
FC Ingolstadt 04 vs Rot-Weiss Essen 2:1
Sportpark Ingolstadt, 10.610 Zuschauer, 3.Liga

Eigentlich wäre mir dieses Auswärtsspiel verwehrt geblieben, da ein Wochenende ganz ohne Fußballbezug geplant war. Wäre auch nicht weiter schlimm gewesen, da der Kick in der Audi-Stadt weit unten auf der Attraktivitäts-Skala zu finden ist. Aber manchmal kommt es halt anders und spätestens als ich mich um Viertel vor sechs aus dem Bett quälte, hasste ich mich schon wieder dafür, die kurzfristige Option zur Teilnahme an diesem Ausritt gezogen zu haben. Mit fünf weiteren Gefährten ging die Fahrt gen Süden und zumindest der gesellschaftliche Aspekt kam nicht zu kurz. Bei gepflegtem Stauder-Konsum und Dummlaberei verging die Fahrt doch recht zügig. Nach guten fünf Stunden trafen wir am gesichtslosen Einheitsbau, dessen Haupttribüne von außen stark an Autohaus des Konzerns mit den vier Ringen erinnert, ein. Über 10.000 Besucher will der FC Ingolstadt am heutigen Tage im Audi-Kühlschrank begrüßt haben. Der Blick über die Ränge offenbarte aber auch Schätzungs-Legasthenikern, dass diese Zahl reinem Wunschdenken entsprang. Oder der Freikarten-Aktion des lokalen Automobilherstellers, der verzweifelt versuchte, der Spielstätte des gesponsorten Fußballklubs etwas mehr Leben einzuhauchen, indem er Freikarten an seine Mitarbeiter raushaute. Was jedenfalls nicht recht gelang, da es dem gemeinen Audi-Fahrer im Stadion ohne die gewohnte Sitzheizung offenbar zu kalt war. Der Verein scheute sich aber offensichtlich nicht, die verteilten Karten in die offizielle Zuschauerzahl einfließen zu lassen. Eher peinlich, wie ich finde.
Die Stimmung im Gäste-Sektor war allerdings zunächst auch nicht besser, da mehr als 300 zugreisende Anhänger – darunter die Ultra-Gruppen – aufgrund von Unregelmäßigkeiten beim Beförderungsmittel ihrer Wahl erst zur Halbzeit eintrafen. Die Bahn als Verkehrsträger zu wählen, wenn man einen fixen Termin erreichen will, ist halt aktuell und wohl auch mittelfristig nicht die beste Wahl. Dass der Anstoß großzügig um fünf Minuten verschoben wurde, war dann auch eher ein Treppenwitz. Nach einigen Spielminuten hatten sich Unorganisierten organisiert und supporten das Team so gut es ging. Nach meinem Eindruck war das auch gar nicht so schlecht wie man hätte befürchten sollen. Mit dem Eintreffen der Ultras wurde die Stimmung übrigens besser. Behaupteten zumindest viele Leute. Ich bin dahingehend zwiegespalten, denn vor allem änderte sich der Support von ‚spielbezogen‘ auf ‚dauerhaft‘. Ob das nun besser oder schlechter ist, mag jeder für sich entscheiden. Spielbezogener Transport erfährt sicherlich mehr Unterbrechungen, ist aber halt phasenweise lauter, da der Mob eben auf das reagiert, was auf dem Grün passiert. Ultra-Style bedeutet natürlich die Konstanz, die der Oldschool-Support vermissen lässt, aber beim dauerhaften, egozentrischen Durchträllern fehlen halt ab und an die situativen Emotionen. Die perfekte Mischung wäre wohl, die Vorteile beider Stile optimal zu vereinen, die Bemühung will ich der Szene auch nicht absprechen, jedoch gelingt es eben oft genug nicht.
Ob sich die von fünf Siegen in Folge verwöhnte Mannschaft im ersten Durchgang vom Fehlen der Ultras irritieren ließ oder von den mutig beginnenden Ingolstädtern, ist nicht überliefert. Die Roten wurden im Schneetreiben jedenfalls kalt erwischt und begünstigt durch zwei haarsträubende Fehler in der Defensive, einmal im Spielaufbau, einmal bei dem Versuch sich spielerisch zu befreien, stand es nach zwanzig Minuten schon 2:0 für die Gastgeber. Cedi Harenbrock gelang zwar kurz darauf der Anschluss, aber das sollte es auf der Habenseite auch schon gewesen sein. Zwar bestimmte der RWE nach dem Seitenwechsel die Partie, ließ hinten nichts mehr zu, wurde aber vorne auch nicht sehr gefährlich. Da nützt der ganze Ballbesitz nichts, wenn man sich vor dem gegnerischen Kasten zu dünn präsentiert. Der Platzverweis gegen Götze eine Viertelstunde vor Ende, der für nur zwei Foulspiele auch jeweils direkt den gelben Karton bekam, half jetzt auch nicht dabei eine Schlussoffensive zu initiieren und so fuhr der FCI einen nicht zwingend verdienten aber zwangsläufigen Sieg ein.











