufruf starteten, dass alle in schwarzer Kleidung zum Spiel kommen und gegen das Präsidium, namentlich Vereins-Direktor Xander Czaikowsky, zu protestieren. Einige Spruchbänder wurden im Laufe des Spiels präsentiert und immer wieder lautstark gegen den Direktor opponiert und dessen Demission gefordert. Im großen Finale wurden in der Schlussphase die größten Banner noch einmal als Collage gezeigt.

Amsterdam – Sa., 17.08.2024, 15:00

Amsterdamsche FC vs ACV Assen 1:1

Sportpark Goed Genoeg, 400 Zuschauer, Tweede Divisie

Da die Herzdame nach der Reise ins Eis noch ein wenig Entspannung reklamierte, war die holländische Küste nahe Amsterdam das Ziel. Das ermöglichte mir den Besuch beim AFC in der Amsterdamer Peripherie. ‚Schöne‘ neue Fußballwelt – während das Eintrittsgeld ausschließlich per Kartenzahlung möglich war, bekam man im Gegenzug kein Ticket. Das kleine Stadion unterscheidet sich von den anderen Amateur-Spielstätten des Landes nicht signifikant, wenn da nicht die Architektur drum herum wäre. Während sich hinter dem einen Tor eine Businesskulisse gerade macht, bringt sich hinter dem anderen Gebälk ein wilder, ungeordnet erscheinender Mischkomplex in Stellung. ‚Valley‘ heißt dieses Ensemble, welches ein echter Eyecatcher ist und einen zerklüfteten Canyon imitieren soll. Ein aus drei Türmen mit unterschiedlicher Höhe bestehender Gebäudekomplex birgt Büros, Geschäfte, Restaurants und Apartments. Die Mischung aus verspiegelten, glatten und unruhigen Fassaden vereinen irgendwie eine harmonische Disharmonie. Nicht ganz so harmonisch ging es auf dem Kunstgras-Spielfeld unterhalb des Gebäudes zu. Während beinahe zeitgleich der glorreiche RWE im DFB-Pokal gegen die Leipziger Filiale des Energydrink-Herstellers aus dem österreichischen Fuschl am See antreten musste – ein Pokal-Los, das mich nullkommanull abholte – kämpften am ersten Spieltag der dritten Spielklasse die Kontrahenten um jeden Plastikhalm. Die Führung der Gäste aus dem Norden des Landes konnte der AFC noch vor der Pause ausgleichen. Die zweite Spielhälfte war ebenso ausgeglichen wie die erste, einen Treffer gab es nicht mehr zu bestaunen.

Qeqertarsuaq – Sa., 10.08.2024, 12:00 & 18:00

SAK Sisimut vs Upernavik Boldklub 83 2:0

Qeqertarsuaq Stadion, 40 Zuschauer, Arsaalluni Pissartanngoriunneq

B-67 Nuuk vs N-48 Ilulissat 3:1

Qeqertarsuaq Stadion, 500 Zuschauer, Arsaalluni Pissartanngoriunneq
Der Mittwoch, sollte erst am Abend den Weiterflug ins Eis bringen. Also war noch ausreichend Zeit für Unternehmungen. Da die beiden Mädels noch nie in Island waren, bot sich die Touri-Route über den ‚Golden Circle‘ an. Das ist eine bequeme Tagestour entlang der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Südwesten Islands. Wir wählten nicht den üblichen Einstieg in die Route, sondern machten einen Schlenker entlang des ‚Hvalfjördur‘, etwas nördlich von Reykjavik gelegen. Erster Stopp auf dem Circle war dann der Nationalpark ‚Thingvellir‘, benannt nach einem historischen Versammlungsplatz, an dem im Mittelalter schon Wikinger-Parlamente tagten. Ebenfalls wurde 1944 an diesem Ort die Republik Island ausgerufen, nachdem sich die Insel endgültig von der dänischen Herrschaft gelöst hatte. Der nächste Halt war das Geothermalgebiet ‚Haukadalur‘ mit dem bekannten Geysir ‚Strokkur‘ und einigen vor sich hin schwefelenden und dampfenden Thermalquellen. Während der ‚Große Geysir‘, sozusagen der namensgebende Ur-Vater für alle Geysire, sich weitestgehend im wohlverdienten Ruhestand befindet und nur noch sehr selten und unvorhersehbar in die Höhe schießt, zeigt sich der Strokkur zuverlässig alle paar Minuten in einer bis zu 30 Meter hohen Wassersäule. Der dritte große Spot der Rundfahrt ist der Wasserfall ‚Gullfoss‘, wo über eine breite Klippe die Wassermassen über einige kleinere Kaskaden und schlussendlich über eine breite Stufe in die Tiefe stürzen.
Die Tour lässt sich je nach Präferenz durch unbedeutendere Spots ergänzen und wir hatten den Kratersee ‚Kerid‘ auserkoren, der perfekt auf dem Weg zum Flughafen lag. Die Vorfreude auf die Weiterreise nach Grönland machte sich langsam breit. Es war ein Stück zu fahren und ich prüfte mal meine Emails. Icelandair hatte mir was gesendet und ich vermutete den Hinweis auf einen verspäteten Abflug. Diese Sorge war allerdings völlig unbegründet, denn wie sich nach Studium der Email herausstellte, war der Flug einfach mal komplett gestrichen worden. Zack, bumm, technischer K.O. in der zweiten Runde. Das saß erstmal und wir benötigten ein paar Minuten um uns zu sammeln. Direkte Anfahrt zum Airport war nun natürlich angesagt. Dort versuchten wir eine Umbuchung auf den Flug am kommenden Morgen zu erreichen (es gibt beinahe täglich zwei Flüge), wurden jedoch von einer ultra-coolen und abgezockten Mitarbeiterin abgewiesen mit der fadenscheinigen Begründung, der Flug sei ausgebucht. Dass ein ebenfalls auf den abgesagten Flug – Grund für den Ausfall war übrigens Nebel am Ankunftsort – gebuchter Bekannter noch am Morgen des nachfolgenden Fluges auf ebenjenen umgebucht wurde und dass dieser berichten konnte, dass vier weitere Personen ebenfalls die Umbuchung erreichten, bestätigte den Eindruck, dass die Ablehnung nur vorgeschoben war. Aber welche Argumente bleiben noch, wenn man die nicht überprüfbare Info erhält, es sei kein Platz mehr in der Maschine frei?! Die nächsten zwei Tage sollten wir nun auf Kosten von Icelandair leben, was den Ärger natürlich bei weitem nicht ausglich, das besorgte dafür der Alkohol. Das Hotel, mit welchem die Airline in Keflavik zusammenarbeitet, meldete ausgebucht, wie angeblich überhaupt kein Bett in Keflavik mehr frei sein sollte, was bedeutete, dass wir mit dem Bus nach Reykjavik chauffiert wurden und dort landeten wir wieder gut angenervt im ‚Hotel Cabin‘, womit sich der Kreis auf unschöne Weise erst einmal schloss.
Da von der Airline bis auf vertröstende Emails nix kam, nahmen wir am folgenden Morgen unser Schicksal selber in die Hand und latschten zum Icelandair-Headquarter am alten innerstädtischen Flughafen. Eine freundliche Mitarbeiterin buchte uns dann auf den nächsten verfügbaren Flug um, was wie von uns recherchiert und befürchtet, erst am Freitag-Abend der Fall war, was auch die letzte Patrone bedeutete, wenn wir die angestrebten Vorhaben noch umsetzen wollten. Da aber weiter die Option bestand, dass wir kurzfristig früher wegkommen könnten, hielten wir uns weiter in Reykjavik auf, um im Fall der Fälle schnell abreisebereit zu sein. Von der Airline kam aber den ganzen Tag über nichts, so dass wir uns gegen halb sieben am Abend entschieden, ein weiteres Fußballspiel zu besuchen. Wir saßen gerade im Taxi dorthin, als eine Email einschlug, dass wir auf den Flug an diesem Abend um halb zehn gebucht wurden. Sportlich, wenn man bedenkt, dass die Fahrzeit von Reykjavik bis zum Airport eine Dreiviertelstunde beträgt. Also den Taxi-Wikinger zurück zum Hotel beordert, das Gepäck gerafft und 130 Euro später (welche der Airline noch schön aufs Brot geschmiert werden) schlugen wir eineinhalb Stunden vor Abflug am Check in-Schalter auf. Dort hieß man uns herzlich willkommen und teilte uns mit, dass die Information auf einem Fehler basierte und die Maschine ausgebucht sei. Jetzt war Polen offen und auch wenn es letztlich ja nichts bringt, außer hohem Blutdruck und der Befriedigung irgendeinem armen Gunnar, der ja auch nix dafürkonnte, ordentlich die Meinung gegeigt zu haben, platzte mir entsprechend der Kittel.
Meine Performance schien aber nicht so schlecht gewesen zu sein, denn die Crew vom Nachbarschalter, die gerade ihren Dienst beendet hatte, blieb erstmal stehen und wartete ab, ob ich nicht doch noch ein Massaker anrichten wollte. So landeten wir erneut im Hotel in Keflavik, dass ebenso erneut voll belegt war, aber nun konnten wir immerhin in einem guten benachbarten Hotel untergebracht werden. Sämtliche Mahlzeiten gingen natürlich auch auf den Nacken von Icelandair, alkoholische Getränke leider nicht, aber wir erklärten das Fest für eröffnet und jeder trank was und so viel er wollte. Offenbar war der Verzehr dafür ausreichend, dass dem Personal die Rechnung aus den Fugen geriet und wir am Ende nur die Hälfte bezahlen mussten – ein fairer Zug. Der kommende Tag bis zum Abflug blieb bestimmt von wiederkehrenden Gängen zum staatlich kontrollierten Alkohol-Shop, denn viel hat Keflavik ja nicht zu bieten. Icelandair war übrigens komplett durcheinandergeraten und bombardierte uns mit Emails zum gecancelten Flug, Unterbringung und Infos zu Fluggastrechten. Was für ein Chaos. Da wir aber für den Flug am Abend nun bereits eingecheckt waren, hielt sich die Aufregung in Grenzen und wenn man davon absieht, dass wir den Flug aufgrund suffbedingter Trödelei fast noch verpasst hätten, passte nun alles und eine 37-sitzige Turboprop-Maschine beförderte uns ans Zwischenziel. Regressforderungen haben aufgrund von höherer Gewalt leider keine hohen Erfolgschancen, wir werden sehen. Ilulissat in Grönland empfing uns um Mitternacht beinahe taghell und bei erstaunlich mild wirkenden sieben Grad.
Nach einer kurzen Nacht in einer hektisch gebuchten Unterkunft brachte uns das kleine Linien-Boot von ‚Disko Line‘ in etwas mehr als zwei Stunden quer durch die ‚Disko-Bucht‘ nach Qeqertarsuaq auf der ‚Disko-Insel‘. Ich fühl mich Disko. Die Disko-Insel ist die größte zum grönländischen Festland gehörende Insel. Qeqertarsuaq bedeutet übersetzt ‚die große Insel‘. Passt also. Der Ort selber ist nicht ganz so groß – nicht einmal 1.000 Einwohner zählt diese Ansammlung von bunt gestrichenen Häusern, die etwa auf einem Breitengrad mit dem Nordkapp liegt. Man spricht ja hier und da immer mal vom ‚Arsch der Welt‘. Den hatten wir hier vermutlich gefunden. Ich war mir sicher – wären wir noch um die nächste Klippe herumgefahren, hätten wir den Rand der Scheibe erreicht. Pünktlich zum finalen Spieltag der grönländischen Meisterschaft waren wir also soeben noch rechtzeitig eingetroffen. Offen und ehrlich fehlte mir zwischenzeitlich der Glaube daran. Nach kurzem Verschnaufen in unserer AirBnB-Unterkunft führte einer der ersten Wege zum direkt am Strand gelegenen ‚Qeqertarsuaq Stadion‘. So wird er bezeichnet, der Kunstrasenplatz mit ein paar dreistufigen Sitzplatz-Gestellen an der Meer-Seite.
Der Platz selber hat natürlich wenig zu bieten. Dafür umso mehr die Umgebung, denn schaut man von der Meerseite aufs Spielfeld, bauen sich dahinter die beeindruckenden Basalt-Berge auf, die hoch oben auf dem Plateau in den Lyngmark-Gletscher auslaufen. Und blickt man von der Landseite auf den Platz, bietet sich der wunderschön skurrile Anblick mit einer Bucht voller Eisberge hinter einem knallgrünen Kunstgrasfeld. Im Spiel um Platz fünf standen sich die Mannschaften von SAK aus Sisimut, etwa 280 Kilometer südlich der Disko-Insel, und UB-83 aus Upernavik, das noch einmal 430 Kilometer weiter nördlich liegt, gegenüber. Da es aus nachvollziehbaren Gründen kein zusammenhängendes Straßennetz gibt, war die Anreise für die teilnehmenden Teams schon mit hohem Aufwand verbunden. Sicherlich der Grund dafür, warum das Teilnehmerfeld wenige Wochen vor dem Turnier von zehn auf sieben Teams zusammenschmolz. Auf viel Interesse stieß diese Partie nicht. Vor knapp 40 Zuschauern, darunter die angekündigten elf Deutschen inklusive uns und einem Überraschungsgast aus England, entschied SAK die etwas rustikale Partie mit zwei sehenswerten Treffern für sich.
Die Partie um Platz drei ‚schwänzten‘ wir, denn auch wenn das Ziel wirklich exotisch ist und der Platz eine einzigartige Kulisse bot, waren mir drei Spiele in Folge auf ein und demselben Geläuf dann doch zu viel der Fußlümmelei. Pünktlich zum Finale um die grönländische Fußballmeisterschaft zwischen B-67 aus der Hauptstadt Nuuk und N-48 aus Ilulissat waren die männlichen Mitglieder unserer kleinen Reisgruppe wieder da und der recht hohe Andrang überraschte mich etwas. Es waren sicherlich 500 Leute gekommen, um dem ‚Final-Spektakel‘ beizuwohnen. Nicht unbegründet vermutend, dass die einzelnen Teams nicht allzu viele eigene Unterstützer mitgebracht hatten – aus dem ‚nahen‘ Ilulissat hatten es immerhin ein paar Dutzend herübergeschafft – war also die Hälfte der Population Qeqertarsuaqs zur Plastikwiese am Ortsrand gepilgert. Timersoqatigiiffik Sportsklub Nagdlunguak 1948 ist der vollständige Name des Vereins aus Ilulissat – welch eine wild anmutende Aneinanderreihung von Konsonanten und Vokalen. Mit diesen beiden Final-Teilnehmern waren auch die beiden Clubs mit den meisten gewonnenen Meisterschaften im Endspiel vertreten. B-67 trat vor allem bei den in der letzten Dekade ausgetragenen Turnieren dominant auf, heimste Titel um Titel ein und ist nun mit 14 Meisterschaften Rekordhalter vor N-48 mit zwölf Gewinnen. Das Niveau der Partie war durchaus gehobener im Vergleich zum Mittag. Einige schöne Spielzüge und Kombinationen gab es zu sehen und B-67, zeigte die reifere Spielanlage. Vor allem im ersten Durchgang war der amtierende Meister stark überlegen, nutzte aber die Chancen nicht und gegen Ende der ersten Hälfte hätte N-48 durch zwei sehenswerte Konter in Führung gehen können. Das hatte dem Außenseiter wohl Mut gemacht, denn die zweite Hälfte sah in weiten Phasen etwas ausgeglichener aus, allerdings entschied B-67 die Partie hochverdient für sich. Gerührt schauten wir uns noch die Siegerehrung an und schlichen uns dann in die Unterkunft zu den Damen, die sich nützlich gemacht hatten und fürsorglich mit dem Essen auf uns warteten.
Den kommenden Tag verbrachten wir noch in Qeqertarsuaq, machten eine kurze Wanderung in Richtung eines Wasserfalls und eine etwas längere über Stock und Stein – mehr Stein – zu einer kleinen Bucht, in die sich strömungsbedingt immer ein paar Eisberge verirren. Offenbar war aber Ferienzeit im Eisbergkalender, denn der erhoffte Anblick war eher dürftig. Am folgenden Morgen brachte uns die 9:00 Uhr-Fähre zurück nach Ilulissat. Auf das teuerste Fish ’n‘ Chips meines Lebens folgte das teuerste Bier meines Lebens. Umgerechnet 14 Euro für den gezapften halben Liter verliehen diesem einfachen Rezept aus Hopfen, Malz und Wasser eine würdevolle Exklusivität. Davon beflügelt machten wir uns auf zum ‚Isfjord‘, einem UNESCO-Welterbe, was eine Wanderung von etwa einer Stunde bedeutete. Der ‚Isfjord‘ ist die Mündung des äußerst produktiven Gletschers ‚Sermeq Kujalleq‘. Etwa 10% des jährlich in Grönland kalbenden Festlandeises werden durch diesen Gletscher in den Atlantik abgeleitet. Der Fjord ist ca 50 Kilometer lang und an der Mündung vier Kilometer breit, was ein beeindruckendes Bild bietet. An der Gletscherkante ist die Eisdecke noch 700 Meter dick – im Inland ist der Eisschild bis zu drei Kilometer stark – und nur etwa 100 Meter liegen oberhalb des Meeresspiegels. Mit einer Fließgeschwindigkeit von 19 Meter am Tag ist der Gletscher einer der aktivsten der Erde.
Der Dienstag sollte dann der letzte volle Tag in Grönland sein und wir ließen ihn ruhig angehen. Am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf zum Hafen, wo uns Captain Jens in Empfang nahm. Mit einem kleinen Boot, dass stark an den kleinen Kahn aus dem Klassiker „Der weiße Hai“ erinnerte, schipperten wir einige Seemeilen nach Norden. Ziel war eine große Bucht, in der sich aktuell mehrere Gruppen Buckelwale auf Nahrungsfang befanden. Als der Capitano das Boot noch gar nicht ganz gestoppt hatte, kreuzten schon drei Buckelwale wenige Meter vor uns das Fahrwasser. Die folgenden zwei Stunden sollten uns faszinieren, denn es verging keine Minute, in der nicht irgendwo ein Buckelwal zu sehen war. Dieser Ausflug war jeden Cent wert. Gegen Mittag des folgenden Tages nahmen wir Abschied von Grönland und flogen nach Reykjavik, wo noch Nachmittag und Abend verbracht wurden, ehe es am frühen Donnerstag-Morgen zurück in die Heimat ging.

Kópavogur – Di., 06.08.2024, 19:15

Breiðablik Kópavogur vs ÍF Fylkir Reykjavík 3:0

Kópavogsvöllur, 400 Zuschauer, Besta deild
Zwei Männchen mit zugehörigen Weibchen machten sich auf den Weg in Richtung Ende der Welt. Die erste Etappe auf der Reise dahin war Island. Am frühen Nachmittag trafen wir im Land der Vulkane und Geysire ein, checkten in Ruhe in Reykjavik im Hotel ein. Da ja nur ein Nachtquartier benötigt wurde, hatten wir uns für das an lokalen Bedingungen gemessen halbwegs erschwingliche ‚Hotel Cabin‘ entschieden, das zwar ordentlich und sauber war, aber bei einer Raumgröße von acht Quadratmetern nur spartanische Platzverhältnisse bot. Zu mehr als dem Nachtquartier war diese Stätte nicht berufen, also verköstigten wir in der Stadt ein paar lokale Brauereierzeugnisse und begaben uns dann nach Kopavogur. Nur 380.000 Einwohner hat die Insel-Republik, Tendenz allerdings steigend, davon leben zwei Drittel in der Hauptstadt und deren Agglomeration. Auch der isländische Fußball spielt sich daher großenteils in dieser Region ab. Kopavogur ist ein südlicher Vorort von Reykjavik, dort ist der Verein Breidablik UBK ansässig. Isländische Fußballstadien ähneln sich stark und verfügen meist nur über eine überdachte Tribüne und ebenerdiges Geläuf. Dass das ‚Kopavogsvöllur‘ noch eine kleine Tribüne auf der Gegenseite zu bieten hat, ist schon beinahe herausragend. Mehr Infrastruktur ist allerdings auch nicht erforderlich, denn selten verirren sich mehr als ein paar hundert Personen auf die Ränge. Auch heute war der Besuch überschaubar, dabei stand die Mannschaft gar nicht schlecht da und lag unmittelbar hinter Tabellenführer Vikingur in Lauerstellung. Gegen den Tabellenletzten hatten die Gastgeber auch wenig Mühe und fuhren einen ungefährdeten Sieg ein. Support gab es lediglich von einer Gruppe Zehnjähriger, die mehr oder weniger rhythmisch eine Trommel bedienten und den Vereinsnamen grölten.

Neuwied – So., 04.08.2024, 14:30

HSV Neuwied vs VfB Linz 1:2

Raiffeisenstadion, 150 Zuschauer, Rheinlandpokal 1.Runde
Der Heimatsportverein Neuwied ist frisch aus der Kreisliga A in die Bezirksliga aufgestiegen. Vermutlich aus diesem Grund wird die eigene, etwas protzig ‚Rhein-Wied-Stadion‘ genannte Spielstätte etwas aufgemöbelt und der HSV muss für zwei Spiele ins benachbarte ‚Raiffeisenstadion‘ ausweichen, welches deutlich mehr Charme hat. Eine recht große, wenn auch schmale Haupttribüne thront über dem Rund, welches vor einigen Jahre leider seiner Stufen beraubt wurde und daher nur noch einen wild begrünten Wall bietet. Auch der VfB Linz – natürlich nicht aus Österreich, sondern aus Linz am Rhein – durfte nach der abgelaufenen Saison einen Aufstieg feiern und entwich eben jener Bezirksliga in die Rheinlandliga. Ein Klassenunterschied war aber nur selten auszumachen, der Außenseiter konnte sogar früh in Führung gehen, fing sich jedoch genauso schnell den Ausgleich ein. Es gab dann Chancen hüben wie drüben, doch nur eine wurde genutzt und diese Aktion brachte den Favoriten in die nächste Runde. In der Schlussphase wurde es hektisch. Aus fünf Minuten Nachspielzeit wurden deren zehn und sowohl ein aktiver als auch ein bereits ausgewechselter Akteur des HSV sahen die gelb-rote Karte wegen Reklamierens nach einer fragwürdigen Situation im VfB-Strafraum.