Antwerpen – Do., 26.12.2024, 13:30

Royal Antwerp FC vs KRC Genk 2:2

Bosuilstadion, 16.144 Zuschauer, Pro League
Weihnachten daheim zu bleiben ist ja eher was für Traditionalisten, aber nix für Fußballtouristen. Und was sich reimt ist gut. Sagte ja schon Pumuckl und der muss es ja wissen. Also wurde Antwerpen als Ziel auserkoren, denn das ‚Bosuilstadion‘ hatte ich noch zu Zweitliga-Zeiten des Antwerp FC vor nur wenigen tausend Zuschauern erlebt. Bei meinem ersten Besuch waren die neu errichtete Haupt- und die Südtribüne noch nicht existent. Damals durfte auch das heute letzte Überbleibsel des alten Stadions, die alte Osttribüne, die im vergangenen Jahr ihren 100jährigen Geburtstag feierte, noch genutzt werden. Das ist mittlerweile nicht mehr möglich und mittelfristig wird der alte Kabachel einer neuen Tribüne weichen. Das Stadion soll letztlich im Stil der bereits neu errichteten Haupt- und Südtribüne vervollständigt und geschlossen werden. Das bedeutet, dass auch die Nordtribüne, auf der ich heute meinen Platz fand, ebenfalls abgerissen wird. Der Verein trägt stolz die Stammnummer 1, da er, 1880 gegründet, der älteste Fußballclub des Landes ist, was ihm den Spitznamen ‚The Great Old‘ eingebracht hat.
Der RAFC ist einer der beliebtesten Clubs Belgiens und darf sich über eine treue Anhängerschaft freuen. Gegen den Tabellenführer aus dem Limburgischen war das Stadion offiziell ausverkauft, visuell offenbarten sich aber einige Lücken auf den Tribünen. Die Gäste waren mit etwas 600 Leuten angereist. Neun Busse und einige Autobesatzungen hatten das Stündchen Anreise auf sich genommen. Vorab sei gesagt, dass die Stimmung enttäuschend war. Sowohl die Gäste, von denen maximal 50 Mann aktiv supporteten, als auch die aktive Szene der Gastgeber waren selten zu hören. Für ein Spitzenspiel des Vierten gegen den Ersten war die Atmosphäre nahezu unterirdisch. Das auf dem Rasen gezeigte konnte da deutlich besser unterhalten. Zwei offensiv eingestellte Mannschaften boten unter Mithilfe zweier schlecht organisierter Defensiv-Reihen ein Chancenspektakel. Die frühe Führung des RAFC glich der KRC genauso früh wieder aus. Nach einer halben Stunde durfte sich der Royal FC über die erneute Führung freuen, die der Tabellenführer kurz nach der Pause wieder ausglich. Das Spiel war nie langweilig, ständig gab es Torraumszenen und der KRC, amtierender Meister, hätte eigentlich siegen müssen, ließ aber in der Nachspielzeit zwei tausendprozentige Möglichkeiten liegen.

Essen – Sa., 21.12.2024, 14:00

Rot-Weiss Essen vs VfB Stuttgart U21 2:2

Stadion an der Hafenstraße, 15.287 Zuschauer, 3.Liga
Der zweite Akt unter dem neuen Trainer. Das verdammt wichtige Spiel gegen einen weiteren direkten Konkurrenten aus Stuttgart stand auf der Tagesordnung. Anstatt, dass sich die Personalsituation entspannte, war diese aber noch einmal enger geworden. Zwar stand Alonso nach seiner Gelbsperre in der Defensive wieder zur Verfügung, dafür fehlte nun aber Kourouma nach seiner in Osnabrück erhaltenen unberechtigten Ampelkarte. Im Mittelfeld hatte sich auch noch Eisfeld ins Lazarett verabschiedet, womit endgültig kein echter Ballverteiler mehr zur Verfügung stand, und auch Stamm-Schnappmann Golz fiel erkrankt aus. Die Mannschaft stellte sich also quasi von alleine auf. Mehr Tempo ins rot-weisse Angriffsspiel bringen will der Neu-Trainer und das gelang ihm mit dem sprichwörtlich letzten Aufgebot sogar recht ordentlich. Der RWE legte los wie die Feuerwehr und der hochverdiente Führungstreffer durch Vonic nach knapp zwanzig Minuten hätte nicht der erste Treffer des Spiels, sondern der vierte sein müssen. Unfassbar, was da in der Anfangsphase an Chancen liegen gelassen wurde. Bis zum Seitenwechsel verflachte die Partie zwar etwas, aber die Roten hatten alles unter Kontrolle. Daran änderte sich auch im zweiten Durchgang nicht viel und wenn Boyamba zwanzig Minuten vor dem Ende die große, aber nicht leicht zu verwertende Chance genutzt hätte, wäre die Wiese wohl auch gemäht gewesen. Stattdessen bekamen die Roten drei Minuten später im eigenen Sechzehner (mal wieder) nicht den rechten Zugriff und die Kirsche war dann schließlich drin. Aus heiterem Himmel und zur Freude der 55 Versprengten im Gästeblock – vermutlich der beschissenste Away-Mob seit dem Auftritt der Zwoten vom SC Freiburg in der vergangenen Saison.
Der Frust währte allerdings auf Essener Seite nicht lang, denn der Fußball schrieb mal wieder ein Märchen. Unmittelbar nach dem Gegentreffer eingewechselt, erzielte Eigengewächs Swajkowski in seinem allerersten Drittliga-Einsatz nur vier Minuten später die erneute Führung. Wäre der Fußballgott ein Mann von Ehre, hätte er es dabei belassen und den jungen Mann zum Helden des Spiels gemacht. Aber besagter Fußballgott bewies wie so häufig keine Eier und bescherte dem schwäbischen Nachwuchs den erneuten Ausgleich, zugegeben per Flugkopfball schön erzielt, aber leider eben alles andere als verdient. Safi bekam in der Nachspielzeit noch einmal eine Konterchance, aber obwohl der in den Niederlanden geborene Außenstürmer pfeilschnell ist, gelang es ihm nicht seinen Häschern für einen ungestörten Abschluss zu entwischen. So endete die Partie mit einem leicht bitter schmeckenden Remis. Ein Sieg hätte natürlich direkt für Aufbruchstimmung sorgen können, aber der Auftritt zeigte, dass die Mannschaft lebt und an sich glaubt. An der Chancenverwertung muss dringend gearbeitet werden, mitentscheidend wird sein, ob in der Winterpause sinnvolle Verstärkungen, im besten Falle auch ein torgefährlicher Offensivmann, an Land gezogen werden können, dann besteht berechtigte Hoffnung, dass der Klassenerhalt realisiert wird.

Osnabrück – So., 15.12.2024, 16:30

VfL Osnabrück vs Rot-Weiss Essen 2:0

Stadion an der Bremer Brücke, 15.158 Zuschauer, 3.Liga
Uwe Koschinat heißt der neue Mann auf der rot-weissen Trainerbank und dieser durfte sich direkt an seiner letzten Wirkungsstätte beweisen. Da auch der VfL unter der Woche, bereits zum zweiten Mal in der laufenden Saison, eine Veränderung auf der Trainerposition vornahm und Feuerwehrmann Marco Antwerpen verpflichtete, trafen also zwei Mannschaften unter neuer Regie aufeinander. Der RWE ging stark ersatzgeschwächt in diese wichtige Partie. Neben den gesperrten Defensiv-Spielern Kraulich und Alsonso fielen in der Kreativ-Abteilung Müsel und Arslan kurzfristig verletzungsbedingt aus. Trotz der Talfahrt der Roten, bleibt der Anhang treu und halbwegs geduldig. Der Gästeblock an der Bremer Brücke war dementsprechend ausverkauft und auch der Nachbarblock auf der Geraden war zur Hälfte in rot-weisser Hand, was noch zu Problemen führen sollte. Zum Intro gab es im Away-Sektor eine Choreo zu sehen. Ein von grauen und schwarzen Pappen flankierter Bergmann hielt das RWE-Wappen in seiner Hand und am Zaun prangte ein großes Banner mit dem Satz „Du bist unser Grubengold“. In der Osna-Kurve um die ‚Violet Crew‘ gab es nur das obligatorische Fahnenmeer zu sehen. Ich finde den VfL-Anhang ja nicht übel, heute war ich aber etwas enttäuscht, ich hatte die Kurve lauter und brachialer in Erinnerung. Entlastend sei erwähnt, dass die Hintertor-Tribüne vor Saisonstart ihres Daches beraubt wurde, da die Statik nicht mehr stimmte. Die ‚Bremer Brücke‘ ist halt in die Jahre gekommen und ohne Dach fehlt jeder Atmosphäre der Widerhall. Die Tage dieses engen, kleinen Stadions scheinen leider gezählt und damit auch dieser kultige Standort inmitten der Stadt.
Der RWE startete überraschend dominant in die Partie und diese Überlegenheit sollte auch bis auf eine zehnminütige Phase im zweiten Durchgang bestehen bleiben. Aber was nützt die Spielhoheit, wenn die Offensive in der Box harmlos bleibt?! Beinahe jeder vielversprechende Angriff ließ den finalen Pass vermissen – es kam kaum zu Abschlüssen. Das eigentliche Problem des rot-weissen Spiels, die fehlende Kaltschnäuzigkeit im Abschluss, wurde gar nicht offensichtlich, weil es gar nicht zu Abschlüssen kam. Dagegen fehlte in wenigen Situationen wieder der Zugriff in der Defensive und den völlig verunsichert auftretenden Gastgebern reichte der erste gefährliche Angriff zur Führung nach einer Viertelstunde. Die berühmten Motivationskünste von Feuerwehrmann Antwerpen hatten aber offenbar bisher dennoch nicht gefruchtet, denn der VfL kam im gesamten Spiel nur zu abgezählten Strafraum-Situationen. Und doch reichte es bei gefühlt nur 20 Prozent Ballbesitz zum Sieg. Der zweite Treffer per Strafstoß in der Nachspielzeit war nur noch eine Randnotiz. Kurz zuvor sah Kourouma völlig unberechtigt die Ampel-Karte. Der Video-Beweis würde wohl Abhilfe schaffen und dennoch bleibe ich bei ablehnender Haltung, nehme Fehlentscheidungen in Kauf und bevorzuge die Erhaltung der Spontanität des Spiels, auch wenn diese aktuell eher gegen den RWE ausfällt. Der Platzverweis hatte eh keinen Einfluss mehr auf den Spielausgang. Der RWE verpasste nicht nur die Chance, den Anschluss ans rettende Ufer herzustellen, sondern auch, einen direkten Kontrahenten auf Distanz zu halten.
An der Unterstützung aus der Kurve hat es nicht gefehlt. Nach dem Schlusspfiff wurde es allerdings wild. Im angesprochenen durchmischten Block hatte es ein paar Scharmützel gegeben. Zwar gibt es keine besondere Rivalität mit den Lila-Weißen, bedingt durch gegenseitige Provokation und einen Becherwurf von der Heimseite war es aber zu Handgreiflichkeiten gekommen. Das setzte Emotionen im Gästeblock frei und etwa zwei Dutzend Personen nutzten eine Situation, um ein Tor zum Spielfeld aufzudrücken. Es gab ein bisschen Backenfutter für die überforderten Ordner, der Versuch an die Osnabrücker im Nachbar-Block zu kommen, scheiterte aber, da nach kurzer Zeit die Staatsmacht hereinstürmte und den Tumult unter anderem mit zwei Festnahmen ein Ende bereitete. Außerdem flog wieder Leuchtspur, überflüssig und gefährlich. Am Ende also (erneut) ein gebrauchter Tag für alle Roten, die ersatzgeschwächte Truppe und den neuen Trainer. Irgendwie muss die Winterpause erreicht werden, ohne die Bindung an die Nichtabstiegsplätze zu verlieren.

Heerenveen – Sa., 14.12.2024, 18:45

SC Heerenveen vs PSV Eindhoven 1:0

Abe Lenstra Stadion, 24.680 Zuschauer, Eredivisie
Mein erster Besuch in Heerenveen vor längerer Zeit ist mir nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben, daher war eine erneute Anreise durchaus berechtigt und das Spiel gegen den Tabellenführer und amtierenden Meister aus der Philips-Stadt schien dafür angemessen. Der PSV hatte aus den bisherigen 15 Saisonspielen 14 Siege davongetragen, lediglich das Prestige-Duell gegen Ajax endete mit einer Niederlage. Einen entsprechend dominant auftretenden Gast hatte ich erwartet, aber davon war überhaupt nichts zu sehen. Die Friesen, die in ihrer Club-Vita einem Pokalerfolg vorweisen können, waren von Beginn an die spielbestimmende und galligere Mannschaft, während der mit zahlreichen Meisterschaften und Pokalsiegen und auch zwei Europapokal-Erfolgen ausgestattete PSV, offenbar im trügerischen Glauben an die eigene Stärke, pomadig vor sich hin kickte. Allerdings ließ der SC Heerenveen Chance um Chance genutzt, dass man schon befürchten musste, dass es dann so läuft, wie es halt für die besser platzierte und prinzipiell besser besetzte Truppe oft läuft. Tat es aber nicht und dem Moldawier Nicolaescu war es vorbehalten, eine Viertelstunde vor Schluss den Treffer das Tages zu setzen. Das Abe Lenstra Stadion gehört mit seinen knapp 27.000 Plätzen schon zu den größeren des Landes und ist auch immer gut besucht. Im krassen Gegensatz dazu ist es um die Stimmung aber nicht sonderlich gut bestellt. Der Riesen-Roar herrscht in den Niederlanden ja nur selten, aber so tote Hose habe ich selbst dort nicht oft erlebt. Dabei sah die Nordkurve gar nicht so übel aus. Die (vermeintlich) aktive Szene war komplett in schwarz angetreten und stand kompakt zusammen. Ihnen gegenüber platziert, hörte ich sie aber maximal ein halbes Dutzend Male. Und das lag auch nicht am mit 15 Bussen angereisten PSV Anhang, dessen Ultras im unteren Bereich des im Eck liegenden Gästeblocks Dauergesang lieferten. So wird mir vermutlich auch der zweite Besuch in Heerenveen nicht in der Hirnrinde kleben bleiben.

Veendam – Sa., 14.12.2024, 15:30

VV Veendam 1894 vs GSVV The Knickerbockers 1:1

Henk Nienhuis Stadion, 100 Zuschauer, 3e Klasse Zaterdag R Noord
Der SC Veendam war ein Club aus der Region Groningen im Norden der Niederlande, der die meiste Zeit der Vereinsgeschichte zweitklassig spielte, was für einen kleinen Verein aus einer kleinen Stadt ja schon ganz ordentlich ist. Vor gut zehn Jahren ging es mit dem Verein allerdings zu Ende. Schon einige Jahre zuvor war der Club durch den Verlust des Hauptsponsors in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wodurch aufflog, dass der SC Veendam jahrelang durch unversteuerte Gelder am Leben gehalten und die Lizenz durch ungedeckte Bürgschaften erschlichen wurde. Nach einem Durcheinander von Gerichtsverfahren und Berufungen durfte der Club erst einmal weiterwurschteln. Allerdings ohne dauerhaften Erfolg, denn der Sportclub geriet erneut ins Trudeln und musste letztlich Insolvenz anmelden. Auch ein Neustart kam aufgrund des fehlenden finanziellen Backgrounds nicht zustande und so wurde der SC Veendam, der immerhin auf zwei Spielzeiten in der ‚Eredivisie‘ zurückblicken darf, 2014 aufgelöst. Der VV Veendam 1894, aus dem der Profi-Verein SC Veendam in den 70er Jahren entstand, existierte aber weiterhin und spielt nun anstelle der Profi-Mannschaft im Stadion. Dieses verfügt nur über Tribünen auf den Geraden. Nur noch, muss es korrekterweise heißen, denn die beiden kleinen Hintertor-Tribünen wurden vor einigen Jahren leider zurückgebaut. Auf achtklassiger Ebene, in der dritten regionalen Spielklasse wird nun im Stadion gespielt und das selten vor mehr als einhundert Leuten. Allein aufgrund des Vereinsnamens des Gegners aus Groningen war der heutige Besuch ja eigentlich Pflicht. Ein unterhaltsames Spiel endete bei fiesem Nieselregen mit einem gerechten Unentschieden.

Essen – So., 08.12.2024, 13:30

Rot-Weiss Essen vs TSV München von 1860 0:3

Stadion an der Hafenstraße, 16.627 Zuschauer, 3.Liga
Die Situation spitzt sich zu. Gegen die Münchner Löwen war ein Sieg eigentlich Pflicht, aber ja bei weitem nicht selbstverständlich, auch wenn die gute Seite der bayrischen Landeshauptstadt ebenfalls keine gute Saison spielt. Die Westkurve erzeugte aus Überziehern eine Choreo in Rot und Weiss und präsentierte am Zaun ein Banner mit dem alten rot-weissen Motto „RWE war wer, RWE ist wer, RWE bleibt wer“. Eisfeld durfte von Beginn an ran, ebenso erhielt Brumme nun wieder den Vorrang gegenüber Voufack – ein Lichtblick, sollte Coach Dabrowski doch noch weise geworden sein, welcher der Mannschaft aber dennoch eine defensive Grundausrichtung verordnet hatte. Das führte allerdings dazu, dass den ‚Sechzgern‘ die Initiative zunächst überlassen wurde. In der Anfangsviertelstunde machten die Gäste den frischeren Eindruck und zeigten erste zaghafte Vorstöße. Allerdings unterstützt von der rot-weissen Hintermannschaft, die ja eh nicht sattelfest ist und am Versuch eines geordneten Spielaufbaus regelrecht verkrampfte und die Löwen mit Abspielfehlern unmittelbar vor dem Strafraum zu mutigeren Aktionen einlud. Der RWE bekam dann nach und nach besseren Zugriff auf die Partie und kam seinerseits in den gegnerischen Sechzehner, aber ohne echte Gefahr heraufzubeschwören und das Spiel bekam schnell wieder die alte Richtung. Alonso, der schon vorher mit zwei astreinen Beulen glänzte, die aber noch folgenlos blieben, ging am eigenen Fünfer dann zu ungestüm zu Werke und brachte 1860-Stürmer Hobsch zu Fall. Folgerichtig gab es einen berechtigten Strafstoß, der seinen Weg souverän oben rechts in den Knick fand.
Mittlerweile hatte es Unruhe im Gästeblock gegeben. Angeblich wurde ein Szene-Mitglied durch den Ordnungsdienst für das Platzieren von Aufklebern mit einem Hausverbot belegt. Die Folge war, dass alle Zaunfahnen vor dem Stehplatzbereich abgenommen, der Support von den Ultras eingestellt und der Block von diesen verlassen wurde. Die Entscheidungen beider Seiten waren sicherlich unverhältnismäßig. Die Gästeblöcke unserer planlosen Republik sind nun mal sämtlich mit Klebern zugepflastert und so muss ein Away-Sektor auch aussehen! Was die Szenen mit derart selbstverliebten, beleidigten Solidar-Aktionen dann aber immer erreichen wollen, ist mir ein Rätsel. Der eigenen Mannschaft hilft man damit sicher nicht. Sollte aber der Grund für dieses Verhalten stimmen, ist der Ordnungsdienst im Essener Gäste-Sektor nun zum wiederholten Male durch Schikane und überzogene Maßnahmen aufgefallen. Bitte damit aufhören, das ist hochgradig asozial!!! Mit dem Rückstand ging es in die Pause, die rot-weisse Offensive präsentierte sich wieder einmal ideen- und planlos, es lief eigentlich gar nichts zusammen. Dass war sogar dem Übungsleiter ausnahmsweise nicht verborgen geblieben und es ging mit zwei frischen Leuten in den zweiten Abschnitt. Das bringt aber nix wenn ein kurz ausgeführter Eckball, derart mies verteidigt wird – nämlich eigentlich gar nicht – dass die Murmel in aller Ruhe zu einem Löwen vor dem Sechzehner gelangt, von wo dieser ungehindert und trocken zum zweiten Gästetreffer abziehen darf.
Spätestens jetzt war den Roten der Stecker gezogen. Die Truppe zeigte nun einen blutleeren, konsternierten Auftritt und eine verheerende Körpersprache. Das gipfelte dann nach einer Stunde in einem Platzverweis gegen Kraulich, der von der Tribüne zunächst nicht berechtigt schien, es letztlich aber doch war. Dass Dabrowski nun tatsächlich den offensiven, kreativen Eisfeld für einen neuen Innenverteidiger opferte, zu einem Zeitpunkt, wo es unabhängig davon ob zu elft oder nur noch zu zehnt nur noch eine Richtung geben durfte, war ein weiteres Sahnehäubchen. Dennoch erlebte das rot-weisse Spiel noch einmal ein kurzes Aufbäumen, jedoch ohne jeden Ertrag. Aber es ist ja oft so, dass der Körper kurz vor dem Ableben noch einmal ein kurzes Hoch erlebt, bevor alles vorbei ist. Die Löwen hatten dann einfaches Spiel, die Spieler in Rot und Weiss waren nun völlig verunsichert und verloren die Bälle auf einfachste Weise. Gegentreffer Nummer drei war eigentlich egal, die Gäste werden sich allerdings vermutlich fragen, warum es so einfach war, die Punkte aus Essen mitzunehmen. So leise wie in den letzten Minuten habe ich eine gut gefüllte Hafenstraße selten erlebt, es war erschreckend. Man kann ein Spiel verlieren, man kann am Ende auch absteigen, aber nicht so. Wenn der Rasen umgepflügt wurde, die Schienbeine blutig, die Klamotten völlig verdreckt sind und die Mannschaft das Herz auf dem Platz gelassen hat, es am Ende aber doch nicht gereicht hat, wird das Essener Publikum jede Niederlage verzeihen. Einen derartigen Offenbarungseid aber nicht und mit dem Schlusspfiff erklang ein berechtigtes Pfeifkonzert.
Die Stimmung war gekippt, das war nur allzu deutlich. Dennoch trauten sich Spieler und Trainerstab in die Kurve und nach einer Ansprache durch die Capos, gab es doch wieder Aufmunterung für das Team. Eigentlich geht es ja auch nur gemeinsam, das wird aber sicher nur so bleiben, wenn die richtige Einstellung auf den Platz geschmissen und in den wichtigen beiden Spielen vor der Winterpause gepunktet wird. Offen gesagt, war es mir aber unmittelbar nach diesem erschreckenden Auftritt ein Rätsel, wie das funktionieren soll. Die limitierte Qualität des Kaders ist die eine Sache, die Entscheidungen des Trainerstabs die andere. Auch wenn viele Spieler beteuerten, dass das interne Verhältnis zum Trainer intakt ist, wurde spätestens heute offenbar, dass die Köpfe der Spieler blockiert sind. Es braucht jemanden der diese wieder frei macht, jemanden der aufrichten und motivieren, der den Kickern neues Selbstvertrauen einflößen kann. Dass Dabrowski der richtige Mann ist, um diese Krise zu bewältigen, bezweifelte offenbar nicht nur ich, sondern auch der Vorstand. Es musste gehandelt werden und natürlich nahm das Geschehen seinen üblichen Lauf. Am Morgen nach der Niederlage wurde der Trainer von seinen Aufgaben entbunden. Ich tue mich schwer damit einzuschätzen, ob es die gewünschte Verbesserung bringen wird, aber diese Option nicht zu nutzen, wäre grob fahrlässig gewesen und ich begrüße die Entscheidung. Nun gibt es keine Ausreden mehr, das Team ist gefordert. Gas geben, Gras fressen, kämpfen, wenn nötig auch beißen und treten! Nichts ist größer als der Verein!

Saarbrücken – So., 01.12.2024, 16:30

1.FC Saarbücken vs Rot-Weiss Essen 1:0

Ludwigsparkstadion, 13.492 Zuschauer, 3.Liga
Schrieb ich vorher, die Tour endete mit dem letzten Spiel in Bukarest, war das nicht ganz korrekt. Von Frankfurt aus ging es mit Regionalverbindungen der Bahn ohne Probleme ins Saarland, um den glorreichen RWE zu supporten. Es sollte letztlich eine irgendwie denkwürdige Partie werden. Der RWE stand und steht mal wieder unter Druck und war nach den bisherigen Resultaten des Spieltages dazu verpflichtet, im Saarland zu siegen, so denn man nicht unter den berühmten Strich rutschen wollte. Wenig hilfreich war dabei, dass Arslan, der Dreh- und Angelpunkt des rot-weissen Offensivspiels, eine Gelbsperre absaß. Dass dann auf der Kreativposition der unbeständige Kaparos den Vorzug vor Eisfeld bekam, stieß nicht nur bei mir sauer auf. Auch dass Brumme, absoluter Leistungsträger als Linksverteidiger, das Nachsehen gegenüber dem oft unsicheren Voufack hatte, sorgte für massives Unverständnis beim Anhang. Nicht sehr unwahrscheinlich, dass das von Seiten des Spielers abgelehnte Vertragsgespräch – Brumme wollte im Sommer seinen Vertrag frühzeitig verlängern, was der Verein ablehnte und seinerseits bei der Anfrage vor wenigen Wochen durchaus verständlich auf Granit biss – zur Entscheidungsfindung beitrug. Das allerdings wäre nicht nur wenig professionell, sondern vor allem fahrlässig. Beide Kurven zeigten Choreografien zum Intro. Während die ‚Virage Est‘ ihre zehnjährige Freundschaft mit Austria Salzburg beschwor, feierte der Gästeblock das ebenfalls zehnjährige Bestehen der ‚Vandalz‘ mit einer Blockfahne. Nachdem diese heruntergenommen wurde, erstrahlte der Block im Schein unzähliger Bengalfackeln. Kurz darauf qualmte es nochmal ordentlich und die nächsten Brennstäbchen wurden in Asche verwandelt, dann herrschte bis zum Seitenwechsel weiterstgehend Feuerpause.
Dafür wurde der Gästeblock eine wenig umdekoriert. Ein Graffiti erblickte das Licht der Welt und an der Rückwand des Blocks verewigten die ‚Vandalz‘ ihr Jubiläum mit einer Tapete. Kurz vor der Pause geriet der RWE in Rückstand. Die Saarländer spielten die Roten nicht unbedingt in Grund und Boden, zeigten aber leichte Überlegenheit und eben diese führte zu einigen wenigen Möglichkeiten, von denen eine zur Führung reichte. Dass der Treffer von Kraulich per Eigentor erzielt wurde, spricht für die aktuell brisante Situation. Zum Beginn der zweiten Hälfte wurden wieder einige pyrotechnische Erzeugnisse im Away-Sektor abgebrannt. Dass eine erste Fackel auf den Rasen fand und nahe eines FCS-Spielers einschlug, sollte sich noch als Zeichen herausstellen. Sportlich änderte sich das Bild wenig. Der RWE spielte eigentlich ganz ordentlich mit, Torgefahr erzeugten die Mannen in Rot und Weiss aber erst mit der Hereinnahme von Eisfeld (!!!), wirklich in Bedrängnis gerieten die Gastgeber aber nicht. Das fortwährende Problem, dass die Roten offensiv zu ungefährlich, weil wenig durchschlagkräftig sind, blieb auch heute bestehen und so endete das Spiel nicht unverdient mit dem knappsten aller Siegresultate. Dieses geriet aber beinahe zur Nebensache. Die bereist angesprochene Fackel führte zu einer mehrminütigen Spielunterbrechung, in der dann mehrfach Leuchtspurmunition abgeschossen wurde. Diese fand wohl – von mir unbeobachtet – auch den Weg in einen Block der Sitztribüne.
Das hätte es aber gar nicht dafür gebraucht, dass uns nun das ganze Stadion hasste, die Stimmung war auch so schon gekippt. Nebenbei ist der Ludwigspark für Gäste-Fans auch ohne Pyro-Eskapaden ein schwieriges Pflaster. Aber auf Gegenliebe stoßen die Besuche des RWE ja eigentlich nirgendwo, frei nach dem Millwall-Motto „No one likes us, we don’t care“. Eine Leuchtkugel fand dann den Weg bis kurz vor die Heimkurve und setzte dort ein Werbekissen aus Schaumstoff in Brand, was auch nicht unbedingt zur Befriedung der Lage beitrug. Auch während des weiteren Spielverlaufes brannte es eigentliche immer irgendwo im Block, das war schon exzessiv, aber wozu hat man das Zeugs auch mit?! Allerdings geriet die ganze Geschichte insgesamt zu groß. Ich bin kein Pyro-Gegner und auch wenn die Teile natürlich nicht ungefährlich sind und auch die Emissionen nicht lebensverlängernd wirken passiert aber ja eigentlich nie etwas, sofern man die ganze Nummer unter Kontrolle hält, sprich: im eigenen Block, sprich: in den eigenen Händen. Auf dem Spielfeld und erst recht in anderen Blöcken hat das Material aber nichts zu suchen, das ist unstrittig! Pyro als Stilelement in einer konzertierten Aktion zu Spielbeginn oder meinetwegen auch irgendwann während der Partie, finde ich sehenswert. Das dauernde Anreißen von einer, zwei oder drei Fackeln ist aber kein Stilmittel mehr, sondern Randale und Provokation. Erst recht der Abschuss von Leuchtspurgeschossen. Das war in Summe am Ende alles zu viel und durchaus zu verurteilen. Die zu erwartende Geldstrafe wird zudem empfindlich sein und die Möglichkeiten zur Kaderoptimierung stark einschränken.
Auch wenn diese Ereignisse die insgesamt mal wieder wenig überzeugende Leistung der Roten überschatteten, darf dies aber eben davon nicht ablenken. Die Trainerdiskussion hat mal wieder ordentlich an Fahrt aufgenommen und dies nach meiner bescheidenen Ansicht auch zurecht. Ich bin absolut kein Freund von Kurzschlusshandlungen, aber diese wäre es auch längst nicht mehr, sich endlich mal Gedanken zu machen, auf dieser Position gegebenenfalls eine Veränderung vorzunehmen. Ob es das Heilmittel ist, kann niemand voraussagen, denn die Qualität des Kaders scheint limitiert, aber diese Option in einer bedrohlicher werdenden Situation nicht zu prüfen, wäre Verrat am Verein. Zumal es ja immer Stellschrauben wie Taktik oder Aufstellung gibt, an denen gedreht und die richtige Mischung gefunden werden kann. Mann ist immer schneller ab- als wieder aufgestiegen, daher wäre ein neuerlicher Abstieg nicht so einfach zu revidieren und würde den Verein wieder um Jahre zurückwerfen. Die Lage ist also fragil und es bleibt zu hoffen, dass die übergeordneten Verantwortlichen, von denen ich zugegeben auch nur eine sehr geringe Meinung habe, diese aufmerksam beobachten. Aus den verbleibenden drei Spielen bis zur Winterpause gegen direkte Konkurrenten muss nun zahlreich gepunktet werden. Ein Überwintern auf einem Abstiegsplatz ist denkbar schlecht für die Moral und würde den Handlungsbedarf massiv beschleunigen.

Bucuresti – Sa., 30.11.2024, 20:30

FC Dinamo 1948 vs Sepsi OSK Sfantu Gheorge 1:1

Stadionul Arcul de Triumf, 3.911 Zuschauer, SuperLiga Romaniei
Nach dem Besuch beim Breitensport-Dinamo folgte der Besuch beim Profi-Dinamo. Da das alte Stadion im ‚Parcul Sportiv Dinamo‘ den Anforderungen der höchsten Spielklasse nicht mehr entspricht, spielt der FC Dinamo 1948 im ‚Stadionul Arcul de Triumf‘, welches sich überraschenderweise in unmittelbarer Nähe zum Triumphbogen befindet. Dieses soll in erster Linie dem Rugby dienen und wurde vor wenigen Jahren neu errichtet. Das Fassungsvermögen ist mit gerade einmal 8.100 Plätzen arg begrenzt, für den Zuschauerzuspruch Dinamos reicht dieses aber vollkommen aus. Bis das bereits angesprochene neue Stadion im Dinamo-Sportpark errichtet ist, werden die ‚normalen‘ Heimspiele in der ‚Superliga‘ im Rugby-Stadion ausgetragen, lediglich die Stadtduelle gegen FCSB und Rapid finden in der ‚Arena Nationala‘ statt. Merkmal des Stadions ist eine ‚offene‘ Ecke. In einem Eck fehlen die Zuschauerränge, da dort eine Straße entlangführt und nicht ausreichend Platz war, um das Karree zu vollenden. Stattdessen wurde dort eine Glaswand eingefügt, um das Stadion zu schließen. Dinamo spielt eine starke Saison und ist auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze, auch die Gäste liegen in Lauerstellung.
Der Sepsi OSK ist ein Verein aus der Stadt Sfantu Gheorge im sogenannten ‚Szeklerland‘, das als ungarische Enklave in Rumänien angesehen werden kann. Drei Viertel der Einwohner der Stadt sind ungarischer Abstammung. Sepsi ist die Abkürzung für Sepsiszentgyörgy, den ungarischen Namen von Sfantu Gheorge. Die ethnische Besonderheit der Region hat zur Folge, dass die Auftritte des Sepsi OSK bei den eh überwiegend rechtsgerichteten Szenen Rumäniens einen nationalistischen Hintergrund bekommen. So auch heute, als die Dinamo-Kurve mehrfach „Romania“-Sprechchöre intonierte, in die nach und nach das ganze Stadion einstimmte, um die Gäste zu provozieren und sozusagen als Rumänen zweiter Klasse abzustempeln. In einem ausgeglichenen Spiel konnte Dinamo vor der Pause durch ein Eigentor der Gäste in Führung gehen. Diese Führung währte bis in die Nachspielzeit, in jener Sepsi nach Videobeweis durch einen Strafstoß doch noch ausgleichen konnten. Mit dieser Partie endete die Tour und TAROM, die staatliche rumänische Fluggesellschaft beförderte uns am folgenden Morgen nach Frankfurt.