Mills Center – Mo., 24.03.2025, 16:00

Liberia vs São Tomé e Príncipe 2:1

Samuel Kanyon Doe Sports Stadium, 8.000 Zuschauer, WM-Qualifikation Gruppenphase
Um Viertel nach fünf war die Nacht vorbei und unser Fahrer Bobby stand überpünktlich schon vor 6 Uhr mit seinem vom Leben gezeichneten Toyota Camry vor dem Hotel-Tor. In der gerade aufkommenden Dämmerung starteten wir über weiterhin gute Straßen durch den Tropenwald, der nach einer regenreichen Nacht von Dunstschwaden durchzogen wurde. Einige Checkpoints gab es zu passieren, an denen es wie auf der gestrigen Fahrt immer wieder zur Krötenwanderung kam. Die Kröten unseres Chauffeurs wanderten in die Jackentaschen zwielichtiger Halunken, welche die Straße dann freigaben. Ein System das schwer zu durchschauen ist. Zwar mögen die Checkpoints offiziell sein, von den Mokeln die dort regierten, wirkte indes keiner so und offener kann Korruption ja auch kaum ablaufen. An diesem ständigen, gegenseitigen, in der Gesellschaft beinahe wie selbstverständlich akzeptierten Handaufhalten, bei dem ein Pfuscher den nächsten Mauschler bescheißt, scheitert am Ende ein ganzer Kontinent. Zwanzig Minuten vor Schrankenöffnung kamen wir im Grenzort Jendema an und nutzen die Zeit für ein kleines Frühstück. Dann ging es weiter zu den Grenz-Checkpoints. Auf Sierra Leonischer Seite mussten wir den Wagen nicht mal verlassen, die Grenz-Mafia ist gut genug organisiert, so dass irgendein Schmierlappen unaufgefordert den Gang zum Schalter für ein paar Leones übernahm. Die Liberianer nahmen es schon genauer. Zunächst ging die Fahrt über die ‚Mano River Bridge‘ und unmittelbar dahinter notierte Big Mama in ihrer wurstpellenartigen Uniform in einer kleinen Baracke die Ausweis-Daten. Weiter ging es zum Immigration-Desk, wo der ganze Kram erneut notiert und dann der Einreisestempel in den mit dem güldenen Adler geschmückten, weinroten Staatsangehörigkeitsbezeuger gerammelt wurde. Next Stop Zollkontrolle. Ein überalterter Beamter mit dem Blick eines Crystal Meth-Konsumenten ließ sich teilnahmslos unsere getragene Unterwäsche vorführen und dann war das Grenz-Gekasper nach insgesamt knapp 20 Minuten auch schon erledigt. Ich liebe es und hier war es ja auch echt easy, da gibt es an anderen Landesgrenzen des Planeten deutlich mehr Stress zu bewältigen. In der Vergangenheit sah es hier wohl auch anders aus, aber nachdem ein Influenzer ein Video auf Youtube veröffentlicht hatte, wurde wohl Personal ausgetauscht und der Korruption zumindest an diesem Grenzübergang Einhalt geboten.
Nach ein paar Kilometern erfuhren wir noch mal eine Prüfung des Einreisestempels, damit auch keiner einfach so durchrutscht und dann ging es weiter nach Monrovia. Liberia zeigte sich wenig überraschend genauso grün wie Sierra Leone. Der Zustand der Straßen konnte dagegen nicht mit denen Sierra Leones mithalten. Die ersten 60-70 Kilometer waren noch ähnlich gut, dann verwandelte sich die Route aber in eine Teppich aus tiefen Schlaglöchern und teilweise fehlte der Asphalt sogar auf mehreren hundert Metern komplett, so dass regelmäßig in das unbefestigte Bankett neben der Straße ausgewichen wurde, da dieses teilweise einfach angenehmer zu befahren war. Normaler Ausstiegsort in Monrovia ist der ‚Duala Market‘, ein unübersichtlicher Ameisenhaufen, der für Auswärtige schwer zu durchschauen ist. Dieses Chaos ersparten wir uns, indem wir Bobby baten uns gegen einen kleinen zusätzlichen Obolus bis zur Unterkunft in der östlichen Peripherie der Stadt zu bringen. Das bedeutete, die knapp zwei Millionen Einwohner starke Metropole komplett zu durchqueren, was aufgrund der Verkehrslage deutlich mehr als eine Stunde dauerte, bis wir am ‚Tropicana Beach Resort‘ eintrafen, in dem auch der über Ghana angereiste Teil der Reisegruppen abgestiegen war. Das Resort direkt am Meer stellte sich als durchaus brauchbar heraus. Die offene See hatte eine schöne Brandung, leider wird vom Baden im Meer abgeraten, da wie an der ganzen Küste des guineischen Golfes gefährliche Strömungen herrschen. Beinahe sinnbildlich für diesen Kontinent. Die Zeit reichte noch, um zwei Biere durch die von der Fahrt vollgestaubten Kehle zu senden und dann mussten wir zum Stadion aufbrechen. 
Der Zufall wollte es, dass gerade zwei arabisch aussehende Typen in ihr Auto stiegen, libanesische Expats wie sich herausstellte, die uns freundlicherweise entgegen ihrer Zielrichtung die etwa fünf Kilometer zum Stadion fuhren. Das Stadion liegt nicht direkt in Monrovia sondern in Mills Center, einem der Orte, die mit Monrovia zu einer Metropolregion zusammengewachsen sind. Als wir Bleichgesichter dort aufschlugen war natürlich wieder Voll-Alarm. Der Ticketverkauf gestaltete sich unübersichtlich, da dieser über mehrere fliegende Händler lief, und einer hatte natürlich bessere Tickets als der andere. In solchen Situationen tue ich ja immer bewusst desinteressiert und gehe erstmal einige Meter zur Seite, bis sich der Blutdruck der anwesenden beruhigt hat und wähle dann einen unaufdringlichen Verkäufer. Wenn man einen jungen Hund vom Züchter kauft, soll man ja auch nicht den nehmen, der sofort angerannt kommt und nach Aufmerksamkeit sucht. Für zehn US-Dollar erwarben wir VIP-Tickets, die für den überdachten Bereich der Haupttribüne gültig waren. Wir umrundeten das Stadion und trafen in einer Bar auf dem Stadiongelände mit den Gefährten zusammen, die bereits am Samstag eingetroffen waren, bevor wir die betagte Schüssel betraten. Das ‚Samuel Kanyon Doe Stadium‘ ist noch ein Stadion alter afrikanischer Schule. Eine Laufbahn haben ja die meisten großen Stadien Afrikas, auch die neu erbauten, wofür ja in der Regel die Chinesen zuständig sind.
Dieser Oldschool-Ground wurde zwar nicht von diesen erbaut, aber zumindest soweit aufgemöbelt, dass es vom afrikanischen Verband die Zulassung für die Durchführung von Pflicht-Länderspielen erhielt. Ellen Johnson Sirleaf, eine ehemalige Präsidentin Liberias, soll einmal gesagt haben, die Chinesen seien in Afrika so stark, weil Europa nicht präsent ist. Das dürfte großenteils stimmen, denn die europäischen Länder sind zu zögerlich und zu passiv, um in Afrika Einfluss zu gewinnen und haben den Kontinent längst an China und ja inzwischen zum Teil auch an Russland verloren. Gut besucht war die Veranstaltung erst einmal nicht, was wir auch nicht erwartet hatten. Schon das Heimspiel gegen Tunesien am letzten Mittwoch war – da allerdings eher überraschend – schwach besucht. Da dieses verloren ging und die WM-Hoffnungen Liberias damit einen satten Dämpfer erfahren hatten, war nun heute auch nicht mit dem großen Run zu rechnen. Vielleicht 4-5.000 Besucher hatten sich im weiten Rund eingefunden. Kurz nach Spielbeginn setzte sich plötzlich die Meute aus dem Nachbarblock in Bewegung und überkletterte  den recht hohen Maschendrahtzaun zur Haupttribüne, was kurzzeitig etwas Sorge bereitete, aber die Leute wollten offenbar einfach nur auf den überdachten Bereich, sei es um die Perspektive zu verbessern oder Schutz vor drohendem Unwetter zu haben. Die Aufregung hatte sich noch gar nicht ganz gelegt, als nach vier Minuten eine erste Flanke in den Sechzehner der Gäste segelte, welche vom Torwart zu kurz abgewehrt wurde und dann aus wenigen Metern per Fallrückzieher ins Netz fand.
Toller Start und das schien den Mob vor den Stadion-Toren zu beflügeln, denn diesem gelang es das von nur einer Handvoll Polizisten gesicherte Haupt-Tor aufzudrücken und so verdoppelte sich die Zuschauerzahl innerhalb weniger Minuten. Die ‚Lone Stars‘, wie das Nationalteam genannt wird, blieben dran und erhöhten nach einer halben Stunde. Mit dem Halbzeitpfiff konnten die Insulaner verkürzen und zogen dem liberianischen Elan damit den Stecker. Die zweite Hälfte war dann sehr ausgeglichen, nie wirklich gut, aber spannend, da die Insel-Freaks ein paar Mal den Ausgleich auf dem Schlappen hatten. Soweit ich das beurteilen konnte, denn Pascal, Jonny und ich hatten dem Bierangebot der fliegenden Händler angemessen zugesprochen, was wiederum den Blick etwas trübte. Jedenfalls brachten die ‚Lone Stars‘ den Sieg über die Zeit und dürfen nun doch noch ein wenig von einer erfolgreichen, aber wenig wahrscheinlichen WM-Qualifikation träumen. Nach dem Kick steuerten wir eine Bretterbuden-Bar gegenüber dem Stadiongelände an. Da machte sich dann das während des Spieles gezeigte Konsumverhalten etwas bemerkbar und ich bin rückblickend etwas stolz, nicht vom Moto-Taxi gesegelt zu sein, welches mich zurück zum ‚Tropicana‘ beförderte. Mit mitgebrachten Kaltgetränken nahm der Abend dann so seinen weiteren Lauf.
Den Dienstag nutzten Pascal und ich, um in die ‚Altstadt‘ Monrovias zu fahren, die anderen hatten dieses bereits am Sonntag erledigt. Der Ausflug war recht zeitraubend, für die 20 Kilometer benötigten wir verkehrsbedingt mehr als eine Stunde. Vor allem verstanden wir am Umsteigepunkt nicht so ganz, wie die Nummer läuft und profitierten letztlich vom Lift eines Pickup-Fahrers irgendeiner Organisation, der uns die Mitnahme anbot. Liberia ist neben Äthiopien der einzige afrikanische Staat, der nie kolonialisiert wurde. Es gab zwar zuerst portugiesische, später US-amerikanische Einflussnahmen, aber schon Mitte des 19. Jahrhunderts erklärte das Land seine Unabhängigkeit. Im ‚alten‘ Monrovia findet man noch ein paar Bauten kolonialer Architektur, wirklich viel zu sehen gibt es aber nicht. Erster Anlaufpunkt war das Nationalmuseum, danach schlörten wir einfach durch die Straßen, denn das wirklich spannende ist ja eigentlich die Beobachtung des afrikanischen Lebens und das Gewusel und Gezeter auf den Märkten. Zurück in der Unterkunft standen die Zeichen dann auf Abschied.
Ein Genosse war bereits in aller Frühe abgereist, Jonny und Pascal taten dies am späten Nachmittag, während mein Leibarzt und ich noch bis in den frühen Nachmittag des Folgetages verweilten, das Resort aber nicht mehr verließen. Der Flughafen liegt weit außerhalb, vom ‚Tropicana‘ waren es gute 60 Kilometer, die mit dem Sammel-Taxi über bescheidene Infrastruktur mehr als eine Stunde in Anspruch nahmen. Gute drei Stunden vor dem Abflug trafen wir ein, was sich als äußerst sinnvoll erwies, denn der Internet-Anschluss des Airports war zusammengebrochen und alle Daten für die Bordkarten und Gepäck-Badges mussten manuell eingegeben werden, was ein gepflegtes Voll-Chaos bedeutete. Mit deutlich mehr als einer Stunde Verspätung hoben wir gemeinsam mit dem beinahe kompletten Kader der Nationalmannschaft Sao Tomés ab, deren Spieler ja zum Großteil in Portugal aktiv sind, die meisten in der dritten und vierten Liga. Dank verkürztem Zwischenstopp in Abidjan und weil der Captain den Schubhebel etwas mehr durchdrückte, landeten wir mit weniger als einer Stunde Verspätung in Brüssel. Nachdem Spurt meines Lebens und nötigem Druck auf das Personal am Gate des Anschluss-Fluges, der im System schon geschlossen war, für mich aber noch einmal geöffnet wurde, saß ich schweißgebadet im Flieger nach Frankfurt und schloss schließlich zur Mittagszeit die Haustür auf, um die verehrte Gattin in die Arme zu schließen.

Bo – So., 23.03.2025, 17:00

Bo Rangers FC vs Bullom Stars FC 1:1

Southern Arena, 1.300 Zuschauer, Sierra Leone Premier League
So wirklich ausschlafen war dann nicht angesagt, da wir Pascals Wunsch bedienen wollten, das ‚Tacugama Chimpanzee Sanctuary‘ zu besuchen. Dieses liegt knapp außerhalb von Freetown und dort werden Haus-Schimpansen an das Wildtierleben herangeführt, um dann ausgewildert zu werden. In Sierra Leone werden Schimpansen als Nahrungsmittel gewildert. Weil die Baby-Chimps für den Verzehr aber zu klein und nicht geeignet sind, werden diese dann als Haustiere verkauft. Leider gibt es genug Idioten, welche die Tiere nehmen und wenn die Chimps groß werden, kommen die Besitzer mit ihnen dann nicht mehr klar. Es kam schon zu Fällen, dass die Halter von den Tieren angegriffen und (zurecht?) getötet wurden. Für die Tiere ist das ein Kinderspiel – ein Schimpanse entwickelt im Kampf die Kraft von fünf erwachsenen Männern. Die Tour dauerte eine knackige Stunde, war jetzt nicht der Oberkracher, da man nicht sehr nah an die Tiere herankam, aber in erster Linie dient der Sinn, dieser Veranstaltungen ja dem finanziellen Erlös, um die Station liquide zu halten. Zurück im Hotel, brachen wir bald wieder auf und versuchten zunächst erfolglos Geld zu ziehen. Die Geldautomaten Sierra Leones und unsere Kreditkarten wurden aber keine Freunde, so dass erneut der klassische Bargeld-Tausch gefordert war. Am Nachmittag sollte dann eigentlich ein Kick der Premier League auf dem ausbaulosen Spielfeld der Football Academy stattfinden. Bei sengender Hitze dorthin gelatscht, war dem dann aber nicht so, warum ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Daher suchten wir zum Essen wieder die Hühner-Bude vom Vorabend auf, verzehrten dort wie auch nachher im Hotel noch ein paar Biere und knipsten nicht zu spät das Licht aus, da es am folgenden Morgen früh aus den Federn ging.
Der Wecker war auf 6:00 gestellt, noch davor wurden wir wach. Nach Dusche und Frühstück – sehr geil, als wir den Frühstücksraum betraten, lagen die Angestellten dort in völlig unbequemer Haltung in den Polstern und pennten, so früh hatte wohl keiner mit irgendwem gerechnet – standen wir um kurz nach 7:00 Uhr an der Straße und schnappten uns ein TukTuk. Unser junger Fahrer sprach überraschenderweise passabel Deutsch und lieferte uns an der Shell Petrol Station ab, dem Abfahrtspunkt der Sammel-Taxen in alle Teile des Landes. Natürlich ging sofort das aufgeregte Gemokel los, als zwei Weißbrote entdeckt wurden, aber unser Fahrer gab uns etwas Hilfestellung und lieferte uns am richtigen Fahrzeug ab. Der verbeulte japanische Van sollte mit 14 Passagieren bestückt werden, weshalb wir entschieden einfach die komplette Mittelreihe zu kaufen, wodurch sich der Preis für uns zwei auf 480 Leones verdoppelte, was für mehr Platz aber verschmerzbar war. Über teils großzügig ausgebaute und fast durchweg gute Asphaltstraßen kamen wir 3,5 Stunden später um halb zwölf in Bo, der zweitgrößten Stadt des Landes, an. Das in Sierra Leone übrigens alles seinen geordneten Weg geht, durfte ich an einem der Police-Checkpoints beobachten, als verstohlen zwei Scheine von der Hand unseres Fahrers in die des staatstreuen und korrekten Staatsdieners wanderten, damit die Reise zügig weitergehen konnte. This is Africa.
Als wir in Bo aus dem Sammel-Taxi stiegen, witterten natürlich die nächsten Taxi-Schakale ihr großes Geschäft für eine mögliche Weiterreise und stürzten auf uns zu. Wir ließen den Trupp aber erstmal stehen, kehrten dann nach dem Check-in im ‚Dohas Hotel‘ wieder zurück. Überraschend lag im Hotel sogar eine Reservierung für uns vor. Über die üblichen Plattformen lässt sich für Bo nichts buchen, daher hatte ich im Netz vor der Abreise aus Deutschland den vermeintlich besten Schuppen lokalisiert und dort angerufen. Das Gespräch war, sagen wir mal ’speziell‘, aber tatsächlich standen wir auf der Liste, auch wenn man uns zwei Tage früher erwartet hatte, was auf das chaotische Telefonat zurückzuführen war. Wir bekamen aber den gewünschten Twin Room. Zurück bei der Taxi-Mafia stellte sich schnell heraus, dass Mohammed als ‚Platz-Chef‘ nicht nur die Fäden in der Hand hatte, sondern auch ein richtig guter Typ ist. Jedenfalls gab er uns nicht das Gefühl, dass er uns auf Biegen und Brechen über das Ohr hauen wollte, sondern nur ein bisschen :-). Nachdem wir den Transfer nach Monrovia für den nächsten Morgen ausgehandelt hatten, half er uns noch bei der Suche nach einem bierhaltigen Lokal und einem Geldwechsler. Nachdem die in umgekehrter Reihenfolge befriedigt worden waren und ein unansehnlicher, aber leckerer Fisch in höllenscharfer Suppe die Kehle herunter geschwommen war, wurde wieder es Zeit für Fußball. Zunächst in der Form, dass ich ein Nationaltrikot Sierra Leones erwerben wollte. Also durch die Nebenstraßen geschlichen, denn dort sind ja überall Klamotten-Stände, aber es war nichts zu finden. Dann erkannte ein Pfiffikus, dass wir nach etwas suchten und fragte nach. Nach dem Vortrag meines Wunsches hieß es nur „wait five minutes“ und nach der genannten Zeit kam er mit dem Gesuchten zurück. Lösungen finden können sie ja grundsätzlich – Improvisation ist halt das Fundament des afrikanischen Tagesablaufes.
Jetzt war es aber schon der Zeit, den einzig wahren Rangers die Aufwartung zu machen. Da das Nationalstadion in Freetown derzeit komplett out of order ist – angeblich wird es von einer China-Kolonne renoviert und die Nationalelf trägt ihre Heimspiele in Liberia aus – ist die erst vor zwei Jahren eröffnete 6.000 Menschen fassende ‚Southern Arena‘ das Vorzeigestadion des Landes. Irgendwer in Bo hat Geld, auch die Rangers werden sehr gehypt, hinken den Erwartungen als Vierter des Tableaus aber hinterher. Davon überzeugten sich etwa 1.500 Zuschauer, die ein planloses und begrenzt ansehnliches bis in die Schlussphase von Fehlpässen geprägtes Gebolze geboten bekamen, bevor es dann doch noch abging. Zunächst gingen die Gastgeber per Handelfmeter zehn Minuten vor dem Ende in Führung und fingen sich in der Schlussminute im Gefühl des sicheren Sieges zur Freude der zwanzig Gäste-Fans noch den Ausgleich. Damit war ein Betreuer der Gastgeber nicht einverstanden, was mit einem Platzverweis belohnt wurde. Und schließlich gab es in der achtminütigen Nachspielzeit noch jeweils ein weiteres Mal den roten Karton für heim und auswärts. Während der zweiten Hälfte hatte es angefangen wie aus Eimern zu schütten. Mit dem Spielende beruhigte sich das, so dass wir halbwegs trocken am Hotel ankamen. Im Laufe des Abends nahm der Niederschlag aber wieder zu und hörte erst am frühen Morgen wieder auf.

Freetown – Fr., 21.03.2025, 16:15

Freetown City FC vs Mighty Blackpool FC 2:2

Approved School Ground, 350 Zuschauer, Sierra Leone Premier League
Es war kompliziert. Mal wieder. Anfang des Jahres verständigte ich mich mit meinem Leibarzt aus dem Saarland darauf, in der WM-Quali-Phase im März eine Reise auf den afrikanischen Kontinent anzustrengen. Primär-Ziel waren eigentlich die beiden Kongos, da sich dort die Konstellation anbahnte, an einem Tag ein Spiel in Kinshasa und einen oder zwei Tage später ein Spiel in Brazzaville zu erleben, die beiden Hauptstädte, welche nur durch den mächtigen Kongo-Fluss und die darauf verlaufende Grenze getrennt sind, und die Reisegruppe wuchs auf vier Personen an. Der Kongo-Plan wurde jedoch abgehakt, als im Osten der Demokratischen Republik Kongo um Goma wieder einmal Kämpfe zwischen den Rebellen und der Regierungsarmee aufflammten und sich diese auf Proteste in der Hauptstadt und damit verbundene Angriffe auf westliche Botschaften ausweiteten, denen Untätigkeit in diesem Konflikt vorgeworfen wurde. Afrikanische Logik – passt es nicht in die Politik, wenn sich westliche Staaten einschalten, ist es Einmischung, zeigt sich Europa dagegen zurückhaltend, ist es fehlende Aufmerksamkeit. Man kann es auch afrikanischen Opportunismus nennen, aber natürlich lässt es sich nicht derart verallgemeinern. Das Verhältnis zwischen Afrika und Europa – auch dieses ist kompliziert, was sich im Verlaufe weiterer Planungen noch beweisen sollte. Der Blick verlagerte sich dann auf Liberia und Ghana. Für beide Länder – dieser Anspruch hätte aber auch für die Kongo-Variante gegolten – waren Visa klassisch vorab über die Vertretungen der Länder inklusive der Einsendung des Reisepasses zu beantragen. Zwei weitere Interessenten schalteten sich dann in die Planungen ein, von denen sich aber einer auf Ghana beschränken, der andere wiederum auf Ghana verzichten und stattdessen über Sierra Leone nach Liberia immigrieren wollte.
Also ran an die Buletten und in der zweiten Februar-Hälfte wurde die Beantragung des Liberia-Visums angestrengt, welches ich auch in den Reisepass eingeklebt nach einer guten Woche in den Händen hielt. Hinsichtlich des Ghana-Visums hatte ich nun aber ein Zeitproblem. Da noch die fixe Ansetzung durch den afrikanischen Verband abzuwarten war, ich meinen Reisepass aber auch noch für den Glasgow-Trip Mitte März zwingend benötigte und die Botschaft Ghanas eine Bearbeitungszeit von insgesamt bis zu 14 Tagen ausrief, wurde mir das zu riskant. Zwar hatte ich auch noch im Februar den abgelaufenen zweiten Reisepass neu beantragt, aber auch dieser war noch nicht eingetroffen. Auch für die übrigen Genossen war die normale Visa-Variante nun eine riskante Nummer. Umgehen ließ sich dieses durch die Express-Variante mit einer Bearbeitung innerhalb von drei Tagen. Knackpunkt daran war, dass die Botschaft dafür keinen Postversand akzeptierte, sondern ein persönliches Erscheinen forderte. Zwar erklärte sich ein Mitglied der Reisegruppe in spe dann dankenswerter Weise bereit, mit allen Pässen nach Berlin zu eibeln, aber ich hatte über das ganze Theater verbunden mit hohem Aufwand für die Beantragung inzwischen das Interesse an diesem Land verloren. Weiterhin verlangt Ghana schon für die einfache Visa-Variante eine saftige Gebühr von 110 EUR, welche in der beschleunigten Variante noch um 50 EUR anwächst. Ich folge eh nicht dem Ziel, jedes Land der Welt zu bereisen, warum sollte ich also den Besuch eines Landes anstreben, dass mir für genau diesen derart große Steine in den Weg schmeißt, dass ich mich gar nicht willkommen fühle. Natürlich ist dieses Prozedere die Retourkutsche, weil der deutsche Staat den Ghanaern die Erlangung eines Visums auch sehr erschwert, wobei aber der Vergleich bei allem Respekt doch sehr hinkt.
Die Summe der Negativ-Faktoren war für mich der Ghana-Stimmungskiller, also entschied ich mich, den Absichten von Pascal, ebenfalls Einwohner der Stadt, aus welcher der glorreiche Deutsche Meister von 1955 stammt, zu folgen und bemühte mich um ein Visum für Sierra Leone. Dieses kann man online beantragen, was kaum fünf Minuten Zeit erforderte, und mit knapp 85 EUR zwar noch teuer genug, aber deutlich günstiger war als jenes für Ghana. Zudem hatte ich die Bestätigung schon nach wenigen Stunden im Email-Postkasten – auch wenn eine erste, uneindeutige Email zunächst Verwirrung auslöste – währen die Ghana-Jünger weitere Hürden, wie erhöhte Kosten und zum Teil durch die Post verursachte Ungereimtheiten zu bewältigen hatten. Letztlich erhielten aber alle kurz vor knapp den Pass mit dem ersehnten Kleber noch rechtzeitig zurück. Durch die Hängepartie waren die Flugpreise mittlerweile deutlich gestiegen, aber nun gab es kein Zurück mehr und ich entschied mich für die Gabel mit ‚Brussels Airlines‘ ab Frankfurt nach Freetown und zurück ab Monrovia. So drückte ich der verehrten Frau Gemahlin am frühen Donnerstag-Morgen einen dicken Kuss auf die Wange, fuhr in Richtung Frankfurt, stellte den Wagen kostenfrei in Raunheim ab und nutzte die S-Bahn für zwei Stationen zum Flughafen. Lufthansa brachte mich zunächst nach Brüssel. Dort gönnte ich mir ein gezapftes ‚Stella‘ und telefonierte mit meiner geschätzten Gattin, als ich aus den Augenwinkeln jemanden drei Meter weiter ein Foto von Rollfeld machen sah und mir so dachte, das Profil kommt Dir doch bekannt vor. Nobbi aus der Stadt mit der älteren Bundesliga-Borussia wartete auf seinen Abflug in Richtung Ruanda – die Welt bleibt ein Dorf, erst recht bei diesem Hobby.
Der ‚Brussels Airlines‘-Vogel nach Freetown mit Weiterflug nach Conakry in Guinea war dann beinahe bis auf den letzten Platz besetzt. War nicht so schlimm, dafür war wenigstens die Beinfreiheit beschissen. Aber auch knappe sieben Stunden Flug gingen mit Film- und Bierkonsum irgendwie rum und am Abend um halb sieben Ortszeit – minus eins zur MEZ – spuckte mich der A330 in Freetown aus. Das heißt, er spuckte mich in Lungi aus, dort ist der Airport, der zwar nur wenig mehr als 20 Kilometer Luftlinie von Freetown entfernt liegt, aber getrennt durch die breite Tagrin-Bucht, was den Transfer in die Stadt reizvoll erschwert. Für heute galt es aber nur noch, die Einreise zu bewältigen, Geld zu tauschen (25 Leones entsprechen einem Euro), eine SIM-Karte zu erwerben, das Flughafengelände zu verlassen und in unmittelbarer Nähe in ‚Yogis Homestay‘ einzuchecken. Das erledigte ich per pedes in 15 Minuten. Das Erlangen einheimischer Währung hielt noch einen kleinen Schrecken bereit, denn der ausgewählte Automat gab zunächst weder Geld noch die Karte heraus, was sich wie ‚Benin reloaded‘ anfühlte, als ich ein vergleichbares Erlebnis genießen durfte. Kohle kam auch weiterhin nicht, aber nach bestimmt drei oder vier Minuten zumindest die Karte und danach versuchte ich es lieber mit dem Umtausch an der Wechselbude, was ich ja ungern tue, denn Bargeldwechsel ist ja quasi garantierte Abzocke ohne Verbraucherschutz. Im dem Hause angeschlossenen ‚Cooking Place‘, wie der kleine Gastraum bezeichnet wurde, ‚zauberte‘ mir die etwas überherzliche Alisa ein etwas dröges Abendessen, bevor ich ins Traumreich Einzug hielt.
Über Nacht stieß dann auch Pascal, über Marokko eingeflogen, endlich dazu und die Reisegruppe für die nächsten drei Tage war komplett. Nachdem uns Alisa ein Frühstück zubereitet hatte – Omelette mit Ei, Zwiebeln, Tomate und Kochbanane – fuhren wir mit dem Taxi die knapp 15 Kilometer zum ‚Tagrin Ferry Terminal‘. Offizielle Abfahrtszeit des rostigen Seelenverkäufers war 11:00 Uhr, bis alles verladen und verstaut war, wurde es Viertel vor zwölf, was uns der Übernachtungs-Yogi aus indischer Produktion aber schon prophezeit hatte. Die Fahrt avancierte dann wenig überraschend zur Verkaufsveranstaltung, denn natürlich hatten fliegende Händler allen möglichen Scheiß zu verkaufen. Vom Damenschlüpper über die natürlich echte Rolex, Gewürze und die ultimative Lösung gegen Malaria war alles dabei, nur kaltes Bier fehlte ärgerlicherweise im feilgebotenen Sortiment. Aber so läuft es auf diesem Kontinent hält – jeder versucht sich irgendwie über Wasser zu halten, jeder verkauft irgendwas. Dass sich der korrodierte Pott über Wasser hielt und nach 45 Minuten am Kissy Terminal in Freetown anlegte, war erfreulich. Auf der anderen Seite der Bucht waren wir dann auch im ‚richtigen‘ Afrika angekommen, denn weniger erfreulich war der Kampf mit den Taxista, aber wir kamen recht schnell mit einem jungen Typen überein, der uns mit seinem abgerockten Skoda Fabia zum ‚New Brookfields Hotel‘ beförderte. Was einiges an Geduld erforderte, denn der Straßenverkehr kam teilweise zum Erliegen. Anderen Verkehrsteilnehmern mal Vorrang einzuräumen ist nicht die Stärke der Afrikaner und liegengebliebene Fahrzeuge – gar nicht mal so wenige – förderten den Verkehrsfluss auch nicht unbedingt. Eine gesperrte Straße nötigte unseren Chauffeur dann zu einem größeren Umweg und spätestens ab da war seine Laune endgültig im Keller. Das ‚New Brookfields‘ zählt wohl schon zu den besseren Häusern der Stadt, war von diesen auch noch am erschwinglichsten und natürlich gab es ein paar wenige Mängel. Das machte aber das sehr freundliche und hilfsbereite Rezeptionsmädel mehr als wett.
Ein wenig ausgeruht und frischgemacht, war es schon Zeit, zum ersten Spiel aufzubrechen. Dafür müssten wir die halbe Stadt durchqueren und wählten ein Tuk-Tuk. Ich mag die Dinger ja, aber in dem offenen Gefährt kommt man bei der abgasgeschwängerten Luft afrikanischer Großstädte dem Krebstod auch deutlich näher. Auf der ‚Bai Bureh Road‘, der großen vierspurigen Ausfallstraße, sprangen wir aus dem klapprigen Gefährt und mussten noch durch ein paar richtig abgefuckte Straßen laufen, ehe wir am ‚Approved School Ground‘ ankamen. Freetown City gegen Mighty Blackpool hieß die Paarung der Sierra Leone Premier League. Bis vor zwei, drei Jahren wurde hier noch auf Sand gespielt und der Ausbau ist auch etwas, nennen wir es mal rustikal. Etwas wild angeordnet gibt es in den Lehmboden geschnittene Stufen, gemauerte Stehränge und eine kleine Stahlrohr-Sitztribüne. Besonders speziell ist der erhöht errichtete ‚VIP-Bereich‘, welcher eher an eine Kreuzung aus Hühnerstall und Arrestzelle erinnert. Von Premier ist diese League halt noch weit entfernt, Sierra Leone ist ein Fußball-Entwicklungsland. Vielleicht 50 Leute hatten sich zum Anpfiff eingefunden, im Laufe des Spiels wuchs diese Zahl dann an. Bei den fliegenden Händlerinnen konnten wir uns mit ein paar kühlen Star-Bieren versorgen und verfolgten den bescheidenen Kick aus dem Schatten eines wackligen Pavillons. Der City FC, das Team des City Council, ging im ersten Durchgang in Führung und stellte mit dem zweiten Treffer zehn Minuten vor Ende vermeintlich auf Sieg. Aber die Mächtigen aus Blackpool kamen mächtig zurück, erzielten zügig den Anschluss und in der Nachspielzeit noch den umjubelten Ausgleich. Wie wir hergekommen waren, ging es zurück und auf der Suche nach etwas Essbarem zu einem African-Style KFC-Verschnitt. Nach der Rückkehr ins Hotel gab es dort noch zwei Schlummer-Biere, welche den Tag abschlossen.

Glasgow – So., 16.03.2025, 12:30

Celtic FC vs Rangers FC 2:3

Celtic Park, 58.913 Zuschauer, Scottish Premiership
Guinnes-verträumt etwas mühsam aus dem Bett gestiegen, trafen wir uns am Vormittag mit den Mitgliedern des ‚MacConnells Celtic Supporters Club‘, einem von 603 offiziellen Celtic Fanclubs weltweit, in der gleichnamigen Bar. Die Jungs chartern immer einen Bus für die kurze Fahrt vom Pub zum Stadion in Parkhead, den auch wir nutzen durften. Das zweite ‚Old Firm‘ der laufenden Saison mit Heimrecht für Celtic stand an und das zweite Mal durfte ich dabei sein. Ebenso natürlich die verehrte Frau Gemahlin, damit sie auch mal die Magie dieses Spieles erleben konnte. In einer Liga, in welcher nach Celtic und den Rangers lange nichts kommt, und in der auch die Grün-Weißen ihren blauen Rivalen in den letzten Jahren auf Strecke meist deutlich überlegen waren, ist dieses Spiel natürlich ein besonderes. Aber eben nicht nur aufgrund der sportlichen Situation, sondern bekanntermaßen aus der Historie heraus. Auch wenn die Zeiten, in denen auf der einen Seite nur Katholiken und auf der anderen nur Protestanten spielten, schon Jahrzehnte vorbei sind, ist diese Partie eine Frage des Glaubens wie der Politik. Und obwohl man sich in der Liga vier Male pro Saison misst und dazu in den beiden Pokal-Wettbewerben meistens auch noch aufeinandertrifft, ist die Atmosphäre um die Partie besonders und knisternd. Wenn man sich dem von Grund auf errichteten ‚Celtic Park‘ nähert, macht das ja immer wieder Eindruck – der hochaufragende Bau bestimmt die Silhouette des Stadtteils.
Die Rangers legten los wie die Feuerwehr und schnürten Celtic im eigenen Sechzehner ein. In den ersten fünf Minuten konnten die Grün-Weißen den Ball kaum aus dem eigenen Strafraum halten und irgendwann lag die Kirsche dann nach einer Ecke auch im Netz, wobei Keeper Schmeichel nur bedingt gut aussah. Zwar war der Ball vermutlich eh nicht haltbar, aber sein Abwinken, dass die Murmel am Tor vorbeigehen wird, erinnerte an RWE-Kultschnapper Frank Kurth zu seinen besten Zeiten. Die Hunnen pressten dann verdammt hoch und zogen den Kelten, die damit überhaupt nicht klarkamen, komplett den Zahn. Es gelang überhaupt nicht, das bekannte schnelle Spiel über die Außenpositionen aufzuziehen. Ohne den verletzten Team-Captain Callum McGregor fehlte dem Aufbauspiel der Kelten zudem die Seele. Da fiel einmal mehr auf, wie wichtig der Mann für das Celtic-Spiel ist, denn es wirkte alles zu ideenlos, zu statisch, zu langsam. Das machte es den Gästen einfach, ein schnelles Angriffsspiel zu unterbinden, die dazu nach ihrem Führungstreffer konsequent Zeit von der Uhr nahmen, was der kläglich pfeifende Referee, dem das Spiel zwischenzeitlich aus der Hand zu rutschen drohte, nicht unterband und das ‚Paradise‘ damit zum Kochen brachte. Darüber hinaus provozierten die Hunnen mit dem frühen Stören mehrfach Böcke in der Hintermannschaft der ‚Hoops‘. Zwar gab es dann auch erste Möglichkeiten für die Hausherren, aber das Netz beulte sich dennoch erneut auf der falschen Seite, nachdem eine Flanke in die Box mit dem Hinterkopf auf den freistehenden Torschützen verlängert wurde. So ging es mit dem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause.
Die bewirkte, was Pausen manchmal so bewirken, und das Spiel bekam eine Wendung. Celtic war wacher und Maeda, der als einziger annährend Normalform zeigte, verkürzte per Kopf nach Flanke von Wintertransfer und Rückkehrer Jota nach wenigen Zeigerumdrehungen. Nun war Musik im Spiel. Celtic riss die Partie an sich, war spielbestimmend, erreichte aber dennoch nie die gewohnte Wucht. Die Böcke in der Defensive wurden weniger, aber diese gab es weiterhin, daher musste man bei jedem Vorstoß der Unionisten zittern.  Dem stärker werdenden Druck der Celts erlagen Sie dann dennoch und mit Hatate konnte sich nach feinem Steilpass und No-Look-Abschluss auch der zweite Japaner im Kader der Grün-Weißen auf der richtigen Seite der Torschützenliste eintragen lassen. Die Gastgeber blieben nun dran und es schien nur die Frage der Zeit, wann das Spiel die komplette Wendung erfuhr. Aber Fußball ist ein Sport, der immer wieder eine Überraschung in der Westentasche hat. Nach langem Abstoß der ‚Huns‘ kurz vor Spielschluss verschätze sich erst US-Mann Carter-Vickers, dann rutschte Johnston weg und Igamane nutzte den gewonnen Raum, um die Kirsche von der Strafraumgrenze in den rechten oberen Knick zu jagen. Tolles Tor, leider für das falsche Team. In der Nachspielzeit hatte McCowan – auf Seiten der Kelten der einzige im Spiel eingesetzte Schotte, bei den Hunnen waren es auch nur deren zwei – den erneuten Ausgleich auf dem Fuß, brachte den Ball in Rücklage aber nicht auf das Tor. Spiel, Satz und Sieg für die ungeliebten Gäste, die das Derby damit zum zweiten Mal in Folge gewannen und in der Gesamtstatistik mit 171 zu 170 Erfolgen die Führung übernehmen. Das wird aber bei immer noch 13 Punkten Vorsprung nichts mehr am Saisonausgang und dem Meistertitel für Celtic, dem 13. in den letzten 12 Spielzeiten, ändern.
Seit 2023 waren zum ersten Mal wieder Gäste-Fans anwesend. Nachdem die Kontingente in einer „Wie Du mir, so ich Dir“-Mentalität immer weiter reduziert wurden, bis es schließlich zum kompletten Ausschluss kann, einigte man sich für diese Saison wieder auf ein Away-Kontingent, aber es dauerte bis zum dritten Vergleich, bis die Absichten Realität wurden. Gut so, denn auch davon lebt die Mystik dieser Spielpaarung. 2.400 Hunnen waren gekommen und dennoch hatte ich die Stimmung aus dem vergangenen Jahr deutlich besser in Erinnerung. Dass nach einem wieder einmal ohrenbetäubenden, Gänsehaut erregenden „You’ll never walk alone“ dann der Stimmungsfunke im Stadion nicht so übersprang, hatte mehrere Gründe. Die Rangers-Supporter um die ‚Union Bears‘ mühten sich im Eckblock zwar, hätten nach meinem Geschmack für ihre Anzahl aber lauter sein dürfen. Die ‚Bhoys Celtic‘ zeigten in ihrem Eck zwar eine Choreo, aber die Gruppe selber ist nicht besonders groß, hat einen nach meiner Meinung unglücklichen Standort und vermag es nur selten, die Umstehenden in die Gesänge einzubinden. Daher ist für das Stimmungsbarometer in der Regel die ‚Green Brigade‘ zuständig. Diese fehlte aber heute, die angestammten Reihen der etwa 250-300 Köpfe starken Gruppierung blieben verwaist. Der Grund war eine polizeiliche Maßnahme am Treffpunkt der Gruppe, dem Social Club der ‚Celtic Supporters Association‘. Die Police verlangte nach präventiver Durchsuchung und Personalienfeststellung zur Vermeidung von Straftaten. Derart willkürliche Aktionen akzeptiert keine Ultra-Gruppierung der Welt und als Folge entschied man sich, dem Spiel fernzubleiben, respektive man musste fernbleiben. Soweit die vereinfachte Version, insgesamt ist die Geschichte komplizierter und hat mit der auflebenden und sich vergrößernden Ultra-Szenerie in Schottland zu tun, welche die Staatsorgane gerne kleinhalten oder am besten ganz ersticken möchten, wie man es auch aus anderen Ländern kennt.
Da der Spielverlauf auch konträr zu dem im letzten Jahr war, schafften es die normalen Zuschauer nur selten diese Wucht zu entwickeln, welche die Spieler fast vom Feld pustet. Klar hob sich die Atmosphäre deutlich von den ‚normalen‘ Ligaspielen ab und es wurde auch oft richtig laut, aber die Qualität aus dem Spätsommer des letzten Jahres wurde erst in der Schlussphase erreicht, als Celtic auf den Sieg drückte. Dennoch geil, wie die Anhänger bei den Toren abgehen. Wenn ich nicht sowieso an diesem Verein hinge, würde es mich wohl eh mitreißen. Weil kein Kelte mitterleben will, wie die verhassten Gäste einen Sieg im eigenen Stadion feiern, leerte sich die Bude nach dem Schlusspfiff schnell. Wir begaben uns mit den Celtic-Jungs in die Innenstadt und kehrten in einen gut besuchten Pub ein, wo der Frust über den Spielausgang mit einigen Getränken schnell heruntergespült wurde. Bei erneut guter Live-Musik und St-Patrick’s-Day-Stimmung durften wir einen wunderbaren Tag mit ebenso wunderbaren, gastfreundlichen Menschen verbringen und freuen uns schon jetzt auf den nächsten Besuch, in dieser eigentlich unspektakulären Arbeiterstadt, die ich dennoch mag.

Glasgow – Sa., 15.03.2025, 14:00

Pollok FC vs Cumnock Junior FC 0:2

Newlandsfield Park, 500 Zuschauer, West of Scotland Football League Premier Division
Mit der geschätzten Gattin schwebte ich von Eindhoven nach Edinburgh ein, von wo uns der Citylink-Bus 900 zur Glasgow Buchanan Bus Station beförderte. Am heutigen Nachmittag stand ich vor der Wahl zwischen dem Zweitliga-Auftritt von Partick Thistle im ‚Firhill Stadium‘ und dem Pollock Football Club in den Shawlands. Irgendwie war mir mehr nach dem regionalen Spiel also brachte uns der Linienbus raus nach Pollokshaw, in den südlichen Outskirts von Glasgow. Pollokshaw ist fieses Rangers-Gebiet oder wie es einer unserer Celtic-Bekannten ausdrückte „It is very ‚hunnish‘ there“. Der ‚Newlandsfield Park‘ ist ein kleines in die Jahre gekommenes Stadion mit einer Sitztribüne mit klassischem Giebeldach und einigen Stehstufen in den übrigen Bereichen. Die Partie war deutlich besser besucht, als ich es erwartet hätte. Hinter einem Tor versammelte sich ein halbes Dutzend Halbstarke, prügelte wüst und weitgehend rhythmusbefreit auf eine Trommel ein und adaptierte Rangers-Chants auf den Pollock Football Club. Spielerisch war es wohl typisch britischer Non-League-Football. Das schlechte Geläuf ließ keine großartigen Kombinationen oder technische Feinheiten zu und so rumpelten die Aktiven darauf herum, ohne großen Glanz zu verbreiten. Die Gäste aus East Ayrshire, südlich von Glasgow gelegen, waren dabei das etwas glücklicher Team und konnte eine der wenigen Tormöglichkeiten zur Halbzeitführung nutzen. Das Bild änderte sich nach dem Seitenwechsel wenig und in den Schlussminuten durften die Juniors die drei Punkte durch einen Foulelfmeter endgültig auf ihre Habenseite ziehen. Den Abend verbrachten wir mit einem der Celtic-Leute bei Live-Musik in den Pubs. Da das Wochenende im Zeichen des St.Patrick‘s-Day stand, war in den Pinten und auf den Straßen ordentlich was los.

Köln – Mi., 12.03.2025, 19:00

FC Viktoria Köln vs Rot-Weiss Essen 1:0

Stadion im Sportpark Höhenberg, 4.938 Zuschauer, 3.Liga
Eigentlich kann ich mir die recht kurze Anreise in den Sportpark Höhenberg auch klemmen. Einen Sieg meiner Mannschaft sah ich dort nur ein einziges Mal und das bereits Anfang der 90er Jahre gegen den Vorgänger-Verein SC Brück. Seitdem sind Siege dort selten geworden und in den letzten zehn Jahren hat der glorreiche RWE in sieben Spielen bei der Viktoria sogar nur ein einziges Tor erzielt. Gute Spiele sah ich dort eh nie, das Stadion ist, von der Haupttribüne abgesehen, auch richtig mies, das Gesamtpaket also sanierungsbedürftig. Aber selten standen die Vorzeichen angesichts eines ersatzgeschwächten Gegners und einer zuletzt starken Verfassung der Roten so gut wie heute. Ich weiß nicht, ob es Psychologie war, weil durch den Sieg gegen den Waldhof am Sonntag endlich mal ein wenig Abstand auf die Abstiegsränge und dadurch ein relatives Sicherheitsgefühl erreicht wurde, aber der RWE kam überhaupt nicht in die Partie. Stattdessen übernahmen die Gastgeber nach ihren Möglichkeiten die Regie. Fünf Abschlüsse auf Seiten der Viktoria und deren keiner durch die rot-weissen Recken sprachen im ersten Durchgang ja eine deutliche Sprache. Der gelbgesperrte Moustier fehlte an allen Ecken, aber ob er überhaupt einen Unterschied in dieser äußerst pomadig agierenden Truppe gemacht hätte, bleibt fraglich.
Ersetzt wurde er durch Kaparos, der wieder einmal nicht lieferte. Mit dieser Personalie werde ich auch einfach nicht warm. Dieser Transfer reiht sich nahtlos ein in alle Versuche, eine Verstärkung aus dem Nachwuchs der blauen Brut aus dem Moloch nordöstlich von Essen zu installieren. Das hat eigentlich nie funktioniert und man sollte es vielleicht auch einfach lassen sich beim FC Meineid zu bedienen, den Spieler mit einer Vergangenheit im Trikot dieses Scheißvereins will ja keiner im göttlichen Hemd des Deutschen Meisters von 1955 sehen! Bezeichnend, dass genau dieser Spieler die beste Möglichkeit eines gefährlichen Angriffs abschenkte, als er nach einem umständlich ausgeführten Eckstoß der Kölner einen einfachen Steilpass auf den durchstartenden Mizuta viel zu lang spielte. Ehrlicherweise muss festgehalten werden, dass es keiner seiner Mitspieler besser machte, zumindest nicht in der ersten Hälfte. Deutlich frischer und aktiver kam der RWE aus der Kabine. Die Viktoria kam nun nicht mehr gefährlich in Tornähe, aber es dauerte auch bis in die 65. Minute ehe die erste Chance für den RWE verzeichnet werden konnte. Martinovic setzte einen Distanzschuss an den Pfosten – es will beim ihm einfach nicht klingeln. Es gab nun weitere Möglichkeiten, aber jäh gestoppt wurden die Bemühungen der Roten durch den eingewechselten Viktorianer Malek El Mala, der Kraulich zwei Male alt aussehen ließ.
Zunächst als er ihm entwischte und mit Umweg über den Innenpfosten zur Führung einschoss und zwei Minuten später, als er diesem nach schlechte Ballannahme die Kirsche wegspitzelte und zu einem Foulspiel nötigte. Dafür gab es eine Verwarnung und zwar die zweite in diesem Spiel, was folgerichtig Platzverweis bedeutete. Die Unterzahl macht sich aber nicht bemerkbar und die Roten bemühten um den Ausgleich, kamen aber erst mal nicht vor das Tor. Die Nachspielzeit wurde dann wild. Zunächst musste Golz nach drei aufeinander folgenden Viktoria-Ecken deren zweiten Treffer verhindern, danach setzte sich der RWE noch mal im Strafraum der Gastgeber fest und löste dort Panik aus, aber sämtliche Versuche scheiterten an den vielen verschwitzten Leibern, die sich vorm Gehäuse tummelten. Damit war es aus und eine ebenso verdiente wie unnötige Niederlage stand zu Buche. So blieb das einzige Highlight die Jubiläums-Tapete, welche die Ultras zum Jubiläum des Fanclubs zeigten, dem meine rot-weissen Genossen angehören. Es wurde eine gute Möglichkeit liegen gelassen, den Vorsprung weiter auszubauen, obgleich die Lage im Vergleich zur Situation vor einigen Wochen immer noch komfortabel ist. Mund abputzen, Samstag wieder selbstbewusst auftreten und am besten Dynamo schlagen.

Essen – So., 09.03.2025, 19:30

Rot-Weiss Essen vs SV Waldhof Mannheim 07 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 16.457 Zuschauer, 3.Liga
Unter Flutlicht empfing der glorreiche RWE bei frühlingshaften Bedingungen den Waldhof aus der Quadrate-Stadt – trotz der guten Serie keine leichte Aufgabe. Aber die gibt’s ja in dieser irren Liga sowieso nicht und da die Schwarz-Blauen zuletzt auch wieder in die Spur gefunden hatten, hing die Messlatte hoch. Vom Aufschwung ihres Vereins angespornt hatten sich gut 600 Waldhof-Buben bei dieser undankbaren Anstoßzeit auf den Weg gemacht und kompakt in der oberen Hälfte des Gästeblocks versammelt. Der Zaun wurde heute nicht von Szene-Bannern beherrscht, sondern es hing einzig ein mit dem Stadtwappen, dem Stadtnamen und einem Kreuz beschriftetes schwarzes Banner im Gedenken an den Anschlag in der Mannheimer Innenstadt am vergangenen Wochenende. So begann die Veranstaltung mit einer Schweigeminute, während der im Away-Sektor eine den Zusammenhalt beschwörene Tapete präsentiert wurde. Der RWE riss das Spielgeschehen in der Anfangsphase an sich und versuchte es mit Distanzschüssen, die aber noch keinen Ertrag brachten. Mitte der ersten Hälfte sorgte dann ein zu Unrecht gegebener Freistoß nach einem Nicht-Foul an Arslan für die zu diesem Zeitpunkt verdiente Führung. Es sollte nicht die einzige Fehlentscheidung des eher durchschnittlichen Schiedsrichtergespann an diesem Tag bleiben. Der Nichtgefoulte trat selber an und versenkte die Kirsche gefühlvoll passgenau im oberen linken Knick. Traumtor. Das war offenbar der Weckruf für die Gäste, die nun auch den Weg zum Tor suchten, aber fehlende Genauigkeit und Jakob Golz wussten Einschläge zu verhindern. Kurz vor der Hälfte, hätte es für die Kurpfälzer nach grobem Foul gegen Moustier eigentlich zu zehnt weitergehen müssen, doch auch hier lag der Referee mit der gelben Karte daneben.
Wenige Minuten nach dem Seitenwechsel hätte Gjasula den zweiten Treffer für die Roten markieren müssen, setze die Murmel aber vom Sechzehner drei Hände breit über die Querlatte. Danach übernahmen die Gäste wieder die Regie, was sich in viel Ballbesitz widerspiegelte, in der Box wurden die ‚Monnemer‘ aber selten gefährlich. Die Roten hätten durch Kraulich nach einem Eckball beinahe erhöht, aber der Ex-Essener Voelcke kratzte das Spielgerät von der Linie. Kraulich stand dann noch einmal im Mittelpunkt, als er den Ball im eigenen Strafraum an die Hand bekam, die Pfeife des Unparteiischen aber stumm blieb. Waldhof mobilisierte in der Schlussphase noch einmal alle Kräfte, aber obwohl die Partie dann etwas wild wurde, ging diese recht unaufgeregt zu Ende, weil die rot-weisse Deckung trotz des Mannheimer Drucks nie panisch wurde, sondern die Situationen kontrolliert löste. So reichte der Treffer von Arslan zum sicherlich etwas glücklichen Sieg – guter Start in die englische Woche. Damit wächst die Serie auf sieben Spiele ohne Niederlage, der RWE ist nun das aktuell beste Team der Rückrunde. Flutlicht macht was mit der Hafenstraße, die heute deutlich stimmungsvoller war als bei Nachmittagsspielen. Die Westkurve war top aufgelegt und vor allem in der Schlussviertelstunde wurde es immer mal wieder richtig laut, wenn sich die Gesänge auf die Geraden übertrugen. Das Publikum zeigte ein feines Gespür dafür, dass noch ein paar Prozent mehr herausgekitzelt werden mussten, um den Dreier zu sichern. Mit diesem Sieg bringt der RWE nun fünf Punkte und einige andere Vereine zwischen sich selbst und die Abstiegsplätze. Gleichwohl ist die Nummer noch lange nicht durch und es muss weiter performt werden, um die Klasse sicher zu halten.

Chorzów – Sa., 08.03.2025, 19:30

KS Ruch Chorzow vs MZKS Arka Gdynia 0:1

Stadion Slaski, 12.408 Zuschauer, I Liga
Der Spielbesuch in Chorzow ergab sich zwangsläufig aus den Ansetzungen, die einzige Alternative war eben kein zweites Spiel an diesem Tag zu schauen. Im umgebauten ‚Stadion Slaski‘ hatte ich erst vor knapp einem Jahr das Derby gegen Gornik Zabrze gesehen, daher hielt sich meine Aufregung heute in Grenzen. Das riesige Stadion ist für Ruch natürlich völlig überdimensioniert, die alte angestammte Ranz-Hütte hat aber für Spielaustragungen in den ersten beiden Ligen keine Zulassung mehr erhalten. Mit dem Tabellenzweiten von der Küste stellte sich eine knifflige Aufgabe für die Gastgeber, die sich aktuell auf einem Playoff-Platz befinden. Arka hatte sich ursprünglich mit einem 1.400 Personen fassenden Sonderzug angekündigt. Dieses Vorhaben platzte aber zwei Tage vor dem Spiel, da die Stadt Chorzow den Gäste-Anhängern den geplanten Marsch vom Bahnhof durch die Stadt untersagte und diesen auferlegte sich selber um einen Bus-Transfer zum Stadion kümmern zu müssen. Für diese Anzahl Leute natürlich ein aussichtsloses Unterfangen und es brodelten Gerüchte, dass dieses auf Druck der Ruch-Szene geschah, als Retourkutsche dafür, dass die zu Ruch befreundete Szene von Wisla Krakow für das Auswärtsspiel in der Vorwoche bei Arka ein Reiseverbot erhalten hatte. Wundern würde es mich nicht, wenn das Gerücht der Wahrheit nahekäme, die Strukturen in Polen sind so speziell wie die Kibice selbst.
So blieb der Gästebereich also komplett verwaist. Die Masse an aktiven Fans, welche Ruch als vielfachem polnischen Meister, auch wenn die triumphalen Zeiten lange zurückliegen, auf die beiden Ränge der Gegengeraden bringt, ist dafür schon beeindruckend. Der erst Durchgang gehörte dem Tifo, denn nach einem Meer aus mittelgroßen Schwenkern gab es gleich drei Pyro-Aktionen zu sehen. Das Fahnengewedel wurde zunächst mit Blink-Bengalos unterlegt, die dann von einem Meer an roten Fackeln abgelöst wurden. Nach einigen Minuten wurde dann in der unteren Reihe eine Kette von gelben Bengalfackeln gezündet und kurz darauf gab es dasselbe noch einmal mit roten Fackeln zu sehen. Zwar war der Stadionsprecher in der Pflicht, entsprechende Durchsagen zu tätigen, dass das doch bitteschön zu unterlassen sei, das Spiel lief aber ungerührt weiter als sei nichts geschehen. Der akustische Support kam natürlich auch nicht zu kurz und schallte teilweise heftig laut von der anderen Seite herüber. Auf die Disziplin, dass man gefälligst mitzumachen hat, wenn man sich in die aktiven Blöcke stellt, wird in Polen unter Leitung der Capos peinlichst geachtet, daher kommen die Rufe und Gesänge zwar oft statisch, aber dafür abartig laut aus den Kurven. Der Mannschaft half es dennoch nicht. Ruch tat zwar mehr für das Spiel, aber das finale Zuspiel zum Torerfolg wollte einfach nicht gelingen. Das nutzten die Gäste durch einen scharfen Kopfballtreffer zehn Minuten vor dem Ende eiskalt und abgezockt aus. In der Schlussminute leistete sich Arka gar noch den Luxus einen Foulelfmeter zu verschießen, was an der Punkteverteilung aber nichts änderte.