Sonntag, 07.04.2019, 16:00

libanon

Racing Club vs Bekaa SC 3:1

Stade Fouad Chehab, 200 Zuschauer, Premier League

190407racing-bekaa

Das führte natürlich zu einer erneut großzügigen Auslegung des Aufsteh-Plans. So wurde es wieder deutlich nach elf, bis wir endlich mal los machten. Das erstbeste Taxi wurde gestoppt und der Fahrer mit dem Ziel ‚Corniche‘ konfrontiert. Er nannte einen Preis von zwölf US-Dollar, wir wollten aber nur zehn geben und er willigte mit eher unzufriedenem  Gesichtsausdruck ein. War zwar vermutlich immer noch zu teuer, aber geteilt durch drei ist die Feilscherei um einen oder zwei Dollar die verbrannte Energie nicht wert. Am Ziel wollten wir dann in libanesischem Gerümpel zahlen und drückten ihm gemäß der Umrechnung 15000 Pfund in die Hand, worauf er meinte, es müssten aber 1000 mehr sein. Als wir dann in der Hosentasche nach der Kohle kramten, sagte er plötzlich irgendwas wie „Ach komm, lass stecken, keine Zeit, ich muss weg!“ und ehe wir uns versahen, war er schon um die Ecke und verschwunden. Man muss sie einfach lieb haben, die kleinen Araber. Vor der Promenadenstraße, die sich an der Landspitze entlang zieht, liegen die Raouche-Felsen im Wasser. In den größeren der beiden Felsen, hat das Meer ein Tor gespült. Nichts Hoch-Spektakuläres, aber ganz nett anzusehen. So glotzten wir also diese Felsformation an, latschten noch ein Stück Promenade entlang und bogen dann stadteinwärts auf der Suche nach Nahrung ab. Fündig wurden wir in einem Fastfood-Grillrestaurant. Good value for money, heißt es in solchen Fällen wohl in den klassischen Travelleraffen-Reiseführern, denn für überschaubaren finanziellen Einsatz gab es mächtige Portionen. Da es auf 14 Uhr zuging, wurde es Zeit mal das Tagesziel anzusteuern. Jounieh hieß dieses und Uber half uns, eine günstige Anreisemöglichkeit zu finden. Für umgerechnet 16 Euro fuhren wir die knapp 25 Kilometer die Küste nordwärts. Bei dem verkehrsbedingten Zeitaufwand hat man da ja schon beinahe ein schlechtes Gewissen. Kurz die Lage am Stadion gecheckt und dann noch zwei ‘Beirut’ aus dem Kühlschrank des nahen Minimarktes gerissen, die am Mittelmeer-Ufer vertilgt wurden.
Stade Fouad Chehab ist der Name der Spielstätte von Racing Beirut, einem christlicher Club. Außer einer im mittleren Bereich überdachten, recht großen Tribüne verfügt das Teil über keinen Ausbau. In Symbiose aus zeitlichem und finanziellem Aufwand und unter Betrachtung der Sinnfrage, war dieser Kick die beste Lösung für den heutigen Tag. Vielleicht 200 Zuschauer kamen, um die Veranstaltung zu beobachten, die dank einfach zu bespielendem Kunstgras-Geläuf vor allem in Hälfte eins, in der auch alle vier Tore fielen, gar nicht so schlecht war. Tobias machte sich in der Halbzeit auf, um ein paar Gerstensäfte rein zu schmuggeln, was auch gelang. Top Job, mein Lieber! Eine Support-Fraktion gab es auch. Eine aus Trompeten und Trommeln bestehende Kapelle machte eine Art Karnevalsstimmung und ein ergrauter älterer Mann vergewaltigte ein Megafon nach allen Regeln der (Un)Kunst. Trainer der Gastgeber war übrigens Roda Antar, ein alter Bekannter aus der Bundesliga, der beim HSV, in Freiburg und Köln kickte.
Für den Rückweg nach Beirut wurde wieder Herr Uber um Rat gefragt. Dafür war erst mal ein WLAN-Spot nötig. Das nahe Restaurant und das KFC versagten auf ganzer Linie, aber in einem Hotel war man so freundlich, uns den Zugang in die virtuelle Welt zu gewähren. Der Fahrer war dann absoluter Meister seines Fachs, denn die Küsten-Schnellstraße nach Beirut war völlig verstopft. Auf unfassbaren Schleichwegen brachte uns der Mann zügig ans Ziel. Viel passierte dann nicht mehr. Im Minimarkt nebenan waren wir ja schon Stammkunden und Sebastian und ich gingen noch eine Kleinigkeit essen. Um halb zehn legten wir uns ab, denn um 2 Uhr holte uns unser Taxi-Buddy Samara schon wieder ab, um uns zum Flughafen zu bringen. Sebastian bekam bei der Passkontrolle wieder die Sonderbehandlung, durfte aber ausreisen. Sollen doch auch froh sein, dass sie den los sind, den schäbigen Israel-Sympathisanten! Etwas verspätet kamen wir in Frankfurt an, wo Sebastian verabschiedet wurde. Tobias und ich konnten einen früheren Zug bekommen, so dass wir schon um 9 Uhr wieder in Köln eintrafen. Tobias fuhr zur Arbeit, ich nach Hause. Gut, dass ich den Tag frei nehmen musste, um den Resturlaub zu verbrauchen. Die Reserven waren nach den kurzen und versoffenen Nächten völlig verraucht.