
Rot-Weiss Essen vs FC Erzgebirge Aue 4:2
Stadion an der Hafenstraße, 17.307 Zuschauer, 3.Liga

Der Schacht war mal wieder zu Gast an der Hafenstraße. Während der glorreiche RWE nach zuletzt zwei Siegen einen riesigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht hat, ist die Entwicklung im Erzgebirge rückläufig, denn bei nur einem Sieg gingen vier der letzten fünf Spiele verloren. Um noch mal ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten, hat die BSG Wismut wohl schon zu viele Punkte gesammelt, aber der psychologische Moment lag ganz klar auf Seiten der Roten, weshalb ich so entspannt wie lange nicht mehr an die Hafenstraße reiste. Die Rot-Weissen sorgten dann dafür, das mein Blutdruck auf vertretbarer Höhe verblieb und bestimmten das Spiel eigentlich von Beginn an, allerdings ohne den Holzmicheln zunächst ernsthaft gefährlich zu werden. Das geschah dann nach etwa 20 Minuten in Person des neuen Publikumslieblings Tom Moustier, der einen nach einer Freistoß-Flanke in den Sechzehner den zu kurz abgewehrten Ball im Strafraum mit Mach Drei an Freund und Feind aus zehn Metern zur Führung in die Maschen jagte und damit endlich sein erstes Tor für den Deutschen Meister von 1955 erzielte. Ziemlich aus dem Nichts kamen die Gäste aber zehn Minuten später zum Ausgleich, als eine Flanke von rechts lang und länger wurde und schließlich von einem Schachter mit der Brust über die Linie gedrückt wurde.
Der RWE ließ sich nicht beirren, machte einfach weiter und kam durch einen berechtigten Elfmeter nach Foul an Arslan mit dem Pausenpfiff zur erneuten Führung. Der Gefoulte, aktuell in Topform und Seele des rot-weissen Angriffsspiels, verwandelte selbst und gewohnt sicher. Nach etwas mehr als einer Stunde erhöhte ebenjener auf 3:1. Nach einem weiten Einwurf von Moustier – die Dinger sind echt absolute Waffen – kam die Kirsche in den Rückraum zu Arslan, der aus 20 Metern einen Strahl in den unteren linken Torwinkel abfeuerte. Moustier – nach Arslan aktuell wohl der wichtigste Mann im Feld- wurde noch von Dabrowski aus der Reserve von Hannover 96 geholt und versauerte anschließend auf der Bank. Für mich ein weiterer Nachweis für die fachliche ‚Eignung‘ von Dabrowski, aber das ist Schnee von gestern, auch der noch gültige Vertrag wurde in dieser Woche endlich aufgelöst. Damit war die Wiese eigentlich gemäht, aber in eben jenem Gefühl des nur scheinbar sicheren Sieges, wurden die Roten in der Deckung fahrlässig und nach einem Ecken-Geschwader, schlug die Murmel im vierten Versuch dann zum Anschlusstreffer im Netz hinter Jakob Golz ein. So richtig verpasste dieses Tor den Süd-Sachsen aber nicht mehr den notwendigen Elan, um noch etwas Zählbares auf die Habenseite zu ziehen. Stattdessen durfte der eingewechselte Voufack, an dessen Leistungen man ja man oft verzweifelt, der aber – wenn auch selten – mal wirklich gute Sachen macht, nach einem schön gespielten Konter drei Minuten vor dem Ende endlich seinen Premierentreffer in einem Punktspiel für den RWE erzielen.
Damit war ein hochverdienter Sieg in einem unterhaltsamen Spiel endgültig besiegelt und mit nun 46 Zählern ist der Ligaverbleib nach einer desaströsen Hinrunde zum Greifen nah. Während die pickepackevolle Westkurve wieder eine ordentliche Vorstellung zum Besten gab, war der Blick in den Gästeblock etwas enttäuschend, denn nur etwa 400 Erzgebirgler hatten sich eingefunden. Das kam mir für die eigentlich optimale Anstoßzeit etwas wenig vor. Man mag darüber streiten, ob nun der Negativ-Lauf der Lila-Weißen die Leute von einer Auswärtsfahrt abhielt oder ob eben genau diese Situation, in der das Team ja die Unterstützung mehr brauch denn je, die Anhänger mobilisieren sollte. Diejenigen, welche den natürlich weiten Weg auf sich genommen hatten, positionierten sich kompakt im oberen Bereich des Blockes und hauten raus, was ging. Ich hoffe, die Mannschaft hält die Klasse, da ich die bisher erlebten Fahrten nach Aue als angenehm empfand und sich von dort als positiver Nebeneffekt natürlich auch immer der Grenzübertritt über den Klobasa-Äquator anbietet.











