Samstag, 06.04.2019, 16:00

libanon

Al-Ansar vs Nejmeh Club 0:1

Cité Sportive Camille Chamoun, 10.000 Zuschauer, Premier League

190406nejmeh-ansar

Das Spiel zwischen Al Nejmeh und Al Ansar ist das brisanteste Duell des Libanon. Mit dem Entschluss dieses anzupeilen, wurde nach Begleitern gesucht, die in Tobias und Sebastian dann auch gefunden wurden. Nach der Flugbuchung war dann die Hauptaufgabe zu hoffen, dass die Ansetzung stabil bleibt, denn Spieltermine sind ja in der arabischen Welt meist nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt werden. Überraschenderweise war dem aber so. Wir wählten den Fußweg, um zum Stadion zu kommen, an dem wir dann etwas mehr als eine Stunde vorm Spiel ankamen. So recht war mir nicht klar, was zu erwarten war. Den Titelkampf hatte Al Nejmeh durch eine Schwächephase längst an die graue Hauptstadt-Maus Al Ahed verloren, so dass das heutige Prestige-Duell gegen den Erzrivalen, das letzte Liga-Highlight war. Allerdings ergab sich mittlerweile, dass dieselbe Paarung nur wenige Wochen später im Pokal-Halbfinale ein weiteres Mal stattfinden sollte, wo es dann sicher noch heißer zugehen würde. Viel war auch noch nicht los – am präsentesten war eigentlich das Militär, das mit mehreren Panzerfahrzeugen angerückt war. Obwohl Al Ansar Gastgeber war, wurde das Spiel aus Sicherheitsgründen in das knapp 50tsd Zuschauer fassenden Nationalstadion ‚Cité Sportive Camille Chamoun‘ verlegt. Dieses ist eigentlich die Spielstätte von Al Nejmeh, was übersetzt ‚Stern‘ bedeutet, das damit ein Heimspiel geschenkt bekam. Die Riesenbude ist natürlich völlig überdimensioniert für Liga-Spiele, auch für das Derby. Gut 10tsd Leute versammelten sich schließlich mit einem Verhältnis von etwa 60:40 für die Gastgeber, da hatte ich doch zumindest ein paar Tausend mehr erhofft. Nejmeh gegen Ansar bedeutet übrigens auch Schiiten gegen Sunniten. In beiden Kurven sonderten sich Gruppen intern ab, wie man es ja eher aus europäischen Ländern kennt. Bei den nominellen Gastgebern waren das die ‚Ansari 18‘ und bei Nejmeh die ‚Ultras Supernova‘. Diese Gruppen zogen ihr eigenes Ding durch, wobei aber zumindest die Ansari, ein recht überschaubarer Haufen von vielleicht 50 Leuten, noch in der Lage war mit der Masse zusammenzuarbeiten. Die über 150 Personen starken ‚Ultras Supernova‘ waren da deutlich autarker unterwegs. Das Intro auf Seiten von Nejmeh war dann gar nicht so übel. Viel roter Rauch zog durch die Kurve und eine kleine Choreo gab es auch. Die Nejmeh-Ultras zeigten mit einem überdimensionalen, den Stinkefinger zeigenden Sensenmann, was sie von den ‚UA18‘, den Ansari, halten. Ansari werden übrigens auch die Anhänger des Propheten Mohammed genannt und grün, die Vereinsfarbe, ist ja ebenfalls die Farbe des Propheten, das passte also zusammen. Die Grünen brachten zum Beginn große Spruchbänder in arabischer Würmchen-Schrift und ein paar dünne grüne Rauchfahnen ans Tageslicht. Spielerisch war es nicht gut und nicht schlecht, irgendwo im Regionalliga-Mittelmaß angesiedelt. Nejmeh spielte überlegen, aber die wenigen guten Torchancen wurden kläglich vergeben oder vom guten Ansar-Schlussmann vereitelt. In der Kurve der Sterne gab es dann immer wieder Stress untereinander. Ultras gegen normale Zuschauer und normale Zuschauer unter sich ließen die Fäuste und Füße fliegen. Aufmerksam beobachtet vom auf der Laufbahn postierten Militär, das aber nicht wirklich eingriff. Sind schon ein komisches Volk, die kleinen Libanesen. Im normalen Umgang freundliche Menschen, aber wenn es um Ehre geht, rasten die komplett aus. Auch zum Beginn der zweiten Hälfte wurde optisch was geboten. ‚Supernova‘ zeigte eine schöne Fackel-Show und in der Ansar-Curva wurden in der ersten Reihe gut zwei Dutzend Fackeln gezündet. Anschließend stieg orangefarbener Rauch aus dem Graben zur Laufbahn auf. Auf dem Rasen wurde es nicht besser, eher andersrum. Ein paar Flitzer brachten etwas Abwechslung und als wir uns langsam mit einem torlosen Spiel abfinden wollten, ertönte ein zweifelhafter Elfer-Pfiff zugunsten der Sterne, der in den kommenden zehn Minuten für Unterhaltung sorgen sollte. Denn so lange dauerte es, bis der Strafstoß letztlich ausgeführt wurde. Nachdem endlos lange Diskussionen der Spieler mit dem Referee beendet waren, stiefelte dann allen Ernstes der Präsident von Al Ansar auf das Feld und stellte den Schiedsrichter minutenlang zur Rede. Comedy as its best aber es bleib letztlich bei der Entscheidung, die den Treffer des Tages brachte und erneut wurden Fackeln und Rauch in den Himmel geblasen. Die Unparteiischen genossen beim Verlassen dann Vollschutz durch das Militär, das auf der Haupttribüne, wo sich eigentlich eher gemäßigte Anhänger beider Clubs noch in die Haare bekamen, noch etwas das Migränestäbchen kreisen ließ. Als sich alles beruhigt hatte, verließen auch wir das weite Rund. An der Kreuzung vor dem Ground gab es noch ein wenig Stress, aber das Militär sorgte für Ruhe und wir latschten per pedes zu unserer Unterkunft.