Osnabrück – Sa., 21.02.2026, 14:00

VfL Osnabrück vs Rot-Weiss Essen 3:0

Stadion Bremer Brücke, 15.022 Zuschauer, 3.Liga
Mit dem Spiel in Osnabrück startete der glorreiche RWE in das erste von zwei aufeinanderfolgenden äußerst anspruchsvollen Auswärtsspielen. Für Fußball-Nostalgiker ist das Stadion ‚Bremer Brücke‘ mit seinem Standort mitten im Wohngebiet immer eine Reise wert. Obwohl die alte ungedeckte Stehtribüne auf der Nordseite in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends einer modernen überdachten Sitzplatztribüne weichen musste und die Haupttribüne einen VIP-Bereich erhalten hat, konnte die Hütte ihren 80er-Jahre-Charakter erhalten. Allerdings wird das Stadion bald einen umfassenden Umbau erfahren, nach dessen Abschluss keine Tribüne mehr im alten Zustand sein und das Stadion dennoch sein grundlegendes Aussehen behalten wird. Immerhin konnte der Verein einen Neubau verhindern und den traditionellen Standort wahren. Mit 67 Millionen Euro, die sicherlich bedingt durch sich entwickelnde Materialkosten eher größer ausfallen werden, sind die Kosten für einen Umbau üppig. Höchste Zeit wird es jedenfalls. Vor gut zwei Jahren büßte die Ostkurve, Heimat der aktiven VfL-Fans, bereits ihr Dach aufgrund struktureller Schäden ein.
Nur ein Tor Unterschied bei Punktgleichheit trennten beide Clubs. Oder Wie es Coach Koschinat ausdrückte „Mehr Augenhöhe geht kaum“. Und doch gab es einen eklatanten Unterschied, denn der VfL stellt die beste Abwehr der Liga, während der RWE zu den Teams mit den meisten Gegentoren in der oberen Tabellenhälfte gehört. Auch wenn dafür eben mehr Tore erzielt werden, ist ja die alte Regel bekannt, dass der Angriff Spiele gewinnt, die Abwehr jedoch Meisterschaften. Torspektakel sind schön, ich stehe aber durchaus auf eine stabile Offensive. Die rot-weisse Ultra-Szene eröffnete die Partie mit einem Gedenk-Banner an ein an den Folgen eines Unfalls verstorbenes Mitglied der Szene von Austria Wien. Während sich der VfL dann mit begrenztem Erfolg um eine Anfangsoffensive bemühte, suchte der RWE noch seine Rolle im Spiel. Nachdem Wienand einen gefährlichen Fernschuss entschärft hatte, verzeichneten die Roten nach 15 Minuten ihre erste Chance. Hofmann semmelte den von Safi clever von der Grundlinie an die Strafraumgrenze gespielten Pass aber am rechten Pfosten vorbei. Dann war wieder Wienand im Blickpunkt bevor zunächst Alonso nach einem Brumme-Einwurf und dann Brumme selbst die Chance zur Gäste-Führung hatten. Chancen gab es also hüben wie drüben, aber die Gastgeber machten insgesamt den sichereren, reiferen Eindruck. Zwar standen die Roten hinten gut, das ungenaue, zerfahrene Offensivspiel entwickelte sich dafür aber zielsicher zum Gegurke. Dass der tiefe und teilweise grashalmbefreite Boden eine Katastrophe war, darf keine Ausrede sein, damit kamen die Lila-Weissen auch irgendwie klar.
Im wahrsten Sinne das Highlight der ersten Spielhälfte war sicherlich der Abschluss von Abiama, der die Murmel gleich mal über die Heimkurve aus dem Stadion drosch. Der Ball liegt jetzt wohl irgendwo neben dem, den Uli Hoeneß im EM-Finale 1976 in Belgrad in die Erdumlaufbahn geschossen hat. Kurz vor dem Pausenpfiff klingelte es dann doch noch für die Gastgeber. Nach einem Sippenstellungsfehler der gesamten RWE-Defensive, die sich bei einem weiten Torabstoß viel zu hoch positionierte, kam Abwehr-‚Rakete‘ Schultz nicht hinter dem schnellen Meißner her, der ihm auf dem linken Flügel komplett davonrannte. Dessen Schuss aus spitzem Winkel parierte der heute starke Wienand, aber den Nachschuss von Badjie zur Führung konnte niemand mehr verhindern. Durchgang Zwei brachte keine Besserung. Nachdem sich beide Mannschaften eine Viertelstunde neutralisierten, erzielte Alsonso den Treffer zum Ausgleich, der aber wegen Abseits zurecht keine Anerkennung fand. Die danach vollzogenen offensiven Wechsel Janssen und Obuz für Abiama und Safi blieben komplett wirkungslos. Auch die spätere Hereinnahme von Cuber Potocnik und Müsel für Mizuta und Schulz brachte keinen Aufschwung, das Angriffsspiel blieb statisch und ideenlos. Zu diesem Zeitpunkt führte der VfL aber schon mit zwei Toren, nachdem es aus dem Gewühl heraus hinter Wienand einschlug. Keine zehn Minuten vor dem Ende hatten die Roten die Chance zum Anschluss. Brumme setzte sich stark durch, scheiterte aber aus schwieriger Position, mit dem Abpraller erschoss Müsel den VfL-Schnapper dann auf der Flucht. So kannst Du aus dem Nichts noch mal ins Spiel zurückkommen, geschah aber halt nicht und wäre auch nicht verdient gewesen.
Dass der Ex-Rot-Weisse Pröger in der Nachspielzeit einen typisch verrückten Pröger-Abschluss noch zum finalen Desaster in den Giebel knallte, war dann zu viel des Guten, aber auch nicht mehr wichtig. Dass der Austausch zwischen Fans und Mannschaft nach dem Abpfiff nicht auf meditativer Basis ablief, ist klar. Aber die Führungsspieler positionierten sich gegen das Gepöbel und das auch zurecht.Die Gefahr, dass eine Kluft zwischen Team und Fanszene entsteht, ist spürbar. Kritik ist okay, zumal die letzten Auftritte in der Fremde den kommunizierten Absichten deutlich hinterherhinkten und vor allem die Defensiv-Formation bedenkliche Aussetzer zeigte. Aber unter dem Strich bleibt der RWE die Mannschaft mit den wenigsten Niederlagen in der Liga, es war erst die vierte in der laufenden Spielzeit bei sicherlich zu vielen Remis. Natürlich ist es schade, dass die Roten in den letzten Wochen ständig die Möglichkeit liegenlassen auf die Aufstiegsränge zu springen und dennoch sind diese weiter greifbar. Das Anspruchsdenken im rot-weissen Umfeld ist derzeit einfach überhöht, erst recht, wenn man überlegt, wo der Verein in der jüngeren Vergangenheit herkommt. Das letzte Drittel der Saison beginnt gerade erst und in dieser entscheidenden Phase wird noch genug passieren. Natürlich ist die Mannschaft nun bei der ebenfalls kriselnden Hansa-Kogge irgendwie zum Punkten verdammt, wenn der Anschluss nicht verloren gehen soll, aber ein Missverhältnis zwischen Mannschaft und Fans wird die Chancen sicher nicht verbessern. Es geht nur gemeinsam, wenn das große Ziel erreicht werden soll. Next Stop ‚Ostseestadion‘.