
TSV München von 1860 vs Rot-Weiss Essen 1:1
Stadion an der Grünwalder Straße, 15.000 Zuschauer, 3.Liga

Zu fünft entschieden wir uns, mit der Bahn nach München zu reisen. Eigentlich mag ich das Auswärtsspiel in München gar nicht mehr so und hätte wohl verzichtet, wenn wir nicht die Gruppenfahrt hinbekommen hätten. Das Stadion, so kultig wie es ist, und die flache ungedeckte Gästekurve sind einfach nicht attraktiv. Die Stimmung ist auch immer Schrott, eben wegen den baulichen Gegebenheiten, aber auch weil dieser Kick beim RWE-Anhang völlig überschätzt ist und sich viele ‚ungeübte‘ Auswärtsfahrer im Away-Sektor einfinden. Dass es dazu noch in der kalten Jahreszeit nach ‚Minga‘ ging, hätte eigentlich eine Absage an die Tour zur Folge haben müssen. Die Abreise wurde dann auch noch komplizierter als gewünscht. Da aktuell die Bahnstrecke zwischen Essen und Duisburg aufgrund eines Brücken-Neubaus gesperrt ist, sollte die Fahrt in der unaussprechlichen Stadt nördlich von Essen beginnen. Zum Glück fiel Teilnehmern der Reisegruppe auf, dass dieser Halt vom täglich verkehrenden ICE 525 in den vergangenen Tagen nicht angefahren wurde. Eigentlich völlig nachvollziehbar, was will man auch in Arbeitslosenkirchen, da hatte ich ausnahmsweise mal volles Verständnis für die Bahn. Wir entschieden wir uns dann, erst in Düsseldorf zuzusteigen. Die Hinfahrt verlief bis auf einen im Weg stehenden, liegengebliebenen Güterzug reibungslos, so dass wir mit erträglichen 20 Minuten Verspätung eintrafen. Nach einer Mittagsmahlzeit in einem bahnhofsnahen Brauhaus fuhren wir mit der U-Bahn rauf auf Giesings Höhen. Die Löwen gingen stark ersatzgeschwächt in die Partie und hatten elf Ausfälle zu beklagen. Der glorreiche RWE musste dagegen ‚nur‘ die Sechser-Achse Gjasula/Moustier ersetzen. Die 15.000 im ausverkauften Sechz’ger Stadion, darunter 1.500 Rot-Weisse, bekamen dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wenig Erwärmendes zu sehen.
Eine gern genutzte Formulierung ist ja, dass sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe neutralisieren. Man kann es aber auch so sehen, dass es nur deshalb eine ausgeglichene Partie war, weil beide Teams wenig auf die Reihe bekamen. Der Boden war sicherlich nicht im besten Zustand, aber diese Mischung aus Sicherheitszuspielen und Fehlpässen hatte damit nur wenig zu tun. Dass die Gastgeber mit der nicht eingespielten Formation so ihre Mühe hatten, kann ich ja nachvollziehen. Warum der RWE in bester Ausgangslage aber derart verhalten und uninspiriert auftrat, bleibt rätselhaft. Das Gebolze war im ersten Durchgang schwer verdaulich und mit lediglich einer Torraumszene hüben wie drüben auch einigermaßen langweilig. Es ist sicher auch immer einfach, von außen kluge Sprüche zu klopfen, aber auf der anderen Seite ist man ja auch nicht vollkommen ahnungslos und hat Augen im Kopf. Nach meiner bescheidenen Meinung war es offensichtlich, dass man zur Halbzeit schon Veränderungen hätte vornehmen können, das geschah aber nicht. Der Kick war in Hälfte zwei ein Spiegelbild der ersten Halbzeit, aber Trainer Koschinat hielt dennoch weiter an der Startelf fest. Es wurde erst nach gut einer Stunde Spielzeit auch lediglich eine Auswechslung vorgenommen, Obuz kam für Neuzugang Schmidt. Das änderte aber rein gar nichts am weiteren Verlauf und erst nach der 80.Minute wurde erneut gewechselt. Marek Janssen kam ins Spiel und war nur eine Minute später direkt an einer wichtigen Szene beteiligt. Nach einem geblockten Mizuta-Schuss lederte Obuz die Kirsche aus zwölf Metern nochmal auf das Münchner Tor, Janssen hielt den Flunken rein und es stand 1:0 für den Deutschen Meister von 1955. Zwei eingewechselte Spieler besorgten die Führung.
Warum sich das Team danach darauf beschränkte nur noch die eigene Hälfte zu verteidigen und jegliche Offensivbemühungen zu vernachlässigen, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass so etwas oft bestraft wird und so kam es auch. Bouebari verpennte eine Situation aus der dann eine Ecke resultierte und diese führte in der Schlussminute zum Ausgleich. Über das gesamte Spiel gesehen zwar völlig in Ordnung, aber ärgerlich und unnötig. Kurz danach war Schluss und für die Löwen fühlte es sich wohl an wie ein gewonnener Punkt, für die Roten wie eine Niederlage, so war es auch in den Gesichtern abzulesen. Über die Personalpolitik des Trainers entbrannte daraufhin eine Diskussion, der ich mich nicht ganz entziehen kann. Das aber ohne hier ins Detail zu gehen, das würde den Rahmen sprengen. Ich persönlich befinde mich eh in einer Luxussituation, denn egal wie die Saison zu Ende geht – mal mutig vorausgesetzt, dass sich der RWE von der Abstiegsregion fernhalten kann – wird es für mich wohl okay sein. Einen Aufstieg würde ich mitnehmen, allerdings eher für das Erlebnis, als für die Sehnsucht nach Zweitliga-Fußball. Zu genervt bin ich vom VAR, das möchte ich mir auf meinen eigenen Verein bezogen eigentlich ersparen, solange die Dritte Liga noch VAR-frei ist, habe ich wenig Verlangen nach einer höheren Liga. Attraktive wie unattraktive Gegner gibt es in beiden Klassen, mein Wunsch, mich mit meinem Verein durch ganz Deutschland bewegen zu können, wird ja schon bedient. Es ist eh noch zu früh, um eine echte Tendenz ablesen zu können. Die Aufgabe am kommenden Wochenende gegen den vermeintlichen Zwerg aus Havelse, der an den vergangenen Spieltagen aber respektable Ergebnisse erzielte, wird erst einmal schwer genug.










