Sonntag, 08.12.2019, 12:30

italien

Unione Sportiva Lecce vs Genoa CFC 2:2

Stadio Ettore Giardiniero di Via del Mare, 21.740 Zuschauer, Serie A

191208lecce-genoa

Lecce liegt weit südlich im Salento, dem Stiefelabsatz des italienischen Festlandes. Die Sportvereinigung Lecce ist nach mehreren Jahren in die Serie A zurückgekehrt. Aufgrund der Beteiligung an Spielmanipulationen wurde der Verein vor einigen Jahren in die Serie C strafversetzt. Nach dem Aufstieg in die Serie B im vergangenen Jahr rauschte der Club durch dieselbe und meldete sich nun wieder im Oberhaus zurück. Auf Lecce hatte ich schon in den vergangenen Jahren immer mal ein Auge geworfen, nun sollte ein Besuch also endlich verwirklicht werden. Stadio Ettore Giardiniero di Via del Mare heißt der Heimspielort von US Lecce mit vollem Namen. Ein ansehnliches, schon etwas ergrautes Mehrzweck-Rund mit einem aktuellen Fassungsvermögen von knapp 32.000. Wenn man sich die nagelneuen Sitzschalen, die der weitläufigen Spielstätte ein frisches Aussehen verleihen, wegdenkt, könnte man diese so auch auf dem afrikanischen Kontinent vermuten. Der Verein genießt breiten Rückhalt im ganzen Salento, wie einige Banner verrieten. Die Curva Nord gab mit einem Fahnenmeer in Rot und Gelb ein gutes Bild ab. Auch akustisch hat es mir gut gefallen. Hohe Mitmachquote und gute Lautstärke, was unter Berücksichtigung eines fehlenden Daches höher zu bewerten ist. Ist ja nicht so einfach, einen guten Sound zu entwickeln, wenn kein Dach für den Widerhall vorhanden ist. Aus Ligurien waren knapp 200 Genovesi angereist. Hut ab, über 1.000 Kilometer liegen beide Städte auseinander. Die Genoa-Tifosi hatten drei Schwenker im Gepäck und supporteten ihr Team nach Kräften. Die Gäste zeigten sich in den ersten 20 Minuten bärenstark, so dass man sich fragen musste, warum das Team auf einem Abstiegsrang steht. Lecce, das bis dato ordentliche Saison spielt und sich beharrlich über dem Strich hält, kam gar nicht zur Entfaltung und hatte viele Fehlpässe und einfache Ballverluste zu beklagen. So kam das Führungstor auch nicht sehr überraschend. Was für ein irrer Treffer – der Schlussmann der Leccesi musste den Strafraum verlassen, um einen Konter in höchster Not zu klären. Der Befreiungsschlag geriet aber viel zu kurz und ein Gästespieler beförderte die Kirsche aus über 40 Metern volley ins Netz. Die Gastgeber konnten sich danach befreien, aber mit dem Halbzeitpfiff fiel das zweite Tor für die Ligurier durch einen wohl zweifelhaften Foulelfmeter. Komfortable Halbzeit-Führung, das sah nicht gut aus für die Giallo-Rossi, die auch nach dem Seitenwechsel ihren Rhythmus nicht fanden. Es bedurfte einer Initialzündung und die kam auch in Form des unerwarteten Anschlusstreffers aus dem Nichts nach einer guten Stunde Spielzeit. Zehn Minuten danach wurde ein Genovesi mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen und der Mann war noch nicht in der Kabine angekommen, als auch schon der Ausgleich fiel. Zehn vor dem regulären Ende gab es einen weiteren Platzverweis gegen einen Gäste-Akteur und das war das endgültige Signal zur Schlussoffensive. Die Unione Sportiva schnürte das Gäste-Team nun in deren Hälfte ein. In den Schlussminuten gab es gefühlte dreißig Ecken für die Heim-Mannschaft, aber ein Treffer wollte nicht mehr fallen. Das wäre des Guten auch zu viel gewesen, denn der Genoa Cricket and Footballclub, ältester noch existierender italienischer Fußballclub, von englischen Zuwanderern gegründet, verdiente sich den Punkt mit einer insgesamt couragierten Leistung. Sechs Remis hat US Lecce nun in dieser Saison bisher gespielt, davon vier mal ein 2:2 – scheint sich zum bevorzugten Resultat zu entwickeln. Mir ist der Club recht sympathisch und ich wünsche ihm den Klassenerhalt in einer Region, die wirtschaftlich und sportlich sonst nicht sehr verwöhnt wird.