
Rot-Weiss Essen vs FC Erzgebirge Aue 1:1
Stadion an der Hafenstraße, 15.117 Zuschauer, 3.Liga

Mit geringen Erwartungen ging ich ins erste Heimspiel der neuen Drittliga-Spielzeit. Vor dem Spiel äußerte ich, dass ich mit einem Punkt leben könnte, damit aber dennoch nicht zufrieden sein würde. Und genauso fühlte es sich dann nach dem Schlusspfiff auch an. Die Roten machten auf sehr schwierig zu bespielendem, weil neu eingesätem und noch nicht gut angewachsenen Geläuf gar kein schlechtes Spiel, aber aufgrund bekannter Unzulänglichkeiten reichte es nicht für den Heimsieg, obwohl hoher Aufwand betrieben wurde. Im ersten Durchgang waren die Erzgebirgler ein gleichwertiger Gegner, der nach etwas mehr als einer Viertelstunde durch Ballgewinn in eigener Hälfte nach einem RWE-Einwurf einen blitzsauberen Konter fuhr, welcher nach feinem Steilpass erfolgreich abgeschlossen wurde. Dabei schalteten die Lila-Weißen schnell um, suchten mit präzisen Pässen den direkten Weg zum Tor. Zwei Faktoren, die den Rot-Weissen aktuell völlig abgehen. Zudem hätte eine clevere Mannschaft spätestens an der Mittellinie ein taktisches Foul gezogen, um den schnellen Gegenstoß zu unterbrechen. Es gibt einfach zu viele Mängel im Essener Spiel. Der Ausgleich nach einer halben Stunde war dennoch verdient, denn Bemühen und Einsatz waren dem Team nicht abzusprechen. Lucas Brumme, der vielleicht beste Neuzugang, setzte sich auf dem linken Flügel durch und bediente Müsel, der die Kirsche technisch anspruchsvoll versenkte.
Im zweiten Durchgang schaltete der glorreiche Deutsche Meister von 1955 einen Gang hoch, auch begünstigt von einem nun defensiveren System der Gäste. Viele Torchancen konnten dennoch nicht kreiert werden, womit wir wieder beim hohen Aufwand wären. Die Gäste-Abwehr schmiss sicher erfolgreich in die Schussversuche der Gastgeber, die dazu – vorrangig (mal wieder) in Person von Isi Young – offensiv äußerst unglücklich agierten. Die Sachsen nahmen schließlich einen vielleicht nicht vollends verdienten, aber clever erkämpften Punkt mit nach Hause. Der schlechte Zustand des Rasens erschwerte die Aktionen zusätzlich und führte zu einer schweren Verletzung eines Auer Spielers. Auch die Adduktorenproblem, aufgrund derer Bastians im zweiten Durchgang raus musste, dürften durch den Untergrund begünstigt worden sein. Wer nun auf die Idee gekommen ist, Behandlungspausen für die Spieler als Werbeaufhänger zu nutzen („Diese Verletzungsunterbrechnung wird präsentiert von…“) kämmt sich morgens wohl auch mit dem Hammer. Was passiert nur in der Chef-Etage dieses Vereins – da weiß man nicht mehr ob man lachen, weinen oder sich einfach nur schämen soll. Knapp 300 Leute hatten aus dem Erzgebirge rüber gemacht. Keine überragende Zahl, aber 500 Kilometer Heimfahrt nach einem späten Sonntagsspiel schrecken viele ab, die montags früh die Schüppe in die Hand nehmen müssen. Der Spielplanleiter der 3.Liga gehört auch geteert und gefedert und der groß gefeierte Verzicht auf das Montagsspiel ist angesichts solcher Entfernungen an einem Sonntag-Abend auch nur die Hälfte wert.







