Nottingham – Di., 30.12.2025, 19:30

Nottingham Forest FC vs Everton FC 0:2

The City Ground, 30.404 Zuschauer, Premier League
Heute verzichtete ich mal auf das ‚Full English‘ und versuchte es mit einem Avocado-Schnittchen mit Poached Egg. Klingt komisch, war aber verdammt lecker. Ohne Umstieg ging es dann mit Northern Railway nach Robin Hood seine Hood. Dort hatte ich ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang inklusive Höhlenführung. Ja, richtig gelesen. Nottingham steht zu einem großen Teil auf Sandstein und die Menschen hatten in den verschiedenen vergangenen Epochen nichts Besseres zu tun, als das Gebiet unter der Stadt in einen Schweizer Käse zu verwandeln. Hunderte von Höhlen wurden gegraben und für verschiedene Zwecke genutzt. Ein kleiner Teil ist für Besucher zugänglich gemacht worden, allerdings war das jetzt nicht gerade der Oberkracher. Da hat mir die Stadt über dem Erdboden mit ihren pittoresken Fachwerkhäusern und den Backsteinbauten im Stile der sogenannten Viktorianischen Gothik schon deutlich besser gefallen.
Nachdem ich dann wieder einige Kilometer auf den eigenen Sohlen abgespult hatte, stärkte ich mich mit typischem Pub-Food und zwei lokalen Ale bevor ich zum direkt am River Trent erbauten ‚City Ground‘ latschte. Das Stadion ist schon speziell. Der alte Main Stand und das an den Fluss grenzende ‚Trent End‘ sind alleinstehende Tribünen, während die Gegentribüne, der ‚Brian Clough Stand‘ und der ‚Bridgeford Stand‘, im Eck miteinander verbunden sind, letzterer aber einen völlig uneinheitlichen Anblick bietet. Es war natürlich schon ein anderer Fußball als der am Vorabend. Während Everton in dieser Spielzeit so ein wenig die graue Tabellenmittelfeld-Maus mimt, war Forest nach zwei Niederlagen unter Druck geraten, langsam mal wieder was Zählbares zu sammeln. Mit dem Druck hatte das Team offensichtlich Mühe, denn für die Gäste vom Mersey war es recht einfach auf den Ballverlust des Gegners zu warten, um dann den schnellen Gegenangriff zu fahren. Aus einer solchen Situation entsprang nach zwanzig Minuten auch der Führungstreffer. In der Halbzeitpause holte ich mir ein ‚Steak and Ale Pie‘. Die kleinen Küchlein mit Fleischfüllung esse ich echt gern. Die Problematik ist ja, dass die Füllung heißer ist, als die Lavakammer des Vesuvs. Also muss man zuerst immer ein ordentliches Loch in die Teigdecke stoßen und hoffen, dass keine Stichflamme rauskommt. Wenn man dann Glück hat, kann man das Teil eine halbe Stunde später endlich essen. Löffelt man sich das Ding zu früh rein, verbrennt man sich unfassbar die Fresse und am Folgetag löst sich in der Regel die Schleimhaut des Gaumens ab. Aber Übung macht den Meister.
Im zweiten Durchgang erweckte Forest den Eindruck einen Plan zu haben. Die Gastgeber traten dominant auf und ließen hinten eigentlich nichts mehr zu. Everton spielte phasenweise gar nicht mehr mit. Allerdings wurde Forest in der Box nur selten gefährlich und die wenigen wirklich guten Gelegenheiten wurden kläglich versiebt. Zehn Minuten vor dem Ende machten die Gäste nach einem Konter den Deckel drauf. Das bekamen allerdings viele Zuschauer gar nicht mehr mit. Spätestens eine Viertelstunde vor Schluss setzte der Strom der Unzufriedenen ein. Also in England machen sich ja gern mal Einige vor dem Ende auf den Heimweg, wenn es für das eigene Team nicht so läuft. Was sich hier abspielte, fand ich aber beinahe erschreckend. Als die Partie abgepfiffen wurde, war schon beinahe ein Drittel der Plätze leer – absolut unverständlich, zumal ein Spiel ja auch bei einem Zwei-Tore-Rückstand zehn Minuten vor Schluss plus Nachspielzeit noch mal gedreht werden kann. Passierte zwar nicht, Zeit genug wäre aber gewesen. Passte zur Stimmung, die es natürlich so gut wie nicht gab. Die Gäste-Lads gaben in den ersten Minuten ein paar Chants von sich und passten sich dann aber ihren Kontrahenten an, die sich drei oder vier Mal zu einem langgezogenen „Come on you Reds“ aufrafften. Aber gut, wie schon plattgeredet, reist man nicht wegen der brachialen Stimmung auf die Insel. Für mich ging es noch mit dem Zug über Derby nach Birmingham, wo ich eine zu kurze Hotelnacht verbrachte, eh mich Eurowings am Silvester-Morgen wieder in die Arme der geschätzten Gattin beförderte.