
FC Viktoria Köln vs Rot-Weiss Essen 1:2
Stadion im Sportpark Höhenberg, 6.640 Zuschauer, 3.Liga

Auch das Auswärtsspiel der Roten auf der Kölner ‚Schäl Sick‘ hatte ich ursprünglich nicht auf der Speisekarte. Ursprünglich wurde dieses Wochenende für den Ausflug mit der buckligen Verwandtschaft sogar gezielt ausgewählt, da mich der Trip zur Viktoria prinzipiell nur nervt. Dem eigentlich einzigen Pro mit der kurzen Anreise standen zwei schwere Kontras entgegen. Zum einen das Stadion, welches einfach nur nervt. Die stattliche Haupttribüne ist noch recht ansehnlich, der Gästebereich dagegen einfach nur unappetitlich, denn die flache auf der alten Bausubstanz ruhende Stehgerade ist kein wirkliches Fundament für gute Stimmung. Der Stahlrohr-Sitzblock für die Gäste wurde in die Ecke gezwängt und auch die winzige, mit bloßem Auge kaum zu erkennende Vikki-Szene kann sich auf ihrem Metallgerüst kaum wohlfühlen. Dazu erinnert der VIP-Bereich hinter dem nördlichen Tor eher äußerlich an ein Billard-Cafe. Zum anderen litt der glorreiche RWE in den letzten Spielen im Stadtteil Höhenberg an chronischer Erfolg- und Torlosigkeit. Seit mehr als 13 Jahren konnte kein dreifacher Punktgewinn erreicht, in den letzten fünf Spielen nicht einmal ein Tor erzielt werden. Überhaupt war keine Torflut zu erwarten, in den zehn Spielen seit dem letzten RWE-Sieg im rechtsrheinischen Köln fielen gerade einmal genauso viele Tore, in den letzten fünf Partien gar nur deren zwei. Die späte Anstoßzeit, die eben nach Rückkehr aus Niedersachen die Option öffnete, und der aktuelle Erfolgslauf animierten mich dann doch anzureisen und dem Gesetz der Niederlagen-Serie nach musste ja auch diese irgendwann mal reißen.
Nach unsäglichen durch die Presse angefeuerten Diskussionen, dass es nicht gelingt, in Essen eine Aufstiegseuphorie zu entfachen und nicht alle verfügbaren Gäste-Tickets im Vorfeld des Spiels vergriffen waren, befanden sich unter den sechseinhalbtausend letztlich doch an die 4.000 aus der Ruhr-Metropole. Davon mindestens ein Drittel auf der Haupttribüne, die einfach eine bessere Sicht auf das Geschehen und als einzige Tribüne einen Wetterschutz bietet, auch wenn letzteres heute zu vernachlässigen war. Nach drei Siegen reiste der RWE mit breiter Brust an. Alonso präsentierte dann aber direkt mal wieder einen seiner seltenen aber immer wieder mal auftretenden Aussetzer, zum Glück folgenlos. Der sonst insgesamt wieder starke Verteidiger legte einem Kölner Stürmer die Murmel nach vier Minuten in den Lauf, dieser war aber von dieser Großzügigkeit dermaßen übermannt, dass er das Spielgerät über das Tor drosch. Dann nahmen die Roten Fahrt auf. Nach zehn Minuten eroberte Alonso im Mittelfeld vom Gegner den Ball, dieser gelangte zu Müsel, der wiederum auf Mizuta durchsteckte. Der quirlige Japaner legte nach rechts auf den mitgelaufenen Abiama ab, welcher kompromisslos abschloss und die Murmel ins rot-weisse Glück beförderte. Auch die nächste Situation ging über Müsel, der einen herrlichen Diagonalpass auf Abiama schlug, der eine lang und länger werdende Flanke auf den zweiten Pfosten servierte, wo der einlaufende Brumme nur wenig mehr als eine Minute nach dem ersten Treffer direkt erhöhte.
Doppelschlag, es lief also. Etwas zu gut, denn die Psychologie der Führung ermunterte die Roten, den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Gastgeber wurden etwas agiler, kamen aber nur zu einem gefährlichen Abschluss nach einer halben Stunde, als sich Golz strecken musste, um einen Kopfball zu entschärfen. Ansonsten verwaltete der RWE die Führung unaufgeregt und Abiama hätte den Sack mit dem Pausenpfiff eigentlich schon zuschnüren können. Völlig unnötig kam die Viktoria dann nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff zum Anschluss. Nach einer Freistoßflanke pingpongte die Murmel durch den Sechzehner und Alonsos Klärungsversuch kurz vor der Torlinie fand nur noch ins eigene Netz. Kein guter Tag für den Leistungsträger, der auch noch seine fünfte gelbe Karte sah und dadurch im Derby gegen Meiderich fehlen wird. Danach passierte erst einmal nicht viel, wenn man von einer blauen Rauchdose absieht, welche die MSV-Szene wohl vorher schon mal als Derby-Gruß im Away-Sektor versteckt hatte und die nun von ein paar ‚Terroristen‘ von draußen ferngezündet wurde. Zwanzig Minuten vor dem Ende zündete langsam auch die Viktoria und bereitete der RWE-Defensive ordentlich Beschäftigung. Diese löste die gestellten Aufgaben aber fast fehlerfrei und da die eigenen Konterchancen mal wieder desaströs gespielt wurden, blieb es beim knappen Auswärtssieg und der glorreiche RWE grüßt zum allerersten Mal seit dem Aufstieg in die Dritte Liga von einem direkten Aufstiegsplatz.















