Essen – Sa., 04.04.2026, 16:30

Rot-Weiss Essen vs MSV Duisburg 1:0

Stadion an der Hafenstraße, 19.300 Zuschauer, 3.Liga
Lange war das Spiel gegen die Zebra-Herde aus Meiderich ein Derby zweiter Klasse. Da aber das einzig wahre Derby gegen den größten Rivalen aus der Stadt mit der höchsten Arbeitslosenquote Deutschlands zuletzt vor mehr als 30 Jahren stattfand, hat sich das Spiel gegen die Gurkentruppe von der Regattabahn zum aktuell wohl wichtigsten Duell gemausert. Auch dadurch begünstigt, dass die Klingen in den vergangenen Jahren ja häufiger gekreuzt wurden. Aufgrund der sportlichen Ausgangslage war heute noch mal ne Schüppe mehr Brisanz dabei, es brannte schon ziemlich die Luft. Die großen Ultra-Gruppen des RWE hatten gemeinschaftlich eine groß angelegte Choreo gefertigt. Auf einer die ganze Westkurve bedeckenden Blockfahne war ein martialisches Motiv unter der Überschrift ‚Schlachthof Hafenstraße‘ abgebildet. Zwar gut und detailliert gemalt, aber nichts für Moralapostel und zartbesaitete Gemüter. Der Gästeblock verzichtete heute auf jegliche Stilelemente. Jedoch wurde von der ‚Proud Generation‘ schon vor dem Display der RWE-Choreo ein Spruchbang präsentiert, das Bezug zu eben jener nahm. Immer wieder interessant, wie in den Ultra-Szenen Information durchsickern und Aktionen geleakt werden. In der Westkurve wurde noch ein Spruchband zur Rauch-Fernzündung im Spiel bei der Kölner Viktoria gezeigt, die ja nach meiner Meinung eine durchaus gelungene Provokation vor dem Derby war. Außerdem wurden die sexuellen Vorlieben eines ‚Kohorte‘-Mitglieds geoutet – schon eher eine fragwürdige Aktion, aber das muss man wohl abkönnen, wenn man einer Ultra-Gruppierung angehört.
Die Roten waren von Beginn an drin in der Partie und überließen dem Gegner nicht einen Millimeter Rasen zur Entfaltung. Hüning setzte mit einem Kopfball nach wenigen Minuten ein erstes Zeichen und nur das Aluminium verhinderte die frühe Führung. In der Folge kontrollierte der RWE die Partie, die Abschlüsse waren aber ungefährlich. Die Meidericher kamen aus dem Spiel heraus überhaupt nicht zur Geltung, konnten nur bei Eckbällen im rot-weissen Sechzehner Präsenz zeigen. Als man eigentlich davon ausgehen konnte, dass es torlos in die Pause geht, gingen die Rot-Weissen doch noch in Führung. Mizuta, der ein Riesen-Spiel machte, war einmal mehr der Ausgangspunkt. Seine Flanke von links fand zwar keinen Abnehmer, aber die Kirsche querte den gesamten Strafraum und landete bei Brumme. Dieser ließ einen Gegner aussteigen und passt quer wieder auf Mizuta, der sich in den Rückraum geschlichen hatte, mutterseelenallein war und per Direktabnahme zur Führung rechts unten einlochte. Wird schwer den Japaner, dessen Vertrag ausläuft, zu halten, dafür muss wohl schon mindestens der Aufstieg her. Der Treffer fiel zum richtigen Zeitpunkt, denn nach einem Sanitäter-Einsatz in der Westkurve hatten beide Seiten gerade erst wieder den Support aufgenommen. Kurz nach Wiederanpfiff zirkelte Brumme einen direkten Freistoß aus halblinker Position links an der Mauer vorbei und die Kugel klatschte ans Aluminium. Danach gab es weitere Möglichkeiten, aber auch der MSV nahm nun ein wenig am Spiel teil und Golz musste den Ausgleich mit einer Fußabwehr verhindern.
Zwanzig Minuten vor Schluss hätte Müsel für etwas mehr Gewissheit sorgen können. Von Gjasula mit einem fantastischen Steilpass eingesetzt, schabbelte er das Spielgerät etwas bedrängt an MSV-Schnapper Braune vorbei und zum dritten Mal war der Torpfosten der beste Duisburger Verteidiger. Dann wurde es hektisch auf dem Grün. Nach dem üblichen Gerangel nach einem Eckball für die Gäste, ließ sich Casar zu einer Tätlichkeit hinreißen und trat den vorzeitigen Gang unter die Dusche an. Und plötzlich war es ein anderes Spiel. Ich stehe eh nicht so auf Platzverweise für den Gegner. Die Ordnung geht durch die geänderten Kräfteverhältnisse oft völlig verloren und die Mannschaft in Unterzahl macht auf einmal zusätzliche Kräfte frei. So war es auch heute, denn die Roten kamen total aus dem Tritt und der MSV noch zu zwei recht ordentlichen Chancen. Das konnte aber am hochverdienten Sieg nichts mehr ändern, auch im siebten Spiel in Folge gegen die Gestreiften blieb der RWE ohne Niederlage und die Hafenstraße versank im Jubel. Und der RWE beißt sich richtig in der Spitzengruppe fest. Fünf Siege in Serie führen dazu, dass selbst ein Pessimist wie ich plötzlich an den Aufstieg glauben mag. Aber alle sind gut beraten von Spiel zu Spiel zu denken. In dieser Liga kann sich alles ganz schnell wieder drehen. Denn wer hätte nach den beiden ganz schwachen Auftritten in Osnabrück und Rostock schon diese Siegesserie erwartet. Next Stop Schweinfurt.