München – Sa., 03.05.2025, 14:00

TSV München von 1860 vs Rot-Weiss Essen 1:3

Stadion an der Grünwalder Straße, 15.000 Zuschauer, 3.Liga
Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, das Auswärtsspiel bei den Löwen anzusteuern, die Terminierung auf den Samstag-Nachmittag und die Feiertags-Konstellation zwangen die Reise dann aber quasi auf. Für beide Mannschaften ging es um nichts mehr, die Roten benötigten noch einen finalen, eher theoretischen Punkt, um den Klassenerhalt auch rechnerisch endgültig zu sichern. So plätscherte die Partie im ersten Durchgang etwas dahin. Die Sechz’ger waren das etwas bessere Team, konnten sich aber nur eine oder zwei brauchbare Torchancen herausspielen. Unmittelbar vor dem Seitenwechsel tauchte dann Arslan nach einem wunderbaren Pass von Safi in die Schnittstelle ziemlich aus dem Nichts vor dem Tor der Gastgeber auf, konnte die Möglichkeit aber nicht verwerten. Der glorreiche Deutsche Meister von 1955 kam dann verbessert und mit deutlich mehr Elan aus der Kabine. Zunächst hätte Brumme beinahe das Tor das Monats erzielt, als er von der linken Außenbahn die Murmel aus 40-45 Metern einfach mal absendete, um den weit vor dem Tor stehenden Hiller zu überrumpeln, dieser konnte des Spielgerät aber noch so eben über die Querlatte lenken. Innenverteidiger Alonso war der nächste, der die Führung auf dem Schlappen hatte, als eine eigentlich geklärte Ecke durch einen Sechz’ger wieder scharf gestellt wurde. Der Spanier scheiterte jedoch am Pfosten und Verlaat konnte etwas ungelenk klären, hätte dabei beinahe noch ein Eigentor erzielt.
Dann war es aber endlich soweit. Eine punktgenaue flache Hereingabe von Eitschberger drückte Müsel zur Führung über die Linie. Leider verletzte sich der Torschütze bei der Aktion und wurde durch Mizuta ersetzt, der nicht einmal drei Minuten benötigte, um quasi mit seiner ersten Ballberührung auf 2:0 zu stellen. Brumme war im Sechzehner von Alonso unerwartet technisch hochwertig mit der Hacke schön freigespielt worden, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Löwen-Keeper Hiller. Den Abpraller verwertete der Japaner artistisch aus der Drehung. Eigentlich war nun alles geklärt, aber Arslan leistete sich von Mizuta schön freigespielt etwas mehr als zehn Minuten vor dem Ende den Luxus, den Ball aus drei Metern über das leere Tor zu jagen und die Löwen kamen im Gegenzug zum Anschlusstreffer. Safi war es dann aber vorbehalten, die Entscheidung herbeizuführen. Dabei bekam Schlussmann Wienand den Scorerpunkt, indem er Safi mit einem langen Hub auf die Reise schickte. Der Niederländer mit afghanischen Wurzeln rannte seinem Gegenspieler mit seinem enormen Tempo davon und schob frei vor Hiller souverän ein.
Drops gelutscht und nach 56 Jahren konnte gegen die Münchner endlich mal wieder ein Sieg, in insgesamt 18 Spielen gegeneinander erst der zweite überhaupt, eingefahren werden. Die Stimmung im Gästeblock war ‚traditionell‘ mager. Die Voraussetzungen bei den Spielen an der Grünwalder Straße sind einfach nicht gut. Der Gästeblock ist unüberdacht, niedrig und breit, der Stimmungskern wird dadurch entzerrt. Dazu nehmen das Spiel in München viele als Anlass für einen Familienausflug, dieses Mal aufgrund des vorherigen Feiertages noch mehr als bisher, der übliche Auswärtspöbel tritt also in den Hintergrund. Auch die Löwen reißen daheim ja aufgrund fehlender Überdachung keine Bäume aus, da können sie sich noch so anstrengen. Und trotzdem genießt die in Ehren ergraute Bude an der Grünwalder trotz der miesen Akustik ja absoluten Kultstatus. Vor dem Anstoß gedachten beide Seiten noch einmal dem verstorbenen Werner Lorant, der ja bei den Löwen als Trainer und bei RWE als Spieler wichtige Stationen in seiner Karriere erlebte.

Traunstein – Fr. 02.05.2025, 19:00

SB Chiemgau Traunstein vs TSV 1860 Rosenheim 0:3

Jakob-Schaumaier-Sportpark, 704 Zuschauer, Landesliga Bayern Südost
Der Freitag brachte bei bestem Wetter einen Ausflug ins Chiemgau. Auf dem Weg zum auserwählten Spiel, sprang ich aber zunächst in Prien aus dem Zug. Vom Gymnasium, auf dem ich ein unterdurchschnittliches Abi baute, und das vom Salesianer-Orden geführt wurde, wurden Ferien-Freizeiten in einem zum Orden gehörenden Haus im zu Prien benachbarten Rimsting angeboten. Für meine Eltern eine willkommene Möglichkeit, mal drei Wochen Ruhe vor mir zu bekommen und so verbrachte ich einige Sommer meiner frühen Gymnasial-Jahre am Chiemsee. Dazu gehörte auch jedes Mal der Ausflug auf die Herreninsel, wo sich das nach Vorbild von Versailles vom Märchenkönig Ludwig II. von Bayern erbaute prunkvolle Schloss mit Namen ‚Herrenchiemsee‘ befindet. Es bot sich heute also eine gute Gelegenheit, ein ‚Trauma der Kindheit‘ zu bewältigen. Vom Anleger in Prien kann man mit dem Ausflugsboot innert einer Viertelstunde übersetzen und vom Steg der Insel in einer Viertelstunde zum Schloss spazieren. Auf der Innenbesichtigung verzichtete ich, da diese nur im Rahmen einer Führung möglich ist, worauf ich nicht so stehe. Aber mit dem Park gibt der Bau auch von außen ordentlich was her.
Von Prien nach Traunstein waren es dann nur noch 20 Minuten Bahnfahrt. Der Jakob-Schaumaier-Sportpark liegt am Rande der Stadt und verfügt über mehrere Spielfelder. Eines davon ist mit einer recht großen Tribüne ausgestattet, die übrigen Seiten ermöglichen durch begrünte Wälle erhöhtes Zuschauen. Beachtet man die Details der Anlage, wird deutlich, dass einiges an Geld in die Hand genommen wurde. Das hätte man aber vielleicht besser in die Mannschaft investieren sollen, denn diese schwebt in höchster Abstiegsgefahr. Daher war für den Sportbund ein Sieg im heutigen Derby gegen die Sechz’ger aus Rosenheim, die selber noch was brauchten, um der Abstiegsregion zu entrinnen, Pflicht. Als ‚Inn-Salzach-Derby‘ wird dieses Spiel bezeichnet und es lockte eine ordentliche Anzahl an Zuschauern in den Sportpark. In einem gut anzuschauenden Spiel kämpften die Teams auf Augenhöhe um die Zähler, ein Tor wollte zunächst niemandem gelingen. Zum psychologisch günstigen (oder ungünstigen?) Zeitpunkt erzielten die Gäste mit dem Pausenpfiff die Führung. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild zunächst nicht. Als die Gastgeber dem Ausgleich näher und näher zu kommen schienen, trafen aber die Gäste erneut und zogen den Hoffnungen der Traunsteiner den Zahn. Der dritte Treffer war nur noch Kosmetik und der Sportbund wird wohl – wenn überhaupt – über die Relegation um den Klassenerhalt streiten müssen.

Ergolding – Do., 01.05.2025, 17:00

FC Ergolding vs TV Aiglsbach 5:0

Sportpark Ergolding, 155 Zuschauer, Berirksliga Niederbayern West
Nachdem Spiel bei der Eintracht trennten sich die Wege. Während mein Begleiter schon gen München steuerte, um am Abend ein Konzert zu besuchen, nahm ich auf Schusters Rappen Kurs auf die benachbarte Marktgemeinde Ergolding. In derselben Liga, wie beim Spielbesuch zuvor, wurde um Punkte gekämpft. Während es für die Hausherren um nichts mehr ging, brauchte der Gastverein noch ein paar Pünktchen, um dem Abstieg sicher entrinnen zu können. Mit der Hoffnung hier und heute dazu beizutragen, war es für die Aiglfinger nach 20 Minuten aber schon vorbei, als der zweite Treffer für die Gastgeber fiel. Sollten die Gäste doch nach an einen Erfolg geglaubt haben, wurde die Nummer allerdings mit zwei weiteren schnellen Toren nach dem Seitenwechsel geklärt. Es hätte dann noch ein Debakel werden können, denn der FC Ergolding erspielte Torchance um Torchance, schaffte aber nur einen weiteren Torerfolg kurz vor Schluss. Der Gäste-Trainer krönte den Auftritt seines Teams dann noch mit einer doppelten gelben Karte und daraus resultierendem Platzverweis binnen weniger Sekunden. Die Anlage des Vereins ist großzügig angelegt. Der Hauptplatz verfügt über eine mehrstufige Traverse, auf welcher sich zentral ein überdachter Teil mit Sitzschalen befindet. Die weitläufige Platzanlage wirkt allerdings irgendwie etwas steril. Der Linienbus brachte mich zurück zum Bahnhof nach Landshut, von wo mich der deutsche Schienendienstleister mit dem zu großen Namen mit fast einstündiger Verspätung ins Nachtquartier in die bayerische Landeshauptstadt beförderte.

Landshut – Do., 01.05.2025, 14:00

FC Eintracht Landshut vs SV Türkgücü Straubing 2:1

Sportplatz am Auerweg, 125 Zuschauer, Bezirksliga Niederbayern West
Von der ‚Spiele‘ ging es zur nur wenige Fahrminuten entfernten Platzanlage der Landshuter Eintracht. Wollten die Gastgeber den Abstieg noch vermeiden, musste dringend Zählbares her und in einem sehr umkämpften Spiel gelang das auch. Größter Aufreger waren Platzverweise gegen beide Teams in ein und derselben Situation kurz vor dem Seitenwechsel, obwohl der Stresspegel in dieser stark von türkisch- und balkanstämmigen Spielern geprägten Partie insgesamt nicht sehr hoch war. Die Platzanlage, in einem einfachen Wohngebiet im Landshuter Norden liegend, hat bis auf ein paar Stuhlreihen auf der Gegenseite, die aus irgendeinem mir nicht bekannten Stadion ausrangiert worden sein müssen, nicht viel im Angebot.

Landshut – Do., 01.05.2025, 12:00

SpVgg Landshut U19 vs SV Schalding-Heining U19 2:1

Hammerbachstadion, 55 Zuschauer, U19 Landesliga Bayern Süd
Aus dem Auswärtsspiel bei den Löwen in Giesing ein langes Wochenende zu machen, drängte sich durch den Feiertag am Donnerstag zuvor letztlich quasi auf. Das Angebot an brauchbaren Spielen war aber leider überschaubar. Nach diversen Überlegungen fiel die Wahl in Absprache mit Marco, meinem Chauffeur und rot-weissem Leidensgenossen in Personalunion, auf Landshut. Den Auftakt machte die U19-Landesliga-Partie des Aushängeschildes der Stadt, der Spielvereinigung, gegen Schalding aus der Passauer Umgebung. Die bisher von mir besuchten U19-Spiele ohne Beteiligung des glorreichen RWE kann man bequem an einer Hand abzählen, aber um heute einen satten Fußballtag zu gestalten war es die beste Lösung. Und die bekam den Zuschlag auch nur, weil das Spiel ‚Hammerbachstadion‘ ausgetragen wurde, dessen Besuch ich bis dato nie realisieren konnte, wenn ich in dieser Ecke weilte. Dieses ist ein Mehrzweckstadion und liegt gesäumt von Bäumen zwischen Isar und dem – man mag es kaum glauben – Hammerbach. Seit Ende des vergangenen Jahres muss das Dach der Haupttribüne an einigen Stellen durch massive Holzstempel gestützt werden, da die Statik Mängel zeigte. Das ergab natürlich Abzüge in der Optik. Lieber hätte ich in dieser Spielstätte eine Partie der Herren-Landesligamannschaft der ‚Spiele‘, wie der Verein in der Stadt gerufen wird, gesehen, aber manchmal ist es halt kein Wunschkonzert. Der Nachwuchs der ‚Spiele‘ konnte einen wichtigen, verdienten Heimsieg einfahren und entledigte sich damit der letzten Sorgen um einen möglichen Abstieg, während dieser für Gäste bereits vor der Partie feststand.

Molenbeek-Saint-Jean – So., 27.04.2025, 19:15

RWD Molenbeek vs KSC Lokeren-Temse 3:2

Stade Edmond Machtens, 2.689 Zuschauer, Relegation zur Pro League Viertelfinale Rückspiel
Racing White Daring Molenbeek, wie der RWD mit vollem Namen heißt, hat prinzipiell eine blitzsaubere Zweitliga-Saison gespielt, verlor bis zur drittletzten Runde nur drei Spiele und holte bis dahin aus 25 Partien 17 Siege. In den letzten drei Spielen konnte aber nur noch ein Zähler ergattert werden, so dass das Team noch auf den dritten Rang abrutschte. Während die ersten beiden des Tableaus direkt aufstiegen, berechtigte dieser nur noch zur Teilnahme an der Relegation, welche die Teams auf den Plätzen drei bis sechs in einem K.O.-System ausspielen. Der Sieger dieser Relegation spielt gegen den Verlierer der Abstiegsrelegation der ersten Liga einen Startplatz für die neue Saison in der höchsten Spielklasse aus. RWD ist ein junger Club, der erst 2015 gegründet wurde. Der Verein sieht sich aber in der Tradition des ‚alten‘ RWD, der Anfang der 70ern aus einer Fusions-Kette entstand und 1975 belgischer Meister wurde. Anfang des neuen Jahrtausends verschwand RWD dann selber in einer Fusion und wurde zum FC Brussel. Das war der erste Sargnagel für den Club, der immer weiter an Boden verlor und 2014 schließlich aufgelöst wurde. Damit war die Bahn frei für den neuen RWD. Dieser spielt am traditionellen Standort im heutigen ‚Edmond Machtens Stadion‘, flankiert von den Wohn-Kasernen des Problemviertels Molenbeek-Saint-Jean. Seit über 100 Jahren wird an diesem Ort Fußball gespielt und das heutige Aussehen bekam das Stadion final in den 90er Jahren.
Natürlich steht RWD im Schatten des gar nicht so weit entfernt spielenden RSC Anderlecht und – zumindest sportlich – auch des Emporkömmlings Union Saint-Gilloise. Der neue RWD übernahm das Startrecht eines anderen Clubs der vierten Liga, arbeitete sich schnell nach oben und spielte in der vergangenen Spielzeit sogar wieder erstklassig, stieg aber umgehend auch wieder ab. Vor über zehn Jahren hatte ich das Stadion mit einem schlecht besuchten Spiel des inzwischen aufgelösten Vereins Royal White Star Bruxelles schon einmal erlebt, das sollte mit einer besseren Partie noch einmal erneuert werden, obgleich das heute sicher auch nicht der Oberkracher werden sollte. Das Vorhaben des Clubs umgehend wieder in die höchste Liga zu gelangen, geriet, wie bereits erläutert, in den vergangenen Wochen ins Stocken und auch das Hinspiel der Relegation in Lokeren ging einigermaßen deutlich verloren. Der KSC Lokeren ist sogar nur als Tabellensiebter in die Ausscheidung gerutscht, da die Zweitvertretung des Club Brugge, welche die Spielzeit als Sechster beendete, nicht aufstiegsberechtigt ist. Euphorisiert durch den Hinspiel-Erfolg waren gute 400 Gäste-Fans angereist, für den kleinen Club eine ordentliche Zahl. Der Support war aber dürftig, lediglich eine 50-60köpfige Gruppe um die ‚Authentics‘ machte sich bemerkbar.
Die Szene der Gastgeber war dagegen trotz des Negativ-Laufes motiviert und gab nach ihren Möglichkeiten alles.  Ihre Mannschaft gab auch ordentlich Gas, traf aber zunächst nicht und zeigte sich hinten anfällig, so dass bei zahlreichen Kontern mehrfach ein Treffer für die Gäste in der Luft lag. Der fiel aber dann nach über einer halben Stunde doch für den RWD durch einen berechtigten Handelfmeter und damit ging es in die Pause. Beflügelt machten die Gastgeber nach dem Seitenwechsel weiter, erhöhten nach zehn Minuten und drehten den Vergleich mit Treffer Nummer drei 20 Minuten vor Schluss zu ihren Gunsten. Eine riesige Möglichkeit, den Deckel drauf zu machen wurde dann vergeben und quasi im Gegenzug retteten sich die Gäste mit ihrem ersten Treffer vier Minuten vor dem Ende in die Verlängerung. Glaubten alle, aber das war es noch nicht. In der Schlussminute erkonterte sich der SC Lokeren den zweiten Treffer und schoss sich damit eine Runde weiter. Lähmung machte sich bei Spielern und Fans der Gastgeber breit. Letztere machten ihren Frust nach dem Abpfiff mit ein paar Böllerwürfen auf das Spielfeld Luft. Der vor wenigen Wochen noch sicher geglaubte Aufstieg, war endgültig noch zerronnen.

Evere – So., 27.04.2025, 15:00

FC Saint-Josse vs RSD Jette B 0:4

Stade Communal Georges Pètre, 90 Zuschauer, 1e Provinciale Brabant
In der Metropolregion Brüssel verstecken sich in unteren Ligen einige kleine Stadion-Perlen, so wie jene des Vereines FC Saint-Josse mit der betagten, wie individuellen Tribüne, welche auf einem trapezförmigen Fundament errichtet wurde. Ursprünglich gehörte die Anlage dem RCS Saint-Josse, der aber mit Beginn des Jahrtausends in einer Fusion aufging und das Stadion verließ. Mit dem FC Saint-Josse wurde ein neuer Verein aus der Taufe gehoben, der seitdem das ‚Stade Georges Pètre‘ nutzt. Die Adresse des Stadions liegt gar nicht in Saint-Josse, das benachbart zur Brüsseler Innenstadt liegt, sondern in der Gemeinde Evere. Allerdings ist lediglich der Eingang zum Sportgelände in Evere, das Stadion selber befindet sich 80% auf dem Gebiet der Gemeinde Woluwe-Saint-Lambert. Damit es noch komplizierter wird, gehört das Areal durch eine Art Erbpacht aber dennoch der Gemeinde Saint-Josse. Das Spielfeld offenbarte sich in einem erbärmlichen Zustand. An einigen Stellen, konnten die Grashalme an zwei Händen abgezählt werden und das unebene Geläuf ließ ein geordnetes Spiel kaum zu. So holperten die beiden Teams vor sich hin. Die Gäste waren dabei das besser holpernde Team und schenkte den Gastgebern, die sich Mitte der zweiten Hälfte durch einen Platzverweis noch schwächten, nach und nach vier Kirschen ein.

Essen – Sa., 26.04.2025, 14:00

Rot-Weiss Essen vs 1.FC Saarbrücken 0:3

Stadion an der Hafenstraße, 18.507 Zuschauer, 3.Liga
Spiel eins nach dem vermuteten Klassenerhalt. Faktisch fehlte noch ein Punkt, der aber in den verbleibenden vier Spielen kein Hexenwerk mehr sein dürfte und der ja auch nur benötigt würde, wenn die Sonntags-Partie zwischen dem Waldhof und dem Nachwuchs des Stuttgarter VfB am Folgetag unentschieden endete – was letztlich geschah – und dann beide Teams alle noch möglichen Punkte einsammeln sollten und die zwischen den genannten Mannschaften und dem glorreichen RWE liegenden Clubs auch ausreichend punkten. Insgesamt ein wenig wahrscheinliches Szenario. Die Minuten vor dem Spielbeginn standen im Zeichen des Gedenkens an den kürzlich verstorbenen Werner Lorant, Kult-Trainer vor allem der Münchner Löwen und noch zu Bundesliga-Zeiten in den 70er Jahren auch langjähriger Spieler des RWE. Dass sich Fußball zu einem großen Anteil im Kopf abspielt, sollten die folgenden 94 Minuten dann wieder zeigen. Der abgefallene Druck lähmte den Willen der Recken in Rot und Weiss, während die Saarländer noch beste Aussichten haben, den Relegationsplatz um den Aufstieg zu erringen und dementsprechende Körperspannung und -sprache zeigten. Man kann den Roten überhaupt nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben, aber es ging einfach nix, weil der nötige Antrieb im Unterbewusstsein fehlte. Daraus ergab sich eine weitgehend zu langsame, beinahe pomadige und in vielen Situation verunsicherte Spielweise, während sich der FCS wacher, schneller, robuster und abgewichster zeigte. Das frühe erste Gegentor nach unnötigem Fehlpass von Gjasula und einem Distanzschuss, der genau zwischen Torwarthandschuh und Pfosten passte, war natürlich auch nicht dienlich.
Zwar hatte der RWE deutlich mehr Ballbesitz, aber wenn die Blau-Schwarzen das Leder hatten, zeigten sich diese sehr ballsicher und schnell im Umschaltspiel. Arslan hatte den Ausgleich nach einer halben Stunde auf dem Schlappen, brachte den Ball aber nicht unter – es sollte die einzig wirklich gute Gelegenheit für die Hausherren bleiben. In Tornähe kamen die Roten eigentlich nur durch viele Standards und weite Einwürfe von Moustier, die aber von den Gästen beinahe ausnahmslos gut verteidigt wurden. Kurz vor dem Pausenpfiff fiel der zweite Treffer, nachdem der zurückgeeilte Mizuta eine Flanke aufgrund miserablem Defensivverhaltens nicht unterbinden konnte und der heranstürmende Rizzuto einen Flugkopfball wuchtig in den Maschen unterbrachte. Dass es nicht schon zur Pause 0:3 stand, war dem aufmerksamen Referee zu verdanken, der eine schwierige Situation richtig bewertete. Eine zu kurze Kopfball-Rückgabe von Kraulich auf Wienand versuchte der Saarbrücker Krüger zu erreichen und rutschte dem Ball mit langem Bein hinterher. Wienand wurde davon nicht nur irritiert, sondern von Krüger auch gefoult, auch wenn dieser das Bein noch schnell anzuziehen versuchte. Den Ball traf er dagegen nur minimal, mutmaßlich aber überhaupt nicht. Während die Szene von der Tribüne eher nach einem regulären Treffer aussah, bestätigten die Fernsehbilder die Entscheidung des Unparteiischen.
Die Gäste sahen das natürlich anders, aber alle Aufregung war spätestens ein paar Minuten nach dem Seitenwechsel obsolet, als die Roten in der Verteidigung eigentlich alles falsch machten und den nun spätestens spielentscheidenden Treffer begünstigten. Schnapper Wienand machte dabei auch keine brillante Figur, zudem hätte es Strafstoß geben müssen, wäre der Ball nicht eh im Tor gelandet, da Wienand Krüger beim Rettungsversuch abräumte. Felix Wienand hat sich bisher als zweiter Mann hinter Jakob Golz bewährt und mehr als solide gezeigt. Da Golz eine Ausstiegsklausel besitzt und nach einer erneut hervorragend performten Spielzeit ein Wechsel in verbesserte Sphären, was ihm absolut nicht verübelt werden könnte, nicht unmöglich scheint, soll Wienand die verbleibenden Saisonspiele bestreiten, um Spielpraxis zu erlangen. Dass Golz diese Entscheidung zwar respektiert, dieses allerdings nicht hocherfreut, und Wienand entgegen seinem Vornamen im heutigen Spiel nicht sehr glücklich agierte, lässt den Schachzug erst einmal in die Kategorie ‚Fragwürdig‘ abrutschen. Die Partie war nun durch, der FCS dem vierten Tor näher, als der RWE dem Ehrentreffer und die Punkte gingen mehr als verdient nach Ostfrankreich, auch wenn mir die Gästespieler etwas zu häufig zu lang auf dem Rasen lagen. Etwas ungewöhnlich war, dass es die erste Ecke des gesamten Spieles erst in der 67. Minute zustande kam. Gemessen am Endergebnis war noch ungewöhnlicher, dass das Eckball-Konto am Ende 6:0 für RWE lautete.
Die Hafenstraße war wieder mehr als gut gefüllt, der Heimbereich erneut ausverkauft. Man sieht, was möglich ist, welches Potential vorhanden ist. Nach der unglaublich starken Rückrunde wird keiner der Anwesenden, so denn sie dem rot-weissen Lager zuzurechnen waren, der Mannschaft die erste Heimniederlage seit Anfang Dezember übelgenommen haben. Wichtig ist nun, das Ruder wieder rumzureißen und die übrigen Spiele sauber zu performen. Auch, um wieder Spannung aufzubauen, denn es steht noch das wichtige Verbandspokal-Finale bei einen sicherlich hochmotivierten MSV Duisburg an. Der Gästeblock zeigte als Intro eine Luftballon-Aktion und kokettierte etwas mit der Nähe des Saarlandes zu Frankreich respektive der französischen Vergangenheit. „Nous allons gagner“ prangte in großen Lettern am Zaun, was übersetzt „Wir werden gewinnen“ bedeutet. Ging ja am Ende klar. Der Support war dann lautstark und dauerhaft. Zudem brachte man dem RWE in den Gesängen eine ordentliche Portion Abneigung entgegen – die Pyro-Eskalation nebst abgeschossener Leuchtspur-Munition aus dem Hinspiel ist noch nicht vergessen. Prinzipiell besteht der Saarbrücker Anhang ja aus schönem Pöbel. Ist halt auch ne alte Bergbau- und damit Arbeiterregion, damit sind sich der FCS und die Ruhrgebietsvereine im Geiste näher als man meinen möge. Auch wenn ich gegenüber der Saarbrücker Szene eine gewisse Abneigung verspüre, würde es begrüßen, diese in der kommenden Saison wiederzusehen, da die Spiele gegeneinander bisher immer kurzweilig waren.