Abu Dhabi – Sa., 23.11.2024, 19:30

Al-Jazira Club vs Ayman Club 4:0

Mohammed-bin-Zayed Stadium, 800 Zuschauer, Pro League
Mit dem Schlusspfiff eibelten wir unmittelbar weiter zum ‚Mohammed-bin-Zayed Stadium‘, dem größten im Ligabetrieb des Landes genutzten Ground. Lediglich das nur wenige Kilometer entfernte ‚Sheik Zayed Sports City Stadium‘ fasst noch ein paar Zuschauer mehr. Das ‚Mohammed-bin-Zayed‘ ist ein echter Hingucker. Die Haupttribüne verfügt über ein gewölbtes Dach und die übrigen Tribünen über zwei Ränge, wovon der obere richtig schön hoch und steil ist. Nur die beiden Büro-Komplexe in den Ecken zwischen Gegentribüne und Kurven verzerren die Wertung ein wenig. Al-Jazira kam im ersten Durchgang richtig in Wallung und erzielte drei schön heraus gespielte Treffer. Spätestens mit dem vierten Tor kurz nach Wiederanpfiff war der Koran gelesen und die Gastgeber verwalteten das Ergebnis dann souverän, anstatt dem Gegner die Bude mal richtig vollzuscheppern, was absolut möglich gewesen wäre. Auch hier gab es wieder Support, der ja so funktioniert, dass es einen Vorsänger mit Megafon gibt und der Rest der Gruppe agiert als Background-Chor und ist für die Klatsch-Rhythmen zuständig. Ein etwas größeres Publikumsinteresse hatte ich allerdings schon erwartet. Natürlich war klar, dass Ali Baba und die 40 Räuber die Stadien nicht massiv überrennen, aber eine nicht mal vierstellige Zuschauerzahl war dann doch ernüchternd. Gut, dass wenigstens eine Kinder-Turn-Gang in der Halbzeitpause ihr mageres Können ihren Eltern und allen desinteressierten Zuschauern präsentieren durften, sonst wären es nochmal gut 100 Leute weniger gewesen. Bevor wir uns Hotel zurückkehrten, fuhren wir auf die über einen Damm mit dem Festland verbundene Insel al-Kasir und schauten uns die erleuchtete Skyline, den Königspalast und das prunkvolle ‚Rixos Marina Hotel‘ an.

Abu Dhabi – Sa., 23.11.2024, 16:45

Al-Wahda SC U23 vs Al-Wasl SC U23 1:1

Al-Nahyan Stadium, 35 Zuschauer, Pro league U23
Recht früh ging es aus den Federn, um den Qatar Airways-Flug nach Sharjah, das nördlich an Dubai angrenzende Emirat, zu erreichen. Nach Übernahme des Miet-Vehikulums ging es schnurstracks nach Abu Dhabi, wo wir erst einmal im Hotel eincheckten. Na, ein Zwischenstopp war vorher noch drin, denn in einem der lizenzierten Spirituosen-Geschäfte der Kette ‚African & Eastern‘ erstanden wir ein paar Dosen Gerstensaft. Grundsätzlich hatte ich mir vorgenommen, die Einschränkungen beim Alkoholverzehr zu respektieren, schon allein um den im eigenen Körper mit der Verarbeitung des Rauschmittels beauftragten Organen eben auch mal Urlaub zu gönnen, aber die Aussicht auf zumindest ein oder zwei einschlägige Erfrischungsgetränke am Abend nach einem warmen Tag war zu verlockend. Im Hotel eingecheckt und kurz frisch gemacht und dann weiter zum ‚Al-Nahyan Stadium‘, wo in der höchsten U23-Spielklasse der Nachwuchs von Al Wahda und Al Wasl aufeinandertrafen. Das Stadion ist ein typisch arabisches Oval mit gedeckter Haupttribüne. Von der Gegengerade schauen der Präsident der Emirate und zwei weitere Regierungsmitglieder kritisch auf das Geschehen herunter. Zurecht, denn wirklich erfrischend war das nicht, was dort geboten wurde. Auf abgezählte 35 Zuschauer, die sich auf den gepolsterten Sesseln herumräkelten, musste dann noch ein Sicherheits-Mokel indischer Herkunft aufpassen, der sich bei jedem anderen Spiel vermutlich zu Tode langweilt. Klar, dass er meine Frage, ob ich in die benachbarten, aber nun mal abgesperrten Bereich dürfe, um ein wenig zu fotografieren, verneinte. Das würde ja auch die höchste Terrorwarnstufe bedeuten und zum ersten Mal in vermutlich vielen, zähen Jahren, hatte er mal was zu entscheiden, was er seiner daheim am Kochtopf das Tandori Chicken für den Abend zubereitenden Gattin vermutlich stolz berichtet haben wird.

ar-Rayyan – Fr., 22.11.2024, 18:00

Al-Gharafa SC vs Al-Wakrah SC 3:1

Thani-bin-Jassim Stadium, 800 Zuschauer, Qatar Stars League
Der Uber-Manne gab alles, aber dass ein pünktliches Erscheinen beim zweiten Spiel das Tages unmöglich sei, war vorher klar. Erst recht, wenn man erst vom vorherigen Spiel loskommt, als beim zweiten schon angestoßen wurde. Allerdings hatten wir keine Termine mehr und ein zeitlich günstigeres Spiel fand auch nicht statt, daher war der Besuch dieser Veranstaltung alternativlos. Das Einlassproblem wurde gelöst wie beim ersten Kick, den Führungstreffer für die Gäste verpassten wir dennoch. Das Stadion präsentierte sich als recht weitläufige, reine Fußballarena mit leicht gebogenen Rängen, damit erinnerte es ein wenig an spanische Spielstätten. Nur die Haupttribüne verfügt über eine Dachkonstruktion, die jedoch kein Dach trägt. Ist ja eigentlich auch unnötig bei maximal 15 oder 16 Regentagen im Jahr, an denen es dann aber auch nicht den ganzen Tag regnet. Auch bei diesem Spiel gab es Support, allerdings nur auf Seiten der Heimmannschaft. Zwar hatten auch die wenigen Gäste am Zaun angeflaggt, zu verbalem Zuspruch für das eigene Team konnte sich die kleine Anzahl Anhänger aber nicht durchringen. Al-Gharafa war das überlegene Team und glich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte aus. An der Feldhoheit der Platzhirsche änderte sich auch in Durchgang zwei nichts, zwei blitzsaubere Tore wurden erzielt und es wäre ein noch deutlicherer Sieg möglich gewesen. Herr Uber fuhr uns für ein paar Rial zurück in die Gegend um das Hotel und der Tag klang bei typisch arabischem Essen aus.

ar-Rayyan – Fr., 22.11.2024, 16:00

Al-Rayyan SC vs Al-Shamal SC 1:2

Ahmad-bin-Ali Stadium, 2.663 Zuschauer, Qatar Stars League
Salam aleikum, liebe Leser. Nachdem im Frühjahr die Bemühungen scheiterten, eine vernünftige Tour auf die arabische Halbinsel auf die Beine zu stellen, weil die Ansetzungen einfach nicht passten, war es nun so weit. Die Sommermonate sind ja aufgrund der dort herrschenden Temperaturen keine Option, der Frühling und der Herbst sind mit Höchstwerten knapp über 30 Grad aber absolut in Ordnung. Pegasus – nervige, enge Maschinen mit meist noch nervigeren Fluggästen, aber halt günstig – brachte mich und einen rot-weissen Gefährten über Istanbul nach Qatar. Während ich im Flieger selten gut in den Schlaf finde, kann der Mitreisende beinahe auf Kommando in das Reich der Träume einreisen… wie macht man das? Qatar ist dagegen eher weniger ein Reich der Träume, zumindest wenn man vom indischen Subkontinent oder den Philippinen kommt. Ich sehe das Land auch durchaus kritisch, die Diskussion um Bedingungen für günstige Arbeitskräfte aus ärmeren Ländern, die ja im Zuge der WM-Vorbereitungen an Fahrt aufnahm, sind ja bekannt. Für besagte Bedingungen sind allerdings ja die Regierung und die Arbeitgeber verantwortlich, und wenn ich deren asoziales Handeln generell als Maßstab für die ausgewählten Reiseziele anlegen würde, käme ich aus Europa kaum raus und hätte auch viele Reisen gar nicht anstrengen können. Der großen Masse, dem einfachen Volk, dass sich fast immer aufgeschlossen und freundlich zeigt, würde man damit zudem Unrecht tun. Am Donnerstag spät gelandet, eigentlich erst am Freitag-Morgen, blieb uns in Qatar nur ein voller Tag. Diesen nutzten wir für einen Rundgang durch die Altstadt – oder was halt davon wirklich alt ist – um den Souq Wakif herum und einen Abstecher zur Corniche mit Panorama-Blick über die Bucht auf die Skyline der Business-Downtown. 
Unter Nutzung von Uber – es ist einfach zu günstig, als dass man sich mit der sicherlich hochmodernen Metro, die ja sogar über zwei unterschiedliche Klassen verfügt, herumschlagen müsste – ging es raus nach ar-Rayyan, Dohas Nachbarstadt, das mit dieser nahtlos zusammengewachsen ist. Dort steht das ‚Ahmad-bin-Ahli Stadium‘, eines der WM-Stadien, welche für den nun nachgelagerten Einsatz in der ‚Qatar Stars League‘ völlig überdimensioniert sind. So wurden heute auch nur etwas mehr als fünf Prozent des Fassungsvermögens benötigt und das obwohl Al-Rayyan schon eher ein Zugpferd der Liga ist. Die Ticketfrage – es war unklar, ob es Tageskassen geben würde – pulverisierte sich durch Freikarten, die vor dem Eingang großzügig verteilt wurden. Die Bude ist in der dreirangigen Bauweise ganz nett anzusehen, auch wenn es sich natürlich nicht um einen besonderen Stil handelt. Wie auch – Stadion-Designs werden ja kaum noch neu erfunden. In Qatars WM-Stadien wurde ja Air-Condition installiert und diese war auch heute in Betrieb. Welch ein Energieverbrauch und da unter allen Sitzen Düsen verbaut sind, steht man auch ständig im Luftzug. Mir war das tatsächlich zu kühl und ich musste mir erstmal einen Platz suchen, auf dem ich nicht schockgefrostet wurde.
Für beide Teams fanden sich Support-Sektionen zusammen. Als Intro wurden auf Seiten der Gastgeber einige Dutzend Fahnen geschwenkt und dann wurden typisch arabische Klänge von sich geboten, was nicht nur authentisch ist, sondern mir persönlich auch immer gut gefällt. Beinahe im Widerspruch dazu stand der Einheits-Look in T-Shirts mit dem Aufdruck ‚Ultras 1969‘ – eine Reminiszenz an das Gründungsjahr und es wirkte eher so, als ob auf dem Spielplatz die Kleinen (Qatars Fußballfans) die Großen (Europas Ultra-Szenen) nachahmen wollten. Das Spielniveau war schwer einzuordnen. Gefällige Angriffe und technisch richtig anspruchsvolle Aktionen wechselten sich mit Slapstick und limitiertem Talent ab. Daran konnten auch die zweitklassigen Legionäre aus allen möglichen anderen Ländern – 22 Mann in den Startformationen kamen aus 12 Ländern – nichts ändern. Mein persönliches Highlight war, als mich in der Pause zwei Jünglinge fragten, ob ich der Vater von al-Rayyans Publikumsliebling und Torjäger Roger Guedes sei, einem Brasilianer, der seine schillernde Karriere bisher durchschnittlich erfolgreich in China und seinem Heimatland verbracht hatte, weshalb sich mir wiederum die Frage stellte, ob ich so brasilianisch oder so alt aussehe. Die verdiente und sichere Führung (durch Guedes) verspielte Al-Rayyan im Glauben, diese verwalten zu können, in der Schlussphase noch. Der Gäste -Siegtreffer in der siebten Minute der zehnminütigen Nachspielzeit provoziert ekstatische Jubelszenen.

Varsseveld – So., 17.11.2024, 14:00

SC Varsseveld vs WSV Apeldoorn 1:1

Sportpark Oberink, 185 Zuschauer, 2e Klasse Zondag E Oost
War es nun das Verlangen nach Frittiertem oder nach Fußball, das uns über die Landesgrenze trieb. Vermutlich beides, denn das eine macht ohne das andere ja eigentlich keinen Sinn. Und so war Varsseveld im Gelderländischen, nicht weit hinter der Grenze bei Isselburg, das Ziel des Sonntagsausfluges mit der geschätzten Gattin. Auf zweiter Distrikt-Ebene wird dort gekickt. Herzstück der netten Anlage ist die weitestgehend aus Holzelementen bestehende Tribüne, die allerdings gesperrt ist. Grund sind einige der wenigen nicht aus Holz bestehenden Bauteile – in den Dachplatten ist Asbest enthalten. Die Tage dieser hübschen Tribüne dürften also gezahlt sein, sollten sich Verein oder Kommune nicht zur aufwändigen Sanierung durchringen können. Das Spiel war auf schwierigem Boden leider nur begrenzt ansehnlich. Am Leben hielt uns die Aussicht auf die in Fett gesiedeten Gemeinheiten, von denen wir uns nach dem Abpfiff eine schöne Auswahl gönnten.

Sonsbeck – Sa., 16.11.2024, 13:30

SV Sonsbeck vs Rot-Weiss Essen 1:3

Willy-Lemkens-Sportpark, 2.000 Zuschauer, Niederrheinpokal Viertelfinale
Im Viertelfinale des Verbandspokals führte es den glorreichen RWE an den Niederrhein zum SV Sonsbeck. Es war jetzt nicht so, dass nur über die Höhe eines RWE-Sieges diskutiert wurde, aber über einem Auftritt bei einem einigermaßen namenlosen Oberligisten schwebt immer das Schwert des problemfreien Weiterkommens. Was ja völliger Blödsinn ist, denn auch Oberliga-Spieler können kicken und die jüngeren Erfahrungen zeigen, dass derartige Spiele wenig vorhersehbar sind. Dazu ist es für den Außenseiter das Ziel des Jahrzehnts, was zusätzliche Motivation und Kräfte freisetzt. Dass alles ist aber sicherlich keine Rechtfertigung, sich schon mit dem ersten Angriff der Gastgeber eine Kirsche einzufangen. Der Sonsbecker Sturmführer Keisers nutzte die fehlende Organisation der verletzungs- und rotationsbedingt neu formierten rot-weissen Defensive zur frühen Führung in der zweiten Spielminute.
Was dann bis zum Seitenwechsel folgte, war zwar Feldüberlegenheit und Spielkontrolle der Roten, aber die Truppe ließ Zielstrebigkeit, Tempo, Spielwitz, Umschaltspiel und nötigen Biss auf ganzer Linie missen. Positiv war lediglich, dass die zaghaften Offensivaktionen der Gastgeber weitestgehend erstickt wurden. Nach dem Seitenwechsel zeigten sich die Roten verbessert. Es war nun deutlich mehr Druck im Spiel, Torchancen blieben dennoch selten. Die Gastgeber ließen ihre einzige gute Möglichkeit des zweiten Durchgangs zum Glück liegen, aber spätestens als Voufack wenige Minuten vor dem Ende die Murmel aus fünf Metern bestimmt deren zehn am Tor vorbeisemmelte, ging mir auch der letzte Funken Glaube an ein positives Ende flöten. Brumme war es dann, der mit einem Distanzschuss zwei Minuten vor Schluss doch noch egalisierte. Der eingewechselte Eisfeld mit einem sehenswerten Volleyschuss aus etwa zwölf Metern und Safi per Abstauber aus kurzer Distanz drehten die Partie dann in der Nachspielzeit noch komplett und so stand am Ende ein zwar verdienter, aber äußerst wackliger und glanzloser Sieg. Allerdings zahlt in solchen Spielen ja eben auch nur dieser.

Wuppertal – So., 10.11.2024, 12:00

SC Breite Burschen Barmen vs TSV Fortuna Wuppertal 1:1

Sportplatz Rauental, 120 Zuschauer, Kreisliga Wuppertal
Wenn ich mich zum ‚Genuss‘ eines Spieles auf Kreisebene durchringe, dann muss es sich um eine besondere sportliche Konstellation handeln oder aber die Sportanlage ein besonderes Merkmal aufweisen. Wobei letzterer Aspekt ja dehnbar ist. Bei den Breiten Burschen, deren Vereinsname ja schon beinahe zum Spielbesuch verpflichtet, ist dieses Merkmal in Form eines ausgedienten Wagens des Wuppertaler Schwebebahn gegeben. Normalerweise wird der Waggon als Cafeteria genutzt, aktuell ist das allerdings nicht der Fall, denn das Fahrzeug – nun ja eigentlich Standzeug – befindet sich im Sanierungsstatus. Da ein Graffiti-Künstler dem ausrangierten Gefährt in Kürze ein neues Aussehen verpassen soll, zeigt sich die Stahlblechbüchse leider im weißen Grundierungs-Kleid. Dafür kann die Anlage seit einigen Wochen mit einer recht monströsen Überdachung vor dem Vereinsheim aufwarten. Da die ansteigende Topografie auf dieser Seite der Anlage eine Natürtribüne bildet, ist auch noch die Errichtung einer recht ansehnlichen Stehtribüne geplant, welche durch das weit ausladende Dach geschützt werden soll. Das alles war mir nicht bekannt, sonst hätte ich meinen Besuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, aber ich denke, dass diese schrullig-kultige Anlage auch durchaus einen zweiten Besuch verdient hat. Seit zwei Jahren spielt der noch recht junge, 1996 gegründete Verein in der höchsten Kreis-Spielklasse, davor lange in der Kreisliga B. Absurderweise profitierte der Verein vom Aufstieg der zweiten Mannschaft, die im Gegensatz zur ‚Ersten‘ den Aufstieg bewältigen konnte und daraufhin in der Vereinshierarchie die Pole Position einnahm. Heute war allerdings Abstiegskampf pur angesagt und die Gastgeber versäumten es an einem direkten Konkurrenten vorbeizuziehen, da vor allem im ersten Durchgang beste Möglichkeiten vergeben wurden.

Santa Cruz de La Palma – So., 03.11.2024, 12:00

CD Mensajero vs UD Los Llanos de Aridane 1:0

Estadio Silvestre Carillo, 650 Zuschauer, Tercera Federación Grupo 12
Jeder aus unserer Bewegung kennt das – man sieht ein Foto von einem Stadion oder meinetwegen auch einem Amateur-Fußballplatz und denkt sich „…da muss ich auch mal antischen“. So ging es mir mit dem Stadion von CD Mensajero auf der Kanaren-Insel La Palma, welches in wirklich toller Naturkulisse liegt. Daher wurde die Chance genutzt und von Teneriffa aus ein Tagesausflug angestrengt, der neben dem anvisierten Spiel natürlich noch genug Zeit bot, sich einen Eindruck vom im Vergleich zu Teneriffa oder Gran Canaria irgendwie beschaulich wirkendem Eiland zu verschaffen. ‚Binter Canaries‘ brachte uns mit einer ATR-72 – ich mag ja diese kleinen Turboprop-Maschinen – auf die 125 Kilometer entfernte Nachbarinsel. Das ‚Estadio Silvestre Carillo‘ liegt oberhalb der Inselhauptstadt Santa Cruz an einer ansteigenden Straße und wenn man sich dem Stadion nähert, meint man eher einen Büro-Komplex vor sich zu haben. Die mit asymmetrischen Tribünen ausgestattete Spielort lehnt sich direkt an den benachbarten Berg. Auf der Bergseite befindet sich längs des Spielfeldes auch lediglich der Kabinentrakt. Platzbedingt befinden sich die größten Tribünen hinter den Toren, während sich auf der verbleibenden Längsseite nur wenige Stufen breit machen. In der brennenden Mittagssonne klemmten wir uns in den schmalen Schatten, der auf einer der Hintertortribünen geboten wurde.
Wie das Spiel am Vortag war auch dieses eines der ‚Kanaren-Gruppe‘ der fünftklassigen Tercera Division. Der Zufall wollte es, dass es zum ‚Derbi insular‘ kam, denn die einzigen beiden Vertreter von La Palma in dieser Gruppe trafen aufeinander und provozierten daher ein überproportionales Zuschauerinteresse. Aus Los Llanos de Aridane von der anderen Inselseite waren aber nur etwa 40 bis 50 erkennbare Hinchas angereist. Beide Clubs kämpften in der vergangenen Saison noch in anderen Ligen um Punkte. Während die Gäste in die Tercera aufgestiegen waren, ereilte Mensajero das umgekehrte Schicksal. Für einen Verein von einer kleinen Insel dürfen die Gastgeber auf eine einigermaßen erfolgreiche Historie verweisen, spielte der Verein in der Vergangenheit doch häufig auf viert- und sogar drittklassiger Ebene. Aktuell kämpfen aber beide Teams ums Überleben und gegen den Abstieg. In einem weitestgehend ausgeglichenen Spiel erarbeitet sich Mensajero die besseren Torchancen, von denen im zweiten Durchgang eine zum entscheidenden Treffer des Tages verwertet wurde, ganz zur Freude der kleinen Support-Fraktion.