
Valencia CF vs Elche CF 1:1
Stadio Mestalla, 44.949 Zuschauer, Primera Division

Im August 2007 wurde der Bau eines neuen Stadions in Valencia begonnen. ‚Nou Mestalla‘ wurde es genannt und sollte das alte ‚Mestalla‘ des Valencia Club de Futbol ersetzen, welches innenstadtnah eingebettet zwischen Wohn-, Geschäfts und Verwaltungsgebäuden liegt. ‚Filetstück‘ nennt man solche Grundstücke ja gern und daher handelt es sicherlich um begehrten Baugrund, was vor circa hundert Jahren noch keiner erahnen konnte, als die erste Spielstätte an diesem Ort errichtet wurde. Nebenbei nagt am alten Stadion trotz diverser Ausbaustufen und Sanierungen der Zahn der Zeit und auch die Ausstattung entspricht nicht dem Anspruch, dem ein ambitionierter Verein heutzutage an sein Stadion stellt, so dass der Wunsch nach einer neuen Spielstätte entstand. Da es aber nicht gelang, den Verkauf des alten Stadions zu realisieren, aus dem der Bau der neuen Spielstätte finanziert werden sollte, mussten die Arbeiten am Neubau nach zwei Jahren eingestellt werden, der Rohbau war zu diesem Zeitpunkt errichtet. Seitdem gammelte das Teil an seinem Standort im Nordwesten der Stadt vor sich hin und drohte zur Bauruine zu verkommen. Zu Beginn des vergangenen Jahres kam dann plötzlich wieder Bewegung in die Geschichte und der Bau wieder wieder aufgenommen und dieser wird seitdem auch konsequent fortgeführt. Bis Mitte 2027 soll das ‚Nou Mestalla‘ nun fertig werden und das alte ‚Mestalla‘ ist daher massiv vom Aussterben bedroht. Grund genug, diesem tollen Stadion mit den megasteilen Rängen noch einmal einen Besuch abzustatten. Für mich persönlich gehört dieser Fußball-Tempel zu den schönsten Stadien Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt.









Mit Mitstreiter Malo ging die Reise dann am Samstag-Morgen ab Düsseldorf los. In Valencia zur Mittagszeit angekommen, war direkt der Check-in in die Unterkunft möglich, danach wurde im benachbarten ‚Mercat Central‘ ein kleines Mittagessen besorgt. Der Plan sah nun eigentlich den Besuch eines unterklassigen Spieles in der Peripherie der Stadt vor. Als ‚Groundhopper‘ hätte man das vermutlich auch gemacht, als ‚Fußballtourist‘ zog ich aber aufgrund des fantastischen Wetters mit milden Temperaturen vor, einen kleinen Rundgang durch die Stadt und einen anschließenden Besuch am Stadtstrand ‚Platja del Cabanyal‘ vor, wo wir uns mit ein paar Dosen ‚Estrella Galicia‘ im Sand niederließen. Von dort ging es dann mit Zwischenstopp in einem Restaurant zum Ort der Sehnsucht. Da wir den Treffpunkt der Away-Fans kreuzten, konnte man schon erahnen, dass die Zahl der Gäste-Hinchas über das übliche Maß hinausging. Mehr als 150-200 Leute verirren sich ja nur selten in den spanischen Gästeblöcken, die Mädels und Jungs aus Elche nahmen aber die kürzeste Anfahrt in dieser Liga zum Anlass, mit gut der zehnfachen Anzahl Leuten anzureisen. Diese verbesserten die Stimmung natürlich dennoch nicht wesentlich, zumal sich der Gäste-Bereich undankbar im Eck des Obrranges befindet. Ebenso wenig wie die vielleicht 100-150 aktiven Valencia-Ultras im Unterrang hinter dem Tor, die kaum zu hören waren. Fußball-Publikum in Spanien ist halt Operetten-Publikum. Die Leute wollen einfach nur Fußball schauen und in der Halbzeitpause in Ruhe ihr mitgebrachtes Bocadillo verzehren.
Spielerisch war das auch einigermaßen unterirdisch, was geboten wurde. Eher untypisch für die spanische Liga, wo man ja meist technisch anspruchsvollen und ansehnlichen Sport zu sehen bekommt. Während die Elche im Tabellen-Mittelfeld wenig Sorgen haben, steht Valencia auf einem Abstiegsplatz. Offenbar wirkt sich dieser Druck auf das Spiel aus, denn da kam nicht viel. Den späten Führungstreffer der Gäste konnten die ‚Murciélagos‘, die Fledermäuse, noch später per Handelfmeter ausgleichen, wirklich weiterhelfen tut dieser magere Punkt aber nicht wirklich. Aber der Star des Spiels war ja eh diese wahnsinnige Cancha. Die überdachte Haupttribüne wird von den umgebenden Rängen deutlich überragt. Die Gegengerade ist nochmal höher als die Kurven und ragt wie eine Sprungschanze in den Himmel. Um die Plätze im Oberrang zu erreichen, muss man eigentlich Mitglied im Alpenverein sein und man sollte diesen nur mit Absturzsicherung betreten. Wenn diese Kathedrale von der Stadion-Landkarte verschwindet, ist das ein echter Verlust. Während die Fans der Gastgeber nach dem Abpfiff hinter die Haupttribüne zogen, ihrem Ärger Luft machten und mutmaßlich rollende Köpfe forderten, trollten wir uns zu Fuß in Richtung Nachtquartier und verzogen uns mit einer blondbefüllten Weißblech-Dose in genau dieses.





















