Dienstag, 06.10.2020, 19:30

Bonners SC vs Rot-Weiss Essen

Stadion Bonn im Sportpark Nord, 569 Zuschauer, Regionalliga West
Am zweiten Sonntag im März sah ich den glorreichen RWE zum letzten Mal in einem Pflichtspiel und zwar auswärts beim Bonner SC. Heute schloss sich dieser Kreis, denn erneut trat der Deutsche Meister von 1955 im Sportpark Nord der ehemaligen Bundeshauptstadt an. Gäste-Fans sind aktuell ja eigentlich nicht zugelassen, das Einlassprozedere stellte sich aber als unkompliziert heraus, so dass der Teilnahme an diesem Spiel nichts mehr im Wege stand. Im Stadion konnte hinter den Gesichtsmasken dann das eine oder andere bekannte Augenpaar erkannt werden. Der RWE begann im Bonner Nieselregen stark. Die Anfangsviertelstunde war wohl die beste Phase der Gäste und in dieser hätte mindestens ein Tor fallen müssen, aber die Chancenverwertung bleibt offensichtlich ein latentes Manko. Der BSC kam dann etwas besser ins Spiel ohne dass sich an der Überlegenheit der Roten groß etwas änderte. Ganz so zwingend wie zu Beginn war das Auftreten nicht mehr, der Führungstreffer durch Kefkir nach etwas mehr als einer halben Stunde aber irgendwie dennoch eine logische Folge aus dem Spielverlauf. Beim Treffer sprangen dann etwas mehr als zwei Dutzend Leute auf und spätestens jetzt war klar, dass es eine kleine RWE-Abordnung in den Sportpark Nord geschafft hatte. Nach dem Seitenwechsel traten die Gastgeber dann mutiger auf. Mussten sie ja auch, wenn noch etwas Zählbares erreicht werden sollte. Der RWE brauchte zehn bis fünfzehn Minuten um sich auf die offensivere Ausrichtung einzustellen, danach war das Geschehen aber großenteils unter Kontrolle. Die Qualität der Mannschaft zeigt sich auch durch die Stabilität, die nun notwendig war. Hinten brannte nicht viel an, das Mittelfeld wurde einige Male mit flüssigen Kombinationen überbrückt und vorne gab es zwar weniger Chancen als im ersten Durchgang, aber einige Möglichkeiten wurden kreiert. Zwei, drei Dinger rauschten gefährlich nah am Kasten von RWE-Schlussmann Davari vorbei, direkt auf das Tor kam aber nichts Gefährliches. Dass man dann doch bis zum Schlusspfiff um den Sieg fürchten musste, lag weniger an den Gastgebern, als am fehlenden zweiten Treffer für die Roten. Ein glücklicher Moment hätte dem BSC ja schon gereicht. Den gab es aber nicht, weil das Essener Team bis zum Ende konzentriert zu Werke ginge. So stand unter dem Strich ein knapper, aber sicherlich verdienter Sieg. Tja, ein wirklich erquickendes Erlebnis war das aber nun nicht. Klar ist es schön, seine Mannschaft mal wieder spielen zu sehen und emotional war ich auch dabei, aber das ist natürlich nicht der Fußball, den man sich wünscht. Man kann kaum mit seinen Leuten zusammen sitzen, erst recht nicht stehen und Atmosphäre natürlich völlige Fehlanzeige. Das Bonner Publikum, das ja nun eh keine wirklich ernst zunehmende Fan-Szene stellt, versuchte es regelmäßig mit Anfeuerung im Handball-Stil. Die versprengte Essener Abordnung traute sich in der Schluß-Viertelstunde mal den einen oder anderen Gesang anzustimmen, aber über Testspiel-Atmo ging das alles nicht raus. An drei erreichten Punkten ändert das aber auch nichts und so hat sich der RWE nun in der Spitzengruppe der Liga eingefunden. Leider machten die schlechten Lichtverhältnisse in der feuchten Witterung das Fotografieren zu einer Herausforderung