Essen – So., 05.02.2023, 14:00

Rot-Weiss Essen vs MSV Duisburg 1:1

Stadion an der Hafenstraße, 19.200 Zuschauer, 3.Liga
Derby-Time in Essen vor ausverkauftem Haus. Der MSV war mir eigentlich lange Zeit einigermaßen egal, halt ein normaler Lokalrivale. Da nun aber die Klingen (möglicherweise wieder öfter) gekreuzt werden, haben sich dieses Empfinden und die Rivalität ein wenig verändert. Es steckte schon ordentlich Potential in dieser Partie. Die Abneigung gegen den Kontrahenten scheint für die Anhänger der Fluchttiere von der Wedau sogar noch deutlicher ausgeprägt als umgekehrt. In den Tagen vor dem Spiel beschmierten die Zebras eine durch Essen verkehrende S-Bahn mit einem ‚Scheiß RWE‘-Graffiti, was ich sogar einigermaßen originell finde. Ja irgendwie war schon eine höhere Nervosität zu spüren, als bei anderen Gegnern. 2.500 Tickets waren in die Stahlkocher-Stadt gegangen und die Gäste um die Kohorte hatten eine Blockfahne im Gepäck. Das scheint für Gäste-Fans in Essen groß in Mode zu kommen, denn das war nun nach Dynamo und dem HFC schon die dritte Gruppierung, die eine passgenaue Blockfahne für den Away-Bereich gefertigt hatte. Das Motiv war etwas zu stilisiert, um es gut erkennen zu kennen, da haben die Kohorte-Jünger wohl zu abstrakt mit der Wasserfarbe herumgepinselt – ist das nun Kunst oder kann das weg? Irgendein wildgewordenes Zebra auf Droge trampelte auf einem mutmaßlichen Stadion rum – vermutlich war dann ja der Tempel an unserer legendären Hafenstraße gemeint – dass zum Teil zerstört war und in Flammen stand. Na, ob sich das Streifentierchen da nicht mal die Hüfchen verbrannt hat. Ergänzend prangte ein Banner am Zaun mit dem Wortlaut „You are going down today“. Da ist die Verenglischung also sogar schon in Duisburg angekommen. Zum einen frage ich mich, was das soll, denn der Kick fand ja in der deutschen 3.Liga statt und nicht im Europapokal. Zum anderen ist es fraglich, wieviel Prozent der Leute im eigenen Block überhaupt in der Lage waren, den Sinn des Spruchbands zu verstehen. Untergegangen wären die Zebras dann ja beinahe selber, wenn der Referee seiner Arbeit regelgerecht nachgegangen wäre.
Nach dem die Blockfahne heruntergezogen wurde, brannte es schön im Block, das sah trotz des Tageslichts ordentlich aus. Abgerundet wurde die Geschichte nach dem Ausglühen der Fackeln mit einem Fähnchen-Meer. Grundsolide Vorstellung mit Sternchen. Auf der guten Seite des Stadions wurden außer dem normalen Kurvenbild optisch keine Besonderheiten angeboten. Leider mittlerweile ein gewohntes Bild, denn die Kurve ist nach wie vor im Optik-Streik aufgrund des bekannten Konflikts mit der Vereinsführung. Die Roten waren dann von Anfang an gut in der Partie und beschäftigten die MSV-Defensive. Zwei brauchbare Chancen blieben ungenutzt. Als Neuzugang Müsel dann im Sechzehner gelegt wurde, blieb die Pfeife des Spielleiters das erste Mal entscheidend stumm, obwohl er beste Sicht auf das Geschehen hatte, wie sein Kollege in vergleichbarer Situation vor zwei Wochen auch schon. Von den Gästen war nicht viel zu sehen, erst recht keine Torgelegenheiten. Der RWE blieb auch nach dem Seitenwechsel das spielbestimmende Team. Isi Young hätte seine Farben nach einer schönen Einzelleistung beinahe in Führung geschossen, aber er ist halt kein Torjäger und der gut aufgelegte Gäste-Schnapper lenkte die Kirsche über die Querlatte. Kurz danach war es aber soweit. Wieder musste eine Standardsituation herhalten und der Ball wurde nach einem Freistoß förmlich ins Netz gezwungen. Im dritten Versuch war die Murmel drin – Alonso bewies letztlich Abstauberqualitäten.
Leider versäumten es die Roten, dann den Deckel drauf zu machen. Daran hatte nach meinem Erachten auch wieder Übungsleiter Dabrowski seinen Anteil, denn erneut wurde viel zu spät ausgewechselt, obwohl einige Akteure auf dem tiefen Boden sichtlich schwere Beine bekamen. Spielentscheidend war aber ein erneuter Fehlgriff des Referees, der in der Schlussphase am linken Sechzehner-Ecke gegen Wiegel ein Foulspiel pfiff, das er wohl exklusiv gesehen hatte. Dass Stoppelkamp ein exzellenter Freistoßschütze ist, sollte sich auch bis an die Hafenstraße herumgesprochen haben. Warum Kefkir dann einen Schritt aus der Zwei-Mann-Mauer machte und dem MSV-Kunstschützen damit die Schussbahn zum Ausgleich öffnete, wird sein Geheimnis bleiben. Ausgleich also mit der annähernd ersten richtigen Tormöglichkeit. Wenn es ganz dumm gekommen wäre, ging die Partie noch ganz verloren, denn in der Nachspielzeit eröffnete sich noch eine gute Konterchance für die Gestreiften. Der MSV nimmt einen glücklichen Punkt mit an die Wedau und der glorreiche RWE gibt in dieser Saison mal wieder zu viele Punkte in der Schlussphase ab. Auch an der Abschlussschwäche muss dringend gearbeitet werden, sonst kann die Luft schnell dünne werden.