
RC Lens vs AS Monaco 7:8 n.E.
Stade Bollaer-Delelis, 41.233 Zuschauer, Coupe de France 9.Runde

Mein erstes Fußballspiel auf französischem Boden sah ich 1995 in Lens in ebendiesem Stadion. Damals sah die Hütte noch nicht so schnieke aus wie heutzutage, dafür mussten erst Modernisierungsmaßnahmen für die WM 1998, sowie die EM 2016 herhalten. Die Nominierung als Spielort für letzteres Turnier brachte dem Stadion eine neue Dachkonstruktion ein, die Stützpfeiler aus früheren Dekaden verschwanden. 2009, also 14 Jahre nach dem ersten Besuch, beehrte ich diesen Spielort ein zweites Mal. Daher war es nun nur konsequent nach (etwas mehr als) 14 Jahren ein drittes Mal aufzukreuzen. Bis ins Jahr 2012 war das Stadion ausschließlich nach seinem Begründer Felix Bollaert benannt, ehe der Name um den ehemaligen, langjährigen Bürgermeister von Lens, André Delelis, ergänzt wurde. Optisch stehe ich ja auf solche Stadien mit freistehenden Tribünen, die sich dadurch von der Arena-Einheitsbauweise abhaben. Dagegen bieten die Arenen mit den geschlossenen Ecken natürlich Vorteile in Sachen Stimmungsbildung, da sich die Gesänge und Sprechchöre besser verfangen – man kann halt nicht alles haben. Wenn das Stadion in Lens ausverkauft ist, befinden sich übrigens mehr Leute darin, als die Stadt Einwohner hat. Ausverkauft ist es meistens, so auch heute offiziell, allerdings offenbarten sich hier und da einige freie Plätze. Für französische Verhältnisse gut gefüllt war auch der Gästeblock, etwa 500 monegassische Anhänger zeigten sich dort. Da hatte ich den Jüngern aus dem Fürstentum mit meiner Erwartung Unrecht getan, denn mit mehr als 150 Leuten hatte ich bei einer Entfernung von 820 Kilometern Luftlinie und 1.150 Straßenkilometern nicht gerechnet, zumal der Club ja nicht gerade über eine große Fan-Base verfügt. Eine Choreo hatten sie auch noch im Gepäck, damit hatten die Gäste schon mal jede Erwartung deutlich übertroffen.
Dafür gab es auf der Heimseite noch Luft nach oben. Zwar wurde dauerhaft supportet und es gab auch einige richtig gute Phasen, aber optisch hatte ich etwas mehr erhofft, als eine doch recht dünne Rauchsäule in den Vereinsfarben. Keine 30 Sekunden brauchten die Gäste, um die Führung zu erzielen. Vorausgegangen war ein katastrophaler Fehler im Spielaufbau – die Quittung für diese zwanghaften Versuche sämtliche Situationen unter Druck spielerisch lösen zu wollen, anstelle sich mit einem humorlosen langen Hub zu befreien. Der zweite Treffer für die Monegassen nach gut zwanzig Minuten entsprang einem Bilderbuch-Konter. Die Gäste versäumten es dann, die immer noch nach ihrer Linie suchenden Gastgeber bei weiteren Kontergelegenheiten schon vor vollendete Tatsachen zu stellen. Der Anschluss kurz vor der Halbzeit eröffnete den Rot-Gelben nun wieder alle Möglichkeiten. Im zweiten Durchgang war es ein komplett anderes Spiel und es hätte mehr für den Racing Club herausspringen können, als der Ausgleich nach einer Stunde Spielzeit. Die unsägliche Verlängerung wurde im französischen Pokal abgeschafft und so folgte unmittelbar das schlechteste Elfmeterschießen seit der Steinzeit. Von den ersten zehn Schützen trafen nur vier und es mussten weitere acht Elfmeter herhalten, bis der Sieger gefunden war.


















