Mi., 14.07.2021, 19:00

Rot-Weiss Essen vs 1.FC Bocholt 2:0

Stadion Essen, 2.500 Zuschauer, Testspiel
514 Tage hat es gedauert bis ich den glorreichen RWE mal wieder in einem Heimspiel sehen konnte. Dummerweise an einem Tag, an dem auch circa 514 Liter Regen pro Quadratmeter fiel. Halbwegs günstig geparkt, kam ich beschirmt noch einigermaßen trockenen Fußes am Stadion an, um an der Einlassschleuse bemerken zu dürfen, dass ich den unsäglichen Mund-Nasen-Schutz im Auto vergessen hatte. Also wieder zurück und wieder hin und bei diesem Regen der Marke Massagestrahl war ich dann nach der Zugabe chancenlos. Aber Fußball muss auch mal weh tun bzw klatschnass sein. Marcel ‚Platzo‘ Platzek, der zehn Jahre für den Deutschen Meister von 1955 die Schuhe schnürte, und Kevin Grund, der sogar elf Jahre lang die Knochen hinhielt, hatten sich entschlossen, den Verein wegen geringer werdender Einsatzzeiten und dem Karriereende näher kommend zu verlassen. Zwei absolut authentische und echte Rot-Weisse, die sich einen ordentlichen Abschied verdient hatten. Was lag da näher, als ein Spiel gegen den neuen Verein, den ambitionierten Oberligisten aus dem Westmünsterland. Der 1.FC hat ein klares Aufstiegsziel und eine entsprechende Mannschaft beisammen. Gut möglich, dass wir unsere beiden Krieger also noch einmal wieder sehen. Hoffen tue ich das nicht, hieße es doch auch in der nächsten Saison noch viertklassig zu sein. Zukunftsmusik – die Realität zeigte eine auf vielen Positionen veränderte Mannschaft, die sich natürlich erst noch finden muss. Die neuen Angestellten ließen aber durchaus erahnen, das sie das Team verstärken können. Der Platz war hinsichtlich der Wassermassen in erstaunlich gutem Zustand, lediglich die Drainage vor der Gegentribüne kam an ihre Grenzen, was einige Slapstick-Einlagen begünstigte. Die Gäste spielten aber sehr ordentlich mit, auch wenn die Roten insgesamt mehr vom Spiel hatten. Viele Torchancen kamen nicht zustanden, weder hüben noch drüben, die beste Möglichkeit hatte noch der Gast mit einem brachialen Pfostenknaller in Hälfte zwei. Als kleiner Gag wurden die beiden Haupt-Protagonisten zehn Minuten vor dem Ende aus dem Gäste-Team genommen und nach kurzem Trikotwechsel ins RWE-Team eingewechselt. Als sich alle mit dem torlosen Remis abgefunden hatten, packte David Sauerland den Hammer aus und erzielte drei Minuten vor dem Ende mit einem sehenswerten Schuss den etwas glücklichen Führungstreffer. Und weil der Fußball manchmal doch schöne Geschichten schreibt, bewies Platzo in der Schlussminute noch sein Näschen und staubte zum 2:0 ab. Nach dem Abpfiff bekamen die beiden dann noch den gebührenden Abschied vom rot-weissen Anhang.