
TSG 1899 Hoffenheim U23 vs Rot-Weiss Essen 2:4
Dietmar-Hopp-Stadion, 1.465 Zuschauer, 3.Liga

Auswärts bei der U23 der TSG Hoffenheim. Klingt wie eine Höchststrafe, empfand ich aber – nicht wenigen Lesern wird das paradox erscheinen – als gutes Ziel. Zum einen wurde in einem Stadion gespielt, in dem der RWE noch nie vorher antrat, welches dazu in einem 3.500-Seelen-Ort liegt. Zum anderen ist die Lage durchaus speziell, nämlich am Ortsrand oberhalb von Hoffenheim, das ja Teil von Sinsheim ist, gelegen, was vom Gästeparkplatz einen kurzen Aufstieg durch den Wald zum Stadion erfordert. Da sich ein paar bekannte, allerdings einem anderen Verein zugewandte Gesichter angekündigt hatten, entschied ich mich gegen die Spielbeobachtung aus dem Gästeblock und verfolgte die Partie, wie nicht wenige andere Rot-Weisse, aus dem Heimbereich, wo mangels aktiver TSG-Fans alles entspannt ablief. Das alte Stadion der TSG verfügt über die Besonderheit, dass sich auf der Gegenseite platzbedingt nur eine kleine Stehtraverse mit vier Stufen befindet. Hinter dieser baut sich eine überproportional hohe Dachkonstruktion auf, die vermutlich eher Lärm- als Wetterschutzfunktion beweist, um den dahinter wohnenden Hausbesitzern die Nachmittagsruhe in nur möglichst geringem Maße zu entziehen. Für den Publikumsverkehr freigegeben ist diese ‚Tribüne‘ in der 3.Liga nicht. Fällt es in dieser Liga ja ohnehin schwer, eine Prognose zum erwartbaren Spielverlauf abzugeben, ist dieses für Aufgaben bei Zweitvertretungen der Erst- und Zweitligisten beinahe vollkommen unmöglich. Also ging ich tiefenentspannt in diese Partie und ließ mich mal überraschen, was ich so geboten bekomme.
Und das war dann auch gar nicht mal so gut. Von beiden Teams wohlbemerkt. Zwar durfte die TSG schon nach wenigen Zeigerumdrehungen jubeln, der Stadion-DJ durfte die Tor-Musik aber schnell herunterregeln – der Ball war bereits im Toraus bevor er in die Maschen fand. Ansonsten hatte man teilweise das Gefühl, einem sommerlichen Test-Kick in Zeitlupe beizuwohnen, so langsam und schleppend war der Spielaufbau. Dass das eher unterdurchschnittliche Gekicke der ersten Spielhälfte aus Hoffenheimer Sicht wohl etwas besser aussah, lag nur daran, dass die TSG nach 20 Minuten doch in Führung ging. Nach magerem Essener Defensivverhalten schloss Torjäger Zeitler platziert ab. Das interessierte übrigens genau elf Leute und zwar die auf dem Platz. Ich weiß gar nicht warum sich außer den 950 RWE-Anhängern überhaupt jemand ins Stadion bemüht hatte, denn es war beim vermeintlichem TSG-Publikum keinerlei Reaktion zu erkennen oder zu hören. Vor dem Treffer war der RWE gerade etwas besser in die Partie gekommen und bemühte sich nun, diesen Trend zu entwickeln. Die Gastgeber hatten aber definitiv öfter den Ball als der glorreiche Deutsche Meister von 1955. In der Nachspielzeit von Hälfte eins erzielte aber RWE-Torjäger Janssen dann eben im Stile eines Torjägers nach feinem Schaufelpass von Mizuta, der seine Schwächephase offenbar überwunden hat, aus dem Nichts den Ausgleich.
Obuz, der einfach nicht in die Spur findet, wurde zu Beginn des zweiten Durchgangs durch Brumme ersetzt und dieser erfüllte damit eine deutlich offensivere Rolle als üblich. Er sollte Koschinats Entscheidung rechtfertigen, denn er machte über die linke Seite im kongenialen Zusammenspiel mit Bouebari mächtig Dampf. Zunächst richtete sich der Focus aber nach einer Stunde Spielzeit nochmal auf Janssen, der durch die Hosenträger des TSG-Schlussmanns zu Führung einköpfte. Nur ein paar Minuten später war diese aber wieder dahin. Gjasula versuchte verzweifelt seinen Körper zwischen Gegenspieler und Ball zu bekommen und fiel im eigenen Strafraum mit der Hand auf den Ball. Nach Golz und Wienand ist auch Casali wohl kein Elfer-Killer und entschied sich gekonnt für die falsche Ecke. Aber es war zu spüren, dass der RWE an sich glaubte und moralisch stärker unterwegs war als die Gastgeber und so ging es weiter nach vorn. Knapp zehn Minuten nach dem Elfer für die TSG gab es auch einen solchen für die Roten. Brumme war, von Bouebari mit feinem Pass eingesetzt, unterwegs in den Sechzehner und wurde humorlos gelegt. Alonso bestätigte seine Funktion als neuer Strafstoß-Schütze und lochte zur erneuten Führung ein. Es sah nun gut aus, auch wenn Didis Werksverein der Stecker noch nicht ganz gezogen war. Es gab hüben wie drüben Möglichkeiten und in der Nachspielzeit wurde es noch mal wild. Die RWE-Defensive vereitelte aber im Kollektiv den Ausgleich und Müsel war es, der im Gegenzug mit Treffer Nummer vier die drei Punkte endlich gesichert auf die Habenseite zog. Damit hat das Team den Anschluss an die Aufstiegsregion wieder hergestellt und Capitano Schulz beschwor bei den gemeinsamen Feierlichkeiten am Zaun den Zusammenhalt zwischen Fanszene und Mannschaft. Die Stimmung habe ich insgesamt als überdurchschnittlich wahrgenommen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es mangels gegnerischer aktiver Szene relativ einfach war, den Laden zu rocken und der Veranstaltung den rot-weissen Stempel aufzudrücken.














