Neunkirchen (Saar) – Sa., 16.08.2025, 16:15

VfB Borussia Neunkirchen vs FC Rastpfuhl 5:1

Ellenfeldstadion, 350 Zuschauer, Saarlandliga
Nach dem Pokalspiel in Pirmasens drängte sich der Besuch des in Würde ergrauten ‚Ellenfeldstadion‘ nahezu auf. Mitte der 90er Jahre teilte die Borussia die Liga mit dem glorreichen RWE, damals die Regionalliga West/Südwest, was mich 1994 und 1996 in dieses Brett von Stadion führte. Beim zweiten Auftritt vielen alle drei Tore innerhalb von vier Minuten. Die Lads von der Hafenstraße schafften es damals, das Spiel in Überzahl aus der Hand zu geben. Nachdem sich ein Borusse eine Viertelstunde vor Schluss mit dem Ampelkarton unter die Dusche verabschiedete, gingen die Roten nur zwei Minuten später in Führung, um dann weiter im Zwei-Minuten-Takt in Rückstand zu geraten. Für den Aufstieg reichte es am Ende dennoch, während es für die Saarländer mit nur fünf Saisonsiegen eine Etage tiefer ging, der Anfang eines schleichenden Abstieges. Nach beinahe 30 Jahren fand ich es legitim, hier mal wieder aufzukreuzen, zumal das ‚Ellenfeld‘ trotz erst in diesem Frühjahr erteiltem Denkmalschutz ja ständig von Rückbau oder Amputationen bedroht ist. Die Kapazität des ehemals 33.000 Zuschauer fassenden Stadions ist seit Jahren auf 12.000 begrenzt. Da das Stadion etwas erhöht liegt, ist der seitliche Anblick der von Grund auf erbauten Haupttribüne schon imposant.
Die ebenfalls hohe ‚Spieser Kurve‘ ist für Zuschauer eigentlich gesperrt, das Betreten wird aber geduldet. Die Gegengerade und die andere Hintertortribüne fallen deutlich niedriger aus und verpassen diesem wunderbaren Stadion ein eigenes Gesicht. Unter der ‚Spieser Kurve‘, in der sich die Korrosion der Geländer und Wellenbrecher ein spannendes Rennen mit der Moosbildung auf den Stufen liefert, ist die Natur damit beschäftigt, verlorenes Terrain zurückzuholen. Das hat schon was von ‚Lost Ground‘-Atmosphäre. Seit dem Abstieg in die sechstklassige ‚Saarlandliga‘, höchste Spielklasse des kleinen Bundeslandes, landete die Borussia am Ende stets in der Spitzengruppe, für den Wiederaufstieg in die Oberliga reichte es aber nicht. Dieser dürfte auch in dieser Saison schwer zu verwirklichen sein. Nach nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen ist die Spitzengruppe schon einige Punkte enteilt. Der heutige Heimsieg war daher bitter nötig, um nicht schon früh komplett den Anschluss zu verlieren. Die Nummer war auch schon frühzeitig durch, da die Gastgeber einen fulminanten Start hinlegten und nach nicht einmal zwanzig Minuten mit drei Treffern in Front lagen. Spätestens der vierte Streich kurz vor dem Seitenwechsel beseitigte wohl letzte Zweifel.
Ganz zur Freude der wenigen Aufrechten hinter dem ‚Garde Noire‘-Banner im Eck-Block, dessen Stufen in den Vereinsfarben gestrichen sind, die das Geschehen allerdings während des gesamten Spieles schweigend verfolgten. In der zweiten Hälfte war dann die Luft raus. Die einen mussten nicht mehr, die anderen konnten nicht so richtig. Je ein Treffer hüben wie drüben stellten das Endresultat her. Zugegeben war ich während der Veranstaltung mehr mit dieser faszinierenden Spielstätte als mit dem Geschehen auf dem Rasen beschäftigt. Die ‚Garde Noire‘ ist die einzige Gruppe die in Neinkeije, wie die Stadt im saarländischen Dialekt gerufen wird, von der ehemals durchaus vielfältigen Fanszene ‚optisch‘ übriggeblieben, respektive erkennbar ist. In den guten Zeiten schmückten ein gutes Dutzend Zaunfahnen verschiedener Gruppen den Block. Der anhaltende Abstieg auf Landesebene und die immer gleichen Gegner vom Dorf und die aufgrund der finanziell angespannten Situation des Vereins bescheidene sportliche Perspektive, haben die Anhänger mehr oder weniger vergrault. Sehr schade, denn dieses beeindruckende Stadion-Fossil hätte nicht nur besseren Fußball, sondern auch bessere Besucherzahlen verdient.

Pirmasens – Sa., 16.08.2025, 13:00

FK Pirmasens vs Hamburger SV 1:2 n.V.

Sportpark Husterhöhe, 10.000 Zuschauer, DFB-Pokal 1.Runde
Die erste DFB-Pokal-Runde bietet ja immer wieder interessante Partien zwischen Underdogs und etablierten Clubs. Leider fährt der DFB aber sein eigenes Rennen und raubt dem Wettbewerb mit überzogenen Auflagen seinen Reiz. Mit dem Resultat, dass ein Großteil der kleinen Clubs seinen Heimvorteil aufgeben und an Profi-Spielorte umziehen muss, weil die Anforderungen des Mafia-Verbandes daheim nicht bedient werden können. Oberligist FK Pirmasens verfügt über den Luxus eines noch recht neuen Stadions mit entsprechender Infrastruktur. Vor vielen Jahren sah ich dort mal an einem feuchtkalten Herbstabend ein Oberliga-Spiel vor ein paar hundert Leuten. Das Pokal-Spiel gegen die Raute aus dem Norden war nun ein willkommener Anlass die Hütte mal mit voller Auslastung von 10.000 Interessierten zu erleben. Annähernd 50 Prozent der Anwesenden waren HSV-Anhänger, ein Heimspiel für die Norddeutschen also vorprogrammiert. Die kleine FKP-Fangemeinde zeigte als Intro eine kleine etwas wirr erscheinende Blockfahne, auf der um das abgebildete Trikot des Team-Kapitäns Grieß der ganze Kader aufgeführt war. Die HSV-Kurve verzichtete auf optische Elemente, präsentierte aber ein ansehnliches Fahnenmeer.
Die Profi-Truppe zeigte dann gegen den Oberligisten eine unfassbar uninspirierte und pomadige Vorstellung. Die Gastgeber legten den Anfangsrespekt daraufhin schnell ab und sorgte mit schnellen Vorstößen immer wieder für Gefahr. Bei drei oder vier richtig fetten Gelegenheiten und deutlichem Chancen-Plus gegenüber dem HSV wäre eine Halbzeit-Führung mehr als verdient gewesen. Diese wurde dann kurz nach dem Seitenwechsel nachgeholt. Eine Flanke nach Eckstoß-Variante fiel einem FKP-Spieler einen Meter vor der Torlinie auf den Fuß. Knackpunkt des Spieles war dann die große vergebene Chance auf den zweiten Treffer. Ein Pirmasenser Stürmer hatte den HSV-Keeper schon umspielt und das Spielgerät Richtung Tor geschoben, der Ball wurde aber von einem Verteidiger noch von der Linie gekratzt. Die Hamburger taten nun mehr, kamen aber weniger über Kreativität als über Physis in eine Phase der Überlegenheit. Es kam, wie es oft kommt und so ziemlich der letzte Kopfball fand in der Nachspielzeit zum Ausgleich sein Ziel. In der Verlängerung dauerte es nicht lange bis der HSV – erneut per Kopf – in Führung ging. ‚Die Klub‘, wie der FK Pirmasens genannt wird, warf noch mal alles rein, aber für den Ausgleich reichte es nicht mehr. Die große Chance, einen bieder auftretenden Bundesligisten aus dem Wettbewerb zu extrahieren, wurde leider verpasst.

Essen – Fr., 15.08.2025, 19:30

DJK Adler-Union Frintrop vs SpVg Schonnebeck 3:1

Sportanlage am Wasserturm, 1.100 Zuschauer, Oberliga Niederrhein
Saisonauftakt beim Club, für den ich die längste Zeit meiner schillernden Karriere die Schuhe schnürte. Der Adlerhorst unter dem schönsten Wasserturm der Welt erlebt in dieser Saison erneut Oberliga-Fußball, nachdem die Greifvögel nach dem unglücklichen Abstieg im Vorjahr den direkten Wiederaufstieg realisieren konnten. Der Spielplangestalter agierte findig und beorderte zum Saisonstart die Spielvereinigung aus dem Essener Nordosten, aufgrund ihres Wappentieres auch ,die Schwalben‘ genannt, zum Stadt-Derby in den äußersten Westen. Adler gegen Schwalben. Eigentlich eine klare Sache – zumindest in der freien Wildbahn. Jedoch sind ja Ausdauer und Flugkunst des kleinen aus der Sperlings-Familie stammenden Vogels nicht zu unterschätzen, so dass sich der König der Lüfte gewaltig anstrengen musste, um die Punkte am Ende in den Klauen zu halten. Die Kräfteverhältnisse waren natürlich umgekehrt. Auf der einen Seite der Aufsteiger Adler, dem eine erneute ‚Bonus-Saison‘ in der höchsten Amateur-Spielklasse des Niederrheins zugestanden wurde, auf der anderen Seite der knapp am Aufstieg vorbeigeschrammte Vizemeister der abgelaufenen Spielzeit aus Schonnebeck, der auch in den Jahren zuvor zuverlässig performte und sich heimlich, still und leise zur Nummer Zwei der Stadt gemausert hat.
Gut besucht sind die Spiele am Turm ja eigentlich immer, heute wurde aber mit deutlich über 1.000 Besuchern noch mal einer draufgesetzt. Da konnte der Sprecher noch so verzweifelt 940 Zahlende verkünden, das Geläuf ums Spielfeld bot keine Lücke und die Leute standen zum Teil in zweiter und dritter Reihe um einen Blick aufs Geschehen zu erhaschen. Dieses hatten die Gäste lange Zeit fest im Griff. Mit präziser Spielkontrolle beanspruchte die Spielvereinigung die leitende Position für sich und ließ die Gastgeber nur selten in die Nähe des eigenen Strafraums kommen. Aber die Schwalben konnten kaum Torgefahr kreieren und das was auf das Adler-Gehäuse zuflog, fischte Zwei-Meter-Schlussmann Reiners gekonnt weg. Zehn Minuten vor dem Seitenwechsel zeigten sich die Gastgeber dann erstmals wirklich gefährlich im Strafraum und ein abgefälschter Torschuss sprang einem Schonnebecker Akteur an den ausgestreckten Arm. Eine Absicht war in keinem Falle zu unterstellen, aber die Handspielregel und der Referee zeigten sich unerbittlich – Elfmeter! Der Schütze lederte die Murmel konsequent nach unten links. Für unten links hatte sich auch der Schwalben-Keeper entschieden. Aber eben aus seiner Sicht und damit führte der krasse Außenseiter schmeichelhaft.
Der Treffer bescherte den Adlern-Schwingen eine neue Thermik und kurz vor dem Pausenpfiff landete der Ball nach einem Bilderbuch-Konter beim Kapitän, der den Ball aus halbrechter Position unter die Querlatte jagte. Der Zwei-Tore-Rückstand war für den Favoriten natürlich eine ordentliche Hypothek, aber der frühe Anschlusstreffer durch den Bosnjak nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff machte Mut. Eigentlich kam der Treffer zu früh für die Gastgeber und jeder erwartete wohl, dass das Spiel nun kippte. Aber die Adler verteidigten weiter konsequent und tapfer und stießen nun selbst mutiger in Richtung des Schwalbennestes vor. Den Gästen rannte die Zeit davon, zwingend wurde es selten und die Riesenchance zum Ausgleich blieb ungenutzt. Der dritte Adler-Streich nach einem blitzsauberen Konter in der Nachspielzeit war nur noch Kosmetik und der verdiente Lohn für eine couragierte und disziplinierte Leistung. Die Liga erlebte also schon im ersten Spiel eine Überraschung und die Gastgeber sammelten die ersten Punkte gegen den Abstieg.

Rosendahl – Do., 14.08.2025, 19:00

Turo Darfeld vs DJK-VfL Billerbeck 0:5

Turo-Stadion, 130 Zuschauer, Kreispokal Ahaus-Coesfeld 1.Runde
Feierabendfußball war heute angesagt und so blieb ich nach Beendigung der beruflichen Tätigkeit in meiner Work-Hood Westmünsterland. Geplant war der Besuch der meinem Arbeitsplatz am nächsten liegenden Anlage, aber dort wurde leider erwartungsgemäß auf dem ‚falschen‘ Platz geknüppelt. Da ich dieses vorab einkalkuliert hatte, blieb ausreichend Zeit in den Rosendahler Ortsteil Darfeld zu reisen. Im Kreispokal empfing der A-Ligist Turo den Bezirksligisten aus dem nahen Billerbeck. Mehr als eine Liga zu groß präsentierte sich der Gegner dann aber. Mit etwas mehr Konsequenz hätten die Gäste ihren Gastgebern die Bude mal so richtig vollhauen können. Auch so war aber alles dabei – Eigentor, eine direkt verwandelte Ecke, Slapstick-Tor mit Torwart-Hilfe und ein in die Münsterländer Dämmerung gejagter Elfmeter.

Ennepetal – So., 10.08.2025, 15:30

TuS Ennepetal vs SpVgg Erkenschwick 1:2

Bremenstadion, 425 Zuschauer, Oberliga Westfalen
In die Ausläufer des Bergischen Landes verschlug es mich und begleitet hat mich kein geringerer als mein werter Vater, denn der alte Mann musste einfach mal ausgelüftet werden. Mein erster Besuch im ‚Bremenstadion‘ fand vor 15 Jahren mit exakt dieser Spielpaarung statt, damals wurde die Partie wetterbedingt aber spontan auf den Kunstrasen-Nebenplatz gelegt. Das Stadion selber hatte natürlich danach dennoch einen Besuch erfahren – Wunden müssen geschlossen werden. Das Auftaktspiel der neuen Oberliga-Saison lockte über 400 Zuschauer an, davon etwa 50 aus dem nördlichen Ruhrgebiet. Die Spielvereinigung hatte in der vergangenen Spielzeit den Abstieg nur knapp vermeiden können. Diese machte dann im ersten Durchgang eigentlich eine ganz ordentliche Partie, die Führung erzielten dennoch die Bergischen. Im zweiten Abschnitt dauerte es bis zur Schlussphase, ehe die Gäste-Fans den verdienten Ausgleich bejubeln durften. Nur drei Minuten später konnten diese ihr Glück vermutlich kaum fassen, als ihr Team sogar noch auf Sieg stellte. Von den angereisten Gästen unterstützen nur drei bis fünf Personen ihr Team konsequent. Eine weibliche Anhängerin überlagerte die Gesänge mit ihrer schrillen und schrägen Stimme derart, dass ich sogar meinen Tinnitus nicht mehr hören konnte. Endlich scheint die richtige Therapie gefunden.

Hannover – Sa., 09.08.2025, 17:00

SV Arminia Hannover vs TuS Krähenwinkel/Kaltenweide 1:2

Rudolf-Kalweit-Stadion, 400 Zuschauer, Landesliga Hannover
Nach dem eher unglücklichen Auftritt des glorreichen RWE biederte sich zwei Kilometer Luftlinie entfernt noch ein besonderes Stadion an. Das Rudolf-Kalweit-Stadion beherbergt die traditionsgeschwängerte Arminia, ein Verein mit bewegter Geschichte, bis auf kurze Phasen auf Augenhöhe eigentlich immer im Schatten der 96er stehend. Dennoch ist der Club in Hannover beliebt und kann sich über eine kleine Fan-Base freuen. Bemerkbar machte sich diese zwar nur selten, aber dafür hingen beinahe mehr Fahnen am Zaun hinterm Tor, als sich aktive Supporter zu erkennen gaben. Mit breitem Getränke- und Grillangebot konnte das Catering maximal überzeugen. Unbestrittener Star der Veranstaltung war aber natürlich diese wunderbare aus der Zeit gefallene Spielstätte, in der ich Mitte der 10er Jahre schon einmal ein Spiel gesehen hatte. Die überdachte Haupttribüne, in deren Bauch sich eine kultige Stadiongastronomie befindet – da werden Erinnerungen an das Georg-Melches-Stadion wach – wird flankiert von stark bewachsenen Stufen, die eigentlich nicht mehr für die Zuschauer freigegeben sind. Die Hintertortribüne und die Gegengerade mit ihren begrünten Stufen vereinigen sich im Eck und luden am heutigen Tage zum Sonnenbaden ein. Leider verpatzten die Arminen als Oberliga-Absteiger mit einer Heimniederlage den Saisonstart. Abschließend gilt es die Aufmerksamkeit noch auf zwei besondere Akteure im Vereinsgefüge zu lenken. Anstelle eines Rasenmähers weiden außerhalb der Spieltage zwei Schafe auf den Rängen, um den Graswuchs im Rahmen zu kontrollieren. Diese haben ihr Refugium hinter dem tribünenfreien Tor und von dort einen guten Blick auf das Spielgeschehen.

Hannover – Sa., 09.08.2025, 14:00

TSV Havelse vs Rot-Weiss Essen 1:1

Eilenriedestadion, 3.012 Zuschauer, 3.Liga
Wie im letzten Jahr führte der zweite Spieltag die Roten in die niedersächsische Landeshauptstadt. Dieses Mal war der Gegner aber nicht die Reserve der 96er und der Spielort nicht das große Niedersachsenstadion. Gespielt wurde im Leistungszentrum des hiesigen Branchenführers und als Spielgefährten stellten sich die Emporkömmlinge des TSV Havelse aus dem benachbarten Garbsen zur Verfügung. Der TSV ist ja irgendwie nicht kaputtzukriegen. Der ‚ganz große‘ Fußball blieb dem Club bis auf eine Zweitliga-Saison Anfang der 90er Jahre zwar verwehrt, aber immer wieder steckt der kleine Fisch den Kopf auf dem Wasser, um ein wenig mit den ‚Großen‘ mitzuschwimmen. Kann mein einerseits Respekt zollen, dass dieser Verein, der ja komplett im Schatten der 96er verschwindet, das Maximum an Möglichkeiten ausschöpft. Muss man aber nicht, denn Spiele gegen solche Vereine vermitteln ja das Gefühl eines ‚Pre-Season-Friendly‘. Dass die eigentliche Heimspielstätte des TSV keine Zulassung für die 3.Liga besitzt und der Verein, daher nicht ein echtes Heimspiel austragen kann, stellt dieses Projekt dann spätestens komplett in Frage und schiebt es in die Kategorie ‚Braucht man nicht, kann weg‘. Unabhängig davon werden aber keine Punkte verschenkt und das vermeintlich leichteste Auswärtsspiel der Saison mutiert zu einem der schwierigsten.
So kam es dann auch wenig überraschend. Die Gastgeber standen vom Anpfiff weg mit einer Art Raute aus acht defensiven Spielern tief und kompakt, ein Mittelfeld existierte eigentlich gar nicht und vorne hofften zwei Stürmer auf den langen Ball, der mal durchrutscht. Der deutlich favorisierte glorreiche RWE nahm also die Rolle des Spielgestalters ein und hatte gefühlte 110 Prozent Ballbesitz. Der extrem tief stehende Gegner entschärfte dadurch die beste Offensivwaffe der Roten, nämlich das schnelle Umschaltspiel nach Ballgewinn. Zum einen gab es kaum Ballgewinne, weil das Streitobjekt fast ausschließlich in den Reihen der Rot-Weissen zirkulierte, zum anderen ist der temporeiche Überfall eines Gegners, der schon mit der halben Truppe auf der Torlinie steht, eben nicht möglich. Das Ziel der Gastgeber war von Sekunde eins an klar – ein torloses Remis sollte es werden oder im besten Falle ein Fußballwunder durch einen goldenen Konter. Den gab es schon im ersten Durchgang, als Aufstiegsgarant Ilic aus spitzem Winkel das Aluminium testete. Und der RWE? Viel zu umständlich und behäbig im Aufbau, ideenlose Angriffe, die nur zu wenigen eher ungefährlichen Szenen führten, stumpfe Standards, von den kaum einer den eigenen Mitspieler fand. Ergo ging es torlos in die Kabine und im zweiten Durchgang sah es kaum anders als im ersten, mit dem Unterschied, dass es im Strafraum des TSV brenzliger zuging. Die Gefahr kam aber von außerhalb.
Brumme, Alonso und Obuz zwangen den Schlussmann der Havelser dazu, sein Können zu zeigen. Als sich dann alle mit dem torlosen Remis abgefunden hatten, segelte noch mal eine Mizuta-Flanke in der Sechzehner und der aufgerückte Kraulich hielt seine Pläte zur Führung hin. Erleichterung, Pflichtaufgabe doch noch spät erledigt. Dachten alle, stattdessen war es nur das Startsignal für eine wilde Nachspielzeit. Der TSV konnte völlig überraschend plötzlich doch die Mittellinie überqueren. Zunächst aber ließ der RWE eine Drei-gegen-eins-Konterchance liegen. Owusu erkämpfte sich erst großartig den Ball, wartete dann viel zu lange mit dem Abspiel und versuchte statt Mizuta, der sich links freigelaufen hatte, den mittlerweile im Abseits stehenden Obuz einzusetzen. Unfassbar. Der nächste Fehler geschah auf der anderen Seite. Wienand hatte eine Flanke locker abgefangen und anstatt den Ball erst einmal zu sichern und das Tempo rauszunehmen, wagte er den schnellen Abwurf. Die Murmel ging verloren, ein letzter Ball segelte in der RWE-Strafraum und Paldino nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor unbedrängt mit der Brust an und pflasterte das Ding per Fallrückzieher zum Ausgleich in den Giebel. Wenn es nicht den eigenen Verein getroffen hätte, müsste man den Fußball dafür lieben. So ergaunerte sich der TSV einen schmeichelhaften aber eventuell gar nicht mal unverdienten Punkt, denn letztlich war das Konzept ja aufgegangen. Für die Roten war es natürlich eine gefühlte Niederlage und dass nun erstmal das Bonusspiel im Pokal gegen die Dortmunder Borussia ansteht, ist vielleicht gar nicht so schlecht, um die Truppe vor dem nächsten (schweren) Auswärtsspiel in der hessischen Landeshauptstadt zu resetten.
Knapp 2.000 Rot-Weisse waren angereist und hatten natürlich die Stimmungshoheit. Die zwei Dutzend – sorry, auch wenn ich mich mühe, jeder noch so kleinen Anhängerschar Respekt entgegenzubringen, muss man es so sagen – Hanseln der Gastgeber, waren kaum der Rede wert. Eine organisierte Szene hat der TSV nicht, die paar Fähnchenschwenker waren nicht zu hören und hätten es auch ganz sein lassen können. Auf optische Elemente verzichtete der RWE-Anhang und beließ es bei Spruchbändern, natürlich zum Ableben von Frank Mill, der seine Karriere bei Rot-Weiss begann und in Liga eins und zwei in 120 Spielen 74 Mal für den RWE getroffen hatte, und auch gegen die überteuerten Eintrittspreise des TSV Havelse. Im ‚Eilenriedestadion‘ hatte ich vor 15 Jahren schon mal ein Spiel besucht. Die heutige Anlage hat mit der damaligen kaum mehr was zu gemein. Der Platz wurde um 90 Grad gedreht, die Laufbahn und die alten Ränge drumherum abgetragen. Lediglich die alte Haupttribüne blieb stehen, wurde aber zur Hintertor-Tribüne degradiert Auf den Geraden wurden zwei neue recht schmucke Tribünen hingedengelt. Mit weiteren Spielfeldern und entsprechendem Warmgebäude entstand so das Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96.

Nordhorn – So., 03.08.2025, 15:00

SV Vorwärts Nordhorn vs SV Eintracht Nordhorn 5:2

Waldstadion, 1.700 Zuschauer, Landesliga Weser-Ems
Lange Jahre war die Eintracht aus Nordhorn eine Institution in der Oberliga Nord, nach deren Umstrukturierung dann in der Oberliga Niedersachsen. Davor erlebte der Verein eigentlich seine erfolgreichste Phase und spielte zwei Jahre in der Regionalliga Nord, musste die Klasse aber im Zuge der Regionalliga-Reform wieder in Richtung Oberliga verlassen, kratzte danach jedoch noch mehrfach vergeblich am Wiederaufstieg. Anfang der 10er Jahre ging der von Schulden geplagte Verein in die Insolvenz und musste in die Landesliga zwangsabsteigen, nur zwei Jahre darauf ging es gar runter in die Bezirksliga. Der heutige Verein heißt zwar wie er heißt, ist aber eigentlich ein Fusionsverein, der seinen alten Namen zurückerlangte. Eine Fusion mit der Eintracht ging auch schon der heutige Gastgeber Vorwärts ein. Das war allerdings kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und der SV Vorwärts wurde schon bald neu gegründet. In der Bezirksliga erzielte die Eintracht stets gute Platzierungen, der Wiederaufstieg in die Landesliga gelang aber erst in diesem Sommer. Vorwärts hatte den bekannteren Lokalrivalen inzwischen überholt und sich in der Landesliga etabliert. Beeindruckende 1.700 Zuschauer pilgerten zum Derby und gleichzeitig Saisonstart auf die Anlage. Die Eintracht hat grundsätzlich das Ziel, den Verein wieder in höheren Sphären zu platzieren, heute wurde aber erst einmal Lehrgeld bezahlt. Daran konnten auch die Ex-Rot-Weissen Marius Kleinsorge und Hedon Selishta nichts ändern, war mir gar nicht bekannt, dass diese ihre Knochen nun für Eintracht Nordhorn strapazieren.
Die Gastgeber starteten deutlich zielstrebiger in die Partie, die Eintracht schien sich in der neuen Liga erst einmal sortieren zu müssen. Das gelang nicht gut. Zunächst musste man den frühen Führungstreffer des Gegners schlucken, dann wurde das Team durch eine Ampelkarte bereits nach 20 Minuten dezimiert. Die Entscheidung erschien allerdings überhart und der Referee strahlte insgesamt wenig Souveränität aus. Absurderweise war die Eintracht plötzlich viel präsenter und erarbeitete sich Chancen. Wie so oft nahm ein Platzverweis anderen Einfluss als vermutet, weil System und Ausrichtung plötzlich durcheinandergeraten und der psychologische Effekt eh nicht zu unterschätzen ist. Am Ergebnis änderte sich bis zur Pause nichts, auch weil die Eintracht die Riesenchance auf den Ausgleich durch einen verschossenen Elfmeter vergab, und nach dem Seitenwechsel konnte Vorwärts bis zur 60. Minute auf 3:0 erhöhen. Spieler des Tages wurde dann der nach einer Stunde Spielzeit eingewechselte Gäste-Akteur, der bereits nach 60 Sekunden wegen einer Notbremse wieder des Feldes verwiesen wurde. Zwar war auch diese Entscheidung sehr hart, weil sich auf gleicher Höhe noch ein Verteidiger befand, aber allein für die Dämlichkeit war der rote Karton ja gerechtfertigt. Mit dem vierten Vorwärts-Streich war die Nummer eigentlich entschieden, aber zu neunt kam die Eintracht unerwartet zurück und erzielte um die 70. Minute zwei Buden. Es sollte aber für mehr nicht reichen und zehn Minuten vor Schluss war die Schlappe mit dem fünften Treffer für die Gastgeber auch besiegelt.