Felcsút – Sa., 12.11.2022, 14:15

Puskás Akadémia FC vs Debreceni Vasutas SC 2:1

Pancho Arena, 1.670 Zuschauer, Nemzeti Bajnokság I
Da der glorreiche RWE erst am Montag an der legendären Grünwalder Straße anzutreten hatte, eröffnete sich die Möglichkeit für eine kleine Wochenend-Tour. Am Freitag schwebte ich in der ungarischen Hauptstadt ein und traf mit meinem Doktor aus dem Saarland zusammen. Nach einem gerstenreichen Abend in einer zweifelhaften Spelunke, trennten sich am Morgen erst einmal unsere Wege. Der Mediziner reiste nach Pacs, während ich den öffentlichen Nahverkehr bemühte, um mit zwei Umstiegen ins 40 Kilometer westlich von Budapest gelegene Felcsut zu gelangen. In Felcsut befindet sich die ‚Pancho Arena‘, ein wirklich spezieller Stadionbau mit einer aufwendigen hölzernen Dachkonstruktion und einer einzigartigen Fassade, die fast an einen buddhistischen Tempel erinnert. In diesem spektakulären kleinen Stadion wird Erstliga-Fußball gespielt. Das dort ansässige Team ist benannt nach dem wohl größten ungarischen Fußballer, der sich vermutlich im Grabe umdrehen würde, wenn er wüsste, für welches Projekt sein Name missbraucht wird. Der Puskas Akademia FC ist eigentlich gar kein richtiger Verein, sondern aus der Jugendabteilung des Liga-Rivalen Fehervar FC entstanden. Da der PAFC vor einigen Jahren die höchste Spielklasse erreichte, in der ja auch der Stammverein aktiv ist, der immer noch eine Art Aufsichtsrecht über die Akademie ausübt, spielen also nun zwei Teams in der Liga, die auch heute noch in irgendeiner Form miteinander verbunden sind. Wie das dem Wettbewerb genügt, vermag ich nicht zu beurteilen.
Felcsut ist ein kleines Dorf mit nicht einmal 2000 Einwohnern und hier steht also ein schickes Stadion, dessen Bau vermutlich nicht billig war, zumal auch noch eine umfassende Sport-Infrastruktur existiert. Felcsut ist auch der Heimatort des ungarischen Staats-Despoten Viktor Orban. Dass es diesen Verein auf und mit diesem Niveau ohne die Förderung das Staatspräsidenten nicht geben würde, ist ein offenes Geheimnis. Jedenfalls erscheint dieses Produkt reichlich sinnlos, auch wenn der ‚Verein‘ sportlich eine ordentliche Rolle spielt. Interessieren tut das nämlich eher keinen. Die offizielle vierstellige Zuschauerzahl zweifle ich an und wenn nicht gut 100 Anhänger des Eisenbahner-Vereins aus dem Osten des Landes angereist wären, die etwas Atmosphäre anzettelten, wäre ich vermutlich eingepennt, da die Nummer sonst die Attraktivität eines drittklassigen Handball-Testspiels hatte. Passend dazu wurde von auf Heimseite von ein paar Kids nervtötend rumgetrötet. Ungefähr so hatte ich das alles auch erwartet, aber dieses ungewöhnliche Stadion muss man ja mal gesehen haben. Mit einem Last Minute-Sieg behielt Puskas‘ Gefolgschaft die Zähler nicht ganz unverdient im Dorf und ich machte mich bewaffnet mit einer Büchse ‚Soproni‘ von der Tankstelle – dieses Mal ohne Umstieg – mit dem Regionalbus auf den Rückweg nach Budapest, wo ich mich mit meinem Leibarzt zur flüssigen Diagnostik im selben merkwürdigen Etablissement des Vorabend wieder vereinigte.