
FC DAC 1904 vs Sk Slovan Bratislava 0:3
DAC Arena, 9.301 Zuschauer, 1.Liga

Von Eindhoven nach Wien eingeflogen ging es mit Bus und Zug in die ungarische Diaspora der Slowakei. Mit dieser Spielpaarung hatte ich auch noch eine Rechnung offen. Mehrfach anvisiert konnte das Vorhaben eigenverschuldet wie unverschuldet bis heute nicht umgesetzt werden. Die aktuelle Tabellensituation verpflichtete aber beinahe dazu, die Reise nun anzustrengen, denn der DAC spielt eine exzellente Saison, liegt beim besseren Torverhältnis nur einen Punkt hinter Abonnement-Meister Slovan und hatte hier und heute die Chance, an diesem vorbeizuziehen und die Tabellenspitze zu übernehmen. Entsprechend groß war das Interesse, knapp 10.000 Zuschauer sind für ein Meisterschaftsspiel in der Slowakei beinahe herausragend. Das neue Stadion befindet sich am selben Standort das alten. Der Umbau wurde während des laufenden Spielbetriebes realisiert und 2019 abgeschlossen. Als Reminiszenz an das alte Stadion blieb das betagte Eingangstor erhalten. Neben der sportlichen Brisanz unterliegen die Spiele dieser Mannschaften gegeneinander aber auch noch ethnischen Differenzen. Die Grenzregion zur Slowakei wird mehrheitlich von ungarisch-stämmigen Menschen bewohnt, die sich in einer ständigen Konfliktsituation mit den Slowaken befinden. Das überträgt sich auch auf die Fußballspiele und da Dunajska Streda zu 80% von Magyaren bewohnt wird, während in Bratislava mehr als 95% Slowaken leben, ist auch dieses Thema bei den Spielen präsent. Hinzu kommt, dass beide Volksgruppen stark nationalistisch geprägt sind. Entsprechende Schlachtrufe sind natürlich obligatorisch.
Optisch machte sich das dadurch bemerkbar, dass ein Teil der Heim-Fans die ungarischen Farben für die Kleidungs- und Fanartikel-Wahl bevorzugte und das Blau-Gelb des Vereins vernachlässigte. Der Slovan-Anhang, der sämtliche 696 ihm zur Verfügung gestellten Karten – exakt das offizielle Fassungsvermögen des Gästeblocks – nutzte, unterstrich seine Meinung dazu gute zehn Minuten nach dem Anstoß mit einer stattlichen von einigen Blinkern unterlegten Rauchwand in den Farben der slowakischen Nationalflagge. Die immense Rauchentwicklung hatte eine beinahe 15-minütige Spielunterbrechung zur Folge. Die DAC-Kurve hatte bei Ihrer Choreo auf nationalistische Aspekte verzichtet weitestgehend verzichtet und die Kurve mittels Ponchos und kleinen Fähnchen in die Vereinsfarben getaucht aus denen dann eine blaue und gelbe Rauchsäule aufstiegen. Als diese sich auflösten, wurden ebenfalls einige Blinker entzündet. Lediglich der ungarische Name der Stadt wurde auf einem Banner präsentiert, was aber nicht verwerflich ist, da der Gebrauch der ungarischen Sprache in Gemeinden mit einem ungarischen Bevölkerungsanteil von mehr als 15% gesetzlich legitimiert ist. So findet man auch sämtliche Verkehrsschilder, Ortsnamen, Bezeichnung von öffentlichen Gebäuden zweisprachig vor. Auch „Ria-Ria-Hungaria“-Rufe hallten durch die Arena.
Der Slovan-Block hatte gerade die Rauchtöpfe angerissen, als der frühe Führungstreffer für die Gäste fiel, den aber eben ein Großteil des Slovan-Anhangs gar nicht gesehen haben dürfte. Zeit, den Treffer zu feiern, war ja dann aufgrund der Unterbrechung genug. Nachdem es weiterging, bekam der DAC dann kurz darauf einen Strafstoß zugesprochen, der aber kläglich vergeben wurde. Aber die Gastgeber blieben dran, waren jedoch nicht zielstrebig genug. Der DAC machte das Spiel, die Slovan-Fans die Stimmung, denn diese waren deutlich lauter als die Heim-Kurve. Kurz vor der Pause, konnte sich der DAC-Schnapper nur noch eines Fouls behelfen, um einen Slovan-Stürmer zu stoppen, der nach einem völlig irrsinnigen Kopfball-Rückpass eines Verteidigers von der Mittellinie mit der Kirsche allein auf ihn zu jagte und nach dem fälligen Elfer hieß es 0:2. Als es dann drei Minuten nach der Pause einen Platzverweis gegen die Gastgeber gab, war das Spiel vorentschieden und spätestens nach dem dritten Slovan-Treffer kurz darauf ganz durch. Damit war die Luft dann auch raus und die Partie eierte zu Ende und ich dann mit der Bimmelbahn ins Nachtquartier nach Bratislava.




















