
KS Ruch Chorzow vs Gornik Zabrze 1:2
Stadioon Slaski, 38.106 Zuschauer, Ekstraklasa

Nach einigen Jahren fand das schlesische Derby wieder statt. Ruch hatte nach einer atemberaubenden Talfahrt bis in Liga vier einen genauso steilen Aufstieg zurück in die Ekstraklasa hingelegt. Allerdings stehen die Zeichen auch schon wieder auf Abschied, denn mit einigen Punkten Rückstand auf das rettende Ufer belegt die Mannschaft einen Abstiegsrang. Langweilig scheint es einem als Ruch-Kibic in diesen Jahren nicht zu werden. Das Spiel war mit beinahe für 40.000 Zuschauern für Polnische Verhältnisse außerordentlich gut besucht, die Gäste hatte über 2.000 Tickets zugesprochen bekommen. In den letzten Wochen hatten sich beide Fanszenen auch ordentlich benommen, so dass keine Verbote oder Beschränkungen verhängt wurden. Gewiss wurde das Tifo-Rad heute nicht neu erfunden, aber es wurde eine gute Show geboten. Dabei hatte Heim-Szene klar die Nase vorn, aber als gastgebende Szene hat man es ja nun auch mal einfacher. Alleine sechs Aktionen zeigte die Ruch-Kurve – vier Mal wurde Pyrotechnik abgebrannt und zum Intro der beiden Spielhälften gab es Choreografien zu sehen, die natürlich auch von Bengal- und Rauchfackeln untermalt wurden. Zu Spielbeginn wurde mit klassischen Pappen der Ausruf „Super Ruch“ abgebildet, wobei es für die Umsetzung Abzüge in der B-Note gab, denn die Buchstaben waren nicht sauber dargestellt. Zentral prangte eine Blockfahne mit dem Meister-Pokal und der Zahl 14. Ergänzend waren an der Balustrade des Oberrangs 14 goldene Meistersterne befestigt. Ruch hat mit 14 Meistertiteln – nach Legia Warszawa – die meisten nationalen Titel eingeheimst, allerdings war der letzte Triumph im Jahr 1989. Eher ein etwas hölzerner Hinweis auf vergangene Glorie, denn dieselbe Anzahl an Meisterschaften hat auch Gornik gewonnen, wobei deren letzter Erfolg noch ein Jahr älter ist
Das Intro zu Hälfte zwei bestand aus einer Blockfahne, welche Bart Simpson in einem dampfenden Kochtopf zeigt, der offenbar ein Gornik-Trikot trug. Dahinter waren ein paar kräftige Ruch-Kibole abgebildet und am Zaun zum Spielfeld prangte ein Banner mit der Aussage: „Lass den Kessel und das Feuer brennen – heute keine Gnade für unsere Rivalen“. Die Gäste-Szene beschränket ihre optischen Akzente auf ein Meer kleiner karierter Schwenkfahnen und zwei Pyro-Aktionen. Die Ruch-Jungs wurden übrigens von ihren Freunden von Widzew Lodz und Elana Torun, sowie dem Bündnispartner Wisla Krakow unterstützt, während Gornik auf die Freunde von ROW Rybnik und GKS Katowice zählen durfte. Das Spiel wurde nicht auf sehr hohem Niveau geführt, aber das darf man in Polen auch nicht erwarten, denn durch den Abgang der starken einheimischen Akteure ins Ausland ist die Ekstraklasa im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren oder eher Jahrzehnten stark abgerutscht. Lukas Podolski in Diensten von Gornik bewies aber immer noch sein feines linkes Füßchen, auch wenn das Tempo mittlerweile etwas fehlt. Begutachten durfte ich bei den Gästen auch Stürmer Lawrence Ennali, in der vergangenen Saison noch im göttlichen Dress des glorreichen Deutschen Meisters von 1955 unterwegs, dem ja eine gute Entwicklung bescheinigt wird, wovon aber heute wenig zu sehen war. Der Auftritt erinnerte stark an die Performance im RWE-Trikot. Hohe Schnelligkeit, aber wenig Präzision und Durchsetzungsvermögen. Gornik spielt ja eine ganz ordentliche Saison und wurde der Favoritenrolle gerecht. Dem Führungstreffer kurz vor dem Pausenpfiff, folgte zehn Minuten vor Schluss Treffer Nummer zwei, der vom Anhang mit einer Oberkörperfrei-Aktion gefeiert wurde. Der Anschlusstreffer für die Gastgeber kam zu spät und diese gehen nun schweren Zeiten entgegen, da der angestrebte Klassenerhalt eine harte Nuss bedeutet.



























