
Barnsley FC vs Lincoln City FC 0:2
Oakwell Stadium, 10.711 Zuschauer, Fotball League One

Aufgrund der Lage der Feiertage war es ja quasi verpflichtend, die beiden Tage zwischen Weihnachten und Silvester freizunehmen und irgendwo hinzugondeln. Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl auf England. Zwar ist die Atmosphäre in den Stadien ja meist sehr trostlos, aber ich mag das auf der Insel gebotene Gesamtpaket und so zieht es mich immer mal wieder dorthin. Ich habe es ja auch nicht so mit den ganz großen Vereinen, sodenn sie nicht über sehenswerte Stadien verfügen. Die Liste der Stadien, in welchen ich mir in England noch ein Spiel anschauen möchte ist nicht sehr lang und konzentriert sich eher auf Vereine in zweiter und dritter Reihe und in unterklassigen Ligen, denn es geht mir in England definitiv und logischerweise um die Architektur. In Barnsley steht mit dem ‚Oakwell Stadium‘ so ein Bau, der nach meinen individuellen Vorlieben einen Besuch rechtfertigt. Bis dort angestoßen wurde, war aber noch ein ganzer Tag zu verbringen und so wählte ich nach Ankunft am Manchester Airport und Transfer zur Manchester ‚Piccadilly Station‘ die ‚Hope Valley Line‘ von Northern Railway Richtung Sheffield. Diese Linie quert den ‚Peak District National Park‘ und inmitten dessen hüpfte ich in Edale aus dem Diesel-Triebwagen. Meine Vorstellung von einem kleinen Hike durch die Einsamkeit zerplatzte aber jäh in dem Moment, als sich der halbe Zug leerte. Offenbar hatte ich mir eine beliebte Ecke für die Wanderung ausgesucht und auch die Witterung bei drei Grad über Null und stürmischen Böen kann den ohne jedes Temperaturempfinden geborenen Engländer ja bekanntlich nicht stoppen. Zunächst stärkte ich mich in einem kleinen Cafe mit einem ‚Full English Breakfast‘.










Dieses stellte sich als vorausschauend heraus, denn die Idee, nicht nur eine Route auszusuchen, sondern auch mal die Topografie dahinter zu checken, war mir nicht gekommen. So ging es erst einmal ziemlich steil hinauf auf den ‚Grindslow Knoll‘, wo ich schon gut durchgeschwitzt ankam. Der Blick war von dort oben nicht schlecht, wirkt aber bei gutem Wetter sicherlich beeindruckender. Nach einem Rundweg von knapp neun Kilometern kam ich wieder am kleinen Bahnhof in Edale an und setzte die Reise nach einem verdienten Guinness fort. Mit Umstieg in Sheffield traf ich am Nachmittag in Barnsley ein. Der erste Weg führte mal zum Stadion, um das Tagesicht noch für ein paar Fotos zu nutzen. Barnsley ist nicht groß, die Wege kurz. Ich mag es, wie in England viele Stadien an ihren traditionellen Standorten liegen. So auch hier, wo man die Straße herunterschlendert und zwischen den typisch englischen Reihenhäusern der Blick auf die Spielstätte frei wird. Nach dem die Unterkunft für die Nacht bezogen worden war, verzog ich mich in einen Pub im Stadtzentrum, um etwas zu essen und den Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bevor dann wieder der kurze Fußweg zum ‚Oakwell Stadium‘ angetreten wurde. Seit 1888 spielt der Barnsley Football Club an dieser Stelle und mit der alten Giebeltribüne auf der Westseite und den drei anderen neu erbauten Tribünen ist das Stadion eine Mischung aus modernen und traditionellen Elementen. Während die neuen Tribünen aus den 90er Jahren stammen, befindet sich der überdachte obere Rang des alten ‚West Stand‘ – obwohl natürlich in Teilen modernisiert – noch im grundlegenden Zustand aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ein toller Zeitzeuge, der leider bedroht ist, da immer mal wieder Pläne von Abriss und Neubau auftauchen.
Bis auf einen zweijährigen Ausflug in die Premier League Ende der 90er pendelt der Verein eigentlich sein Club-Leben lang zwischen zweiter und dritter Liga. Alle paar Jahre steigt der Verein auf und einige Spielzeiten danach wieder ab. Nach passablem Saisonstart hatten sich die Gastgeber durch eine Negativserie inzwischen ins Tabellen-Mittelfeld ‚zurückgezogen‘. Die Gäste aus dem knapp 100 Kilometer entfernten Lincoln grüßten dagegen vom zweiten Tabellenplatz. Die relativ überschaubare Distanz animierte gut 1.500 Anhänger dazu, ihren Verein zu begleiten. Der Stimmung kam das dennoch nicht zu Gute. Zwar standen die ‚aktiven‘ Barnsley-Supporter und der komplette Gäste-Anhang während des gesamten Spiels – hüben wie drüben war dennoch absolut tote Hose. Auf dem Rasen sah man ein inseltypisches Drittliga-Spiel. Technik blieb meist auf der Strecke, dafür war es körperbetont und kraftvoll. Konnten die Gastgeber zu Beginn noch Akzente setzen, beruhigten die Citizens clever die Partie und nutzten zwei ihrer wenigen Chancen konsequent. Ärgerlich für Barnsley, dass beim Stande von 0:1 ein klarer Handelfmeter nicht gegeben wurde, aber wie in Deutschland gibt es unterhalb der zweiten Liga keinen Videobeweis. Die Gäste zogen die Partie am Ende nicht unverdient und dürfen weiter vom Aufstieg träumen.








































