Turda – Sa., 08.10.2022, 11:00

ACS Sticla Ariesul Turda vs FC Viitorul Mihai Georgescu Cluj-Napoca 3:2

Stadionul Minucipal din Turda, 75 Zuschauer, Liga a 4-a Cluj
In der aktuellen Saison genießt der glorreiche RWE absolute Priorität, daher kommt die große, weite Fußballwelt etwas zu kurz. Wann immer es aber die Ansetzungen des Herzensclubs erlauben, versuche ich aber einen kleinen Ausflug zu stricken und für das hiesige Wochenende ergab sich die Chance für einen kleinen Hüpfer nach Siebenbürgen, da Wizz entsprechende Verbindungen anbot, die mit meinen beruflichen Verpflichtungen und dem Auswärtsspiel des Deutschen Meisters von 1955 in Einklang standen. Spät ging es am Freitag ab Köln nach Cluj, wo ich bedingt durch die einstündige Zeitverschiebung noch später als spät eintraf. Dementsprechend kurz war die Nacht und unausgeschlafen machte ich mich per Taxi-Minibus-Kombi auf den Weg ins nahe Turda. Mit ausreichend Zeitpuffer spazierte ich eine knappe Stunde bis zum örtlichen Fußballstadion. Ich wusste vorher, dass dieses seine besten Jahre schon hinter sich hatte, aber was sich meinem trüben Blicke dann bot, verzauberte mich vollends. In den unteren Ligen Rumäniens (und auch Bulgariens) schlummern ja so einige Schätzchen, aber dieses zerschossene Rund schloss ich direkt fest in mein Fußballherz. Man vermag es kaum bildhaft genug zu beschreiben.
Die Stufen schief und krumm mit Stolperfallen en masse, die Sitzschalen völlig ausgeblichen und verzogen, die Mauer zum Spielfeld schien, als ob diese jede Sekunde umfallen würde und auf der Mauerkrone befindet sich ein traumhafter Zier-Schmiedezaun, der in den schönsten Korrosionsfarben leuchtet. Ein wahres Stadion-Fossil. Mit zwei Dosen ‚Ursus‘ bewaffnet setzte ich mich erst einmal in die Kurve und genoss das Gesamterlebnis. Viertklassiger Fußball wurde hier bei – natürlich – freiem Eintritt geboten, der sogar leidlich gut anzuschauen und mit fünf Toren auch entsprechend garniert war. Die beiden sperrigen Vereinsnamen passten ganz gut zu diesem außergewöhnlichen Spielort. Der Namensteil ‚Sticla‘ beim Gastgeber-Club stammt von der ortsansässigen Glashütte, welche den Verein lange Jahre finanziell stützte, die aber mittlerweile bankrott ist. Ariesul hat nie höher gespielt als zweitklassig, es aber in den 60er Jahren dennoch geschafft, den Landespokal zu gewinnen. Die Gastgeber gingen mit zwei Toren in Führung, schenkten diese aber nach der Halbzeit schnell wieder her, erzielten aber zehn Minuten vor dem Ende noch den Siegtreffer. Der Rundgang durch das herrlich verwilderte Rund offenbarte aber auch die für diese Länder typischen Schattenseiten, nämlich völlig vermüllte Nischen unter den Rängen. Das schmälerte aber nicht den gesamten Eindruck und zufrieden machte ich mich auf den Rückweg nach Cluj.