Nea Filadelfia – Sa., 01.02.2026, 21:00

AEK Athína vs PAE Olympiakos Peiraios 1:1

Stadio Agia Sofia, 31.100 Zuschauer, Super League
Es war aber alles im Lot, eine halbe Stunde vor dem Kick-Off trafen wir am ‚Stadio Agia Sofia ein‘, dem neuen Stadion von AEK, welches leider schon unmittelbar nach seiner Geburt vor etwas mehr als drei Jahren seinen Namen an einen Sponsoren verlor. Der Neubau ersetzt das kultige ‚Nikos Goumas‘, das, an gleicher Stelle stehend, schon 2003 abgerissen wurde. In der Zwischenzeit musste AEK im ungeliebten Olympiastadion antreten. Athlitiki Enosis Konstantinoupoleos bedeutet das Kürzel AEK. Gegründet wurde der Club von griechisch-stämmigen Flüchtlingen, die während des türkisch-griechischen Krieges aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, fliehen mussten. Damit besteht eine Parallele zu PAOK aus Thessaloniki. Wie bereits angedeutete, wird das Abbrennen von Pyrotechnik seit einigen Monaten hart bestraft. Umso überraschter war ich, dass es heute eigentlich dauerhaft irgendwo brannte, da die AEK-Kurve um ‚Original 21‘ ja erst beim vorherigen Heimspiel gezündelt hatte. Noch vor dem Einlaufen der Teams erstrahlte die Kurve im Lichte unzähliger roter und gelber Fackeln, was natürlich eine starke Rauchentwicklung zur Folge hatte. Als die Teams den Rasen betraten, wurde direkt die nächste Batterie Bengalos entzündet, die aber gar keine Wirkung mehr entfalten konnte, da der Innenraum vollständig verqualmt war und die Leuchtstäbe nur noch schemenhaft durch den Nebel blinzelten.
Erst mit zehn Minuten Verspätung wurde der Kick daher vom holländischen Referee angepfiffen. Da sich die unterlegenen Teams in den Top-Spielen und Derbys in der Vergangenheit regelmäßig am Schiedsrichter abgearbeitet haben, werden seit einiger Zeit ausländische Referees eingesetzt, um Bestechungsvorwürfen von vornherein den Boden zu entziehen. Der AEK-Anhang zeigte sich dann gut aufgelegt. Im Gegensatz zur PAO-Szene am Spätnachmittag setzte ‚Original 21‘ auf eingängige, kurze Lieder und auf knackige Anfeuerungsrufe. Machte durchaus Sinn, um das Potential der Kurve abzurufen, die ja aus tausenden Köpfen besteht, anstelle sich in irgendwelchen verliebten getragenen Gesängen zu verlieren. Wenn die gegenüberliegende Kurve und auch Zuschauer auf den Geraden einstiegen, wurde es ohrenbetäubend laut. Es bleibt graue Theorie, aber wenn bei diesem Spiel Gäste-Fans erlaubt gewesen wären, wäre das eine absolute Bombe gewesen. Was nicht heißen soll, dass es schlecht war, aber mit einem visuell wahrnehmbaren Gegner, wären sicher auch noch die letzten fehlenden Prozente rausgekitzelt worden. AEK hatte ein Spiel mehr absolviert und einen Punkt Vorsprung.
Ein Sieg war also nötig, um die Tabellenspitze unmissverständlich zu sichern. Und die Gastgeber legten gut los und waren in der Anfangsviertelstunde das bessere Team, ohne aber im Strafraum gefährlich zu werden. Überhaupt waren Torraumszenen in der ersten Spielhälfte Mangelware. Olympiakos riss das Spiel dann nach und nach an sich und eine 150prozentige Torchance blieb ungenutzt, aber auch AEK ließ seine einzige gute Chance liegen. Die zweite Halbzeit zeigte kein großartig anderes Bild aber als der erst zwei Minuten zuvor eingewechselte ungarische Nationalspieler Varga einen Eckball quasi aus dem Nichts zur Führung für die Schwarz-Gelben einköpfte, gab es kein Halten mehr und die Kurve erstrahlte zum dritten Mal in Rot und Gelb. Nun war es ein anderes Spiel. Mit neuem Selbstvertrauen waren die Gastgeber nun auf Augenhöhe. Eine Tätlichkeit eines Olympiakos-Spielers ahndete der Referee nur mit einer Gelben Karte, wobei das ‚Opfer‘ auch etwas theatralisch zu Boden ging, aber die Szene ließ die Gemüter beinahe überkochen. Bei einer Doppel-Chance hatte AEK die Möglichkeit das Spiel zu entscheiden. Der Gäste-Schnapper mit einem Wahnsinns-Reflex und die Querlatte beim Nachschuss hatten aber was dagegen und so hielt sich die Spannung bis in die Schlussphase. Olympiakos rannte mit dem Mute der Verzweiflung an, kam aber zu keinen großen Torchancen.
Elf Minuten Nachspielzeit gab es und kurz vor dem Ende dieser kam es zu einer irrsinnigen Szene im Strafraum der Gastgeber. Vier Torschüsse in Folge wurden geblockt, Torwart und Verteidiger warfen sich erfolgreich in alles rein was von der Gäste-Offensive abgesendet wurde. Das Spiel lief kurz weiter und wurde aufgrund eines Fouls zugunsten von AEK unterbrochen. Dann fasste sich aber der Schiri ans Ohr, wurde an den Bildschirm gebeten und entschied schließlich auf Elfmeter für die Gäste. Beim Eindringen in den Strafraum hatten sich Stürmer und Verteidiger gegenseitig ein wenig gehalten, der Abwehrmanne vielleicht etwas mehr, es war jedenfalls eine sehr mutige Entscheidung in diesem Hexenkessel. In Deutschland hätte man wieder vom Bayern-Massel gesprochen, denn ungefähr diesen Status hat Olympiakos in Griechenland. Nach minutenlangen Diskussionen blieb der Iraner Taremi mit seiner peinlichen Rückennummer 99 cool, verwandelte und war sich nicht zu schade die eh schon kochenden Massen mit der Finger-auf-den-Mund-Geste zu provozieren. Auch andere Spieler gestikulierten ins Publikum und als Folge regnete es Plastikflaschen und alles andere was greifbar war auf die vor ihrer Teambank feiernden Gäste-Akteure. Im Nachhinein wurde AEK dann mit Zuschauerausschluss für ein Heimspiel bestraft, aber eben für das Werfen der Gegenstände, nicht für den massiven Pyro-Einsatz. Auch ein Spieler von Olympiakos bekam eine Sperre aufgebrummt, weil er – Achtung! – einen Regenschirm ins Publikum zurückgefeuert hat. Ganz normales Spielerverhalten in Griechenland… Wir fuhren mit der Metro zurück zur Unterkunft, ließen den Tag und das Topspiel noch bei einem Bierchen sacken, bevor sich die Teilnehmer der Reisegruppe am Folgetag mit verschiedenen Flügen auf die Heimreise machten.