Riga – Sa., 06.09.2025, 16:00

Latvia vs Srbija 0:1

Daugavas stadions, 6.238 Zuschauer, WM-Qualifikation Gruppe K
Am nächsten Morgen wurde der Rundgang durch Kaunas nachgeholt, bevor mich der Flixer – aus Berlin kommend und zum Glück pünktlich – in die lettische Hauptstadt brachte. Ich hatte die Stadt von meinem ersten, lange zurückliegenden Besuch gar nicht so sehenswert in Erinnerung.
Dass ich das falsche Hobby habe, zeigte sich auf der Fahrt auch wieder. Busse, Züge, Flugzeuge sind mir einfach zuwider. Es gibt einfach zu viele Idioten mit zu vielen nervigen Idioten-Eigenarten. Oftmals mag ich fremde Menschen einfach nicht. Mal abgesehen davon ist der Fernbus eh das beschissenste Fortbewegungsmittel, die Zwischenstopps kosten einfach zu viel Zeit und halten nur unnötig auf. Der Zug als Alternative hätte bei vier Stunden Fahrzeit aber genauso lange benötigt, mit nur einer täglichen Verbindung um 7:00 Uhr morgens zu frühes Aufstehen bedeutet und wäre zudem doppelt so teuer gewesen. Am späten Nachmittag in Riga angekommen, hatte ich keine Termine und ließ den Abend mit einem guten Burger und ein paar Gerstensäften in Ruhe verstreichen. Ohne den Wecker zu stellen, pennte ich am nächsten Morgen bis beinahe 10:00 Uhr – dass ich das im hochsenilen Alter noch schaffe. So fiel der Rundgang durch die wunderbare Altstadt von Riga etwas straffer aus, bevor ich mich mit zwei bekannten Gesichtern in einem Lokal traf. Absurderweise nicht mit beiden zeitgleich, sondern nacheinander, aber unterschiedliche Ansprüche erfordern eben unterschiedliche Zeiten, um ein Stadion zu betreten.
Ein Bolt-Taxi beförderte uns für wenig Geld in die Gegend um das Stadion. Man fragt sich manchmal echt, wo da für die Hasardeure noch ein Verdienst hängen bleibt. Ein Pre-Match-Bier später, betraten wir das Stadion. Den Rucksack durfte ich glücklicherweise mit hinein nehmen. Keine Powerbank, keine kleinen Kosmetik-Utensilien oder Medikamente wurden bemängelt, nur das angebissene Twix musste ich entsorgen. Die Schwerpunktsetzung bei den Einlasskontrollen bleibt manchmal unergründlich. Der Besuch des ‚Daugavas stadions‘ lag schon einige Zeit am Herzen. Auch bei dieser Spielstätte ist ein Länderspiel die bessere Wahl, zumal im ‚Daugavas‘ nur unregelmäßig Liga-Fußball gespielt wird. Das Stadion bietet viele Merkmale einer typischen ‚Ost-Schüssel‘ – fehlende Dächer, Laufbahn, große Anzeigetafel und utopische Flutlichtmasten in Form von überdimensionalen Fliegenklatschen. Alleine diese Lichtmasten rechtfertigen die Anreise, denn derart monströse Installationen finden sich in der globalen Stadionwelt leider immer weniger. Das Stadion hat diverse Evolutionsphasen durchgemacht, war mal komplett von Rängen umgeben, dann stand wieder mal nur die Haupttribüne. Die letzte Sanierung vor einigen Jahren hat dem Rund neue Tribünen in den Kurven geschenkt. Auf der Gegengeraden wurde auf einen Tribünenbau verzichtet, da dort nur wenig Platz bis zum dahinterliegenden Bahndamm ist. Stattdessen wurde dort eine große Video-Leinwand errichtet.
Mit etwas über sechstausend Besuchern war die Partie nicht allzu gut besucht. Das zeitgleich in Riga stattfindende Viertelfinale der Basketball-EM zwischen Lettland und dem favorisierten Nachbarn aus Litauen zog deutlich mehr, da kann sich der gemeine Lette nicht groß mit dem lästigen Fußball aufhalten. Serbische Fans waren nur in kleiner Zahl anwesend. Der serbische Verband hatte das ihm zustehende Kontingent nicht angenommen, mit dem Verweis darauf, dass keine mitreisenden Fans zu erwarten seien. Eine etwa zwanzigköpfige Gäste-Gruppe fand sich dennoch in der Heimkurve ein und wurde geduldet. Eine etwa fünfzig Leute starke Ultra-Gruppe der Gastgeber kam in einem kleinen Corteo zum Stadion gelaufen und sendete sogar eine kleine Rauchwolke in den Nachmittagshimmel – südländische Begeisterung am Rigaischen Meerbusen. Kurz nach Beginn des Spieles präsentierten die ‚Ultras Latvia‘ pro-ukrainische Banner am Geländer und ein Transparent, dass einen massiven Schuh zeigte, mit welchem ein Käfer in den Farben der russischen Landesflagge zertreten wurde, was auch als Spitze gegen den heutigen russlandfreundlichen Gegner gewertet werden durfte. Über das Spiel darf man kaum Worte verlieren, das war eher drittklassiges Gebolze auf europäischer Nationen-Ebene.
Unmittelbar nach dem Spiel traf ich mit zwei weiteren ebenfalls anwesenden Mitgliedern der Bewegung zusammen, um ein Taxi zum Flughafen zu teilen. Bis jetzt war die Reise eine günstige Nummer, dann aber fiel mir auf, dass ich den Online-Check-in vergessen hatte. Diesen am Airport am Schalter durchzuführen, lässt sich der irische Low-Coster fürstlich bezahlen. Über die Höhe des Salär wird nicht gesprochen, denn der Gentleman genießt und schweigt. Man muss eben alles mal gemacht haben… Nicht einmal zwei Stunden nach Abpfiff hob der Flieger mit uns gen Köln-Bonn ab, wo mich meine geschätzte Gattin einsammelte und nur fünf Stunden nach Abpfiff legte ich bereits mit einem köstlichen Brauerzeugnis aus dem Hause Jacob Stauder in der Hand die Füße auf der heimischen Couch hoch.

Kaunas – Do., 04.09.2025, 19:00

Lietuva vs Malta 1:1

S.Dariaus ir S.Gireno stadionas, 7.584 Zuschauer, WM-Qualifikation Gruppe G
Heute lief es mal echt cremig, konnte man nicht meckern. Die beste und schönste Gattin der Welt war so lieb mich um 7:00 Uhr morgens am Mülheimer Bahnhof abzusetzen. Der RE6 war dann zwar fünf Minuten zu spät, was die knappe Umsteigezeit in Dortmund gefährlich zusammenschrumpfen ließ, aber der Teufelskerl von Lokführer holte tatsächlich vier Minuten auf und das bei der hohen Auslastung im Berufsverkehr – ein echter Tausendsassa! Die RB59 zum Dortmunder Airport war kaum frequentiert, da reichte es sogar noch zu einem Schwätzchen mit dem Kontrolletti. Der Holzwickeder Stamm-Bäcker sorgte wie gewohnt für Kaffee und Brötchen und knapp eine Stunde vor Abflug stand ich an der berühmt-berüchtigten Sicherheitskontrolle, absolutes Aushängeschild dieses Flughafens. Nicht! Heute war die SiKo-Crew aber in überraschend überragender Form und nach fünf Minuten wer der Checkpoint schon passiert. Relativierend muss ich einräumen, dass zu dieser Uhrzeit der Flugplan so dünn war, wie der Trophäenschrank des bekanntesten Gelsenkirchener Fußballclubs. Die aus Vilnius kommende Wizzair-Bohne war pünktlich gelandet und brachte mich dann genau dorthin zurück. Eine Viertelstunde vor der planmäßigen Ankunftszeit gelandet, erreichte ich dadurch einen früheren Bus nach Kaunas und ersparte mir das Abschimmeln am Flughafen. Da der Minibus der Firma Ollex nach Klaipeda an die Küste weitereibelte, hielt dieser in Kaunas nur wenige hundert Meter von der Autobahnausfahrt entfernt an der nächstgelegenen Tanke.
Von dort waren es noch gute fünf, sechs Kilometer bis ins Zentrum. Meine kurzsichtigen Augen entdeckten aber einige Bolt-Scooter am Straßenrand. Perfekt, ist ja wie in Essen-Schönebeck. Also rauf auf den Bock und für nen schmalen Fünfer in die City gegurkt. Da ich die Unterkunft erst ab 16:00 Uhr beziehen dürfte, gönnte ich mir nun die erste das erste Blonde des Tages und einen Mittags-Snack, der größer ausfiel als er sollte. Länderspiele schaue ich ja nur selten. Will man das Nationalstadion Litauens mit dem sperrigen Namen ‚S.Dariaus ir S.Girèno stadionas‘ aber gut gefüllt sehen, bleibt kaum eine andere Wahl, denn Vereinsfußball interessiert im Baltikum ja beinahe niemanden. Das Stadion habe ich im alten Zustand vor dem Um- beziehungsweise Neubau 2018 leider verpasst. Schade eigentlich, das sah schon speziell aus. Aber auch im neuen Kleid kann es sich sehen lassen. Der ursprüngliche Stil mit schmalen Unter- und hohem Oberrang wurde beibehalten. Die ehemals freie Gegenseite bekam eine schmucke Haupttribüne und das ganze Rund eine ansehnliche Dachkonstruktion. Wie schon der vorherige Vergleich in Malta sollte die heutige daheim ausgetragene Partie unentschieden enden, wodurch beide Teams in der WM-Quali sieglos blieben.
In einem überschaubar guten Spiel wechselten sich Druckphasen der Gegner ab, in der Box war die Performance allerdings verheerend. Dass dann zehn Minuten vor Ende doch ein Tor für die Malteser fiel, war eher einer Unaufmerksamkeit der litauischen Deckung geschuldet, als Zielstrebigkeit der Gäste. Eigentlich war der unerwartete Sieg für die Insulaner damit gebongt, hätten sie sich nicht noch durch einen Platzverweis nach VAR-Eingriff selbst dezimiert. Dass der Sünder erst vier Minuten zuvor eingewechselt wurde, war ein Fun-Fact am Rande. So bekamen die Gastgeber in der Schlussphase die zweite Luft und zudem einen Elfer tief in der Nachspielzeit, der zum Ausgleich genutzt wurde. Zur großen Freude eines etwa zwölfjährigen Flitzers, der dann abgeführt wurde wie ein Schwerverbrecher. Mit einer Ampelkarte für die Gastgeber in der neunten Minute der Nachspielzeit endete eine abwechslungsreiche Schlussphase, welche für das 80minütige Gewürge etwas entschädigte. Mit einem prominenten Mitglied der Bewegung, den ich im Stadion getroffen hatte, klang der Abend dann bei in paar gezapften Kaltgetränken entspannt aus.

Essen – So., 31.08.2025, 19:30

Rot-Weiss Essen vs Aachener TSV Alemannia 2:3

Stadion an der Hafenstraße, 19.300 Zuschauer, 3.Liga
Die Aachener Alemannia war zu Gast an der wieder einmal ausverkauften Hafenstraße. Für die Kaiserstädter ein Derby, vermutlich aus Verzweiflung, weil Duelle mit sicherlich eher Derby-fähigen Gegnern wie den Geißböcken oder der Borussia vom Niederrhein unerreichbar scheinen Für den glorreichen RWE sicherlich auch ein traditionsgeladenes Duell mit einer Portion Brisanz, aber ganz sicher kein Derby. Ich kann mich in nun 40 Jahren Anhängerschaft an kein Spiel erinnern, in dem meinem Verein zu Hause oder auch generell mit drei sicher verwandelten Elfmetern, dazu noch durch ein und denselben Schützen, die Punkte geraubt wurden. Andersherum schon – in der einzigen NRW-Liga-Saison siegte der RWE zu Hause im Derby gegen die Schwatten aus dem Essener Süden mit 3:0 durch verwandelte Strafstöße von ‚Bürgermeister‘ Timo Brauer. Matchwinner für die Alemannia war Lars Gindorf, erst wenige Tage zuvor von Hannover 96 verpflichtet, und sich nicht zu schade, nach seinem dritten Treffer mit zum Herz geformten Händen vor die Gäste-Kurve zu laufen… na ja. Alle Strafstöße waren übrigens berechtigt. Eigentlich war das Unheil früh abzusehen. Schon nach 60 Sekunden hätte Gindorf treffen können, nachdem er am Fünfer gut eingesetzt wurde und gefühlt die ganze Fünfmeterraum-Grenze entlang spazierte, den Abschluss aber nicht fand. Und weiter ging es mit Chancen für den ATSV. Die Essener Dreier-Kette, die schon im Spiel zuvor in Wiesbaden nicht funktionierte, wurde von furiosen Aachenern in ein kollektives Schleudertrauma gespielt.
Die in dieser Saison noch sieglosen Gäste aus dem Drei-Länder-Eck machten, was man in so einer Situation so machen muss. Sie rannten um Ihr Leben, ackerten, pressten, grätschten was das Zeug hielt. Und der RWE? War vorher offensichtlich von vermeintlicher eigener Stärke überzeugt und wirkte völlig überrascht und überfordert von und mit dem, was sich da entgegenstellte. Coach Koschinat hatte sich also erneut für die Dreier-Kette entschieden, die schon in Wiesbaden in Hälfte eins nicht funktionierte. Dass das kein Versehen war, sollte nun endgültig klar sein. Zudem wurde die Startformation auf zwei Positionen verändert, neben Obuz in der Offensive, wurde Gjasula geopfert, was sich als Fehlentscheidung herausstellte, denn so unspektakulär und ineffektiv Gjasulas Stil erscheint, es gibt dem Spiel Ruhe und Ordnung. Es hätte ein anderes Spiel werden können, wenn Safi die Murmel nach etwa zwölf gespielten Minuten frei vor dem Tor mal versenkt hätte, statt sie dem Aachener Schlussmann unspektakulär in die Arme zu lupfen. Nach einer Viertelstunde gerieten die Roten im eigenen Strafraum in Bedrängnis, als eine Drucksituation spielerisch gelöst werden sollte. Bazzoli bekam den Ball an der Strafraumgrenze, hatte eigentlich ausreichend Zeit, was auch immer zu machen. Er machte aber einfach nichts und sah sich plötzlich drei Gegnern gegenüber. Der Rest war ein Ballverlust und ein Foul im Sechzehner, als er zu retten versuchte, was nicht mehr zu retten war. Jakob Golz ist ein starker Torhüter, aber ein Elfmeter-Killer ist er sicher nicht. Ein Elfer-Pfiff für den Gegner ist leider auch immer gleichbedeutend mit einem Gegentor.
Das Bild änderte sich nach dem Rückstand nicht. Die Gäste waren das bessere Team und hatten gefühlt Chancen im Zwei-Minuten-Takt. Hofmann entschied sich an der eigenen Eckfahne für das Dribbling. Dem Ballverlust folgte ein schneller Ball in den Strafraum und ein Foul von Kraulich und zum zweiten Mal zeigte der Referee auf den Punkt. Dass die Kirsche drin war, sollte dem Leser inzwischen klar sein. Nach einer halben Stunde wurde wieder Safi auf die Reise geschickt und vom letzten Alemannen gefoult. Der Schiri zog nur den gelben Karton mit Verweis darauf, dass ein zweiter Verteidiger dabei war. Aber eben einen Meter dahinter, er hätte Safi nicht erreichen können und nach meinem Verständnis hätte es folgerichtig Platzverweis geben müssen. Gab es aber nicht. Schultz per Kopf und Brumme mit einem knapp am linken Pfosten vorbei streichenden Volley hätten verkürzen können, aber auch die Gäste hatten weitere Möglichkeiten. Koschinat versuchte in der Pause seine Fehler zu korrigieren, aber auch die Umstellungen brachten zunächst nichts. Nach einer Stunde machte Golz seinen einzigen Fehler in diesem Spiel, als er einen langen Ball abwehren wollte und dabei einen Aachen Stürmer komplett über den Haufen bügelte. Unnötig, weil Alonsa da war, um zu klären. Der dritte Elfmeter schien das Spiel zu entscheiden, aber Mizuta verkürzte nur vier Minuten später per Kopf. Nun waren die Roten endlich da und bissen sich selber in die Partie. Die Schwarz-Gelben hielten dagegen, waren aber nun weniger präsent. Ein bisschen nervte dann das übertriebene Rumgewälze der Gäste nach jedem härteren Zweitkampf, so einen Mädchenkram hatten sie heute eigentlich gar nicht nötig. Chancen gab es nun hüben wie drüben. Einem Lattentreffer der Alemannen folgte kurz darauf ein ebensolcher von Mizuta aus spitzem Winkel.
Die Roten versuchten nun zu drücken, aber viel Brauchbares kam dabei nicht rum. Als alle endgültig mit dem Spiel abgeschlossen hatten traf der eingewechselte Potocnik nach der Hälfte der achtminütigen Nachspielzeit doch noch zum Anschluss. Es blieben vier Minuten, in denen die Aachener nun die Bälle panisch löschten und die Roten mit dem Mute der Verzweiflung anrannten. Aber zu ungenau und überhastet. Müsel und Mizuta mit sogenannten Halb-Chancen konnten das Remis nicht mehr erzwingen und vorbei war es. Für die Alemannia ist der RWE aktuell ein angenehmer Gegner, der artig die Punkt abliefert. Zu den Stimmungsverhältnissen kann ich wieder wenig sagen. Der Gäste-Sektor war laut und voller Energie. Das war auf jeden Fall ein guter Auftritt, aber weil ich eben nah am Gästeblock sitze, verfälscht dies den Eindruck von der eigenen Kurve. Die aktive Szene der Rot-Weissen ‚glänzte‘ dann noch mit einem Transparent gegen den erst vor zwei Tagen verpflichteten Jannik Mause, der eine Aachener Vergangenheit hat und von dem ein Video kursiert, wo er mit Alemannia-Anhängern auf Mallorca in einen Pöbelgesang gegen den RWE einstimmt. Ob man einem neuen Spieler eine gute Basis schafft, wenn man ihm eine Jahre alte Verfehlung unter dem Einfluss von ein paar Bier vorwirft, stelle ich mal in Frage. Ich hoffe jedenfalls, jetzt hört endlich das Geseier vom Aufstieg auf. Ein paar wohlklingende Spielernamen machen halt noch keine Spitzenmannschaft. Auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole, aber in dieser irren Liga sollte man erst einmal demütig die für den Klassenerhalt nötigen Punkte sammeln, bevor man sondiert was als Bonus möglich ist.

Wetter – Do., 28.09.2025, 19:00

SuS Volmarstein vs SC Concordia Hagen 0:2

Köhlerwaldstadion, 50 Zuschauer, Kreispokal Hagen 1.Runde
After-Work-Football durfte es heute mal sein, denn bald kommt wieder die dunkle Zeit des Jahres und im Nieselregen oder bei Arschkälte unter der Woche an irgendeiner Plastik-Wiese zu stehen, ist nicht mehr mein Ding. Im Wetterer – wie drückt man das eigentlich korrekt aus? – Ortsteil Volmarstein (also in Wetter-Volmarstein) kämpften zwei B-Ligisten um den Einzug in die nächste Runde des Kreispokals. In einem gar nicht mal so schlechten Spiel war die Concordia das etwas bessere Team und damit der verdiente Sieger.

Gdansk – So., 24.08.2025, 17:30

KS Lechia Gdansk vs Arka Gdynia 1:0

Arena Gdansk, 37.500 Zuschauer, Ekstraklasa
Die Freitag-Ansetzung des RWE-Spiels eröffnete für das Wochenende natürlich noch Möglichkeiten. Schon vorher drauf geschielt, fiel dann die finale Wahl auf das ‚Derby Trójmiasta‘ zwischen Lechia Gdansk und Arka Gdynia. Als ‚Trójmiasto‘ (übersetzt: Dreistadt) wird die Region der nahe beieinander liegenden Städte Gdansk, Gdynia und Sopot genannt. Zwar hatte ich im für die Europameisterschaft 2012 erbauten Stadion kurz nach dem Turnier irgendwann schon mal ein Ligaspiel gesehen, ein ausverkauftes Derby war aber sicher ein Grund noch mal anzureisen. Da Arka nach fünf Jahren auch erst zu dieser Spielzeit wieder in die Ekstraklasa aufgestiegen ist, hatten sich beide Vereine in den letzten Jahren nicht sehr oft gesehen, was ja dann ein ‚erstes Wiedersehen‘ auch immer gern noch mal etwas anfeuert. Ein weiterer Grund für die Anreise, war die Möglichkeit meinen ehemaligen, seit einigen Jahren in Gdynia lebenden Mannschaftskollegen Slawo zu besuchen, ein Torwart mit Weltklasse-Niveau, mit dem ich einige Jahre bei den Frintroper Adlern unterm schönsten Wasserturm der Welt die Knochen hingehalten habe. Nach einem entspannten Samstag-Abend war am Sonntag-Morgen Zeit, sich ein wenig in Gdynia umzusehen, viel zu bieten hat die Stadt aber nicht. Dazu muss man wissen, dass in der heute knapp 250tsd Einwohner zählenden Stadt vor 100 Jahren nur 6.000 Menschen lebten, diese dann aber zum wichtigsten Hafen Polens ausgebaut wurde. Die Hafenpromenade ist dann auch eigentlich der einzige Flecken, den es sich zu besuchen lohnt.
Früh in der Saison kam es also schon zum Derby. Beide Teams waren bescheiden in die Saison gestartet. Nach fünf Spielen wies Arka fünf Punkte auf der Habenseite aus, während Lechia trotz zwei erreichter Remis gar mit minus drei Punkten ganz unten in der Tabelle stand, da der Club wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in der Vorsaison mit fünf Minuspunkten in die neue Spielzeit ging. Da es das Derby im vergangenen Jahr aufgrund unterschiedlicher Ligen-Zugehörigkeit nicht gab, waren die Leute heiß auf den Kick und das goldene Osterei meldete ausverkauft. Das bedeutete bei 41.000 Zuschauern Fassungsvermögen, was für den normalen Liga-Alltag völlig überdimensioniert ist, aufgrund von Pufferblöcken heute 37.500 Anwesende. Die Gäste hatten 1.800 Tickets zugeteilt bekommen. Die ‚Ultras Lechia‘ starteten mit einer groß angelegten Choreo in die Partie. Vor grünen und silbernen Glitzerfolien wurde ein stattlicher, grimmig dreinschauender, muskulöser Löwe hochgezogen – der Löwe ist ein Wahrzeichen der Stadt Gdansk – welcher eine Lechia-Fahne und einen Ball mit einer 80 darauf in den Pranken hielt. Am Zaun prangte ein großes Banner mit dicken Buchstaben „80 lat dumy, walki, wiary“, übersetzt „80 Jahre Stolz, Kampf, Glaube“, die 80 bezog sich natürlich auf das entsprechende Vereinsjubiläum in diesem Jahr.
Im Gästeblock gab es optisch erst einmal nichts, außer einer gelben Wand, denn beinahe jeder trug ein gelbes Shirt oder Trikot. Freunde aus der starken Koalition mit Lech Poznan und Cracovia waren nicht anwesend. Anders sah das in der Heimkurve aus. Natürlich waren Freunde von Slask Wroclaw angereist, die Freundschaft zwischen den Ultras von Lechia und Slask ist die aktuell älteste in Polen. Außerdem waren die Freunde von Gryf Slupsk und Czarni Slupsk zugegen, ebenso wie die Bündnis-Partner von Stomil Olsztyn, die gute Beziehungen sowohl zu Lechia als auch zu Slask pflegen. Gar nicht einordnen konnte ich die Leute von Rakow Czestochowa, da muss es sich um eine neue Verbindung handeln. Aber das Geflecht aus Freundschaften und Bündnissen ist in Polen ja auch schwer zu durchschauen, da ist ja regelmäßig Bewegung drin. Der dritte Status, den eine Fangemeinde haben kann ist übrigens der ‚Fanclub‘. Kleine Szenen unterklassiger Vereine aus dem Umland werden verpflichtet, den Branchenführer der Region ebenfalls zu supporten. Zwangsarbeit sozusagen. Die zweite Aktion der Lechia-Kurve folgte bald. Vor einem Kreuz aus grünen und weißen Schwenkern wurde eine große Blockfahne gezeigt. Ein kräftiger Totenkopf-Mann mit Ultras Lechia-Hoodie hatte in der rechten und linken Hand jeweils ein belämmert schauendes Schwein am Wickel. Das eine Schweinchen war unschwer als Beamter der Policja zu identifizieren, das andere als Arka-Kibol. Gut gemalt und für mich das Highlight des optischen Spektakels
Man konnte sich das Geschehen in der Kurve ruhig in aller Ruhe anschauen, denn was auf dem Rasen abgewickelt wurde, verursachte Schmerzen auf den kurzsichtigen Linsen. Klar, der polnische Fußball gehört nicht zum besten in Europa, aber dieser Kick verdiente wirklich keine nähere Betrachtung. Fehlpässe waren Trumpf und keine Flanke fand ihren Adressaten, so ging es torlos in die Pause. Im zweiten Durchgang zeigte die Heimkurve zwei weitere Aktionen. Zunächst wurde ein große Trikot-Blockfahne mit der Brustwerbung „CHWDP“ hochgezogen. Das Kürzel steht für „Chuj w dupe policji“, übersetzte „Schwanz in den Arsch der Polizei“, also so in etwa das polnische „ACAB“. Das Trikot wurde lange oben gehalten, wie ja jede Choreo-Aktion in den polnischen Kurven deutlich länger präsentiert wird, als in anderen Ländern. Die Kurvengänger sehen hier jedenfalls nie allzu viel vom Spiel und auch die Stimmung leidet etwas darunter, aber die ist ja eh ganz anders organisiert als zum Beispiel in Deutschland. Nach und nach schlüpften dann in Maler-Anzüge gekleidete Kibice unter dem Trikot hervor, dieses wurde heruntergezogen und über 100 grüne Fackeln erleuchteten die Kurve. Auch der Gästeblock hatte mittlerweile seine Aktion durchgezogen. Eine Blockfahne mit einem Arka-Gott, welcher einen Lechia-Gott in die Knie zwingt, wurde präsentiert. Als Untermalung hing am Zaun ein Banner mit Aufschrift „Trojmiasto jednego Boga“, was „Trojmiasto hat nur einen Gott“ bedeutet.
Zuletzt zeigte die Lechia Kurve erbeuteten Arka-Stuff, der am Zaun aufgehängt wurde, unter anderem auch ein Arka-Banner. Dass die Brocken kurz darauf ein Raub der Flammen wurden, war natürlich klar. Abgerundet wurde das gesamte Spektakel von einigen zwischendurch gezeigten Botschaften der Lechia-Ultras an ihre Kontrahenten auf der anderen Seite. „Kurwy“, Hure, war ein gern benutztes Wort auf den Spruchbändern. Es gab in den Fankurven also reichlich zu sehen und als der letzte Arka-Schal verglüht war, besannen sich dann auch die Aktiven mal auf ihren Auftrag. Die gefühlt einzige Flanke des Tages, welche einen Abnehmer fand, führte kurz vor dem Ende zum umjubelten Siegtreffer für die Grün-Weißen. Im gesamten war das eine kurzweilige Nummer, welche die Anreise gerechtfertigt hatte. Dass ich das Spiel mal bei Arka gesehen habe, ist auch beinahe zehn Jahre her, kann man vielleicht auch mal erneuern, sofern dem Lechia-Anhang die Anreise erlaubt wird. Nach zwei entspannten Gute-Nacht-Piwo brachte mich Wizzair am nächsten Morgen wieder in den Ruhrpott.

Wiesbaden – Fr., 22.08.2025, 19:00

SV Wehen Wiesbaden vs Rot-Weiss Essen 3:4

Arena Wiesbaden, 5.094 Zuschauer, 3.Liga
Wo fange ich an, wo höre ich auf? Der glorreiche RWE war mal wieder zu Gast bei diesem zweifelhaften Club in der hessischen Landeshauptstadt. Von Fußball-Traditionalisten wird der Verein ja ungeachtet seiner relativen Erfolge zurecht nicht ernst genommen. Vor nicht ganz 20 Jahren wurde der SV Wehen Taunusstein nach Wiesbaden verpflanzt und heißt seitdem SV Wehen Wiesbaden – keine allzu rührende Story, um der hessischen Landeshauptstadt einen Profi-Fußballverein zu verschaffen. Mangels geeigneter Spielstätte wurde auch gleich ein gesichtsloses Durchschnittsstadion zusammengeklöppelt, welches nie einen eigenen Namen trug, sondern seit jeher auf den Unternehmensnamen des Vereinspräsidenten hört. Mit der Fassade in Wellblech-Optik ist die Schachtel auch eher zweckmäßig und nur begrenzt schön anzusehen. Ändert alles nix, man muss ja hin, um dieser Zangengeburt die Punkte abzuknöpfen. Ist in der Realität natürlich weniger einfach, als es flapsig hingeschmirgelt ist, denn der SVWW gehört schon zu den stärker einzuschätzenden Teams der Liga. Dazu war der RWE so ein wenig dazu verdammt, auf jeden Fall was Zählbares mitzunehmen, die Ausgangslage also insgesamt eher unangenehm. Die Roten starteten mit viel Spielkontrolle in die Partie, waren aber im vorderen Drittel zu unpräzise und verpassten die Möglichkeit, das rot-weisse Schiff direkt auf Kurs zu bringen
 Nach einer Viertelstunde nahmen die Gastgeber dann auch teil und das nicht übel. Durch schnelles Umschalten nach zu vielen Ballverlusten der Rot-Weissen wurden diese mehrfach in Bedrängnis gebracht. Einige Freistoß-Flanken und Eckbälle flogen in den Gäste-Strafraum und irgendwann war es passiert – die Kirsche lag im Netz hinter Jakob Golz. Obus bekam dann allein vor dem Wehener Tor die Riesenchance zum Ausgleich, sein Heber landete aber neben dem Gehäuse. Dafür wurde es vor dem Gäste-Kasten weiter brenzlig. Bei zwei Pfosten-Treffern und einem Abseitstor hätte die Nummer zur Halbzeit auch schon durch sein können. RWE-Coach Koschinat hatte sich offenbar etwas dabei verpokert, einen funktionierenden Defensivverbund durch die Herausnehme von Schulz zu sprengen. Mit dem Seitenwechsel wurden dann Umstellungen vorgenommen. Statt Dreier- hieß es nun Viererkette und Mizuta kam herein, um dem Angriffsspiel mit seiner quirligen Art Dynamik zu verleihen. Gjasula, der heute ungewohnt unsicher und zudem rot-gefährdet war, ging für ihn raus. Die Roten waren nun wie verwandelt und zogen die Partie auf ihre Seite. Plötzlich wurden Chancen kreiert und die Gastgeber konnten sich nicht mehr entfalten. Zwischen Minuten 55 und 70 drehte der Deutsche Meister von 1955 die Partie komplett. Alonso knallte die Kirsche nach einer Ecke aus ein paar Metern unter die Latte und von dort prallte der Ball knapp aber deutlich sichtbar zum Ausgleich hinter die Torlinie.
Wenig später schmiss Safi seinen Turbo an, eilte auf dem rechten Flügel allen davon und bediente klug Mizuta, der den Ball zum Ausgleich ins linke untere Eck schob. Schließlich brachte ein Handelfmeter den dritten Treffer durch Arslan. Aufgabe erledigt? Mitnichten, denn nun wurde es immer wilder. Der heute Abend ohne große Fehler trotzdem etwas indisponiert wirkende Golz verursachte nur wenig später einen Foulelfmeter, der Wehen den Anschluss brachte. Drei Minuten vor dem Ende musste sich Obuz anlasten lassen, eine Flanke nicht energisch genug verhindert zu haben. Über Umwege landete der Ball auf dem Kopf eines Wehener Spielers und die Partie war wieder auf Remis gestellt. Das Visier war aber nun bei beiden Teams offen. Mizuta hatte beinahe im Gegenzug wieder die Führung erzielt, was die Gastgeber mit etwas Glück verhinderten. Dennoch fand der Kick noch einen Sieger und zwar den richtigen! Koschinat bewies in der Schussminute ein glückliches Händchen und wechselte Owusu und Müsel ein. Der eine legte ab auf den anderen und schon lag der RWE wieder in Front. Kurz danach war die turbulente Fahrt vorüber und wichtige Punkte gingen nach Essen. Für neutrale Besucher war das sicher eine tolle Veranstaltung, ich bin aber wieder deutlich gealtert. Das Gedächtnis hatte aber wohl eh schon gelitten, denn da ich meine Digi vergessen hatte, kann ich leider nur ein paar lausige Handy-Fotos bieten.

Essen – Mo., 18.08.2025, 20:45

Rot-Weiss Essen vs BV Borussia Dortmund 09 0:1

Stadion an der Hafenstraße, 19.300 Zuschauer, DFB-Pokal 1.Runde
Im DFB-Pokal wurde dem glorreichen RWE der BVB zugelost. Während diese Auslosung bei den meisten RWE-Anhängern Begeisterung auslöste, war mein Blick auf diese Begegnung eher gemäßigt. Sicher, gesichtslose Gegner wie Hoffenheim oder Wolfsburg hätte auch keiner gewollt, ein durchschnittlicher Zweitligist wäre mir aber deutlich lieber gewesen, hätte das doch die Chancen auf ein Erreichen der nächste Runde erhöht. Nicht das ich glaube, dass der RWE den Pokal gewinnen könnte, aber jede überstandene Runde bedeutet ja einen weiteren Geldsegen. Nun also der BVB, der schier übermächtig erschien und einen Erfolg in den Bereich des annähernd Unerreichbaren katapultierte. Hoffnung machte der gut besetzte Kader der Roten und die Tatsache bereits seit zwei Wochen im Wettbewerbs-Rhythmus zu stehen, während es für die Borussia das erste Pflichtspiel der neuen Saison war. Dass die Bude an der Hafenstraße bis auf den letzten sichteingeschränkten Platz gefüllt war, braucht wohl nicht gesondert erwähnt zu werden. Vor dem Anstoß wurde eine Gedenkminute für Frank Mill abgehalten, der ja für beide Vereine gespielt und reichlich getroffen hatte. Die Gäste hatten Anstoß und sofort ging es nach vorne. Nach einer Minute gab es den ersten Abschluss durch Sabitzer, der aber unplatziert aufs Tor kam und für Golz kein Problem bedeutete. In den ersten zehn Minuten hatte ich Sorge, dass die Nummer ne ganz deutliche Sache wird, da die Roten erhebliche Probleme mit dem Tempo der Borussen hatten. Nach zehn Minuten waren sie dann drin in der Partie. Zwar hatte der BVB deutlich mehr Ballbesitz, aber der RWE konnte sich immer wieder befreien und selbst mal die gegnerische Hälfte beackern.
Mizuta beschwor nach etwas mehr als einer halben Stunde dann mit einem Strahl von der Strafraumgrenze zum ersten Mal echte Gefahr herauf. Kobel konnte den Ball nur nach vorn abklatschen, den Abpraller erwischte Alonso in Abseitsposition, ins Tor ging der Ball eh nicht. Fünf Minuten vor dem Ende schickte Kraulich den pfeilschnellen Safi mit einem Traumpass auf die Reise. Allein vor Kobel brachte dieser den Ball aber nicht am Schlussmann vorbei, mit seinem Tempo hätte er ihn aber vielleicht auch ausspielen können. Hätte, wenn und aber, vorbei war die große Gelegenheit zur Führung. Mit einem großenteils gerechten Remis ging es in die Pause. Auf der Westtribüne hätte es vor dem Spiel als Intro eigentlich eine Choreo geben sollen. Diese wurde aber aufgrund zu später Anmeldung untersagt, die Zeit hätte für die Materialprüfung durch die Brandschutzbehörde angeblich nicht mehr ausgereicht. Das zur Choreo gehörende Banner wurde im Laufe des ersten Durchgangs dann trotzdem am Zaun befestigt. „Wir sind zwar nicht der Favorit, doch bereit alles zu geben“ stand in großen Lettern zu lesen. Mit dem Wiederanpfiff wurde dann ein Spruchband mit der Aufschrift „Zu spät für den Vorstand der 112?! Dann halt Feuer frei“ präsentiert und kurz danach erstrahlte die Westtribüne im Scheine roter und weißer Blink-Bengalos.
Und wenn man einmal vermummt ist, kann man ja auch weitermachen. Die Pyro-Festspiele waren also eröffnet, wofür hat man das Zeug auch mit. Während der gesamten zweiten Halbzeit loderte es mal hier und mal da. Die Dortmunder Ultra-Fraktion tat dem gleich und zündelte ebenfalls immer wieder. Sportlich blieb auch der zweite Durchgang weitestgehend offen. Zwar drückte der BVB die Roten nach einer Stunde Spielzeit mehr und mehr in die Defensive, so dass der RWE sehr tief stand, Tormöglichkeiten sprangen dabei aber nicht heraus. So verging die zweite Spielhälfte hüben wie drüben ohne zwingende Strafraum-Szenen. Wohl dem, der dann einen Ausnahme-Stürmer hat. Die Druckphase der Gäste war eigentlich gerade vorbei als Guirassy gut zehn Minuten vor Schluss den Ball mit dem Rücken zum Tor am Strafraum bekam. Einer schnelle Drehung nach links folgte ein direkter Abschluss und die Murmel rauschte durch viele Abwehrbeine hindurch an dem sich lang und länger machenden Golz genau neben dem rechten Torpfosten flach ins schwarz-gelbe Glück. Mit dem Abschluss ohne Blick zum Tor gehörte da natürlich etwas Fortune aber auch einiges an Können zu. Die Rot-Weissen versuchten nun noch mal alles und in der Schlussminute gab es noch einen Aufreger.
Martinovic bekam nach einem recht niedrigen Diagonalball durch den Sechzehner die Kopfball-Chance. Da der Ball etwas in den Rücken gespielt wurde, konnte der Stürmer die Kirsche nicht richtig platzieren, aber Mane traf ihn beim Rettungsversuch leicht am Kopf. Kopf zu tief, Bein zu hoch, die Diskussion ist so alt wie das Spiel selber, aber da Mane den Ball überhaupt nicht traf, sondern nur Martinovic, war das nach meiner Meinung ein Foulspiel und hätte mit einem Strafstoß geahndet werden müssen. Der VAR hätte es vermutlich gerichtet. Der wird aber in der ersten Runde nicht angewendet und das ist auch gut so, denn ich nehme weiterhin lieber eine Fehlentscheidung in Kauf, anstatt dieses zermürbende Video-Gewürge ertragen zu müssen. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Owusu, der überzogen ungestüm gegen Couto zu Werke ging und diesem mit blanker Sohle das Knie perforierte. Das sah übel aus und war eigentlich einer dunkelroten Karte würdig, wurde aber erstaunlicherweise nur mit dem gelbem Karton belohnt. Kurz danach war es vorbei und der RWE wurde für eine couragierte Leistung gegen den Champions League-Teilnehmer leider nicht belohnt.

Üxheim – Sa., 16.08.2025, 19:45

TuS Ahbach vs HSV Neuwied 2:2

Sportplatz St.-Wendelin-Straße, 120 Zuschauer, Bezirksliga Rheinland Mitte

Für den Heimweg in den Pott hatte mir der Obmann der Bezirksliga Rheinland noch ein Bonusspiel gegönnt. Mitten in der Eifel liegt der kleine Ort mit dem interessanten Namen Üxheim, wo der TuS Ahbach seine Heimat hat. Der Ahbach ist kein Ort, sondern ein Wasserlauf, der die Region durchschneidet. Der Zufall wollte es, dass der Spielort nur wenig abseits der Route lag. Eine gute Gelegenheit ungefähr auf halber Strecke noch einmal einen Stopp einzulegen. Die Anlage hat bis auf einige Stufen vor dem Sozialgebäude keinen besonderen Ausbau zu bieten, sondern besticht eher durch die landschaftlich schöne Lage. Davon war allerdings in der Dämmerung auch nicht mehr viel zu sehen. Dafür zog ein ziemlich unangenehmer Wind über die ungeschützte Anlage, der schon beinahe ein Herbstgefühl vermittelte. In einer von beiden Seiten ziemlich hart geführten Partie konnten die Gäste eine 2:0-Führung herausschießen, ehe den Gastgebern in der Schlussphase noch zwei Treffer zum Ausgleich zum Punktgewinn gelangen.