Lommel – Mi., 01.05.2024, 20:00

Lommel SK SV Zulte Waregem 1:0

Soevereinstadion, 4.245 Zuschauer, Relegation zur Pro League Halbfinale Rückspiel

Der Lommel SK, so eine Art ewiger belgischer Zweitligist, schnuppert in dieser Saison am Aufstieg in die Eliteklasse. Zwar hat der Verein die direkte Qualifikation über die ersten beiden Tabellenplätze verpasst, bekommt jedoch über die Relegation eine zweite Chance. Grund genug mal wieder im Soevereinstadion vorstellig zu werden. Zum Zeitpunkt meines ersten Besuchs vor über 15 Jahren trug der Club noch den sperrigen Namen KVSK United Overpelt-Lommel. Nach einer Fusion mit Racing Mol-Wezel heiß der Verein dann Lommel United, bevor er vor einigen Jahren seinen heutigen Namen erhielt. Um nun den Aufstieg zu realisieren, musste zunächst im Halbfinal-Rückspiel der SV Zulte aus Waregem bezwungen werden, der im Vorjahr aus der ersten Liga abgestiegen war. Nach einem Remis im Hinspiel war ein Sieg zwingend erforderlich. Dieser gelang auch mühsam, aber nicht unverdient, mit dem knappsten aller möglichen Resultate durch einen Treffer eine Viertelstunde vor dem Ende. Der mitgereiste Anhang, etwa 400 Leute, reagierte wenig erfreut und machte den eigenen Spielern das auch deutlich. Die Fans der Gastgeber feierten den Einzug in die Endspiele dagegen überschwänglich. Der Sieger dieser Ausscheidung spielt dann eine finale Runde gegen den Drittletzten der ersten Liga um einen Platz in eben jener. Über viertausend Zuschauer wurden heute im Soevereinstadion begrüßt und damit gut viermal so viele wie in den gewöhnlichen Ligaspielen.

Budapest – So., 28.04.2024, 17:00

Budapesti VSC Zugló vs Csákvári FC 1:0

Szönyi úti Stadion, 250 Zuschauer, Nemzeti Bajnoksag II
Auch der Sonntag brachte nach einem entspannten Ausflug ins Burgviertel in Buda ein Spiel in einem reizvollen Stadion in Pest. Bekanntermaßen entstand Budapest ja erst vor 150 Jahren durch die Zusammenlegung von Buda westlich der Donau und dem deutlich größeren, östlich der Donau gelegenen Pest. Der Budapesti VSC Zuglo war das Ziel, der aktuell in der zweiten Liga zu Werke geht. VSC steht für Vasutas Sport Club, was ins Deutsche übersetzt Eisenbahnersportverein heißt. So wurden zum Einlaufen der Teams auch kurz Fahrgeräusche einer Dampf-Lok und die dazugehörige Signal-Pfeife eingespielt. Netter Gimmick. Auch der BSC hat mehrere Umbenennungen hinter sich, so wie es in Ungarn ja beinahe ein Brauch ist – man kann an der Zahl der Namensänderungen schon annähernd auf das Alter eines Vereins rückschließen. Und analog zum am Vortag besuchten Csepel TC wurde auch der BVSC um die Jahrtausendwende aufgelöst und erblickte aber zehn Jahre später erneut das Licht der Fußballwelt. Hertha-Legende Pal Dardai schnürte in den 90ern, als der Verein einige Jahre erstklassig spielte und sogar einmal Vizemeister wurde, für eine Spielzeit die Schuhe für den Eisenbahner-Club.
Wie schon angedeutet hat sich der Club mittlerweile wieder an die Eliteklasse herangerobbt, schwebt aktuell aber in akuter Abstiegsgefahr. Aus dem Grund musste dringend Zählbares her und die Mannen in Blau und Gelb bemühten sich, waren feldüberlegen, hatten aber große Mühe, sich Torchancen zu erarbeiten. Tief in der zweiten Hälfte landete dann zehn Minuten vor Schluss dem Wochentag entsprechend ein Sonntagsschuss im Giebel und ließ das Stadion unter dem Jubel der etwa 250 Leute in seinen Grundfesten erbeben. Naja, fast. Die Spielstätte mit ihrer speziellen Haupttribüne sollte übrigens schon längst Opfer der Abrissbagger geworden und einem Neubau gewichen sein. Termin für die Fertigstellung ist ziemlich genau jetzt, aber es nicht einmal im Ansatz zu erkennen, dass zeitnah irgendwelche Arbeiten beginnen sollen. Leider wurde das Stadion schon vor Jahren seiner Kurven beraubt, aber es macht immer noch was her. So endete dieser kleine Wochenend-Ausflug und Eurowings brachte uns am nächsten Morgen zurück in die Heimat.

Budapest – Sa., 27.04.2024, 16:30

Csepel TC vs Testvériség-Újpalota SE 2:1

Béke téri Stadion, 200 Zuschauer, BLSZ I. osztaly
Der EC141 brachte uns am Samstag-Morgen von Wien nach Budapest. Irgendwann jedenfalls. Zunächst wurde eine Verspätung von 30 Minuten mitgeteilt, ergänzend muss dazu vielleicht noch erwähnt werden, dass der Zug in Wien startete, ergo eine echte Glanzleistung. Daraus resultierte eine Bahnsteigänderung. Als nächstes folgte die Info über ein verringertes Platzangebot, da der Wagen der 1.Klasse und einer der 2.Klasse nicht zur Verfügung standen. Kurz darauf wurde eine weitere Verspätung von zehn Minuten verkündet. Abfahrt also mit plus 40 Minuten, Ankunft letztlich mit plus 68 Minuten – die Deutsche Bahn wäre stolz auf diesen Zug gewesen! Zeit für einen entspannten Spaziergang am Donau-Ufer und über die Kettenbrücke blieb aber noch, bevor wir uns mit dem Vorortzug auf den Weg in den südlichen Stadtteil Csepel machten. Der Csepel Sportclub ist ein großer Verein aus dem Süden Budapests. In den 40er und 50er Jahren konnte die Fußballabteilung des Clubs mehrfach die ungarische Meisterschaft gewinnen und belegt aktuell immer noch einen der vorderen Plätze in der ewigen Fußballtabelle Ungarns. Ungarn-like wurde der Vereinsname gute zehn Male angepasst oder verändert, der Stadtteil-Name Csepel blieb aber immer Bestandteil. Die politische Wende Anfang der 90er brachte große finanzielle Probleme und wenige Jahre später dann den Abstieg. Mit der Jahrtausendwende wurde die Fußballsparte des Vereins gar aufgelöst und dann wurde es kompliziert und ein wenig schwer zu durchschauen.
Zunächst stand eine Spielbetriebsübernahme durch einen Kooperationsverein an, der aber bald nach Tatabanya umzog. Daraufhin entstand 2006 dann der Csepel TC, der die Historie des Csepel SC für sich proklamiert, indem die Startberechtigung eines Vereins namens Láng Vasas SC übernommen wurde. Der Verein spielte dann lange Jahre drittklassig, ehe es in die vierte Division herunterging. In derselben Spielklasse turnt auch mit mäßigem Erfolg noch ein erst seit wenigen Jahren bestehender Club mit dem Namen Csepel UFC unter Nutzung des identischen Wappens rum. Was es mit diesem Verein genau auf sich hat, erschließt sich aber nicht und ist nicht zu ergründen. Nach einigen Jahren in der Viertklassigkeit, die sich im Raum Budapest in einer reinen Stadt-Liga zeigt, konnte der Csepel TC aber bereits am vergangenen Wochenende sechs Spieltage vor Saisonschluss den Aufstieg in Liga drei feiern. Was immer geblieben ist, ist das wundervolle betagte Stadion, dessen Besuch schon lange auf der Wunschliste stand. Es handelt sich um ein weites Oval mit einer unkonventionell aussehenden Haupttribüne. Auf den ersten Blick sieht alles nach Gammel aus, was sich beim genaueren Hinsehen aber nicht bestätigen lässt. Zwar zeigt hier und da die Natur ihre Kraft, aber abgesehen vom Alter der Anlage, erscheint noch beinahe alles funktionstüchtig. Auch die Stufen des weiten Ovals sind weder gebrochen noch schief, gemessen am Alter ist die Bude in gutem Zustand. In der Kurve halten knapp 30 aktive Fans dem Club die Treue, die zum heutigen Spiel ein großes Banner mit der Aufschrift „Meistermannschaft“ am Zaun aufhingen. Ihr von ihnen verehrtes Team tat sich gegen einen früh in Unterzahl geratenen Gegner sehr schwer, der Druck war halt raus. Am Ende reichte es zu einem knappen Arbeitssieg.

Wien – Fr., 26.04.2024, 18:30

SV Donau vs Sportunion Mauer 1:3

Sportplatz Donau, 200 Zuschauer, Wiener Stadtliga
Budapest war das Ziel, denn die verehrte Gattin war noch nie Ungarns Hauptstadt und mir liegen dort noch ein paar verschrumpelte Spielorte auf der Fußballseele. Budapest scheint kein Billigflug-Ziel mehr zu sein, zumindest nicht wenn man nicht flexibel in der Terminwahl ist. Letztlich standen die angebotenen Direktverbindungen in keinem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis, so dass eine Gabel über Wien zusammengebaut wurde. Mittags in der österreichischen Hauptstadt eingeflogen, blieb genug Zeit für einen Rundgang zu den historischen Spots in der City, bevor es raus ging nach Kaisermühlen auf die Donauinsel. Dort spielt der SV Donau auf Landesliga-Niveau in der Wiener Stadtliga, in Österreich bedeutet das viertklassig. Die Anlage des SV Donau ist räumlich ziemlich eng und daher recht kuschelig. Die Hauptseite bietet in fünf flachen Reihen betagte Sitzbänke und einen kleinen überdachten Stehbereich. Eine weitere Möglichkeit das Spiel zu verfolgen, befindet sich hinter einem Tor, während die andere Hintertor-Seite und die Gegenseite lediglich eine Reihe zur Spielbetrachtung bieten. Während die Gastgeber eine solide, sorgenfreie Saison spielen, sind die Gäste aus dem Wiener Südwesten stark aufstiegsgefährdet. Der etwas kurios anmutende Vereinsname der Gastmannschaft liegt übrigens schlicht in dessen Herkunft begründet, denn der Stadtteil, in dem der Club beheimatet ist, heißt Mauer. Über beinahe die gesamte Spielzeit zeigten die Teams ein Spiel auf Augenhöhe, aber in den entscheidenden Momenten war der Tabellenführer auf dem engen Platz cleverer und abgezockter und nahm letztlich nicht unverdient die drei Punkte mit nach Hause.