
Hellas Verona FC vs SS Lazio 0:1
Stadio Marcantoni Bentegodi, 22.029 Zuschauer, Serie A

Und gebracht hat es auch nix. Zwar war die Idee mit dem nahe zum ‚Stadio Marcantonio Bentegodi‘ gelegenen, ausgewählten Hotel sicher eine gute, allerdings reichte der durch die zeitraubenden Situationen beim Spiel in Mantova zu sehr zusammengeschmolzene Zeitpuffer letztlich nicht aus und die ersten drei Spielminuten fanden noch ohne uns statt. Nun denn, es war nicht der erste Besuch im alten WM-Ground von 1990, daher wurde die ‚Berufsehre‘ nicht zu sehr beschmutzt. Im ‚Settore Ospiti‘ zu unserer Rechten hatten sich 2.142 Rechte breit gemacht. Kleiner Kalauer, denn die politische Ausrichtung der als ‚faschistisch‘ verrufenen, vor einigen Jahren aufgelösten ‚Irriducibili‘ (ganz so unbeugsam waren die ‚Unbeugsamen‘ also wohl doch nicht) dürfte vermutlich auch unter dem neuen Namen ‚Ultras Lazio‘ tendenziell noch in dieselbe Richtung gehen. In der gegenüberliegenden Kurve sieht es rund um die ‚Hellas Army‘ bekanntermaßen ideologisch nicht viel besser aus. Aber zurück zu den Fakten. Optisch gab der Gästeblock ein schönes Bild ab, die Mitgereisten hatten Ihren Bereich schön beflaggt. Während am Geländer des Oberranges Banner mit den Namen diverser Stadtteile Roms befestigt worden waren, wurde im Unterrang das Vereinswappen zentral platziert, welches von Wappen einiger ‚Rioni‘ – ‚Regionen‘ kommt dieser administrativen Einteilung in der Übersetzung am nächsten – der Stadt Rom flankiert wurde. Unterstrichen wurde dieses von einem Banner mit der Aufschrift „Tutto Roma e qui per te“, übersetzt: „Ganz Rom ist für Dich da! Als Intro gab es ein schönes Meer aus großen Schwenkfahnen zu sehen, die zum einem wild verteilt im Steh-Block, aber auch aufgereiht entlang der Balustrade des darüber liegenden Sitzplatzbereiches eingesetzt wurden. Das sah gut aus, wurde aber leider in dem Moment beendet, als ich die Kamera aus dem Halfter gezogen hatte und bereit zum Schuss war.
Auf der anderen Seite gab es über die gesamte Breite der Heim-Kurve ebenfalls ein fettes Fahnenmeer zu sehen, welches aber aufgrund der Weitläufigkeit dieser alten Betonschüssel und der diesigen Witterung mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen war. Was den 22.000 dann im Anschluss geboten wurde, war teilweise eine Gefahr für das Augenlicht. Ich hatte beim Spiel der mit Schlusslicht Pisa punktgleichen ‚Gialloblu‘ gegen die Gäste aus dem Tabellenmittelfeld kein Spektakel erwartet, aber ein derart zerfahrenes Spiel dann auch wieder nicht. Viel lief nicht zusammen und wenn sich doch mal irgendwer dem Tor näherte, war derjenige jederzeit in der Lage die entsprechende Situation wieder selbst zu entschärfen. Eigentlich war nicht daran zu denken, dass ein Tor fallen sollte, aber der Däne Nelsson in Diensten der Gastgeber fälschte eine flache Hereingabe höchst unglücklich ins eigene Tor ab. Nur so konnte in diesem Spiel ein Treffer fallen und dieser reichte den Hauptstädtern zum Sieg, was von der Gästekurve, die bis auf die Viertelstunde nach der Pause einen guten Auftritt zeigte, entsprechend gefeiert wurde. Über Verona verdunkeln sich dagegen die Wolken, allerdings ist der Zug bei nur vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer noch lange nicht abgefahren. Apropos Zug. Von Bologna brachte uns der Billig-Ire am folgenden Tag nach Köln. Da das Auto in Düsseldorf-Unterrath stand, war ein Bahn-Transfer notwendig und dass dieser beinahe doppelt so viel Zeit in Anspruch nahm, wie der Flug zuvor, spricht eine deutliche Sprache über den Zustand der Schienendienstleister.

















