Stuttgart – Do., 26.02.2026, 18:45

VfB Stuttgart vs Celtic FC 0:1

Neckarstadion, 60.000 Zuschauer, Europa League Playoff Rückspiel
Der Celtic Football Club musste in der Playoff Runde der Europa League ins Schwabenland reisen. Eine gute Gelegenheit, der internationalen Liebe mal wieder die Aufwartung zu machen und einem Spiel live beizuwohnen, auch wenn leider keine bekannten schottischen Gesichter den Trip aus Glasgow auf sich nahmen. Zu allem Übel legte der schottische Serienmeister im Hinspiel auch noch einen völlig desaströsen Auftritt hin, so dass die Nummer nach der 1:4-Hinspielniederlage schon gegessen war. Überhaupt hat es das Management hinbekommen, für diese Saison die schwächste Mannschaft seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten zusammenzustellen. So hielt sich die Vorfreude in Grenzen, aber als ich am frühen Nachmittag in der schwäbischen Landeshauptstadt eintraf und das Stadtbild 😉 im Zentrum sehr keltisch geprägt war, waren die letzten Zweifel an diesem Ausflug verschwunden.  Einige Anhänger der Grün-Weißen hatten ihre Reise nach dem Hinspiel-Desaster gefrustet storniert, so dass ’nur‘ etwa 3.500 Hoops in Stuttgart zugegen waren. Als das Spiel angestoßen wurde, ruhte mein Blick auf dem Gäste-Block so, dass ich nur aus den Augenwinkeln sah, wie MacCowan nach knapp 30 Sekunden zur Gästeführung einschob und den Away-Bereich kurzzeitig in ein komplettes Tollhaus verwandelte. Eigentlich war der ganze Tag niederschlagsfrei, dennoch werden einige Celtic-Anhänger klatschnass gewesen sein, so viele Biere wie da durch die Gegend flogen.
Trotz der Führung war es natürlich völlige Utopie, dass die Kelten dem VfB noch gefährlich werden und diese Playoff-Paarung noch zu ihren Gunsten drehen konnten. Zu groß war einfach der Qualitätsunterschied in allen Mannschaftsteilen. Die Schwaben benötigten zehn Minütchen, um ihrer Überraschung Herr zu werden, danach kannte das Spiel eigentlich bis auf wenige kurze Phasen nur noch eine Richtung. Bei gefühlten 75% Ballbesitz zeigten sich die Spieler mit dem Brustring aber nicht sehr kreativ. Der letzte Pass kam einfach nicht und es fehlte das Überraschungsmoment um den quergestreiften Abwehrriegel nachhaltig zu durchbrechen. Und wenn das doch gelang, war der finnische Ersatz-National-Schnapper Sinisalo, der den Vorzug vor dem formschwachen dänischen National-Keeper Kaspar Schmeichel erhalten hatte, auf dem Posten. Kein anderes Bild im zweiten Durchgang und es schien es nur eine Frage der Zeit, bis der Ball im Tor der Gäste einschlug. War dann auch so, sogar zwei Male. Beide Treffer hielten aber der VAR-Überprüfung nicht stand und wurden aufgrund von hauchdünnen Abseitsstellungen nicht gegeben. So konnte sich Sinisalo schließlich sogar mit einem ‚Clean Sheet‘ für einen künftigen Stammplatz bewerben. Dieser Auswärtserfolg ist historisch, denn es ist überhaupt der erste Sieg eines Celtic-Teams auf deutschem Boden!
Die Cannstatter Kurve halte ich eigentlich mit für das Beste, was die deutsche Fan-Landschaft so zu bieten hat. Da ich die Kurve um das Commando Cannstatt aber selten live und in Farbe erlebe, hatte ich eventuell zu große Vorschusslorbeeren verteilt. Die heutige Vorstellung war jedenfalls nicht mehr als Durchschnitt, aber das Stadion hat auch nicht die beste Akustik. Der Away-Sektor überraschte mich dafür positiv, denn ich hatte nicht viel erwartet. Beflügelt vom vielen Bier, das bei schönem Wetter in die Kehlen fand, befeuert vom frühen Führungstreffer und angetrieben von der ‚Green Brigade‘, die vom Vereinsvorstand aufgrund verschiedener Differenzen für den ‚Celtic Parc‘ ein Betretungsverbot auferlegt bekommen hat, heute aber in den Block fand, legten die ‚Bhoys‘ einen Top-Auftritt hin. Lautstark und ausdauernd unterstützten sie ihr in einer hoffnungslosen Ausgangslage befindliches Team von Beginn bis zum Ende und noch weit darüber hinaus. Die Jungs sangen sich in einen derartigen Rausch, dass noch eine Viertelstunde nach dem Abpfiff die Gesänge durch das inzwischen fast leere Stadion schallten. Hat sich letztlich doch für mich gelohnt, der Ritt in den Süden.

Rödermark – Mi., 25.02.2026, 19:00

1.FC Germania 08 Ober-Roden vs Kasseler SV Hessen 2:1

Sportplatz Frankfurter Straße, 1.220 Zuschauer, Hessenpokal Viertelfinale
Im Viertelfinale des hessischen Landespokals empfing Verbandsligist Germania Ober-Roden den ehemaligen Zweitligisten Hessen Kassel. Die Gäste wurden von etwa 100-120 Anhängern begleitet, davon waren etwa die Hälfte Angehörige der aktiven Szene. Ebenerdig hinter dem Stankett unter freiem Himmel ist es schwierig einen vernünftigen Support aufzubauen, daher gab es einige ‚leere‘ Phasen. Für die Gastgeber hatten sich ungefähr dieselbe Anzahl an Köpfen für die sporadische Unterstützung zusammengefunden, der Altersdurchschnitt ließ darauf schließen, dass es sich eher um Spieler von Jugend-Teams handelte. Diese waren aber rotzig genug, den KSV-Anhängern, die von zwei Leuten der befreundeten Kieler Störche begleitet wurden, einige Schlachtrufe unter der Gürtellinie zuzurufen, worauf diese aber nicht eingingen. Die favorisierten Nordhessen taten sich schwer bei den Südhessen. Zwar bestimmten sie das Spiel im ersten Durchgang und erzielten kurz vor dem Seitenwechsel auch den nicht unverdienten Führungstreffer, weitere Torchancen waren aber Mangelware, da die Gastgeber defensiv konzentriert arbeiteten. Nach dem Seitenwechsel war es ein anderes Spiel. Die Germania war mutiger und glich nach einem Konter zunächst kurz nach Wiederanpfiff aus, um wenige Minuten danach sogar in Führung zu gehen. Der KSV hatte fortan Mühe die Kontrolle zu behalten und biss sich an tapfer kämpfenden Germaniern die Zähne aus. In der Schlussphase wurde es hektisch. Die hinter dem Germania-Tor stehenden Gäste-Supporter waren mit dem Verhalten des Torwarts nicht einverstanden und standen plötzlich mit mehreren Leuten auf dem Platz, aber die Lage beruhigte sich schnell. Der Regionalligisten verkrampfte zusehends und kurz darauf war die Pokal-Überraschung perfekt.