Wiesbaden – Sa., 15.02.2025, 14:00

SV Wehen Wiesbaden vs Rot-Weiss Essen 1:3

Arena Wiesbaden, 4.009 Zuschauer, 3.Liga
Es ergab sich aufgrund einer geplatzten Wochenend-Reise mit der geschätzten Gattin erst kurzfristig für mich die Möglichkeit, dieses Spiel zu besuchen. Die Reise nach Wiesbaden ist auch nicht das Auswärtsspiel nach dem man sich die Finger leckt und läge der Anreiseaufwand nicht noch im Rahmen, hätte ich wohl verzichtet. Der SV Wehen ist ein gewaltsam in Wiesbaden platzierter Verein. Der Club ist das Ergebnis des Erfolges des Dorfvereins SV Wehen aus dem nahen Taunusstein, dessen Stadion auf dem Halberg nach dem erstmaligen Aufstieg in die 2.Liga vor gut zwanzig Jahren eben für diese Spielklasse nicht mehr ausreichte. Auslagerung der Profi-Abteilung und Umzug in die Landeshauptstadt resultierten daraus, eine unter Fußball-Fans unpopuläre Maßnahme, weswegen der Verein auf wenig Respekt stößt. Die breite Masse rennt dem im Schatten der Frankfurter Eintracht und des FSV Mainz stehenden Verein ja auch nicht gerade die Türen ein – unter den 4.000 Zuschauern befanden sich heute 1.250 aus Essen. Dass der SVWW sich dann noch erdreistete, diese Partie als Topspiel auszurufen und die Eintrittspreise um 30% anzuheben, macht den Verein ja direkt noch mal sympathischer und so lautet das unanfechtbare Urteil des als absoluter Fachmann bekannten Verfassers dieses Blogs: überflüssiger Drecksverein, kann weg! Mehr Respekt verdienen sich die nicht gerade zahlreichen Unentwegten auf der Nordtribüne, eine Kurve mit sehr junger Altersstruktur, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles versuchte und heute mit einer Aktion hinter der Tribüne und auf den Rängen auf Polizeigewalt gegen Fußball-Fans aufmerksam machte. Dafür gibt es einen erhobenen Daumen.
Natürlich hatte die Wehener Szene trotz Lautsprecher-Anlage akustisch keine Chance gegen den gut aufgelegten Gäste-Anhang. Die ‚Vandalz‘ sprachen eine Halbzeit lang mit einem großen Banner ihren durch Verbote ausgeschlossenen Mitbrüdern Mut und Ausdauer zu. Die Männer in den schönsten Trikots der Welt waren sofort drin der Partie. Aus dem viel zu passiven Auftritt in Aachen zu Beginn der Rückrunde scheinen die richtigen Lehren gezogen worden zu sein. Große Torchancen blieben auf beiden Seiten Mangelware, beide Teams neutralisierten sich einigermaßen clever, wobei ich mir nicht sicher war, ob das für den Zuschauer nun prinzipiell interessant oder anstrengend zu beobachten war, denn als Befangener hat man da ja einen anderen Blickwinkel. Die beste Chance ergab sich für den RWE, der einen Konter in 3:2-Situation zu unsauber ausspielte, so dass Brumme unter Druck nicht mehr konsequent abschließen konnte. Der größte Aufreger geschah aber eigentlich kurz danach, als Eitschberger und Arslan mit den Köpfen übel zusammenrauschten, dass beide mit beinahe auf der Tribüne spürbaren Schmerzen liegen blieben. Das erkannte auch die medizinische Abteilung der Gastgeber, die Arslan zu Hilfe eilte, da die Essener Kollegen bei Eitschberger gebunden waren. Tolle Aktion, allerdings wäre das wohl andersherum genauso gelaufen, und beide konnten mit Turban, der eine in Weiß, der andere in Rot, weitermachen.
Ein paar Minuten vor dem Seitenwechsel klingelte dann aus dem Nichts ein abgefälschter Schuss im Kasten von Jakob Golz, nachdem mal wieder der Zugriff im Strafraum nicht stimmte. Diese Situationen werden in einer immer stabiler stehenden Deckung zwar deutlich seltener, führen aber leider auch beinahe jedes Mal zum Gegentreffer. Zugegeben waren die Gastgeber aber in dieser Phase spielbestimmend. Die Roten kamen wacher aus der Kabine und nach wenigen Minuten zog Arslan energisch zur Strafraumgrenze und nagelte das Streitobjekt von dort entschlossen zum Ausgleich unter die Querlatte. Ausgeglichen blieb danach auch das Spiel, aber die Roten ließen hinten annähernd gar nix zu und waren bei eigenen Vorstößen gnadenlos effektiv. Kraulich erhöhte per Kopf und Eitschberger stellte zwanzig Minuten vor Ende die Zeichen dann deutlich auf Sieg, womit absurderweise die beiden Turban-Männer entscheidenden Anteil am Erfolg hatten. Die sich eröffnenden Kontermöglichkeiten gegen offensiver auftretende Gastgeber endeten dann meist kläglich, die häufigen viel zu schnellen und nicht erzwungenen Ballverluste, die ‚unforced errors‘, sind momentan wohl das größte Manko im rot-weissen Spiel. Änderte aber nichts am Ausgang der Partie, in einem Stadion, welches sich für seine Rekord-Bauzeit einen Eintrag ins Guiness-Buch verdiente. Gerade einmal 112 Tage waren für die Errichtung der wenig ansehnlichen Blechbüchse nötig. Wie wichtig dieser Sieg war, zeigt der Blick auf die anderen Resultate und die Tabelle, denn beinahe jeder Mitkonkurrent erreichte Zählbares und so bleibt der glorreiche RWE über dem vernichtenden Strich.

Duisburg – So., 09.02.2025, 15:00

Viktoria Beeck 1921 vs Rheinland Hamborn II 3:3

Sportanlage Rönsbergshof, 50 Zuschauer, Kreisliga B Duisburg/Mülheim/Dinslaken Gruppe 2
Heute brauchte ich es mal etwas ruhiger, daher entschied ich mich für Rumpelfußball tief im Ruhrpott. Wenn ich mich so selber beobachte, stelle ich fest, dass ich immer weniger mit Spielen auf diesem Niveau anfangen kann. Es gibt aber noch so ein paar schrullige Anlagen, die einfach einen Besuch wert sind und es war auch schon einige Zeit her, dass ich ein Spiel in den Kreisligen gesehen hatte. Klingt alles wie eine Entschuldigung, ist es aber gar nicht, denn dieses Spiel steuerte ich aus voller Überzeugung an. Das heißt, eigentlich steuerte ich die Anlage aus voller Überzeugung an, denn diese gehört mit dem Asche-Hartplatz und den paar krummen Stufen auf einer Seite zu den aussterbenden ihrer Art. Flankiert von zwei Gleisanlagen liegt der Platz, der erst seit Beginn der Saison wieder bespielbar ist. Davor lagen zwei Jahre, in denen der Verein auf andere Plätze ausweichen musste, da im Zuge der Erneuerung der Flutlichtanlage zwei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden, und sowohl deren Beseitigung als auch die Wiederherstellung des Spielfeldes viel Zeit in Anspruch nahm. Die Viktoria, Jugendverein der streitbaren Trainer-Legende Christoph Daum, wurde dabei wohl seitens des Stadtsportbundes ziemlich im Stich gelassen, so dass viel Eigeninitiative gefordert war, um dort wieder vor den Ball treten zu können. Das alles erzählte mir der Vorsitzende des Vereins, denn da ich offensichtlich der einzig Deutschstämmige auf der Anlage zu sein schien, der schnell als ‚Fremder‘ identifiziert wurde und der spätestens dann höchstverdächtig war, als er ein paar Fotos machte, sprach mich dieser neugierig aber freundlich an.
Nominell traf der Vorletzte der Kreisliga B auf den Viertletzten. Da aber ein Team bereits zurückgezogen hatte, wurden die Jünger der Siegesgöttin von dieser schlicht im Stich gelassen, sind blutiger Letzter und dazu mit 110 Gegentreffern in 18 Spielen die Schießbude der Liga. So fiel auch nach gerade einmal zwei Minuten der erste Treffer für Hamborn. Dass ein Spiel zwischen zwei Mannschaften mit ausschließlich migrantischem Hintergrund unter Leitung eines türkischstämmigen Schiedsrichters nicht ruhiger ablaufen muss, als ein Spiel in dem unterschiedliche Ethnien und Mentalitäten aufeinandertreffen, wurde dann nach und nach bewiesen. Zunächst wurde der Trainer der Viktoria, der konsequent lautstark an den Entscheidungen des Referees herumnörgelte hinter die Bande beordert. Kurz darauf ereilte dasselbe Schicksal sämtliche Zuschauer, die sich aus Bequemlichkeit auf der Laufbahn befanden. Danach beruhigte sich die Lage wieder, die Gastgeber kamen besser ins Spiel glichen aus und gingen vor der Halbzeit sogar in Führung. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff wurde der Kick aber wieder unruhiger. Befeuert von einigen Platzverweisen und fragwürdigen Toren, durch zunehmend frustrierte Spieler und laute Rufe von außen, hielt mehr und mehr Stress Einzug in das Geschehen, woran die Gäste deutlich mehr Anteil hatten. Mit dem Schlusspfiff und hektisch auf den Platz strebenden Hamborner Reservespielern und Verantwortlichen schien die Nummer erst aus dem Ruder zu laufen, beruhigte sich dann aber schnell, und mündete in endloser Diskussion, was mein Nebenmann aus dem Umfeld der Viktoria trocken mit „Kindergarten!“ kommentierte.

München – Fr., 07.02.2025, 20:30

FC Bayern München vs SV Werder Bremen 3:0

Arena München, 75.000 Zuschauer, Bundesliga
Mein einziger Besuch im Schlauchboot zu Fröttmaning lag beinahe 20 Jahre zurück. Damals unterlag der glorreiche RWE an einem bitterkalten November-Abend in einer höchstens zu einem Drittel gefüllten und noch komplett mit grauen Sitzschalen ausgestatteten Arena den Münchner Löwen unspektakulär und chancenlos mit 0:2. Da ich in dem Event-Kommerzkessel aber eigentlich auch nix zu suchen habe, kam es bis dato nicht zu einem erneuten Besuch und für diesen hatte ich schon immer den Anspruch, dann den SV Werder dort spielen zu sehen. Dummerweise habe ich ein Jahr zu lange gewartet, denn der historische Auswärtssieg, denn man bei den Bayern alle zwanzig Jahre mal landen kann, fand ja bereits in der vergangenen Saison statt. Seit die Schere zwischen beiden Vereinen völlig auseinander gegangen ist und die Bayern in ihre totale Dominanz gegenüber dem Rest der Liga aufgestiegen sind, gibt es ja in ‚Minga‘ wenig bis gar nichts zu holen. Für die Anreise wurde die Bahn gewählt, die Verbindung, hin direkt und zurück mit Umstieg in Nürnberg, jeweils mit der schnellen Variante, den Kölner Hauptbahnhof meidend, verlief annähernd reibungslos. Ich nutze die Bahn ja selten, aber wenn, dann habe ich eigentlich nie Probleme, was vermutlich eher mit Glück als mit falsch gemeldeten Verspätungsquoten des ehemaligen Staatsunternehmens zu tun hat. Mit einem meiner Gefährten reisend, ein weiterer war leider kurzfristig erkrankt, traf ich mich vor dem Spiel noch mit einem Bekannten im Bistro hinter der Südkurve, was mir ganz gut gefallen hat, vor allem wurden dort faire Bierpreise aufgerufen.
Insgesamt muss man den Bayern zu gute halten, dass die gesamte Veranstaltung ziemlich perfekt organisiert war, auch wenn sich einige Ordner zu motiviert ordnend zeigten, zumindest wann man mal ein paar Fotos aus bestimmten Perspektiven machen wollte. Belohnt wurde unser Besuch dann mit einem der langweiligsten Fußballspiele, welche ich je gesehen hatte. Von der ersten bis zur letzten Sekunde hatten die Bayern die komplette Kontrolle, begünstigt dadurch, dass die Werder-Recken vorrangig auf Sicherheit und Schutz des eigenen Tores bedacht waren. Das gelang auch eine Halbzeit sehr gut, ging halt zu Lasten jeglicher Offensivbemühungen, lediglich einen wenig gefährlichen Abschluss gab es für die Grün-Weißen zu verzeichnen. Aber auch die Bayern kamen nur zwei oder drei Male zu aussichtsreichen Situationen. Also ging es torlos in die Pause und direkt nach Wiederanpfiff testete Harry Kane mal die Stabilität des Querbalkens. Zehn Minuten später durfte der Engländer dann aber jubeln, nachdem er einen viel diskutierten, für mich aber berechtigten Handelfmeter verwandelt hatte. Damit war die Partie entschieden. Werder war nullkommanull in der Lage an der blau-roten Überlegenheit zu rütteln und ich pennte auf meinem Stuhl im Unterrang der Nordkurve beinahe ein, weil der Kick einfach überhaupt keine Spannung bot. Bei 856 gegen 131 Millionen Euro Kaderwert auch nicht sehr überraschend. Wenn man aber dennoch in München irgendwie versuchen möchte, etwas mitzunehmen, muss man anders auftreten als die Norddeutschen – das war nämlich mal gar nix.
Die zwei weiteren Treffer fielen erst in der Schlußphase, aber daran lag es sicher nicht, dass sich das Stadion eine Viertelstunde vor dem Ende langsame leerte. Die verwöhnten Erfolgskunden hatten genug gesehen, wichtiger war es offenbar zügig heimzukommen. Ich bin wirklich froh, dass ich Anhänger eines abgefuckten, wenig erfolgreichen (Noch-?)Drittligisten bin, denn so eine Nummer mit diesen Rahmenbedingungen und Begleiterscheinungen könnte ich mir nicht alle vierzehn Tage geben. Mir tun die ‚echten‘ Bayern-Fans in der Südkurve aufrichtig leid, dass sie sich mit so einem Event-Pöbel herumschlagen müssen, denn das Bemühen um ordentliche Stimmung kann man diesen ja nicht absprechen. Der Fluch des Erfolges. Die Atmosphäre war beiderseits aber nicht überragend. Die recht beachtlichen 6.000 Gäste auf einem Freitag-Abend waren aus dem undankbaren Gästeblock im oberen Ring, einem der beschissensten Deutschlands, nur leidlich zu hören und auch aus der Südkurve kam jetzt nicht gerade ein Orkan herübergeweht, auch wenn die Anstrengung erkennbar war und optisch ein schönes Fahnenbild geboten wurde. Die Akustik scheint in der Versicherungs-Bude nicht gerade überragend zu sein. So endete diese Veranstaltung für mich mit der Erkenntnis, dass wohl noch einmal zwanzig Jahre oder mehr vergehen müssen, bis ich wieder in der Fröttmaninger Arena aufschlage, sofern nicht der beinahe unmögliche Fall eintritt, dass der Deutsche Meister von 1955 dort antreten muss.

Genk – Mi., 05.02.2025, 20:45

KRC Genk vs Club Brugge 1:1

Arena Genk, 21.061 Zuschauer, Beker van Belgie Halbfinale Rückspiel
Zum Rückspiel des Pokal-Halbfinales im Land der frittierten Gemeinheiten trafen die beiden aktuell besten Teams aufeinander, der Tabellenführer empfing seinen Verfolger, der das Hinspiel mit 2:1 für sich entscheiden konnte. Das belgische Pokal-Format sieht bis zur Vorschlussrunde jeweils nur ein Spiel vor, die Finalteilnehmer werden dann aber in Hin- und Rückspiel gesucht. Natürlich gibt es keinen Belgien-Ausritt ohne Frituur-Besuch. Aufgrund der Zeitknappheit und Parkplatzproblematik in Genk entschied ich mich aber für die Take Away-Option und speiste dann nach dem Parkieren im Fahrzeug. Dass die Hucke danach noch tagelang duftete, als wäre der Kram direkt auf der Rückbank frittiert worden, ist eine andere Geschichte. In Genk war ich schon ein paar Mal zu Besuch, es ist halt ein aus dem Ruhrpott gut zu erreichendes Ziel. Der letzte Besuch lag aber beinahe zehn Jahre zurück, da konnte man sich mal wieder sehen lassen und die Spielpaarung, sowie das Hinspiel-Resultat ließen auf eine brauchbare Veranstaltung hoffen. Damit ergab sich, dass ich den von Thorsten Fink trainierten KRC zum dritten Mal innert sechs Wochen spielen sah. Der Gegner ist für grundsätzlich einen – an belgischen Verhältnissen gemessen – zahlreichen Auswärts-Anhang bekannt. Auch heute wurde der Gäste-Sektor ausverkauft, allerdings war aus diesem annähernd nichts zu hören. Man konnte meinen, es hätte einen Support-Boykott gegeben. Bis auf wenige Male konnte man lediglich zwei bis drei Dutzend aktive Leute erahnen, das war ganz schwach, zumal die Partie ja absolut zugunsten des Club Brugge lief. Die Gäste waren von Anfang an gefährlich und eigentlich einem frühen Führungstor näher als der KRC, der dann aber seine erste Möglichkeit nach einer Viertelstunde nutzte. Die Gäste aus Flandern ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und kamen bereits zehn Minuten später zum Ausgleich, was dem nach dem Führungstreffer gewonnenen Elan der Gastgeber spürbar den Schwung nahm. Zu einfallslos zeigte sich der KRC, auch im zweiten Durchgang, so dass die Partie beinahe unspektakulär mit dem Remis zu Ende ging, was das Pokal-Aus für die Platzherren bedeutete. Weder das vom Verein organsierte Feuerwerk, noch die Pyro-Show der aktiven Szene hatten den Funken entscheidend überspringen lassen.

Bielefeld – So., 02.02.2025, 13:30

DSC Arminia Bielefeld vs Rot-Weiss Essen 1:2

Stadion Alm, 22.576 Zuschauer, 3.Liga
Früh in Bergamo aufgewacht und überpünktlich nach Köln geflogen, ging es direkt nach Ostwestfalen. Hoch sollten die Trauben beim Auswärtsspiel auf der ‚Alm‘ hängen. Eigentlich. Doch die aktiven Angestellten des glorreichen RWE hatten aus dem deutlichen und verdienten Sieg der Vorwoche neuen Mut geschöpft und traten dementsprechend selbstbewusst auf. Zur von mir erwarteten Anfangsdruckphase, die es bei Spielen von favorisierten Mannschaften gegen vermeintlich unterlegene Gäste meist gibt, kam es erst gar nicht – der RWE war von der ersten Sekunde voll drin in der Partie. Mehr noch, nach den ersten Minuten übernahmen die Gäste die Kontrolle. Zwar gab die Arminia den ersten Torschuss ab und bis zur ersten Essener Möglichkeit durch Müsel per Kopf dauerte es mehr als eine Viertelstunde, aber kurz danach war derselbe Spieler der Schütze zum längst verdienten 1:0 für die Roten. Die vermutete Abseitsposition – selbst der Torschütze war im Zweifel – war tatsächlich keine. Der RWE blieb danach weiterhin spielbestimmend, die Gastgeber kamen bis zum Seitenwechsel nicht mehr gefährlich vor des Essener Tor. Das änderte sich nach der Pause, denn sofort war mehr Biss und Zug im Arminen-Spiel. Die Partie kippte mehr und mehr zugunsten der Blau-Schwarzen und der RWE stand zunehmend tief und eigentlich sogar zu tief. Nach ersten Warnschüssen, bei denen die Bielefelder das Visier noch nicht richtig eingestellt hatten, ergab sich eine riesige Chance, aber Golz fischte den Ball aus dem unteren Torwinkel. Der folgende Befreiungsschlag landete beim Arminia-Schnapper, der unsauber auf einen Verteidiger abspielte und damit den Ballverlust an den heranstürmenden Arslan provozierte, welcher den Ball nach ungewolltem Doppelpass von Martinovic zurückbekam und allein auf das Tor zulaufend eiskalt vollstreckte.
Falls es jemals Zweifel daran gab, ob es in der Mannschaft untereinander stimmt, dürften diese nun endgültig ausgeräumt sein, denn selbst Golz kam quer über den Platz gelaufen, um den Treffer mit seinen Kameraden vor dem Gästeblock zu feiern. Natürlich bekamen die Roten nun die zweite Luft, aber die Arminia schüttelte sich schnell und gewann wieder etwas Oberwasser, die Rot-Weissen ließen sich aber nicht beeindrucken. Der Abschluss wurde mehrfach gesucht, aber richtig gefährlich wurde es selten und wenn, war Golz zur Stelle. Die Bielefelder Kurve wurde mehr und mehr ungeduldig und stellte vorübergehend den Support sogar völlig ein, es knirscht ja schon länger im Verhältnis der Szene zur Mannschaft, respektive zum Trainer. Leider versäumte es der RWE, die sich ergebenden Kontermöglichkeiten konsequent zu Ende zu spielen und die Partie zu entscheiden. Stattdessen kamen die Gastgeber, dann zwölf Minuten vor dem Ende, nachdem Golz zunächst wieder stark parierte, doch zum Anschlusstreffer, der allerdings irregulär mit dem Oberarm erzielt wurde. Nun war klar, dass es noch ein heißer Tanz würde, aber die Arminen verkrampften in Ihren Versuchen, hatten nun zwar viel Ballbesitz, die ganze klaren Chancen blieben aber aus. Dagegen hätte Moustier bei einer Volleyabnahme beinahe alle Fragezeichen beseitigt. Die Nachspielzeit wurde auch weitgehend stressfrei überstanden, lediglich die allerletzte Szene bereitete noch einen Schockmoment, der aus wenigen Metern frei zum Schuss kommende Stürmer, schloss aber zu unplatziert ab und der Ball landete in den Fängen des gut platzierten Golz. Knapp 3.000 mitgereiste Essener feierten die Mannschaft und besonders Jakob Golz für den nicht unbedingt erwartbaren Dreier, während das Heim-Team den Rasen von Pfiffen begleitet verlassen durfte.

Trapani – Sa., 01.02.2025, 15:00

FC Trapani 1905 vs Potenza Calcio 4:2

Stadio Polisportivo Provinciale, 4.227 Zuschauer, Serie C Girone C
Der Bus brachte uns in knapp zwei Stunden in den äußersten Zipfel Siziliens. Trapani hat leider nicht viel zu bieten, so dass wir uns entschieden die gesamte Streck aus der Altstadt zum ‚Stadio Provinziale‘ zu laufen, welches gar nicht mehr in Trapani liegt, sondern im zur benachbarten Gemeinde Erice gehörenden Casa Santa und dementsprechend zog sich der Marsch etwas. Wie in Palermo öffnet sich auch hier hinter der Gegentribüne ein ansprechendes Panorama. Das Stadion verfügt nicht über rundherum geschlossene Ränge. Die Südkurve hat keinen festen Ausbau. Stattdessen steht dort ein kleiner Stahlrohrbau für die Gäste-Anhänger. Auf wenig ansehnlichem Stahlrohr steht auch der heimische Anhang, die dahinter liegende Kurve wird nicht mehr genutzt. Dafür sieht die asymmetrisch erbaute Gegengerade sehr schmuck aus. Während Trapani im gesicherten Tabellenmittelfeld agiert, haben die Gäste aus der Basilikata durchaus Ambitionen nach oben. Auch aus diesem Grunde durfte sich die Mannschaft über 150 Anhänger freuen, welche die unbequeme Anreise auf sich genommen hatten.
Mit einer Choreo aus kleinen Schwenkern in den Clubfarben und rotem Rauch eröffneten diese das Spiel, außerdem wurde ein Banner mit der Aufschrift „Mein Potenza“ präsentiert. Die Support-Hoheit gehörte aber der ‚Curva Nord Trapani‘ und das nicht nur aufgrund zahlenmäßiger Überlegenheit, sondern auch, weil Lautstärke und Ausdauer der Gäste nicht mit ihrem ansprechenden optischen Erscheinungsbild mithalten konnten. Da war mehr möglich oder die zurückgelegte weite Strecke hatte zu viel Kraft gekostet. Allerdings musste man den Anhängern zu Gute halten, dass ihr Team ihnen heute auch wenig Freude machte. Zu überlegen präsentierten sich überraschend die granat-roten Gastgeber. Die frühe Führung derer konnten die Gäste noch umgehend ausgleichen, doch danach hatten sie nichts mehr entgegenzusetzen. Der dreifache Torschütze Gennaro Anatriello, erst vor wenigen Wochen dazugestoßen, erledigte die Blau-Roten beinahe im Alleingang und flößte seinem neuem Team etwas Hoffnung ein, noch um den Aufstieg in die Serie B mitreden zu dürfen. Für uns ging es im Anschluss erst in eine Pizzeria und anschließend mit dem Bus zum Flughafen von Palermo, von wo uns der irische Billig-Riese schon mal bis Bergamo beförderte.

Palermo – Fr. 31.01.2025, 20:30

Palermo FC vs Pisa Sporting Club 1:2

Stadion Renzo Barbera, 21.585 Zuschauer, Serie B
Sizilien war gemeinsam mit einem meiner rot-weissen Gefährten die auserkorene Destination für das Wochenende. Das größte Eiland des Mittelmeeres hatte ich noch nie betreten, für eine ausgiebige Erkundung reichen zwei Tage natürlich nicht aus, daher beschränkte sich die Stippvisite auf den westlichen Ausläufer der Insel. Früh in Palermo gelandet, nahmen wir uns zunächst die Zeit für einen Besuch des abendlichen Spielortes. Danach blieb immer noch ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Rundgang durch das ‚Centro Storico‘. Strahlpunkt der Altstadt ist die im 12. Jahrhundert erbaute Kathedrale ‚Santa Vergine Maria Assunta‘ mit einer Länge von circa 130 Metern. Nachdem wir den beeindruckenden Sakralbau besichtigt hatten, verirrten wir uns zunächst fast in den verwinkelten Gassen der Altstadt, bevor wir noch einen Abstecher ans Meeresufer machten und uns mit ner Hopfenhülse von den Strapazen des Rundgangs erholten.
Nach einer phänomenalen Pizza und anschließendem kurzem Ausruhen in der Unterkunft war es dann auch schon Zeit in Richtung des ‚Stadio Renzo Barbera‘ aufzubrechen. Bevor wir den Kessel betraten, trafen wir uns in dessen Nähe zunächst in einer Bar auf ein paar weitere Durstlöscher mit einem Weggefährten, den ich zufällig morgens im Flieger entdeckt hatte. Das ‚Renzo Barbera‘ gehört zu den Spielorten der WM 1990 und seit dem Turnier dürfte nur das nötigste erneuert worden sein. Eigentlich ist es ein funktionaler Bau, der aber das Stadionherz dennoch schneller schlagen lässt. Als reines Fußballstadion angelegt, kommt es mit leicht gekrümmten Hintertor-Tribünen ohne rechte Winkel aus. Der Oberrang ist im steilen Winkel errichtet und wie bei den meisten Stadion Italiens, bei jenen älteren Baujahres sowieso, verfügt nur die Haupttribüne über ein schützendes Dach. Hinter der Gegengeraden baut sich eine schöne Felskulisse aus, welche dem Besucher in der Dunkelheit aber leider verborgen bleibt. Mit dem Tabellenzweiten aus Pisa stellte sich für die Gastgeber in den seltenen aber traditionellen Clubfarben Rosa und Schwarz ein Schwergewicht vor. Aus der Stadt mit dem berühmten Turm mit der noch berühmteren Neigung waren knapp 500 Tifosi angereist, für einen Freitag beachtlich. Nach ausgeglichenem Start gewannen die Gäste die Oberhand, die sie auch nie mehr abgeben sollten. Nach wenigen Minuten erzielten die Gäste, die mit vier Dänen in der Anfangsformation antraten, die Führung per Strafstoß und Mitte der ersten Hälfte einen weiteren Treffer. Diese Hypothek konnte Palermo nie ablösen, auch wenn der Anschlusstreffer nach einer Stunde Spielzeit Spannung in die Partie brachte. Mit dem Schlusspfiff durften sich die Gastgeber von der sonst ausdauernd supportenden ‚Curva Nord‘, die sich zu Ehren ihres vor wenigen Jahren früh verstorbenen Kult-Capo ‚Toto Rambo‘ nach diesem benannt hat, einige Pfiffe anhören, während die Pisani ihren Sieg vor dem Gästeblock feierten.

Essen – So., 26.01.2024, 13:30

Rot-Weiss Essen vs Hannover 96 U23 5:1

Stadion an der Hafenstraße, 15.037 Zuschauer, 3.Liga
Hurra, sie leben noch. Der glorreiche RWE konnte die Partie gegen den direkten Konkurrenten aus der niedersächsischen Landeshauptstadt deutlich und verdient für sich entscheiden. Eine Niederlage hätte die Schlinge um den Hals bedrohlich zugezogen. In den ersten Zügen der Partie hatten die Rot-Weissen noch etwas Mühe und befreiten sich dann mit dem Führungstreffer nach wenigen Minuten offensichtlich von einer Last. Von da an bis zum Seitenwechsel kannte das Spiel nur noch eine Richtung. Man mochte kaum glauben, dass die Mannschaft zur Vorwoche nur auf zwei Positionen verändert worden war. Das Umschaltspiel wurde mustergültig vorgetragen, es wurden schnelle Angriffe eingeleitet, mit kurzen, direkten Pässen die Räume geöffnet, dass einem beim Zuschauen fast schwindelig wurde und wieder bleibt festhalten, dass Fußball zu einem Großteil im Kopf stattfindet. Drei weitere Tore entsprangen dem Dauerdruck, Martinovic und Arslan hätten das Ergebnis eigentlich noch höher schrauben müssen. Die Gäste waren nur mit zwei Distanzschüssen gefährlich, der dritte war dann kurz vor dem Seitenwechsel aber drin und trübte das Bild ein wenig, sollte heute jedoch auch der einzige Treffer bleiben, der nicht auf der rot-weissen Habenseite verbucht wurde.
Allerdings kamen die 96er deutlich verbessert aus der Kabine und bereiteten der Defensive des Deutschen Meisters von 1955 vorübergehend große Probleme. Erst nach einigen Minuten kehrt wieder Ruhe und Ordnung ins Spiel des RWE zurück. Der zweite Durchgang verlief etwas unspektakulärer, als der erste, blieb aber aus rot-weisser Sicht positiv unterhaltsam, denn es wurde weiter nach vorne gespielt. Es wurden zwar deutlich weniger Möglichkeiten erarbeitet als in der ersten Spielhälfte, dennoch reichte es für Treffer Nummer fünf kurz vor Spielschluss. Alle fünf Tore des Spiels wurden durch Verteidiger erzielt, das war schon ungewöhnlich. Lucas Brumme war wie beim Spiel in Hannover in der Hinrunde Doppel-Torschütze und hat damit alle seine bisherigen vier Saison-Treffer gegen Hannover markiert. Die Durststrecke von sieben Liga-Spielen ohne Sieg wurde nun endlich beendet. Bleibt die Hoffnung, dass diese Vorstellung keine einmalige war, sondern darauf aufgebaut und die Abstiegsregion sukzessive verlassen wird. Unter den 54 Gestalten im Gästeblock hatte sich auf dem (Um)Weg zum abendlichen Auswärtsspiel beim Dortmunder Nachwuchs auch eine Handvoll Anhänger der Arminia aus Bielefeld, nächster Gegner des RWE, eingefunden. Zwischen den Anhängern der Arminia und von Hannover gibt es ja freundschaftliche Verbindungen. Die paar Flitzpiepen waren sich nicht zu blöde, fröhlich gegen den RWE zu pöbeln. Na, wenn man nix besseres zu tun hat…! Mal schauen wer nach dem kommenden Aufeinandertreffen den Längeren hat.