
Rot-Weiss Essen vs SV Waldhof Mannheim 07 1:0
Stadion an der Hafenstraße, 15.737 Zuschauer, 3.Liga

Es sollte ein denkwürdiger Abend werden, da ein Feuerwerk abgebrannt wurde, nur leider nicht von den teilnehmenden Mannschaften. Das Intro der Westkurve stand im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums der ‚Alte Garde Essen‘, einer in letzter Zeit nicht mehr groß öffentlich in Erscheinung tretenden Gruppierung aus der ‚Hau drauf‘-Sparte. „Ob Straße, ob Wald – Hauptsache et knallt!“ stand in großen Lettern am Zaun zu lesen, hinter dem auf voller Breite rote Fackeln gezündet wurden. Auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte wurden immer mal wieder ein paar Bengalos in gasförmigen Stoff verwandelt. Mit Spannung war erwartet worden, wie der glorreiche RWE mit den beiden Niederlagen in den beiden aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen in Osnabrück und Rostock umgehen und darauf reagieren würde. Die Roten diktierten dann die ersten Minuten der Partie, ehe sich auch der von gut 400 Fans begleitete Waldhof mal in Bewegung setzte. In der Folge gab es dann hüben wie drüben zaghafte Versuche, echte Torgefahr war allerding selten. Mizuta hatte noch die beste Gelegenheit, auf der Gegenseite musste Wienand bei einem Kracher vom Strafraum reflexartig die Faust hochreißen. Insgesamt hatten die Rot-Weissen aber mehr von der Partie ohne jedoch die Gäste wirklich zu beherrschen und es blieb das Gefühl, dass die ‚Barackler‘ jederzeit gefährlich werden können. Nach einer halben Stunde erzielte Janssen die Führung. Kapitän Schulz, eigentlich ja eher ein Holzfuß, spielte einen perfekten Flugball aus der eigenen Hälfte genau in den Lauf des Stürmers, der die Kirsche optimal mitnahm, noch einen Verteidiger aussteigen ließ und dann frei vor dem Waldhof-Schnapper cool einschob. Hofmann hatte vor dem Seitenwechsel per Distanzschuss noch die Chance zu erhöhen, das hätte dem Spielverlauf aber auch nicht entsprochen.
Die erste Phase nach dem Seitenwechsel gehörte erneut den Roten. Die Gäste trauten sich dann nach einigen Minuten auch mal wieder über die Mittellinie, verloren aber nach ungenauem Zuspiel den Ball. Es ging ab in Richtung Waldhof-Tor, Janssen bekam die Kopfball-Chance, aber aus kurzer Distanz in der Rückwärtsbewegung mit seiner Murmel nicht genug Druck hinter die Murmel. Mitten in den Umschaltmoment, hatte es ordentlich durch das Stadion gerumst. Nicht völlig brutal, aber doch unangenehm laut. Schon im ersten Durchgang waren in der Westkurve zwei Böller gezündet worden. Deutlich weniger laut, aber genauso verwerflich. Was soll das!? Ich verstehe es einfach nicht. Den verantwortungsvollen Einsatz von optisch wahrnehmbarer Pyrotechnik befürworte ich. Böller haben aber null optischen Wert, machen einfach nur Krach und sind aufgrund der explosiven Eigenschaften, Lautstärke und Schalldruck einfach nur sinnlos und gefährlich. Das wurde auch zurecht mit Pfiffen und Empörung quittiert. Das Teil, welches im Gästeblock gezündet oder aus diesem abgesendet wurde, hatte aber eine andere Qualität. Aufgrund der aus dem rot-weissen Gegenangriff entstehenden Torraumszene, bekam es zunächst kaum jemand mit, aber danach richteten sich alle Blicke auf RWE-Torhüter Wienand, der im eigenen Strafraum kauerte und sich Kopf und Ohren hielt. Auch der Schiedsrichter hatte die Beeinträchtigung von Wienand erst verspätet wahrgenommen und musste sich nach der Ursache erst einmal erkundigen. Die anschließende Maßnahme war nachvollziehbar und ist durch den Verband vorgeschrieben. Das Spiel wurde unterbrochen, um dann über die Fortsetzung zu diskutieren.
Es dauerte lange. Für meine Geschmack zu lange und ich empfand es auf eine Art erstaunlich, wie ruhig das Publikum nach anfänglichen Unmutsbekundungen gegen die Gäste-Fans blieb. Nach ziemlich exakt einer Dreiviertelstunde wurde die Partie tatsächlich fortgesetzt. Für meinen persönlich Geschmack skandalös, war das aber letztlich eine Entscheidung des Unparteiischen, dessen Beweggründe ich nicht kenne und daher nicht bewerten kann, und auch die Sicherheitsorgane durften bestimmt ihren unsäglichen Senf dazugeben. Für Felix Wienand ging es allerdings nicht weiter, dieser wurde zur ärztlichen Untersuchung ins Krankenhaus, später sickerte die Diagnose Knalltrauma mit akuter Belastungsreaktion durch. Für ihn kam Tino Casali in die Partie, der im Winter als Backup verpflichtet wurde, nachdem sich Jakob Golz verletzte. Casali fischte direkt eine Flanke und wehrte einen unorthodoxen Ball aufs kurze Eck stark ab, bekam dadurch Sicherheit. Er spielte insgesamt eine unaufgeregte Partie und strahlte damit Ruhe aus, das hat mir gut gefallen. Der nächste Aufreger ließ aber nicht lange auf sich warten. Waldhof-Stürmer Boyd ging mit zu hoher Extremität zum Ball und traf Hofmann unglücklich und sicher ungewollt im Gesicht. Ein Platzverweis sieht das Regelwerk dafür dennoch vor und der RWE war fortan in Überzahl. Optisch machte sich das aber lediglich dadurch bemerkbar, dass der Waldhof nun annähernd gar nicht mehr in den RWE-Sechzehner kam, ansonsten konnte die Gäste die Unterzahl gut kompensieren.
Auch für die Roten gab es nicht mehr viel Gefährliches. Brumme brachte einen schönen Freistoß in Richtung des rechten Torgiebels auf den Weg, den der Waldhof-Torhüter stark parierte. Ansonsten glänzten die Roten mal wieder damit, ihre Kontermöglichkeiten zu unsauber oder zu umständlich auszuspielen. Einfluss auf das Endergebnis hatte das nicht mehr. Positiv bleib anzumerken, dass die Westkurve den Gäste-Schlussmann vor ihrer Nase nach der Fortsetzung des Spiels komplett in Ruhe ließ. Eigentlich absolut selbstverständlich und doch ein wenig bemerkenswert, denn nicht nur auf den Anhang der ‚Buwe‘, sondern auch auf das Team fokussierte sich natürlich der Unmut. Beides eigentlich nicht berechtigt, da es ja nun mal ein Einzeltäter war, der nicht für den ganzen Verein steht. Nicht so positiv war, dass einige Gäste-Akteure nach dem Schlusspfiff auf dem Weg zu den eigenen Fans Faxen in Richtung der RWE-Fans machten. Auch wenn Provokationen von der Tribüne kamen, hätten sie das unter den besonderen Bedingungen einfach reaktionslos aushalten sollen. Trotz des wichtigen Sieges mit dem man wieder in Richtung des Relegationsplatzes schielen darf, war es irgendwie ein gebrauchter Tag, der Erfolg trat etwas in den Hintergrund. Viel Zeit zum Grübeln bleibt nicht, schon am Samstag geht es auswärts weiter bei der Reserve von Didis SAP-Betriebsmannschaft.









