Berlin – Sa., 04.12.2021, 16:00

Berliner FC Dynamo vs 1. FC Lokomotive Leipzig 1:2

Sportforum Hohenschönhausen, 1.415 Zuschauer, Regionalliga Nordost
Mit der Entscheidung an diesem Wochenende Berlin anzusteuern, habe ich mich echt schwer getan. BFC gegen Lok ist sicherlich keine schlechte Spielpaarung, aber dadurch, dass keine Gäste erlaubt wurden, war die Nummer dann schon wieder nur noch die Hälfte wert. Außerdem stand eigentlich bis in den Vormittag hinein gar nicht mal fest, ob wirklich angepfiffen würde, da der durch Corona und Verletzungen ausgedünnte Loksche Spielerkader, gerade noch 15 Mann umfasste. Man zeigte sich aber sportlich, suchte keine Lücke im Regelwerk und trat auch mit dem Rumpf-Team an. Chapeau! Das hat man in der vergangenen Saison in einer anderen Regionalliga bei der U23 einer nicht näher benannten Aktiengesellschaft aus Dortmund auch schon anders erlebt. Der BFC Dynamo spielt diese Saison ja in seiner angestammten Heimstatt in Hohenschönhausen und ist als Tabellenführer stark aufstiegsgefährdet. Dass bei einer etwaigen Drittliga-Teilnahme weiter im Sportforum gespielt werden darf, ist aber äußerst unsicher. Wahrscheinlicher ist ein Ausweichen in den Jahn-Sportpark, daher entschied ich mich dann doch zur Anreise, auch wenn mir das geplante erste Spiel des Tages – Blau-Weiß 90 im Mariendorfer Volksparkstadion – schon längst durch die Entscheidung des NOFV, den Spielbetrieb auszusetzen, genommen worden war. Zumindest war dann kein frühes Aufstehen nötig und als erklärter Autobahn-Hasser fahre ich die A2 ja noch ganz gern, abgesehen von der etwas kritischen Passage zwischen Bad Oeynhausen und Wunstorf, die ja immer eine latente Staugefahr birgt. Heute aber nicht und so traf ich auch zeitig in Hohenschönhausen ein.
So unspektakulär das Stadion mit seinen flachen Rängen und der beinahe nicht vorhandenen Überdachung auch ist, umweht das betagte Rund, in dem Erich Mielke seinen Lieblingsclub zum DDR-Rekordmeister korrumpiert hat, doch irgendwie ein (n)ostalgischer Zonen-Mythos. Das Stadion ist eigentlich ganz gut in Schuss, lediglich die Stufen beider Kurven können sich eines kleinen Natureinflusses nicht erwehren. Da die Ultra-Szene des BFC eher überschaubar und das Stadion baulich natürlich kein Hexenkessel ist, wurde es nur laut, wenn klassische BFC-Schlachtrufe der Alteingesessenen und Traditionalisten durch das Sportforum hallten. Das BFC-Publikum zeigt einen Schnitt durch alle Schichten, kann sich des Vorurteils rechten Einschlags allerdings auch nicht ganz entledigen, was aber bekanntermaßen auch bei vielen anderen Ostvereinen ein latentes Problem darstellt. Dynamo als Club mit ausschließlich rechts ausgerichtetem Publikum abzuurteilen, erscheint mir dennoch zu eindimensional. Da die Konkurrenz derzeit schwächelt, hätten sich die Hauptstädter heute prima etwas vom Feld absetzen können. Allerding stand da eine gut aufgestellte Lok im Weg, welche ihrerseits die Chance nutzte, den Rückstand zur Tabellenspitze zu verkürzen. Mit einer Niederlage hätten sich die Sachsen wohl aus dem Titelrennen verabschiedet. Der 2:1-Sieg geriet durchaus etwas glücklich, war aber unter den bestehenden Bedingungen nicht unverdient. Die Erkenntnis des Tages war, dass ich bei einem Fußballspiel lange nicht mehr so gefröstelt habe. Ein dauerhafter leichter Wind konnte ungehindert durch das flache Oval ziehen und kroch mir bei gerade einmal drei Grad tief in die Fransen.